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Chalil al-Wazir

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Datei:Abu Jihad al-Wazir.jpg
Chalil Ibrahim al-Wazir, 1970

Chalil Ibrahim Mahmud al-Wazir (arabisch خليل إبراهيم محمود الوزير, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); * 10. Oktober 1935 in Ramla, Palästina; † 16. April 1988 in Sidi Bou Saïd bei Tunis, Tunesien), auch bekannt als Abu Dschihad<ref name=":0">Jean-Pierre Filiu: Comment la Palestine fut perdue – Et pourquoi Israël n’a pas gagné – Histoire d’un conflict (XIXe–XXIe siècle). Éditions du Seuil, Paris 2024, ISBN 978-2-02-153833-5, S. 224 f., 244.</ref> („Vater des Dschihad“, sein ältester Sohn), war ein palästinensischer Politiker und stellvertretender Chef der PLO.

Leben

Chalil al-Wazir war ein Kind, als er 1948 im Palästinakrieg im Zuge der Nakba zusammen mit seiner Familie aus Ramla<ref name=":0" /> vertrieben wurde und als Flüchtling in den Gazastreifen kam, der von der ägyptischen Armee besetzt worden war. Ab 1956 studierte er an der Universität Alexandria. In Gaza organisierte er die Fedaijn,<ref name=":0" /> bis die ägyptische Regierung gegen sie vorging und er und Salah Khalaf gehen mussten. Anschließend lehrte er in einige Monate Saudi-Arabien. Im September 1959 war er mit Jassir Arafat in Kuwait an der Gründung der PLO beteiligt. Bis 1963 lebte er in dem Land, das palästinensische Organisationen zu unterstützen bereit war.<ref name=":0" /> Dort gab er das Magazin al-Filastiniya heraus.

1963 ging er nach Algerien und eröffnete dort das erste Büro der Fatah. 1965 ging er nach Damaskus, wo er im militärischen Hauptquartier der PLO für die Beziehungen zu den Guerilla-Einheiten in Palästina zuständig war. Er kämpfte 1967 im Sechstagekrieg und war für Kommando-Operationen in den Besetzten Gebieten und innerhalb Israels verantwortlich. Auch beim Schwarzen September in Jordanien 1970/71 gehörte al-Wazir zu den Führungsköpfen der Palästinenser. Nach der Niederlage ließ er sich in Beirut nieder, wo er im Libanonkrieg 1982 vertrieben wurde. Al-Wazir war verheiratet und Vater von fünf Kindern. Er stieg zum stellvertretenden Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) auf und war Mitglied im Palästinensischen Nationalrat. Unter seiner Leitung entstand in Tunis eine Abteilung<ref name=":3">Ziad Majed: Le Proche-Orient, miroir du monde : Comprendre le basculement en cours. Éditions La Découverte, Paris 2025, ISBN 978-2-348-08973-2, S. 98.</ref> für die Beobachtung und Koordination der Ersten Intifada. Diese leistete Medienarbeit und versuchte mit finanziellen Mitteln unterstützend auf die Ereignisse in Palästina Einfluss zu nehmen.<ref name=":3" />

Israel warf ihm die Beteiligung an Anschlägen, wie dem jüngsten Angriff mit Geiselnahme beim Atomreaktor von Dimona vom 8. März 1988 vor, bei dem fünf Israelis getötet worden waren.<ref name=":4">Charles Enderlin: Le grand aveuglement : Israël face à l’islam radical. 2. Auflage. Éditions Albin Michel, Paris 2024, ISBN 978-2-226-49661-4, S. 149.</ref> Al-Wazir soll insgesamt ab Ende 1987 die Erste Intifada organisiert haben.<ref name="dw" /> Die israelische Eliteeinheit Sajeret Matkal erhielt den Auftrag, ihn zu töten.<ref>Alain Gresh: Israel-Palästina: Hintergründe eines Konflikts. 3. Auflage. Rotpunktverlag, Zürich 2025, ISBN 978-3-03973-057-5, S. 227.</ref><ref name=":4" /> Sie trainierte mit unbewohnten Villen bei Tel Aviv. Danach war dieses Kommando ab dem 13. April 1988 auf einem in Haifa ausgelaufenen Schiff im Mittelmeer. Eine israelische Boeing 707 störte am 15. April die tunesischen Fernmelde- und Radarsignale. An Bord waren Ehud Barak<ref name=":2">Pierre Blanc, Jean-Paul Chagnollaud, cartographie de Madeleine Benoit-Guyod: Atlas des Palestiniens : Itinéraire d’un peuple sans État (= Collection Atlas/Monde). 4. Auflage. Éditions Autrement (Éditions Flammarion), Paris 2025, ISBN 978-2-08-046924-3, S. 68 f.</ref> und der Generalstabschef des IDF. Die Schiffsbesatzung landete per Kleinboot am Strand von Raoued, zwei Mietwagen standen dort bereit. Nachts um 1:30 Uhr näherte sich der Kommandant Nahoum Lev<ref name=":2" /> mit einem als Frau verkleideten Soldaten, die ein Paar darstellen sollten, der Villa in Sidi Bou Saïd. Sie erschossen einen Wachmann. Darauf stürmte der Rest des Kommandos in die Villa und tötete Chalil al-Wazir.

Neben al-Wazir fielen auch zwei Leibwächter und ein Gärtner dem 26-köpfigen israelischen Kommando zum Opfer.<ref name="dw">AFP/dapd: Palästinenser. Israel gesteht Mord an PLO-Vize. Deutsche Welle, 2. November 2012 (online).</ref><ref name=":1">syd/dapd/AFP: Israel gesteht Tötung von Arafat-Vize Abu Dschihad. In: Der Spiegel. 1. November 2012, abgerufen am 16. Juni 2025.</ref> Im Westjordanland und Gaza fanden Demonstrationen statt, die ihn als „Märtyrer“<ref name=":0" /> feierten. Zwölf Palästinenser wurden bei der Unterdrückung dieser Proteste getötet.<ref name=":4" /> Chalil al-Wazir galt fortan in den Verlautbarungen der Organisation als „erste Kugel“<ref name=":0" /> des bewaffneten Kampfes der Fatah und als „erster Stein“<ref name=":0" /> der Ersten Intifada. Die Tötung hatte laut dem französischen Politologen Samy Cohen keinen Einfluss auf den Verlauf der Intifada, weil die Exilführung der PLO in Tunis die Entwicklung des Volksaufstands in den besetzten Gebieten zwar aus der Ferne kommentieren konnte, aber keineswegs vor Ort kontrollierte.<ref>Samy Cohen: Tuer ou laisser vivre : Israël et la morale de la guerre. Éditions Flammarion, Paris 2025, ISBN 978-2-08-046824-6, S. 135.</ref>

Schon 1997 berichtete die Nachrichtenagentur AP, dass der spätere israelische Verteidigungsminister Ehud Barak in den Fall verwickelt sei.<ref>Gwen Ackerman: Barak Assassination of Abu Jihad. Associated Press, 4. Juli 1997, abgerufen am 5. November 2012.</ref> Recherchen der Zeitung Jedi’ot Acharonot zu dem Fall durften wegen der israelischen Militärzensur erst im November 2012 veröffentlicht werden.<ref name=":1" /> Neben Barak soll der stellvertretende Ministerpräsident Mosche Jaalon, damals Leiter der Einheit Sajeret Matkal, beteiligt gewesen sein.

Weblinks

Commons: Khalil al-Wazir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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