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Chloraniline

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(Weitergeleitet von 2-Chloranilin)

Die Chloraniline bilden in der Chemie eine Stoffgruppe, die sich sowohl vom Anilin als auch vom Chlorbenzol ableitet. Die Struktur besteht aus einem Benzolring mit angefügter Aminogruppe (–NH2) und Chlor (–Cl) als Substituenten. Durch deren unterschiedliche Anordnung (ortho, meta oder para) ergeben sich drei Konstitutionsisomere mit der Summenformel C6H6ClN. Daneben existiert auch noch das isomere N-Chloranilin.

Je nach Anzahl der Chloratome (einem, zwei, drei, vier oder fünf) unterscheidet man zudem zwischen Mono-, Di-, Tri-, Tetra- und Pentachloranilinen.

Vertreter

Chloraniline
Name 2-Chloranilin 3-Chloranilin 4-Chloranilin
Andere Namen o-Chloranilin m-Chloranilin p-Chloranilin
Strukturformel Struktur von 2-Chloranilin Struktur von 3-Chloranilin Struktur von 4-Chloranilin
CAS-Nummer Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN
PubChem 7240 7932 7812
Summenformel C6H6ClN
Molare Masse 127,57 g·mol−1
Aggregatzustand flüssig fest
Kurzbeschreibung farblose bis gelbliche Flüssigkeit
mit aromatischem Geruch<ref name="GESTIS_o" /><ref name="GESTIS_m" />
farbloser bis gelblicher
kristalliner Feststoff
mit schwach
aromatischem Geruch<ref name="GESTIS_p" />
Schmelzpunkt −3 °C<ref name="GESTIS_o">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> −10 °C<ref name="GESTIS_m">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> 70 °C<ref name="GESTIS_p">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>
Siedepunkt 209 °C<ref name="GESTIS_o" /> 230 °C<ref name="GESTIS_m" /> 232 °C<ref name="GESTIS_p" />
Dichte 1,21 g/cm3<ref name="GESTIS_o" /> 1,22 g/cm3<ref name="GESTIS_m" /> 1,43 g/cm3<ref name="GESTIS_p" />
Dampfdruck (bei 20 °C) 0,13 mbar<ref name="GESTIS_o" /> 0,03 mbar<ref name="GESTIS_m" />
pKs-Wert<ref name="CRC">CRC Handbook of Tables for Organic Compound Identification, Third Edition, 1984, ISBN 0-8493-0303-6.</ref>
(der konjugierten
Säure BH+)
2,65 3,52 4,00
Löslichkeit schwer löslich in Wasser (3–6 g/l)<ref name="GESTIS_o" /><ref name="GESTIS_m" /><ref name="GESTIS_p" />
GHS-
Kennzeichnung
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Gefahr<ref name="GESTIS_o" /><ref name="GESTIS_m" /><ref name="GESTIS_p" />
H- und P-Sätze 331​‐​311​‐​301​‐​319​‐​373​‐​410<ref name="GESTIS_o" /> 301+311​‐​330​‐​319​‐​317​‐​373​‐​410<ref name="GESTIS_m" /> 301​‐​311​‐​317​‐​331​‐​350​‐​410<ref name="GESTIS_p" />
keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze
261​‐​273​‐​280​‐​301+310+330​‐​403+233<ref name="GESTIS_o" /> 273​‐​280​‐​302+352+312​‐​304+340+311​‐​305+351+338​‐​314<ref name="GESTIS_m" /> 201​‐​280​‐​302+350​‐​304+340​‐​308+313​‐​273<ref name="GESTIS_p" />
MAK Schweiz: 0,04 ml·m−3 bzw. 0,2 mg·m−3
(gemessen als einatembarer Staub)<ref>Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva): Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte (Suche nach p-Chloranilin)Vorlage:Abrufdatum</ref>

Eigenschaften

Das 4-Chloranilin, das die höchste Symmetrie aufweist, besitzt den höchsten Schmelzpunkt. Alle Verbindungen dieser Gruppe werden als giftig und umweltgefährlich eingestuft.<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> Chloraniline werden meist als Zwischenprodukte zur Synthese anderer chemischer Verbindungen wie Pflanzenschutzmittel, Farbstoffe und Arzneistoffe eingesetzt. Da beim natürlichen Abbau einiger dieser Stoffe die bei der Synthese eingesetzten Chloraniline freiwerden (bzw. auch bei unsachgemäßer Produktion), sind Spuren der Verbindungen (in den letzten Jahrzehnten in immer geringer werdendem Maße) in Grundwasser und Flüssen zu finden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Organische Schadstoffe im Gebiet der Unteren Mulde. (Memento vom 25. Oktober 2005 im Internet Archive)</ref><ref>Jacqueline Burkhardt, Joachim Hörder, Marian Pohl, Walburga Große Wichtrup, Sibylle Wilke: Daten zur Umwelt: der Zustand der Umwelt in Deutschland. Hrsg.: Umweltbundesamt. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-503-09057-6, S. 150 (online [PDF]).</ref> Der Nachweis der Stoffe kann über Flüssigchromatographie erfolgen.<ref>Verfahren zur Bestimmung von p-Chloranilin. In: dguv.de. DGUV Publikationen, abgerufen am 22. April 2024.</ref>

Verwendung

Chloraniline werden meist als Zwischenprodukte zur Synthese anderer chemischer Verbindungen wie Pflanzenschutzmittel, Farbstoffe und Arzneistoffe eingesetzt. 4-Chloranilin darf nach reduktiver Spaltung von Azogruppen nicht von Textilien oder Ledererzeugnissen, die längere Zeit mit der menschlichen Haut direkt in Berührung kommen, freigesetzt werden (Anlage 1 der Bedarfsgegenständeverordnung).

Intoxikation mit p-Chloranilin

Bei einem Chemielaboranten kam es durch einen Hautkontakt zu einer Vergiftung.<ref>Bernd Herber: Methemoglobinemia after accidental dermal absorption of p-chloroaniline. In: Deutsches Ärzteblatt international. 1. November 2024, doi:10.3238/arztebl.m2023.0279, PMID 39841490, PMC 12021458 (freier Volltext).</ref> Als erstes fiel eine Zyanose im Mundbereich auf. Ursache war eine Methämoglobin-Konzentration von 18 %. Die Serumkonzentration betrug 161 μg/L p-Chloranilin. Bei Beachtung aller Arbeitsvorschriften sollte der Wert < 1 μg/L betragen. Die Behandlung erfolgte mit Sauerstoff-Gaben, Hautdekontamination mit Polyethylenglycol 400. Intravenös wurden 300 mg Toluidinblau verabreicht. Zusätzlich 1 g Ascorbinsäure (Vitamin C) per os, Die Symptomatik bildete sich ohne Spätfolgen zurück.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang Fluoraniline | Chloraniline | Bromaniline | Iodaniline Vorlage:Klappleiste/Ende

Vorlage:Hinweisbaustein