Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Löwenstein-Formation – Wikipedia Zum Inhalt springen

Löwenstein-Formation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Burgsandstein)

<imagemap> Datei:Keuper-Lithostratigrafie.svg|350px|mini|Lithostratigrafie der Keuper-Gruppe im Germanischen Becken rect 7 6 74 72 Geologische Zeitskala

  1. rect 75 6 145 74 Untergruppe
  2. Beckenfazies

rect 147 6 353 74 Fazies

  1. Randfazies

rect 354 6 536 74 Fazies poly 145 75 146 166 360 165 537 133 538 75 146 75 Exter-Formation rect 75 75 145 164 Oberer Keuper rect 7 75 74 164 Rhaetium rect 146 165 360 305 Arnstadt-Formation poly 360 166 538 133 537 196 359 198 360 166 361 165 Trossingen-Formation rect 6 166 73 383 Norium rect 360 198 535 307 Löwenstein-Formation rect 73 166 144 654 Mittlerer Keuper rect 6 385 74 623 Karnium

  1. rect 144 307 536 384 Altkimmerische Hauptdiskordanz

rect 145 386 359 499 Weser-Formation rect 360 384 536 412 Mainhardt-Formation rect 360 413 536 446 Hassberge-Formation rect 360 448 536 496 Steigerwald-Formation rect 146 497 535 545 Stuttgart-Formation

  1. rect 145 545 536 602 Intrakarnische Diskordanz

rect 145 602 360 655 Grabfeld-Formation rect 360 601 535 656 Benk-Formation rect 74 656 145 728 Unterer Keuper rect 6 624 74 780 Ladinium rect 146 656 359 729 Erfurt-Formation rect 359 656 535 780 Grafenwöhr-Formation rect 74 729 360 779 Muschelkalk desc bottom-right </imagemap>

Die Löwenstein-Formation (Stubensandstein in Baden-Württemberg, Burgsandstein in Bayern) ist eine lithostratigraphische Formation des Keupers in der Germanischen Trias. Die lithostratigraphische Einheit wird von der Mainhardt-Formation unterlagert und von der Trossingen-Formation überlagert.

Definition

Die Untergrenze der Löwenstein-Formation ist durch das Einsetzen der Sandsteine des „Stuben-“ oder „Burgsandsteins“ definiert, die Obergrenze durch das Aussetzen der Sandsteine. Sowohl Unter- wie auch Obergrenze sind stark diachron. Die Untergrenze ist häufig sogar diskordant. Die Löwenstein-Formation verzahnt sich zum Norddeutschen Becken hin mit der Weser-Formation, in den oberen Partien auch schon mit der Exter-Formation. Nach Südosten greift sie weit auf das Vindelizische Land über, weiter als die älteren Formationen.

Datei:Kümmelsbach 250710a.jpg
Bei Mainhardt: im oberen Bereich der Stubensandstein
Datei:Kirnberg Löwensteinaufschluss.JPG
Sandstein-Aufschluss in der Löwenstein-Formation des Schönbuchs. Die Schichtstrukturen lassen sich sehr gut erkennen.

Die Löwenstein-Formation besteht aus hellen, fein- bis grobkörnigen Sandsteinen mit einzelnen Konglomeratlagen, die einen hohen Feldspat- und Tonanteil haben. Die Sandsteine verzahnen sich lateral mit bunten Tonsteinen. Zwischen den kompakten Sandsteinpaketen liegen mehrere Zwischenlagen aus Ton. Außerdem kommen mehrere Karbonathorizonte vor, deren Genese jedoch unterschiedlich ist. Die Krustenkalke zum Beispiel lassen auf ehemalige Bodenhorizonte schließen. Eingeschaltet sind auch einige Dolomitbänke, die regional Bedeutung als Leithorizonte haben (z. B. Schützlinger Bank, Ochsenbachbank, Rottweiler Bank und Herrenberger Bank). Die Mächtigkeit beträgt durchschnittlich etwa 120 bis 140 m; sie geht im südlichen Baden-Württemberg bis auf 10 m zurück. Die Löwenstein-Formation wird in das mittlere Norium bis ins Untere Rhaetium (Obertrias) datiert. Ein Typprofil muss noch festgelegt werden. Typregion sind die Löwensteiner Berge im nördlichen Baden-Württemberg, von denen auch der Name abgeleitet ist.

Gliederung

Die Löwenstein-Formation ist noch nicht formell untergliedert worden, jedoch bietet sich eine lithologische Gliederung in drei Sandsteineinheiten an:

  • Oberer Stubensandstein (Oberer Burgsandstein)
  • Mittlerer Stubensandstein (Mittlerer Burgsandstein)
  • Unterer Stubensandstein (Unterer Burgsandstein)

Die Korrelation der Einheiten in Baden-Württemberg und Bayern entsprechen sich, wenn auch in Details Korrekturen vorgenommen werden müssen. Regional können auch die Karbonatbänke zur Korrelation herangezogen werden.

Ablagerungsraum

Die Sandsteine der Löwenstein-Formation entstanden unter trocken-heißem Wüsten- bis Halbwüstenklima (Arides Klima) durch Schichtfluten aus Abtragungsmaterial der Vindelizischen Schwelle im Südosten. Die massiven Sandsteine entstanden in Flussrinnen (Konglomerate!). In den dazwischenliegenden Überflutungsebenen kam es auch zu Bodenbildungen in Form von Kalk- und Kieselkrusten. Bodenhorizonte sind auch durch kohlige Lagen und Wurzelspuren dokumentiert.

Fossilien

Datei:Proganochelys Quenstedti.jpg
Fossilrekonstruktion von Proganochelys quenstedti im American Museum of Natural History

Die Sandsteine der Löwenstein-Formation enthalten Pflanzenreste, Fossilien von Landwirbeltieren und Fischen sowie Süßwassermuscheln (Unioniden). Auf den Schichtflächen wurden Fährten und andere Ichnotaxa gefunden. In den Dolomitbänken kam eine individuenreiche Muschel-, Schnecken- und Muschelkrebs-Fauna zum Vorschein. Ein bekanntes Fossil ist die etwa einen Meter lange „Urschildkröte“ Proganochelys quenstedti (Baur, 1887) aus dem Oberen Stubensandstein. Kennzeichen der frühen Entwicklungsstufe in der Stammesgeschichte der Schildkröten (Testudinata) sind noch vorhandene Zähne auf dem Gaumenbein und die noch nicht entwickelte Fähigkeit, Kopf und Hals unter dem Knochenpanzer zu verbergen. Eine weitere „Urschildkröte“ Murrhardtia staeschei wurde 2000 von Karl & Tichy aus dem Unteren Stubensandstein von Murrhardt (Baden-Württemberg) beschrieben. Diese gehört schon zu einem phylogenetischen Ast, der näher bei dem der heutigen Schildkröten liegt als Proganochelys.

Wirtschaftliche Bedeutung

Datei:Kirnberg Löwensteinformation.JPG
Aufschluss im Kirnbachtal des Schönbuchs

Der Stubensandstein war im Mittelalter ein bedeutender Baustein für Kirchen und Rathäuser. Er ist allerdings sehr verwitterungsanfällig. Die Zwischenlagen wurden als Töpferton verwendet. Die Schichten ließen sich auch leicht zu Sand zermahlen, der dann vorwiegend bei der Mörtelherstellung, aber auch als Streu- und Scheuersand für Straßen oder die Holzböden heimischer Wohnstuben genutzt wurde, so erklärt sich auch der Name Stubensandstein. Sein Goldgehalt führte an vielen Orten zum Entstehen von Goldwaschanlagen, die jedoch nach kurzer Zeit wegen der geringen Ausbeute wieder aufgegeben werden mussten. Stubensandstein z. B. Dettenhausener Sandstein kann auch sehr hart und witterungsbeständig sein und wurde dann auch für Mühlsteine oder Fundamentsteine benutzt.

Geomorphologie

Datei:Keuperstufen bei Löwenstein.JPG
Die Keuperschichtstufe im Nordwesten der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge bei Löwenstein. Am Geländeprofil das nach links (Westen) abfallenden Wolfertsberg in der Bildmitte lassen sich die Stufen leicht erkennen: Zuoberst (rechts) der bewaldete Stubensandstein, steilerer Abfall in den höchsten Weinberglagen in den oberen bunten Mergeln, langgestrecktes Plateau auf Kieselsandstein, wiederum steilerer Abfall (tlw. noch bewaldet) in den unteren bunten Mergeln zum durch Rebflurbereinigung in neuer Zeit stark umgeformten Plateau des Schilfsandsteins. Den Talgrund bildet Gipskeuper.

Der relativ weiche Sandstein, der gut Wasser aufnehmen kann und unter den härteren Keuperschichten gut herauslösbar ist, trägt als Sockelbildner stark zur Formung der Landschaft im mittleren Neckarraum bei. Vor allem die Stuttgarter Klingen, tief in den Keuper eingeschnittene Schluchten, sind durch die Stubensandsteinschichten geprägt worden. Eine begehbare typische Schlucht, durch die ein geographischer Lehrpfad führt, ist die als Kerbtal ausgebildete Schwälblesklinge. Ein geologischer Lehrpfad erschließt den Stubensandstein im Kirnbachtal des Schönbuchs bei Tübingen.<ref>Johannes Baier: Der Geologische Lehrpfad am Kirnberg (Keuper; SW-Deutschland). - Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver, N. F. 93, 9-26, 2011.</ref>

Literatur

Datei:Schwaelblesklinge klein.jpg
Schwälblesklinge mit landschaftstypischem Stufenrelief
  • Gerhard Beutler: Lithostratigraphie. In: Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland IV – Keuper. Courier Forschungsinstitut Senckenberg, 253: 65-84, Stuttgart 2005 {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0341-4116|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

}}{{#ifeq:0|1

        |{{#switch:00
                  |11= (print/online)
                  |10= (print)
                  |01= (online)
          }}

}}{{#ifeq:0|0

        |{{#ifeq:0|0
              |{{#if:{{#invoke:URIutil|isISSNvalid|1=0341-4116}}
                    |
                    |{{#invoke:TemplUtl|failure|ISSN ungültig}}}}}}

}}

  • Gerhard Beutler, Norbert Hauschke und Edgar Nitsch: Faziesentwicklung des Keupers im Germanischen Becken. In: Norbert Hauschke & Volker Wilde (Hrsg.): Trias – Eine ganz andere Welt – Mitteleuropa im frühen Erdmittelalter. S. 129–174, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 1999, ISBN 3-931516-55-5
  • Hans-Volker Karl und Gerhard Tichy: Murrhardtia staeschei n. gen. n. sp. – eine neue Schildkröte aus der Oberen Trias von Süddeutschland. Joannea Geologie und Paläontologie 2: 57-72, Graz 2000 {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|1562-9449|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

}}{{#ifeq:0|1

        |{{#switch:00
                  |11= (print/online)
                  |10= (print)
                  |01= (online)
          }}

}}{{#ifeq:0|0

        |{{#ifeq:0|0
              |{{#if:{{#invoke:URIutil|isISSNvalid|1=1562-9449}}
                    |
                    |{{#invoke:TemplUtl|failure|ISSN ungültig}}}}}}

}}

  • Edgar Nitsch: Der Keuper in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002: Formationen und Folgen. Newsletters on Stratigraphy, 41(1-3): 159-171, Stuttgart 2005 {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0078-0421|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

}}{{#ifeq:0|1

        |{{#switch:00
                  |11= (print/online)
                  |10= (print)
                  |01= (online)
          }}

}}{{#ifeq:0|0

        |{{#ifeq:0|0
              |{{#if:{{#invoke:URIutil|isISSNvalid|1=0078-0421}}
                    |
                    |{{#invoke:TemplUtl|failure|ISSN ungültig}}}}}}

}}

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

  • Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.): Stratigraphische Tabelle von Deutschland 2002. Potsdam 2002, ISBN 3-00-010197-7 – [1] (Groß; PDF; 6,9 MB) (abgekürzt STD2002)
  • Geographischer Lehrpfad