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Shermin Langhoff

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(Weitergeleitet von Şermin Özel)
Datei:Shermin Langhoff by Stephan Röhl 2010.jpg
Shermin Langhoff, 2010

Shermin Langhoff (* 9. Dezember 1969<ref name="sueddeut-85851">Tibor Bozi: Sagen Sie jetzt nichts, Shermin Langhoff. In: sz-magazin.sueddeutsche.de. 12. Juli 2018, abgerufen am 7. Februar 2021.</ref> als Şermin Özel in Bursa, Türkei) ist eine deutsche Theatermacherin. Mit der Neueröffnung des Berliner Ballhauses Naunynstraße 2008 begründete sie das postmigrantische Theater. Seit 2013 ist sie Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin.

Leben

Langhoffs Großmutter ist griechischer Herkunft, ihr Großvater stammt von tscherkessischen Adeligen ab.<ref>Shermin Langhoff – „Jenseits aller Vorurteile und ethnischen Klischees“. In: goliving.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. November 2019; abgerufen am 19. November 2019.</ref> Kurz nach ihrer Geburt wurde sie zu den Großeltern nach Edremit gebracht. 1978 kam sie mit neun Jahren zu ihrer Mutter nach Deutschland, die als Gastarbeiterin bei der AEG in Nürnberg arbeitete.<ref name="ZEIT">Mely Kiyak: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Shermin Langhoff: Revolüsyon! (Memento vom 5. Juli 2011 im Internet Archive) In: Die Zeit, 27. Februar 2011.</ref> Nach ihrer Schulzeit am Hans-Sachs-Gymnasium absolvierte sie erst eine Lehre als Verlagskauffrau und volontierte zur Redakteurin im Verlag Bildung und Wissen. Nach einigen Jahren im Verlag wandte sie sich beruflich der Filmbranche zu und absolvierte ein Volontariat in der Film- und Fernsehproduktion des NDR. Anschließend arbeitete sie als Aufnahme- und Produktionsleiterin, dann als Produzentin und Regieassistentin.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Shermin Langhoff – KAIROS-Preisträgerin 2011 (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive) In: toepfer-fvs.de.</ref>

Sie war von 1996 bis 2017 mit dem Theaterregisseur Lukas Langhoff verheiratet, dem sie bereits in Nürnberg begegnet war. Durch ihn lernte sie die Berliner Volksbühne kennen. Ihre gemeinsame Tochter wurde 1998 geboren. 2012 wurde sie zur Intendantin des Maxim Gorki Theaters in Berlin berufen als Nachfolgerin von Armin Petras.

Arbeit

Sie rief das Filmfestival Türkei/Deutschland in Nürnberg ins Leben und versammelte dort türkischstämmige Künstler aus ganz Deutschland. 2003 gründete Langhoff das deutsch-türkische Kulturbüro „KulturSprünge“ in Berlin, das 2004 das Filmfest Europe in Motion veranstaltete. Im selben Jahr bearbeitete sie im Hebbel am Ufer (HAU)<ref name="ZEIT" /> für das Theaterprojekt „X-Wohnungen – Migration“. Mit dem Regisseur Fatih Akın arbeitete sie für das Filmdrama Gegen die Wand von 2004 und den Musikdokumentarfilm Crossing The Bridge – The Sound of Istanbul von 2005 zusammen.

Sie wurde Kuratorin am HAU und entdeckte und förderte in einer „Akademie der Autodidakten“ viele Talente der zweiten türkischen Einwanderergeneration für Film und Theater. 2006 entstand Langhoffs Projekt Beyond Belonging. Migration, zu dem u. a. Ayşe Polat und Feridun Zaimoğlu Theaterproduktionen beisteuerten. 2007 kuratierte sie die zweite Ausgabe des Projekts Beyond Belonging. Autoput Avrupa mit Stücken und Inszenierungen u. a. von Nurkan Erpulat und Rimini Protokoll. 2008 kuratierte sie in ebendiesem Rahmen das Format Ceza & Friends, eine Open-Mike-Session mit dem Rapper Ceza.

Von 2008 bis 2013 war sie künstlerische Leiterin im Ballhaus Naunynstraße im Berliner Ortsteil Kreuzberg, das nach seinem Umbau mit Dogland – junges postmigrantisches Theaterfestival wiedereröffnete. Shermin Langhoff prägte zu diesem Festival den Begriff des postmigrantischen Theaters, der seitdem zu einer Konstante in den gesellschaftlichen Debatten um das Einwanderungsland Deutschland geworden ist<ref>Naika Foroutan: Die postmigrantische Gesellschaft. Bundeszentrale für politische Bildung, 20. April 2015, abgerufen am 11. November 2016.</ref> und als Konzept im akademischen Bereich vielfach untersucht worden ist. Mehrere Ballhaus-Produktionen, insbesondere Verrücktes Blut<ref>Wolfgang Höbel: Vernunft. In: Der Spiegel. Nr. 38, 2010 (online).</ref> von Nurkan Erpulat und Jens Hillje, erregten internationales Aufsehen. Erpulats Inszenierung wurde zum Berliner Theatertreffen und zahlreichen internationalen Festivals eingeladen.

2013 wechselte sie als Intendantin ans Berliner Maxim-Gorki-Theater.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. In: rbb-online.de, 1. August 2012.</ref><ref>Berliner Toleranzpreis für Theatermacherin Shermin Langhoff. In: welt.de, 1. August 2012.</ref> 2014 und 2016 wurde das Maxim-Gorki-Theater zum Theater des Jahres gewählt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. In: ZDF, 12. Dezember 2014.</ref> Als Bühne für eine zeitgenössische heterogene Stadtgesellschaft mit ausgeprägtem politischen Profil wurde das Maxim-Gorki-Theater unter Shermin Langhoff international wahrgenommen.<ref>Christopher D. Shea: Maxim Gorki Theater Leads an Immigrant Vanguard in Berlin. In: The New York Times. 22. April 2015 (nytimes.com [abgerufen am 11. November 2016]).</ref> 2016 erhielt Shermin Langhoff zusammen mit Jens Hillje den Theaterpreis Berlin. In der Begründung der Jury hieß es, seit der Spielzeit 2013/14 habe das Duo das Maxim-Gorki-Theater „konsequent und radikal zu einer Spielstätte gemacht, die die Vielfalt der Stadtbevölkerung spiegele.“<ref>dpa: Preis für das Gorki. In: Süddeutsche Zeitung, 24. Februar 2016, S. 10.</ref> Langhoffs Vertrag wurde 2019 bis zum Ende der Spielzeit 2022/23 verlängert.<ref>Shermin Langhoff verlängert. In: SZ.de. 17. Dezember 2019, abgerufen am 18. Dezember 2019.</ref>

Gründung des Exil-Ensembles am Maxim Gorki Theater (2016)

2016 initiierte Shermin Langhoff die Gründung eines Exil-Ensembles am Maxim Gorki-Theater. Dem Projekt gehe es nicht um einen „um einen Mitleidbonus oder um paternalistische Gesten, sondern um Kunst“, erklärte sie im Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Wir suchen professionelle und hochbegabte Schauspieler und Performer, die aus Konflikt- und Krisengebieten kommen oder politisch verfolgt sind.“ Mit den emigrierten Künstlern zu arbeiten sei schon deshalb „in unserem Eigeninteresse“, weil das Theater darauf reagieren müsse, dass dieses Land sich durch die Migration verändere, so Langhoff.<ref>Peter Laudenbach: Nur kein Voyeurismus! In: sueddeutsche.de vom 19. Juli 2016, abgerufen am 24. November 2025.</ref> „"Diejenigen, die hier ankommen, bringen neue Biografien, neue Geschichten und Erzählungen, neue Perspektiven mit." Das Projekt sei bewusst nicht "Refugee Ensemble", sondern "Exil Ensemble" geannt [sic!] worden: "Flüchtling ist ja kein Beruf." Exil bedeute, dass es nicht nur um die Traumata der Fluchterfahrung und die ersten Monate des Ankommens gehe, sondern um einen langen Prozess.“<ref>Kein Mitleidsbonus. In: nachtkritik.de, 20. Juli 2016.</ref>

Im November 2016 gründete sich das Ensemble mit Schauspielerinnen und Schauspielern aus Syrien, Palästina und Afghanistan am Maxim Gorki Theater. Der syrische Künstler und Theatermacher Ayham Majid Agha, der die Idee für das Exil Ensemble zusammen mit dem Gorki Theater entwickelt hatte, übernahm für die ersten beiden Jahre die Aufgabe eines Oberspielleiters. Dem Exil Ensemble gehörten und gehören in verschiedenen Konstellationen bis zu sieben Spielende an: Maryam Abu Khaled, Mazen Aljubbeh, Karim Daoud, Tahera Hashemi sowie Kenda Hmeidan und Kinan Hmeidan. Bis Ende 2018 entwickelten sie Theaterprojekte und performative Abende im Studio Я des Gorki Theaters. Sie spielten auch in Produktionen auf der großen Bühne und setzen sich in Masterclasses unter der Leitung von erfahrenen Theaterschaffenden mit verschiedenen Spielweisen auseinander. Seit 2019 sind die vier Schauspielerinnen und Schauspieler Maryam Abu Khaled, Karim Daoud, Mazen Aljubbeh und Kenda Hmeidan auch Teil des Gorki Ensembles.<ref>Das Exil Ensemble. In: gorki.de</ref>

Mit dem Exil Ensemble entstanden fünf Inszenierungen: Winterreise (2017), Skelett eines Elefanten nui der Wüste (2017), Die Hamletmaschine (2018), Elizaveta Bam (2018) und You are not the Hero of this Story (2018). Teile des Exilensembles wirkten zuvor schon an dem erfolgreichen Theaterabend „The Situation“ von Yael Ronen am Gorki-Theater mit, der den Nahostkonflikt thematisierte. Daran knüpfte Ronen mit der Produktion „Winterreise“ an. Dabei gewönnen die Darstellerinnen und Darsteller deutlich mehr Kontur: „Und zwar als Schauspieler, nicht nur als Erzähler ihrer Biografie“, so der Kulturjournalist Tobi Müller.<ref>Tobi Müller: Auf kultureller Klassenfahrt. In: deutschlandfunkkultur.de, 8. April 2017.</ref>

Die postmigrantische Gesellschaft

Der Begriff „postmigrantisch“ wurde in Deutschland von Shermin Langhoff geprägt<ref name="deutschlandfunkkultur_abgestemp">Kunst und Gesellschaft - Als Postmigrant abgestempelt. deutschlandfunkkultur.de, 13. November 2015, abgerufen am 27. November 2024.</ref>. 2006 kuratierte sie das erste „postmigrantische Festival“ am Berliner Hebbel am Ufer, und zwei Jahre später etablierte sie das Ballhaus Naunynstraße als „postmigrantisches Theater“. Langhoff hatte 2008 das Berliner Ballhaus Naunynstraße übernommen, ehe sie 2013 Intendantin am Maxim-Gorki-Theater in der Hauptstadt wurde.<ref name="postmig">Naika Foroutan: "Die postmigrantische Gesellschaft" - Neue Begriffe und alte Gewissheiten. deutschlandfunkkultur.de, 3. September 2019, abgerufen am 27. November 2024.</ref>

Das Ballhaus Naunynstraße, von Shermin Langhoff als postmigrantisches Theater ins Leben gerufen, wird von der Mehrheit der Künstlerinnen und Künstler als ein geschützter Raum wahrgenommen.<ref>Alienation in Higher Education: Lived Experiences of Racial and Class Based Inequality in Film and Drama School. In: Heinrich-Böll-Stiftung. Abgerufen am 27. November 2024.</ref>

Langhoff beschreibt den Ansatz des Ballhaus Naunynstraße so: "Wir werden manchmal Türkentheater genannt. Das ist falsch. Wir zeigen Theater aus unserer Perspektive und bestimmen unsere Konfliktzonen selbst."<ref name="ZEIT" />

Durch Langhoffs Arbeit hat der Begriff „postmigrantisch“ inzwischen auch in der akademischen Welt großen Einfluss gewonnen.<ref name="deutschlandfunkkultur_abgestemp" /><ref name="migazin.de_20150210">Interview mit Naika Foroutan: "Ressentiments gegen Muslime haben seit Jahren Kontinuität". 10. Februar 2015, abgerufen am 27. November 2024.</ref> Die Bezeichnung „postmigrantisch“ dient als Label, um die Lebenswirklichkeiten von Deutschen zu beschreiben, die Kinder von Einwanderern sind. Sie haben zwar keine eigene Migrationserfahrung, aber werden als Angehörige der zweiten und dritten Generation mit dem Thema „Migrationshintergrund“ gesellschaftlich konfrontiert.<ref name="deutschlandfunkkultur_abgestemp" />

Das im Jahr 2014 neu gegründete Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) stellte im Dezember 2014 die Studie "Deutschland postmigrantisch" vor.<ref name="migazin.de_20150210" /> „Postmigrantisch ist eine Anleihe aus der Kulturwelt. Der Begriff wurde von der Intendantin am Maxim-Gorki-Theater Berlin, Shermin Langhoff, geprägt, die ihn in Stücken über die Gegenwart kultureller Vielfalt in Deutschland verwendet hat“, so die Institutsdirektorin Naika Foroutan.<ref name="migazin.de_20150210" /> Die Sozialwissenschaftlerin Foroutan beschäftigt sich mit der „postmigrantischen Gesellschaft“ weiter in ihrem Buch, das die politischen und medialen Debatten hinterfragt, die sich um die Migration drehen.<ref></ref> In der Rezension des Buches "Die postmigrantische Gesellschaft" im Deutschlandfunk Kultur heißt es: "Die Größe des Langhoffschen Claims zeigt sich also daran, dass er der Akademikerin geeignet scheint, um begriffliche Hindernisse im Diskurs zu überwinden".<ref name="postmig" /> Das Gorki-Theater in der Intendanz von Shermin Langhoff beschreibt Foroutan als einen „zentralen Raum in der Stadt, der so etwas wie Zufluchtsort ist. Ein Raum, in dem man gemeinsam politisch denkt, gemeinsam Gesellschaft neu denkt.“<ref name="Gorki">Zeitgenoss*in Gorki: Zwischenrufe = Comrade Gorki: shout-outs. Theater der Zeit, Berlin 2023, ISBN 978-3-95749-432-0.</ref> Das Gorki-Theater sei das Gegenteil eines performativen Raums: „Für viele von uns, die migrantisch gelesen werden – besonders für diejenigen, die politisch-aktivistisch-wissenschaftlich agieren – ist alles draußen permante Performanz. Der gesamte Lebensraum ist performativ, man spielt die ganze Zeit eine Rolle. Nicht in diesem Theater. Man betritt es und muss sich nicht verstellen, weil sich hier etwas entwickelt, von dem man sich wünscht, dass es das neue Deutschland ist.“<ref name="Gorki" />

Die Entwicklung des Begriffs „postmigrantisch“ und die damit verbundene künstlerische Praxis von Shermin Langhoff haben im wissenschaftlichen Diskurs eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. In ihrer Doktorarbeit an der Goldsmiths University of London zum Thema „Postmigrantisches Theater und kulturelle Vielfalt in den Künsten“ untersucht die Kulturwissenschaftlerin Onur Susan Nobrega die vielfältigen Implikationen dieses Begriffs und seine Auswirkungen auf die Welt der Kunst und Kultur.<ref name="Kömürcü"></ref> "Die Beharrlichkeit von Langhoff und ihrem Netzwerk von Künstlerinnen, von denen die meisten für ihre Arbeit niedrige Löhne erhalten, setzt sich in ihrem kulturellen Engagement fort, um die Bedürfnisse von Künstlerinnen of Color zum Ausdruck zu bringen und sich für die Entwicklung einer angemessenen Diversität in der Kunstpolitik sowie in den Förderstrukturen von Institutionen und temporären Projekten einzusetzen", schreibt Nobrega.<ref name="Kömürcü" />

Ansätze des postmigrantischen Theaters

Für Shermin Langhoff füllt das postmigrantische Theater eine lange bestehende Lücke in der deutschen Theaterlandschaft. In meist weißer Theaterbesetzung spiegelten die Stücke auf den Bühnen keineswegs die Gesellschaft wider. Menschen mit Migrationshintergrund sowie deren Geschichten fänden kaum Platz.<ref>Ballhaus Naunynstraße - Bühne für eine bunte Gesellschaft. In: deutschlandfunkkultur.de. 30. Januar 2016, abgerufen am 13. Dezember 2025.</ref>

Im Gespräch mit der FAZ stellte Langhoff 2012 die Frage: „Warum sind diese Geschichten nicht im Lauf der Jahre zu unseren Geschichten, unseren Stücken geworden? Liegt es daran, dass die Migranten und ihre Kinder vorwiegend Arbeiter sind, und Arbeiter im Theater weder auf der Bühne noch im Publikum stattfinden? Oder liegt es daran, dass Talente mit Migrationshintergrund nicht gefördert werden?“<ref>Irene Bazinger: Gespräch mit Shermin Langhoff: Wozu postmigrantisches Theater? In: faz.net. 15. Januar 2012, abgerufen am 13. Dezember 2025.</ref>

Das postmigrantische Theater zielt darauf, diese Lücke schließen. Zentral sind hier die Perspektiven derer, „die selbst nicht mehr migriert sind, diesen Migrationshintergrund aber als persönliches Wissen und kollektive Erinnerung mitbringen. Darüber hinaus steht ‚postmigrantisch‘ in unserem globalisierten, vor allem urbanen Leben für den gesamten gemeinsamen Raum der Diversität jenseits von Herkunft.“<ref name="bpb">Bundeszentrale für politische Bildung: Die Herkunft spielt keine Rolle - "Postmigrantisches" Theater im Ballhaus Naunynstraße | Kulturelle Bildung. 10. März 2011, abgerufen am 13. Dezember 2025.</ref>

Anders als in Großbritannien oder Frankreich würden Menschen, die nicht von deutschen Vorfahren abstammen, in Deutschland kaum als Teil des öffentlichen Lebens wahrgenommen, so Langhoff. Theaterkünstler mit so genanntem Migrationshintergrund seien immer noch eine Ausnahme. „Diese Ausgangslage erschwert die künstlerische Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Konfliktfeld, das um die politischen Kampfbegriffe ‚Migration‘ und ‚Integration‘ entstanden ist, ungemein“.<ref name="bpb" />

Es gebe „kaum dramatische Texte, die Geschichten, Erfahrungen und Diskurse auf diesem Feld narrativ beschreiben und ideologiekritisch reflektieren könnten. Der Ist-Zustand zementiert die Wahrnehmung als ‚Andere‘ leider öfter, als er sie bricht. Wo der Themenkomplex Migration nicht per se ausgespart wird, erfolgt oft eine sensationalistische Verwertung von Klischees. Die Figur des Migranten oder der Migrantin wird quasi bauchrednerisch von weißen, bio-deutschen Sprechern geführt und höchstens durch Verwendung von Darstellern mit dem ‚richtigen‘ Hintergrund authentifiziert.“<ref name="bpb" />

Die Wissenschaftlerin Azadeh Sharifi definiert den Begriff des postmigrantischen Theaters als „Suchbewegung, die das Definitive meidet und keine endgültige Gestalt annimmt“.<refname="Gorki" /> Das postmigrantische Theater sei mehr als die Summe seiner Theaterstücke, seiner Künstlerinnen und Künstler und theatralen Diskurse. „Es ist die Durchdringung der deutschen Gesellschaft und des Verhältnisses ihres vermeintlich überlieferten Kerns und ihrer Ränder, die spielerisch austariert (und neu vermessen) wird.“<refname="Gorki" />

Kontroversen

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Äußerungen zu Theaterbetrieb (2014) und MeToo (2018)

In einem Interview mit der taz äußerte sich Langhoff im Juli 2014 zum Thema der „Arschlöcher“ im Theaterbetrieb. Laut Langhoff sei „eins der wenigen Prinzipien“ ihrer Arbeit, dass es „keine Arschlöcher geben“ dürfe. Man müsse „kein Arschloch sein, um gute Kunst zu machen“.<ref>„Es darf keine Arschlöcher geben“. In: taz.de. Abgerufen am 1. Februar 2022.</ref> In einem Interview mit dem Spiegel äußerte sich Langhoff im Dezember 2018 außerdem zum Thema MeToo.<ref>Elisa von Hof: Gorki-Intendantin Langhoff: "Wir brauchen keine toxische Männlichkeit". In: spiegel.de. 10. Dezember 2018, abgerufen am 1. Februar 2022.</ref> Darin sprach sie sich für „Gleichberechtigung für jeden“ aus. Niemand brauche „toxische Männlichkeit“, diese müsse vielmehr „bekämpft werden“. Man könne „nicht damit zufrieden sein, dass einige Männer, die rigoros Grenzen überschritten haben, von ihren Machtpositionen geflogen sind“. Vielmehr müsse man „mehrfache Diskriminierungen bekämpfen, etwa den perfiden Sexismus, der über die Hautfarbe läuft“. Aufgrund der Langhoff selbst im April 2021 vorgeworfenen Missbrauchsvorwürfe werden die von ihr gemachten Aussagen zu Arschlöchern und MeToo in den Medien inzwischen als kritisch gesehen, weil sie sich selbst, wie rbb24 schreibt, „aus diesem überkommenen Machtsystem bislang nicht befreit“ habe.<ref name="Vergleich">Maxim-Gorki-Theater und Dramaturgin einigen sich auf Vergleich. In: rbb24. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Februar 2022; abgerufen am 1. Februar 2022.</ref>

Vorwurf des Machtmissbrauchs (seit 2021)

Im April 2021 wurde in Medien über Vorwürfe des Machtmissbrauchs von Mitarbeitern des Maxim Gorki Theaters berichtet. Peter Laudenbach schrieb in der Süddeutschen Zeitung, dass Langhoff sich laut einer früheren Mitarbeiterin des Theaters „nicht immer im Griff haben, öfter laut werden und Mitarbeiter runtergeputzt haben“ soll. Die Grenzüberschreitungen Langhoffs seien „flächendeckend“. Laut taz wurde seit 2019 mehrfach Themis eingeschaltet.<ref>Katrin Bettina Müller: Klima der Angst: Mobbing-Vorwürfe gegen Gorki-Intendantin Shermin Langhoff. In: Die Tageszeitung. 3. Mai 2021, abgerufen am 4. Mai 2021.</ref> Insgesamt seien laut der Zeit zudem mehr als „40 Beschwerden über ihre Machtausübung“ seit dem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe beim Gorki-Personalrat eingegangen.<ref name="Zeit_2021">Peter Kümmel: Wir nehmen das ernst, wir haben verstanden … In: Die Zeit. 20. Mai 2021, abgerufen am 1. Februar 2022.</ref> Der FAS gegenüber berichteten mehrere Mitarbeitende, „sie seien froh, dass nun alles ans Licht komme“, weil ihnen das Gorki zuvor wegen der positiven Presseberichterstattung „so verlogen“ vorkam.<ref name="faz_17330587">Anna Vollmer: Der Teufel ist das System. In: FAZ. 10. Mai 2021, abgerufen am 1. Februar 2022.</ref>

Wie rbb24 und andere Medien erst 2021 berichteten, gab es bereits 2018 und 2019 Vorwürfe des Machtmissbrauchs durch Langhoff.<ref name="Vergleich" /> So hätten sich Gorki-Mitarbeiter „zunächst intern, später bei der Vertrauensstelle Themis über die Führung im Maxim-Gorki-Theater beschwert“, worauf „Mediationen und Coaching“ für Langhoff stattgefunden hätten. Dies habe aber „offenbar wenig“ geholfen.

Nach erstmaligem Aufkommen der Vorwürfe habe die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa Langhoff zu mehreren Gesprächen gebeten. In diesen sah sie ein, dass sie „sich und ihren Kollegen mit den Ausrastern keinen Gefallen tut“. Langhoff habe deshalb ein Coaching in Anspruch genommen. Laut Laudenbach schien „das Arbeitsklima inzwischen deutlich respektvoller geworden zu sein“.<ref>Peter Laudenbach: Und raus bist du. In: Süddeutsche Zeitung. 23. April 2021, abgerufen am 29. April 2021.</ref> Elisa von Hof kritisierte hingegen im Spiegel, dass die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa die Problematik nicht ernst nehme. So soll Langhoff „Schauspieler in Grund und Boden gebrüllt haben und auch körperlich übergriffig gewesen sein“. Es sei von einer toxischen, belastenden Arbeitsumgebung, Beleidigungen, verbaler Gewalt und der Unmöglichkeit, intern Kritik am Gorki zu äußern die Rede. Am Theater herrsche ein „Klima der Angst“. Laut Spiegel dementierte Langhoff die Vorwürfe.<ref>Elisa von Hof: Mitarbeiter werfen Gorki-Intendantin „Klima der Angst“ vor. In: Der Spiegel. 29. April 2021, abgerufen am 29. April 2021.</ref> Die FAZ wiederum resümierte, Langhoff sage „nichts“ zu den Vorwürfen, was „erstaunt“.<ref name="faz_17330587" /> Im Dezember 2021 berichteten Mitarbeitende des Gorki im Spiegel, dass nie akzeptiert wurde, dass sie „Angst haben“. Wer „Kritik übe, fürchte weiterhin, entlassen zu werden“.<ref>Elisa von Hof: „Es wurde nie akzeptiert, dass wir Angst haben“. In: Der Spiegel. 30. Dezember 2021, abgerufen am 30. Dezember 2021.</ref>

In Folge des vorgeworfenen Machtmissbrauchs kam in verschiedenen Medien zudem die Forderung nach einer Entlassung Langhoffs auf. So schrieb etwa der Tagesspiegel, der Ruf des Gorki-Theaters „sei in Gefahr“ und das Theater brauche nun „neue Perspektiven“.<ref>Rüdiger Schaper: Der Ruf des Maxim Gorki Theaters ist in Gefahr. In: Der Tagesspiegel. 1. Mai 2021, abgerufen am 4. Februar 2022.</ref>

Im Mai 2021 kam in der Machtmissbrauchs-Causa Langhoff außerdem der Vorwurf des Wegduckens auf. Die Zeit schrieb, dass Langhoff „eine Gruppe Verbündeter“ aus dem Gorki suchte, mit der sie auf der Gorki-Website „eine Stellungnahme veröffentlicht hat“, in der sie „nicht ‚ich‘ sagen“ wollte, sondern „die Wir-Form“ vorzog, um von ihrer Schuld abzulenken<ref name="Zeit_2021" /> Angebracht wäre ein Statement gewesen, „das von der Intendantin allein unterzeichnet worden wäre“, weil sie es sei, „gegen die sich die Vorwürfe richten“. Außerdem kritisiert die Zeit, die Stellungnahme zeuge von „Hochmut“ und persönlichem „Versagen“ von Langhoff, sei eine „Machtdemonstration“ und relativiere „kühl“ die Lage in ihrem Theater.

Recherchen des rbb zeigten 2023, dass es ein angekündigtes Mediationsverfahren nicht gegeben hat und der damalige Kultursenator Lederer wegen fehlenden Zugriffs auf Archivmaterialien dies nicht hat aufklären können. Es herrsche weiterhin ein Klima der Angst. Aus Angst vor Repressalien traue sich aber kaum jemand Kritik zu äußern. Trotzdem wurde der Vertrag von Langhoff bis 2026 verlängert.<ref>Neue Unstimmigkeiten um Machtmissbrauch-Vorwürfe am Berliner Maxim-Gorki-Theater. In: rbb24.de. 29. Juni 2023, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 27. September 2023.@1@2Vorlage:Toter Link/www.rbb24.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Vorwurf der widerrechtlichen Kündigung (2021)

Im Mai 2021 wurde in den Medien berichtet, dass das Gerichtsverfahren zwischen dem Gorki-Theater und der ehemaligen Gorki-Dramaturgin Johanna Höhmann in einem Vergleich mit in einer Zahlung von 15.000 Euro an die Dramaturgin und in einer Auflösung des Vertragsverhältnisses in beiderseitigem Einvernehmen Ende Juli 2021 endete. Höhmann beschuldigte Langhoff, sie „während ihrer Elternzeit im Oktober 2020 gekündigt und damit als Frau diskriminiert zu haben“.<ref name="Vergleich" /> Die Dramaturgin vermutete hinter ihrem Rauswurf „eine Art Strafaktion, weil sie sich zuvor an einer Beschwerde gegen den Führungsstil der Intendanz beteiligt hatte“.

Vorwurf der positiven Diskriminierung (2021)

Im Mai 2021 kam in der Machtmissbrauchs-Causa Langhoffs in den Medien der Vorwurf der Positiven Diskriminierung auf, der sich vor allem gegen den verantwortlichen Kultursenator Klaus Lederer richtete. Dieser wusste laut der Zeit<ref name="Zeit_2021" /> „von zentralen Vorwürfen gegen Langhoff bereits seit 2019“, habe aber dennoch ihren Vertrag „im Dezember 2020 geräuschlos bis zum Jahr 2026 verlängert“. Da Langhoff „eine Frau sei“ und einen „nichtdeutschen Familienhintergrund“ habe, stehe „der Vorwurf positiver Diskriminierung im Raum“. Auch in der Welt wurde gefragt, ob sich Langhoff nur im Amt halte, weil „sie eine Frau ist“.<ref>Jan Küveler: Das generische Patriarchat. In: Die Welt. 14. Mai 2021, abgerufen am 1. Februar 2022.</ref>

Gesellschaftliches Engagement

Auszeichnungen

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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