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Kupfer(II)-acetat – Wikipedia Zum Inhalt springen

Kupfer(II)-acetat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Cupriacetat)

Vorlage:Hinweisbaustein

Strukturformel
Kupferion <math>\mathrm{ \ \Biggl[}</math> Acetation <math>\mathrm{ \ \!\ \Biggr]_2}</math>
Allgemeines
Name Kupfer(II)-acetat
Andere Namen
  • Cupriacetat
  • Kupferdiacetat
  • Aerugo
  • C.I. Pigment Green 20<ref>The Color of Art Pigment Database: Pigment Green: PG20 artiscreation.com, David Myers. Abgerufen am 23. Juli 2016.</ref>
  • C.I. 77408
  • Kupferethanoat
  • Vorlage:INCI
Summenformel C4H6CuO4
Kurzbeschreibung

grüne (wasserfrei) bis blaugrüne (Monohydrat), geruchlose Kristalle<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 205-553-3
ECHA-InfoCard 100.005.049
PubChem 8895
ChemSpider 8555
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 181,64 g·mol−1 (wasserfrei)

199,64 g·mol−1 (Monohydrat)

Aggregatzustand

fest<ref name="GESTIS"/>

Dichte

1,88 g·cm−3 (Monohydrat)<ref name="GESTIS"/>

Schmelzpunkt

115 °C (Monohydrat)<ref name="GESTIS"/>

Siedepunkt

Zersetzung<ref name="GESTIS"/>

Löslichkeit

mäßig in Wasser (72 g·l−1 bei 20 °C, Monohydrat)<ref name="GESTIS"/>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS"/>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302​‐​314​‐​410
P: 260​‐​273​‐​280​‐​301+312​‐​303+361+353​‐​305+351+338<ref name="GESTIS"/>
MAK

0,1 mg·m−3 <ref name="GESTIS"/>

Toxikologische Daten
  • 501 mg·kg−1 (LD50Ratteoral, wasserfrei)<ref name="GESTIS" />
  • 710 mg·kg−1 (LD50Ratteoral, Monohydrat)<ref name="GESTIS" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Kupfer(II)-acetat (auch Grünspan; lateinisch Cuprum aceticum oder Aerugo, früher auch viride aeris oder aes viride) ist ein Kupfersalz der Essigsäure mit der Konstitutionsformel Cu(CH3COO)2.

Die Bezeichnung „Grünspan“<ref>Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 135 (Grüenspān) und 173 (Spāngrüen: Grünspan, basisches Kupferazetat Cu(OH)2·(CH3COO)2Cu.)</ref> (spätmittelhochdeutsch spāngrüen oder grüenspān) ist nach mittellateinisch viride hispanum oder viride hispanicum („Spanisches Grün“; früher auch „Schildgrün“ (schiltgrün) und „Schildfarbe“,<ref>Christine Jakobi-Mirwald: „The making of ...“ Buchherstellung im frühen Mittelalter. Geplanter Vortrag [22.4.2020] zur Ausstellung Wolfenbüttel HAB: Leuchtendes Wort – sprechendes Bild. Handschriften aus dem Kloster Weißenburg (PDF), S. 40–41.</ref> „Yspanicum“, „spanisch Grün“, „Spangrün“ und „Kupferrost“ genannt<ref>Wilhelm Hassenstein, Hermann Virl: Das Feuerwerkbuch von 1420. 600 Jahre deutsche Pulverwaffen und Büchsenmeisterei. Neudruck des Erstdruckes aus dem Jahr 1529 mit Übertragung ins Hochdeutsche und Erläuterungen von Wilhelm Hassenstein. Verlag der Deutschen Technik, München 1941, S. 40.</ref>) gebildet,<ref>Vgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 394 (Grünspan: volksetymologische Umdeutungen von „spangrün“; und Grünspat: alter Name für Grünspan neben „spangrün“; lateinisch auch viride hispanum) und 465–466 (spongrün, Übersetzung von viride hispanicum).</ref> weil der aus künstlich hergestelltem essigsaurem Kupferoxid gewonnene Farbstoff im Mittelalter aus Spanien eingeführt wurde.<ref>Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Akademie, Berlin 1989 (und spätere Auflagen), s. v.; Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Aufl., bearb. von Elmar Seebold. De Gruyter, Berlin 2011, s. v.</ref><ref>Dieter Lehmann: Zwei wundärztliche Rezeptbücher des 15. Jahrhunderts vom Oberrhein. Teil I: Text und Glossar. Horst Wellm, Pattensen/Han. 1985, jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 34), ISBN 3-921456-63-0, S. 186.</ref> Diese Bezeichnung ist insoweit irreführend, als nur das wasserfreie Salz von grüner Farbe ist. Sobald es mit Wasser in Berührung kommt, verfärbt es sich wie unten zu sehen zum für Kupfer-(II)-ionen typischen Blau.

Eigenschaften

Datei:Copper(II) acetate partly powdered.jpg
Teils pulverisiertes Kupfer(II)-acetat
Datei:CuAc in H2O.jpg
Kupfer(II)-acetat in wässriger Lösung
Datei:Copper(II)-acetate.jpg
Grünspan in Pulverform
Datei:Verdigris Gruenspan vert-de-gris.jpg
Grünspan-Kristalle auf einem Kupferdraht (vergrößert)
Datei:Kupfer(II)-acetat-Monohydrat, dichroitisch.jpg
Kupfer(II)-acetat-Monohydrat, dichroitisch

Kupfer(II)-acetat kristallisiert aus wässriger Lösung als Monohydrat (Cu(CH3COO)2·H2O). Das Salz bildet dunkelgrüne Kristalle, die sich in Wasser (bei 20 °C zu 72 g/l) und in Ethanol lösen. Die Kristalle verwittern an der Luft und verlieren beim Erhitzen auf über 100 °C ihr Kristallwasser. Ab 220 °C zersetzt sich das Salz, wobei Kupfer(I)-oxid, Kupfer(II)-oxid, Aceton, Acetaldehyd, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid als Zersetzungsprodukte entstehen.<ref name="Mansour">Mansour, S.A.A.: Themoanalytical investigations of the decomposition course of copper oxysalts III: Copper(II) acetate monohydrate in J. Therm. Anal. 46 (1996) 263–274, doi:10.1007/BF01979966.</ref>

Herstellung

Kupferacetat entsteht im Labor beim Einstellen von Kupferblech oder -draht in Essigsäure oder Essig an der Luft. Dabei bildet sich zunächst sogenannter Grünspan, der ein Gemisch verschiedener basischer Kupferacetate darstellt und sich an Kupferstellen bildet, die sich oberhalb der Essigsäurelösung befinden. Grünspan entsteht daher auch beim Aufbewahren von essighaltigen Speisen in Kupfergefäßen. Grünspan (ungefähre Zusammensetzung Cu(CH3COO)2·[Cu(OH)2]3·2H2O) darf jedoch nicht mit den grünen Schichten einer Patina verwechselt werden, dies sind nämlich Kupfer-(carbonat-sulfat-chlorid)-hydroxid-Gemische (basische Kupferverbindungen), die sich z. B. auf Kupferdächern bilden.

In Essigsäure gelöst, liefert Grünspan dann das Kupferacetat (früher auch Kupferrauch genannt<ref>Wolfgang Schneider: Pharmazeutische Chemikalien und Mineralien. Ergänzungen (zu Band III des Lexikons zur Arzneimittelgeschichte). Frankfurt am Main 1975, S. 84.</ref>). Bei der technischen Gewinnung von Kupferacetat mit Essigsäure wird statt Kupfer-Metall Kupfer(II)-oxid oder basisches Kupfercarbonat (CuCO3·Cu(OH)2) verwendet.

<math>\mathrm{CuO + 2\ CH_3COOH \rightarrow Cu(CH_3COO)_2 + H_2O}</math>
<math>\mathrm{CuCO_3 \cdot Cu(OH)_2 + 4\ CH_3COOH \rightarrow 2\ Cu(CH_3COO)_2 + 2\ H_2O + CO_2 \uparrow}</math>

Verwendung

Kupferacetat ist ein Farbpigment (Spanisches Grün) in den Farben Grün (auch Grünspan) bis Blau (in Gemisch mit Kalk und Essigsäure, es bildet sich Kupfer-Calcium-Acetat). In der Ölmalerei wurde es vor allem in der Renaissance als eines der wenigen damals erhältlichen grünen Pigmente verwendet.<ref>Kühn, H., Grünspan und seine Verwendung in der Malerei, in: Farbe und Lack, 70, 1964, S. 703–711.</ref> Es ist ein wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung des giftigen Farbpigments Schweinfurter Grün, dient als Fungizid (pilztötendes Mittel) und ist mäßig giftig. Im Bengalischen Licht und in Feuerwerken liefert es eine grüne Flammenfärbung.

In der Heilkunde fand Kupfer(II)-acetat bzw. Grünspan (lateinisch als aerugo bezeichnet<ref>Vgl. etwa Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 182 („Erugo eris – ist der rust von erc“).</ref>) etwa mittels der Ägyptischen Grünspan-Salbe (Unguentum aegyptiacum) ein Einsatzgebiet.<ref>Vgl. etwa Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 158.</ref>

Vorkommen

In der Natur kommt Kupferacetat als das sehr seltene Mineral Hoganit vor.

Siehe auch

Weblinks

Commons: Kupfer(II)-acetat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />