Acetazolamid
Acetazolamid ist ein Carboanhydrasehemmer aus der Substanzklasse der Sulfonsäureamide. Es ist ein Diuretikum und hemmt die Bikarbonatresorption.<ref>H. Knauf, Ernst Mutschler: Diuretika. Urban & Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore 1986, ISBN 3-541-11391-X, S. 7.</ref> Es kann den Augeninnendruck, den Hirndruck und den Blutdruck senken. Acetazolamid führt zu vermehrter Ausscheidung von Kalium mit dem Urin, so dass bei dauerhafter Anwendung auf eine vermehrte Zufuhr von Kalium mit der Nahrung geachtet werden sollte.
Klinische Angaben
Anwendungsgebiete (Indikationen)
Angewendet wird Acetazolamid insbesondere bei erhöhtem Augendruck (Glaukom oder »grüner Star«), bei der idiopathischen intrakraniellen Hypertension („Pseudotumor cerebri“) oder dem zystoiden Makulaödem. Ferner kann Acetazolamid zur Behandlung einer Ateminsuffizienz mit respiratorischer Alkalose,<ref name="luellmann">Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Lutz Hein: Pharmakologie und Toxikologie. Arzneimittelwirkungen verstehen – Medikamente gezielt einsetzen. Ein Lehrbuch für Studierende der Medizin, der Pharmazie und der Biowissenschaften, eine Informationsquelle für Ärzte, Apotheker und Gesundheitspolitiker. 17., vollständig überarbeitete Auflage. Thieme, Stuttgart u. a. 2010, ISBN 978-3-13-368517-7, S. 226, (Vorlage:Google Buch).</ref> von Pankreatitis oder Pankreasfisteln sowie als Zusatztherapie bei Epilepsie oder Morbus Menière eingesetzt werden.
Es ist auch zur vorbeugenden Behandlung der Höhenkrankheit zugelassen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Es wirkt durch Steigerung der Belüftung der Lungen bei der Atmung – ähnlich wie das bei den Tibetern genetisch bedingt erfolgt<ref>Vorlage:Internetquelle.</ref> – wodurch die Atmung aber auch ineffektiver wird.<ref>Vorlage:" Sophie Lalande, Eric M. Snyder, Thomas P. Olson, Minelle L. Hulsebus, Marek Orban, Virend K. Somers, Bruce D. Johnson, Robert P. Frantz: The effects of sildenafil and acetazolamide on breathing efficiency and ventilatory control during hypoxic exercise. In: European Journal of Applied Physiology, Band 106, Nr. 4, 2009, S. 509–515, doi:10.1007/s00421-009-1042-5, PMID 19337745, Vorlage:PMC.</ref>
In Höhen mit geringem Sauerstoffpartialdruck atmet der Mensch schneller, was zu einer respiratorischen Alkalose führt. Dieser wird mit Carboanhydrase-Hemmern vorgebeugt. Hierbei wird die Ausscheidung von Hydronium-Ionen im Urin verringert, und zwar in den Zellen der proximalen Tubuli der Nieren.<ref name="luellmann" />
Acetazolamid lindert auch Symptome bestimmter Formen der Myotonia congenita.<ref>Randall G. Trudell, Kenneth K. Kaiser, Robert C. Griggs: Acetazolamide-responsive myotonia congenita. In: Neurology. Band 37, Nr. 3, 1987, S. 488–491, doi:10.1212/WNL.37.3.488, PMID 3822145.</ref> Eine Zulassung für dieses Anwendungsgebiet besteht jedoch nicht.
Im Rahmen der Hirnperfusionsszintigrafie wird Acetazolamid eingesetzt (Off-Label-Use), um Areale mit normaler Reservekapazität von solchen Arealen zu unterscheiden, deren Gefäße zur Kompensation vorgeschalteter Gefäßverengungen bereits maximal erweitert sind.<ref name="Kuwert">Torsten Kuwert: Gehirn. In: Vorlage:BibISBN</ref>
Nebenwirkungen
Bei intravenöser Anwendung kommen Schwindel, Tinnitus, Parästhesien um den Mund, Übelkeit und Blutdruckabfall vor. Die Beschwerden sind meist milde und klingen von alleine wieder ab.<ref name="Kuwert" />
Kontraindikationen
Absolute Kontraindikationen sind Allergien gegen Sulfonamide und das subakute Stadium des Schlaganfalls. Als relative Kontraindikationen gelten Migräne, Niereninsuffizienz und Leberinsuffizienz.<ref name="Kuwert" />
Handelsnamen
Monopräparate
Acemit (D),<ref name="ROTE LISTE">Rote Liste 2017. Verlag Rote Liste Service, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-946057-10-9, S. 157.</ref> Diamox (A, CH), Glaupax (D, CH)
Einzelnachweise
<references />