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Silbernitrat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von AgNO3)
Strukturformel
Struktur von Silbernitrat
Allgemeines
Name Silbernitrat
Andere Namen
  • Salpetersaures Silber
  • Silbersalpeter
  • Höllenstein
  • Lapis Infernalis
  • Silber(I)-nitrat
  • Vorlage:INCI
Summenformel AgNO3
Kurzbeschreibung

farblose, durchsichtige, nicht hygroskopische, rhomboedrische Kristalle<ref name="roempp">Eintrag zu Silbernitrat. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 231-853-9
ECHA-InfoCard 100.028.958
PubChem 24470
DrugBank DB11080
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

D08AL01

Eigenschaften
Molare Masse 169,87 g·mol−1
Aggregatzustand

fest<ref name="roempp" />

Dichte

4,35 g·cm−3 (19 °C)<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

212 °C<ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

440 °C (thermische Zersetzung)<ref name="GESTIS" />

Löslichkeit
  • leicht löslich in Wasser (2160 g·l−1 bei 20 °C)<ref name="GESTIS" />
  • leicht löslich in DMSO (1300 g·l−1 bei 25 °C)<ref>Dimethyl Sulfoxide (DMSO) Solubility Data. Gaylord Chemical Company, L.L.C.; Bulletin 102, Juni 2014, S. 15. (PDF)</ref>
  • schlecht löslich in Ethanol<ref name="roempp" />
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.028.958">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 272​‐​290​‐​314​‐​360D​‐​410
P: 210​‐​260​‐​280​‐​303+361+353​‐​304+340+310​‐​305+351+338<ref name="GESTIS" />
MAK

0,01 mg·m−3<ref name="GESTIS" />

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−124,4 kJ/mol<ref name="CRC90_5_4">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-4.</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Silbernitrat (trivial: Höllenstein, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)<ref>Vgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 400 (hellenstein: Höllenstein, Übersetzung von mittellateinisch lapis infernalis, Silbernitrat, AgNO3; andernorts auch lapis daemonis).</ref>) ist ein Salz der Salpetersäure. Es ist zusammengesetzt aus dem Kation Ag+ und dem Nitratanion NO3.

Gewinnung und Darstellung

Die Herstellung erfolgt durch Reaktion von Silber mit Salpetersäure unter Bildung nitroser Gase:<ref name=roempp />

<math>\mathrm{3\ Ag + 4\ HNO_3 (konz.) \rightarrow\ 3\ AgNO_3 + 2\ H_2O + NO}</math>

oder durch die Reaktion von Salpetersäure mit Silberoxid ohne Bildung nitroser Gase:

<math>\mathrm{Ag_2O + 2\ HNO_3 \rightarrow\ 2\ AgNO_3 + H_2O}</math>

Eigenschaften

Datei:Dusičnan stříbrný.JPG
Silbernitrat, bereits durch Licht leicht zersetzt
Datei:Silver nitrate stains.jpg
Hand mit AgNO3 beschmutzt

Silbernitrat, AgNO3, bildet farblose, tafelförmige Kristalle. Es ist sehr leicht in Wasser und schwer in Ethanol löslich. Silbernitrat hat einen Schmelzpunkt von 212 °C, bei Erhitzen auf etwa 440 °C erfolgt Zersetzung unter Abscheidung von metallischem Silber und Abgabe nitroser Gase. Es muss gut verschlossen und vor Licht geschützt (beispielsweise in braunen Glasflaschen) gelagert werden, da bereits geringe Staubmengen ausreichen, um Silbernitrat unter Lichteinwirkung zu feinverteiltem Silber zu reduzieren. Sehr reines Silbernitrat ist dagegen nicht lichtempfindlich. Silbernitrat bildet mit Chlorid-, Bromid-, Iodid- und Sulfidionen schwerlösliche Niederschläge.

<math>\mathrm{Ag^+ {(aq)} + NO_3^- {(aq)} + X^- {(aq)} \rightarrow }</math> <math>\mathrm{AgX {(s)} + NO_3^-{(aq)} \ , \ X = Cl, Br, I}</math>
Gibt man Silbernitratlösung zu einer wässrigen Halogenidlösung, fällt festes weißes oder gelbes Silberhalogenid aus, Nitrat bleibt in Lösung.

Mit Basen (z. B. Natriumhydroxid) bildet sich Silber(I)-oxid:<ref>E. Campaigne, W. M. LeSuer: Vorlage:Linktext-Check In: Organic Syntheses. 33, 1953, S. 94, doi:10.15227/orgsyn.033.0094; Coll. Vol. 4, 1963, S. 919 (PDF).</ref>

<math>\mathrm{2 \ AgNO_3 + 2 \ NaOH \rightarrow Ag_2O + 2 \ NaNO_3 + H_2O}</math>

Silbernitrat denaturiert Proteine durch Bildung von Silbersalzen der Proteine (z. B. Silberalbuminat), in Lösungen flocken diese aus. Bei Hautkontakt bilden sich rasch schwarze Flecken, da die Silberionen zum Metall reduziert werden. Die Flecken können mit Kaliumiodidlösung und anschließendem Auswaschen mit einer Lösung aus Natriumthiosulfat (Fixiersalz) entfernt werden.

Verwendung

  • Silbernitrat ist ein Nachweisreagenz für Halogenide (Cl-, Br-, I-Ionen) und Pseudohalogenide und wird zu deren quantitativen Bestimmung in der Titration nach Mohr oder nach Fajans verwendet. Fluoridionen (F) lassen sich durch Niederschlag nicht nachweisen, da Silber(I)-fluorid als einziges Silberhalogenid gut wasserlöslich ist.
  • Silbernitrat dient zum Nachweis von Aldehydgruppen und Proteinen. Nachweisbar sind z. B. die Aldehydgruppen von reduzierenden Zuckern wie Glucose und Lactose, siehe Tollensprobe. In der Proteinbiochemie wird Silbernitrat im Zuge einer Silberfärbung zum Anfärben von Proteinen verwendet, die z. B. in einem Polyacrylamid-Gel aufgetrennt wurden. In der Histologie kommt Silbernitrat zur Färbung von Gewebeschnitten, beispielsweise bei der Golgi-Cox-Methode, zum Einsatz. In der Kriminaltechnik (Daktyloskopie) wird eine Silbernitrat-Methanol-Lösung zur Sichtbarmachung von Fingerabdrücken benutzt.
  • Silbernitrat ist Ausgangsstoff zur Darstellung anderer Silbersalze, besonders der Silberhalogenide, die in der Analogfotografie verwendet werden. Es dient zur galvanischen Versilberung, zur Herstellung von Silberspiegeln und als Haarfärbemittel.
  • In der Medizin wird Silbernitrat als Antiseptikum und Adstringens (0,5%ige Lösungen zur lokalen Behandlung) sowie als Ätzmittel („Höllenstein-Ätzstift“, Österreich: „Lapisstift“) gegen Hautwucherungen, Geschwüre und Warzen benutzt. Bis vor einigen Jahren wurde Neugeborenen eine einprozentige Silbernitratlösung in die Augen getropft, um eine gonorrhoeische Augeninfektion zu verhindern (Credé-Prophylaxe); heute ist sie durch weniger toxische Substanzen ersetzt.<ref name="KramerGröschel2013">Axel Kramer: Klinische Antiseptik. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-77715-8, S. 253 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> In der Tiermedizin wurde 1%ige Silbernitratsalbe (Unguentum Argenti nitrici, Syn. Unguentum nigrans, „schwarze Salbe“) zur Anregung chronischer Entzündungen eingesetzt.<ref>Wörterbuch der Veterinärmedizin, 2. Aufl., S. 1263.</ref>
  • In der Biotechnologie kann Silbernitrat als Additiv in Kulturmedien verwendet werden, beispielsweise für Kalluskulturen. Ziel ist hierbei, die als Ethylen-Antagonist wirkenden Silberionen<ref>E. M. Beyer: Potent inhibitor of ethylene action in plants. In: Plant Physiology. 1976, 58, 3, S. 268–271.</ref> im Medium bereitzustellen. Vorteil ist hierbei die gute Wasserlöslichkeit des Silbernitrats, möglich wäre ansonsten auch die Verwendung von Silberchlorid oder einem ähnlichen Salz.
  • Bei der komplexen Analytik der Triglyceride wird Silbernitrat zur Trennung der Triglyceride im Rahmen der Argentationschromatographie eingesetzt.<ref>K. Kemper, H.-U. Melchert, K. Rubach, H. Hoffmeister: Charakterisierung der Triglyceridmuster von pflanzlichen und tierischen Fetten sowie Human- und Tierseren mittels HPLC nach Vortrennung an AgNO3-imprägnierten Kieselgel-Minisäulen. In: Fresenius' Journal of Analytical Chemistry. Band 331, Nr. 6, 1988, S. 634–641, doi:10.1007/BF01032542.</ref>
  • Silbernitrat wird für die Präparation von Geldscheinen verwendet, um Diebe oder Bankräuber zu identifizieren, da sich die Haut nach Berührung nicht abwaschbar schwarz färbt.<ref>Carola Gessner: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schwarze Finger durch markiertes Geld. (Memento vom 9. Juli 2009 im Internet Archive) Süddeutsche Zeitung (vom 26. August 2007)</ref>

Sicherheitshinweise

Silbernitrat wirkt auf Haut und Schleimhäute stark reizend und ist in der Lage, lebendes Gewebe zu zerstören (Verätzung). Als Umweltgift bedarf es besonderer Entsorgung.

Weblinks

Commons: Silbernitrat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein