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	<title>Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-06-23T20:00:23Z</updated>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Deutungsrahmen&amp;diff=1662158</id>
		<title>Deutungsrahmen</title>
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		<updated>2025-02-15T22:10:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;41.66.99.125: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Deutungsrahmen&#039;&#039;&#039; (auch &#039;&#039;&#039;Deutungsmuster&#039;&#039;&#039; oder &#039;&#039;&#039;Deutungsraster&#039;&#039;&#039;) sind [[Gesellschaft (Soziologie)|gesellschaftlich]] verbreitete und [[Individuum|individuell]] angeeignete Wissensstrukturen, auf die Prozesse des [[Verstehen]]s aufbauen. Deutungsrahmen sind vor allem auch für das Verständnis von sprachlicher [[Kommunikation]] bedeutsam, indem sie in der meist ungenauen [[Alltag]]skommunikation das Gesagte oder Geschriebene mit [[Kontext (Sprachwissenschaft)|Kontextinformationen]] anreichern, die ihm erst seinen vollen Sinn verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der individuellen Ebene betrachtet sind Deutungsrahmen [[Geist|mentale]] [[Repräsentation (Psychologie)|Repräsentationen]] der Welt. Sie prägen unsere [[Wahrnehmung]] des gesellschaftlichen Umfeldes und der Bedeutung, Sinnhaftigkeit und Einordnung sozialer [[Soziales Handeln|Handlungen]] anderer Personen, aber auch der [[Wirklichkeit]] insgesamt, indem sie [[Sinn (Wahrnehmung)|Sinneseindrücken]] und Erfahrungen eine bedeutsame Struktur zuordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer [[sozial]]en Ebene betrachtet prägen Deutungsrahmen, was bestimmte [[Gemeinschaft]]en in ihrem Sprachgebrauch als allgemeines „Wissen“ behandeln, das heißt, als für sie erfahrungsnahe und legitime Vor- und Darstellung eines bestimmten Ausschnitts der [[Wirklichkeit]]. Deutungsrahmen sind Produkte [[Habitus (Soziologie)|habitualisierter]] sozialer Prozesse und damit einer gesellschaftlichen Dynamik unterworfen. Sie sind [[Geschichte|historisch]] entstandene und veränderbare Elemente einer [[Kultur]], umgekehrt sind sie durch ihre wahrnehmungs- und [[Soziales Handeln|handlungsregulierende]] Funktion aber auch wesentlicher Bestandteil und sinnstiftende Kraft gesellschaftlicher Entwicklungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursprung des Konzepts ==&lt;br /&gt;
Der Begriff der [[Gestaltwahrnehmung]], 1912 von [[Max Wertheimer]] in die [[Sozialpsychologie]] eingeführt, kann als früher Vorläufer des Deutungsrahmen-Konzepts gelten. Der englische Ausdruck &#039;&#039;Frames&#039;&#039; wurde in den [[Sozialwissenschaften]] von [[Gregory Bateson]] geprägt, der die „Rahmung“ (&#039;&#039;[[Framing (Sozialwissenschaften)|framing]]&#039;&#039;) von kommunikativen Handlungen als wesentliche Bedingung für das Gelingen von Verständigung sah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Soziologen [[Erving Goffman]] über [[Frameanalyse]] begann Deutungsrahmen als unverzichtbares Element alltäglicher sozialer Prozesse zu behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Linguistik]] wurde das Konzept durch [[Charles J. Fillmore]] eingeführt, der in seiner [[Frame-Semantik]] eine Alternative zu konventionellen „Checklisten“-Konzeptionen von Wortbedeutungen entwickelte – das heißt, die Zurückweisung der geläufigen Idee, dass sich die „wahre“ Bedeutung eines Wortes aus einer Prüfliste von zutreffenden Eigenschaften einer durch das Wort bezeichneten lexikalischen Kategorie ablesen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Philosophische Untersuchungen|Wittgenstein]] hingegen hat die Bedeutung von Worten als weitaus weniger logisch begründeten Nebeneffekt des eingewöhnten Verwendungszusammenhangs im alltäglichen Sprachgebrauch nachgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Kognitionswissenschaft]] und [[Künstliche Intelligenz|Künstliche-Intelligenz]]-Forschung wurde das „[[Frames (Wissensrepräsentation)|System des Deutungsrahmens]]“ von [[Marvin Minsky]] einflussreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Funktionsweise von Deutungsrahmen ==&lt;br /&gt;
Durch ihre grundlegende und umfassende Bedeutung für Wahrnehmungs- und Verstehensprozesse lassen sich die Funktionsweisen von Deutungsrahmen in mehreren Aspekten beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestandteile und ihre Funktion ===&lt;br /&gt;
Zu einem spezifischen Deutungsrahmen gehören nach [[Charles J. Fillmore|Fillmore]] (1982)&amp;lt;ref&amp;gt;Charles J. Fillmore: &#039;&#039;Frame Semantics.&#039;&#039; In: Linguistic Society of Korea (ed.): Linguistics in the Morning Calm. Selected Papers from SICOL 1981. Seoul: Hanshin, 111–137&amp;lt;/ref&amp;gt; drei Bestandteile:&lt;br /&gt;
* Leerstellen (&#039;&#039;slots&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* Füllelemente (&#039;&#039;fillers&#039;&#039;) und&lt;br /&gt;
* [[Standardannahme|Default]]-Werte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leerstellen sind all jene Elemente, die in einer Kultur oder [[Gemeinschaft]] zu einem bestimmten Deutungsrahmen dazugehören, z.&amp;amp;nbsp;B. beim Deutungsrahmen „Kindergeburtstag“ wären das ein Geburtstagskind, Gäste, Geschenke, eine Torte und typische Aktivitäten. Diese Elemente stehen wechselseitig in einem sinnvollen, durch den Deutungsrahmen definierten Zusammenhang. Der Begriff Leerstellen ergibt sich daraus, dass ein Kindergeburtstag ohne alle diese Elemente nicht vollständig wäre, sie also auf jeden Fall vorhanden sein sollten oder erwartet werden, weil das das [[Kindergeburtstag#Kindergeburtstage in Europa|kulturell etablierte Bild eines Kindergeburtstags]] ausmacht – auch wenn einzelne davon, etwa die Torte, oder ein passendes Geschenk, nur in rudimentärer Form vertreten wären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Füllelemente wären dann alle möglichen Geburtstagskinder, oder Beispiele für z.&amp;amp;nbsp;B. die Leerstelle „typische Aktivitäten“ (Kerzenausblasen, jeweils gerade beliebte Spiele etc.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dritte Art von Elementen gehören zu einem bestimmten Deutungsrahmen Default-Werte, das sind prototypisch erwartbare Füllelemente (Einstellungen) für einzelne Leerstellen. Ihre Funktion liegt darin, dass in alltäglichen Kommunikations- und Verstehensprozessen für all jene Leerstellen, welche Sprechende in ihrem Erzählen nicht extra behandeln, die Zuhörenden jeweils Passendes durch ihr [[Wissenssoziologie|soziales Wissen]] auffüllen, und dadurch erst – im günstigen Fall – die kontextuellen Bezüge der Geschichte verstehen können. Im ungünstigeren Fall, wenn Zuhörende eine andere soziale oder kulturelle Perspektive vertreten, kann dieses Auffüllen von Bedeutungen milieubedingte oder [[Interkulturelle Kommunikation#Interkulturelle Missverständnisse|interkulturelle Missverständnisse]] begründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kennzeichnenden Bestandteile (Leerstellen/Füller) von Deutungsrahmen umfassen neben Gegenständen, Personen und Handlungen auch gesellschaftlich/kulturelle [[Wertvorstellung]]en, [[Soziale Rolle|Rollenverhalten]], legitime Handlungsweisen und andere [[Soziale Norm|normative Aspekte]], wodurch sie zu einem [[Regulativ]] angemessenen Verhaltens werden können (im erwähnten Beispiel: &amp;quot;..wo ist mein Geschenk?&amp;quot;). Tatsächlich sind die meisten, wenn nicht alle sozialen Vorstellungen angemessenen Verhaltens an Deutungsrahmen gebunden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Ähnlich siehe auch bei:&#039;&#039; [[Schema (Psychologie)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kommunikationsprozess ===&lt;br /&gt;
In der Kommunikation funktionieren Deutungsrahmen so, dass jemand, der zu sprechen beginnt, durch eine typische Sprechweise, schlüssige Redehandlung oder andere wiedererkennbare Textelemente andeutet, worauf die Äußerungen hinauslaufen, und damit ein spezifisches soziales Wissen mobilisiert. Zuhörende greifen diese [[Kontextualisierung]]shinweise auf, um aus ihrem [[Gedächtnis]] vorläufig einen passenden Deutungsrahmen zuzuordnen, durch den das Gesagte verständlich wird, so etwa die [[Modalität (Sprachwissenschaft)#Modalität als sprecherbezogene oder pragmatische Kategorie|Modalität als pragmatische Kategorie]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch, dass die zu einem bestimmten Deutungsrahmen gehörenden Inhaltsdimensionen allgemein bekannt sind, können [[Rezeption (Kommunikation)|Rezipierende]] im Gehörten nach mehr oder weniger [[Implizites Wissen|impliziten Hinweisen]] für das Auffüllen der Leerstellen suchen, oder, wenn solche Hinweise fehlen, selbst „Default-Werte“ aus ihrem Gedächtnis ergänzen. Unausgesprochen Mitschwingendes wird so verstehbar, fehlende Elemente als selbstverständlich ergänzt, und Widersprüchliches vereindeutigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rahmungseffekte ===&lt;br /&gt;
Sachverhalte lassen sich in sehr unterschiedliche Rahmungen bringen, dadurch können Sprechende für ihre Darstellung gezielt bestimmte Deutungsrahmen verwenden, welche jeweils eine bestimmte Wahrnehmung dieser Sachverhalte vermitteln. Rahmung bewirkt bei der Vermittlung von Deutungsangeboten vor allem eine Auswahl und Hervorhebung bestimmter Wirklichkeitsaspekte und ist damit ein wichtiges Mittel strategischer Kommunikation und [[Rhetorik]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neurahmungen können in einem Gespräch oder einer Debatte schon beschriebene Sachverhalte in einen gänzlich anderen Sinnzusammenhang bringen, und so ein „Kippen“ der Wahrnehmung bewirken, oft nur durch eine geringe Verschiebung oder Relevanzsetzung von anderen Aspekten, von Werten oder Vorstellungen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Siehe auch:&#039;&#039; [[Kippfigur]] bei Änderung des Bedeutungshintergrundes im Sinne der [[Figur-Grund-Wahrnehmung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutungsrahmen in der politischen Kommunikation ==&lt;br /&gt;
In der Untersuchung von politischer Kommunikation und der [[Medienwirkungsforschung]] ist das Konzept der Deutungsrahmen ein Schlüsselkonzept geworden (Entman 1993, Scheufele 1999), um zu erklären, wie über die [[Massenmedien]] verbreitete politische [[Nachricht|Botschaften]] das öffentliche Verständnis von politischer [[Realität]] beeinflussen (Gamson 1992, Gotsbachner 2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Politik]] wird von einem symbolischen Kampf um gesellschaftliche Bedeutungen bestimmt, durch den die öffentliche Wahrnehmung akuter Problemlagen, politischer Rollenverteilungen, von Ansprüchen und Zielperspektiven geprägt wird (Schön/Rein 1994).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Durchsetzung und Verankerung von spezifischen Deutungsrahmen versuchen politische Akteure, Einfluss auf die unterschiedlichen [[Rezeption (Kommunikation)|Rezeptionen]] des Wählerpublikums zu gewinnen und dadurch in weiterer Folge zu bestimmen, was mittelfristig „politisch möglich“ sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Frame-Semantik]]&lt;br /&gt;
* [[Framing (Sozialwissenschaften)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Entman, Robert M. (1993): &#039;&#039;Framing: Toward Clarification of a Fractured Paradigm&#039;&#039;. Journal of Communication, 43, 51–58.&lt;br /&gt;
* Fillmore, Charles J. (1982): &#039;&#039;Frame Semantics&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Linguistic Society of Korea (ed.): Linguistics in the Morning Calm. Selected Papers from SICOL 1981&#039;&#039;. Seoul: Hanshin, 111–137&lt;br /&gt;
* Gamson, William A. (1992): &#039;&#039;Talking Politics&#039;&#039;. Cambridge: Cambridge UP.&lt;br /&gt;
* Goffman, Erving (1974): &#039;&#039;Frame Analysis&#039;&#039;. Cambridge: Harvard UP.&lt;br /&gt;
* Gotsbachner, Emo (2008): &#039;&#039;Durchsetzung von Deutungsrahmen in politischen Fernsehdiskussionen.&#039;&#039; In: &#039;&#039;[[Gesprächsanalyse|Gesprächsforschung]] – Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion.&#039;&#039; Ausgabe 9/2008, S. 269–299. ([http://www.gespraechsforschung-ozs.de/heft2008/ga-gotsbachner.pdf Online-Text], PDF-Datei; 204 kB)&lt;br /&gt;
* Gotsbachner, Emo (2009): &#039;&#039;Asserting Interpretative Frames of Political Events: Panel Discussions on Television News&#039;&#039;. In: Housley, William/Fitzgerald, Richard (eds.): &#039;&#039;Media, Policy and Interaction&#039;&#039;. London: Ashgate&lt;br /&gt;
* Minsky, Marvin (1975): &#039;&#039;A Framework for Representing Knowledge&#039;&#039;. In: Winston, Patrick Henry (ed.): &#039;&#039;The Psychology of Computer Vision&#039;&#039;. New York: Mc Graw-Hill&lt;br /&gt;
* Müller, Klaus (1984): &#039;&#039;Rahmenanalyse des Dialogs. Aspekte des Sprachverstehens in Alltagssituationen&#039;&#039;. Tübingen: Narr.&lt;br /&gt;
* Scheufele, Dietram A. (1999): &#039;&#039;Framing as a Theory of Media Effects&#039;&#039;. Journal of Communication, 49, 103–122.&lt;br /&gt;
* Schön, Donald A./Rein, Martin (1994): &#039;&#039;Frame Reflection. Toward the Resolution of Intractable Policy Controversies&#039;&#039;. New York: Basic Books.&lt;br /&gt;
* Wehling: Elisabeth (2016): &#039;&#039;Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht.&#039;&#039; Köln, edition medienpraxis, Herbert von Halem Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kommunikationswissenschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sprachphilosophie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>41.66.99.125</name></author>
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