Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338 Atavismus – Wikipedia (Deutsch) – Lokale KopieZum Inhalt springen
Ein Atavismus (von {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=la |SCRIPTING=Latn |SERVICE=lateinisch}} ‚Urahn‘<ref name="LEHMANN">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>), veraltet auch Rückschlag, ist das Wiederauftreten von anatomischen Merkmalen bei einem Lebewesen, die bei entfernteren stammesgeschichtlichen Vorfahren ausgebildet waren, bei den unmittelbaren Vorfahren jedoch reduziert wurden, da sie für die gegenwärtige Entwicklungsstufe keinerlei Funktion mehr besitzen.<ref name="LEHMANN" /> Häufig werden Atavismen daher als Missbildung wahrgenommen. Sie zählen, ebenso wie die Rudimente, zu den klassischen Evolutionsbelegen und können bei allen Lebewesen gleichermaßen auftreten.
In einem erweiterten Sinne wird der Begriff auch in der Ethologie für entwicklungsbiologisch ursprüngliche Verhaltensweisen gemeinsamer evolutionärer Vorfahren angewandt. Da es sich um genetisch fixierte Verhaltensweisen handelt, sind ethologische Atavismen zwingend angeboren, nie erlernt.
die Ausbildung eines Schwanzes mit ausgeprägter Schwanzwirbelsäule durch ein herausgewachsenes Steißbein<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name="zravy">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Darwin-Ohrhöcker, ein Knorpelfortsatz am Außenrand der Ohrmuschel
Bei anderen Tieren
Ausbildung von überzähligen Klauen bei Rindern, Kamelen,<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Pferden<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> und Ziegen,<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> eine Form der Polydactylie
Ausbildung von Hinterextremitäten bei Meeressäugetieren wie Walen und Delphinen<ref name="zravy" /> oder auch Schlangen
Ausbildung von Zähnen in den Schnäbeln von Hühnern bei talpid2-Mutanten (könnte als künstlich induzierter Atavismus angesehen werden).<ref name="zravy" />
spontanes Wiederauftreten von Flügeln bei Flügellosen Fluginsekten<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Bei Pflanzen
Weniger bekannt sind Atavismen bei Pflanzen, doch wurden solche bereits im 19. Jahrhundert erforscht.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}} (Vorlage:ZOBODAT, II. Folge: Vorlage:ZOBODAT, III. Folge und Schluss: Vorlage:ZOBODAT)</ref>
Dazu gehören unter anderem die Pelorienbildung bei Blütenpflanzen, Eschen mit nur ein- oder dreifach gegliederten Blättern (Einblattesche) sowie Kakteen mit auftretenden Blättern.
Bei Bakterien, Pilzen und eukaryotischen Einzellern
Grundsätzlich sollten atavistische Formen auch bei Bakterien, Pilzen und Einzellern auftreten. Allerdings sind sie aufgrund der starken Variabilität dieser Lebewesen und teilweise nicht vollständig geklärter Abstammungsverhältnisse schwieriger eindeutig zu identifizieren und von Neubildungen zu unterscheiden.
Ursachen von Atavismen
Die Bildung von Atavismen kann folgende Ursachen haben:<ref name="mtl-24-1983">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Hemmungsmissbildungen (paratypischer Atavismus): die arttypische Ausdifferenzierung vorübergehend vom Embryo durchlaufener Organbildungsstadien mit Rekapitulation früherer Merkmale bricht durch exogene Störung ab;
mutativer Atavismus: durch Mutation bestimmter Gene oder Änderungen der Genregulation mit erneuter Aktivierung reprimierter (latenter) Gene entsteht phänotypisch Ähnlichkeit zu einer Ahnenform;
Hybrid-Atavismus (Kombinationsatavismus): Aus einer Stammform entstanden phänotypisch deutlich unterschiedliche Genotypen von Abkömmlingen. Durch deren Kreuzung (Bastardisierung) kommt es zu einer Genkonstellation, die dem Genotyp der Stammform sehr ähnelt und auch eine phänotypische Ähnlichkeit bewirkt.
Verhaltensatavismus
Bei Verhaltensatavismen handelt es sich um angeborene Verhaltensweisen, die im Verlauf der Stammesgeschichte abgelegt wurden. Beispielsweise bauen einzelne Haussperlinge gelegentlich ihre Nester nicht wie üblich, sondern errichten stattdessen Kugelnester, wie sie für ursprüngliche Webervögel charakteristisch sind. Diese atavistischen Kugelnester entstehen nicht durch Nachahmung eines Vorbildes, sondern die Formgebung seines Nistplatzes ist angeboren, der Vogel handelt also rein instinktgesteuert.
Auch das Fight-or-flight-Syndrom des Menschen kann als Verhaltensatavismus gelten, denn dabei treten seine artspezifischen kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten in den Hintergrund zugunsten instinktgesteuerter häufig irrationaler Reaktionen.
Literatur
Ulrich Kutschera: Evolutionsbiologie. 3. Auflage, Ulmer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8252-8318-6.
Martin Brandt: Über 2 Fälle von abnormen Ursprung und Verlauf der Art. subclavia dextra, zugleich ein Beitrag zur Frage des sekundären Atavismus. Aus dem Pathologischen Institut der Universität Breslau. Breslau 1921, {{#if: {{#if: | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{suffix}}}}} }}
Reinhard Junker: Rudimentäre Organe und Atavismen. Konstruktionsfehler des Lebens? (= Studium integrale: Biologie.) Zeitjournal Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-927390-03-8.