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Esperanto-Kultur

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Datei:2008-07-24 uk pilipovicx 02.JPG
Der serbische Schauspieler Sascha Pilipovic präsentiert sein Kabarett auf dem Welt-Esperanto-Kongress, Rotterdam 2008

Die Esperanto-Kultur ist die Kultur der Esperanto-Sprachgemeinschaft, die sich vor allem in der Literatur, gemeinsamen Symbolen und Kongressen niederschlägt und teils aus genuinen (z. B. Originalliteratur, eigenständig geprägte Phraseologismen), teils aus übernommenen Elementen (z. B. Übersetzungsliteratur, Lehnübersetzungen) besteht.

Identität

Beim ersten Esperanto-Weltkongress, in Boulogne-sur-Mer 1905, wurde eine „Deklaration über das Wesen des Esperantismus“ beschlossen; die Anhänger des Esperantismus, des „Bestrebens, in der ganzen Welt die Verwendung einer neutralen Sprache zu verbreiten“, definierten damals als „Esperantisten“ jeden, der die Sprache kennt und verwendet, egal zu welchem Zweck.<ref>Bulonja Deklaracio; Deklaracio pri la esenco de la Esperantismo (wikisource)</ref> Ergänzend wurde erläutert, dass die Verfolgung oder Nichtverfolgung von Idealen in Zusammenhang mit der Verbreitung der Sprache die private Angelegenheit jedes einzelnen Sprechers sei.

Symbole

Das bedeutendste Symbol des Esperanto ist ein grünes Pentagramm auf weißem Grund, das sich auch in der Esperantoflagge wiederfindet. Das Gedicht La Espero gilt als Hymne des Esperanto. In ihr ist die Rede von Weltfrieden, Eintracht und den andauernden Segnungen einer neutralen Sprache.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Himno Esperantista (Memento vom 9. Februar 2006 im Internet Archive) Enciklopedio de Esperanto, Buchstaben H und Ĥ, Stichwort Himno Esperantista.</ref>

Datei:HL Damals – Esperanto-Kongress – 1911 – Kongress-Teilnehmer.jpg
Das Esperanto im Zentrum der Sprachen (Pressefoto zum Motto des VI. DEK, 1911)

Das nebenstehende Bild stammt vom VI. Deutschen Esperanto-Kongress aus dem Jahr 1911. Dies ist der bis dahin erfolgreichste und sollte es auf Jahre hinaus bleiben. Auf dem nebenstehenden Bild sind Kongressteilnehmer dreier Gliedstaaten in ihren landestypischen Trachten die junges ein Mädchen in einen weißen Kleid mit einem Esperanto-Stern, dass zu zusätzlich eine Esperantofahne trägt, abgebildet. Die Personen standen symbolisch für die verschiedenartigen Sprachen in deren Zentrum sich das junge Esperanto befand.

Das Motto des Kongresses, „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“, bezog sich auf die praktische Lösung des Weltsprachenproblems. Die exemplarische Botschaft des Bildes war die gleichzeitige Kommunikationsmöglichkeit aller unter der Nutzung der sie verbindenden Kunstsprache als Weltsprache.

Literatur

Im Unterschied zu natürlichen Sprachen nimmt die Schriftkultur einen deutlich höheren Stellenwert ein, denn anders als Plansprachen wie Ido, Occidental und Interlingua war Esperanto von Anfang an als Literatursprache angelegt.<ref name="blanke">Blanke, Detlev: Interlinguistische Beiträge. Zum Wesen und zur Funktion internationaler Plansprachen. Herausgegeben von Sabine Fiedler. Frankfurt/Main u. a.: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften, 2006, ISBN 3-631-55024-3, S. 224f.</ref> Die Esperanto-Literatur hat ihre eigenen Autoren, welche auf Esperanto schreiben oder geschrieben haben.<ref>icxlm.org: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />La kulturo de Esperanto (Memento vom 27. Dezember 2017 im Internet Archive)</ref> Bei Übersetzungen ins Esperanto dominieren nicht die großen Sprachen.<ref name="fiedler">Fiedler, Sabine: Plansprache und Phraseologie: Empirische Untersuchungen zu reproduziertem Sprachmaterial im Esperanto. Verlag Peter Lang, Frankfurt, 1999. ISBN 3-631-34088-5</ref> Übersetzungen spielten in der Anfangsphase des Esperanto eine wichtige Rolle. Sie dienten dazu, die Möglichkeiten der Sprache auszutesten und zu erweitern.<ref>Fabian-Handbuch: Deutsche Esperanto-Bibliothek.</ref> Esperanto hat eine eigene Phraseologie mit esperanto-spezifischen Begriffen, Sprichwörtern, Redensarten und Wortspielen.<ref name="fiedler" />

Gedenk- und Aktionstage

Am 15. Dezember, dem Geburtstag des Erfinders der Welthilfssprache, feiern Esperantosprecher den Zamenhoftag. Ein alternativer Name lautet „Tag des Esperanto-Buchs“.<ref>„tago de la esperanta libro“ „La mondo festis Zamenhof-tagon“, Libera Folio.</ref> Ein weiterer Esperantotag ist der 26. Juli. Er erinnert an die Veröffentlichung des ersten Esperanto-Lehrbuchs im Jahr 1887.

Theater

Datei:1981 14-a PIF Metamorfozoj Rumanio.jpg
Puppentheater Constanța auf dem 14. Pupteatra Internacia Festivalo in Esperanto / International Puppet Theatre Festival – PIF, 1981

Kleinere Theaterstücke gab es auf dem Ersten Esperanto-Weltkongress 1905. Im Rahmen des Esperanto-Weltkongresses 1908 in Dresden wurde Goethes Iphigenie auf Tauris auf Esperanto aufgeführt. In den 1980er und 1990er Jahren spielte die internationale Gruppe Kia Koincido. Heute gibt es zum Beispiel eine Theatergruppe in Toulouse (Frankreich).<ref>Teatro Trupo Tuluzo</ref>

Datei:1910 teatraĵo UK 2022.jpg
Szene aus dem Theaterstück „1910“, dass 2022 auf dem Weltkongress in Montreal uraufgeführt wurde.

Auf dem Esperanto-Weltkongress 2022 in Montreal wurde das originale Theaterstück „1910“ uraufgeführt, das die Reise von Ludwig Zamenhof nach Nordamerika thematisiert.<ref>Nova teatraĵo furoris en Esperanto. In: esperanto2022.ca. Abgerufen am 29. September 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Filme

Datei:1963 angoroj fotita de jacques mahe.jpg
Pressefoto von den Dreharbeiten von Angoroj, 1963

Auch einige Filme wurden auf Esperanto gedreht. Der erste Spielfilm auf Esperanto ist Angoroj.<ref>Vorlage:IMDb/1</ref> Der bekannteste Film ist der 1966 gedrehte Inkubo mit William Shatner in der Hauptrolle.<ref>imdb.com</ref> Esperanto USA veranstaltet einen regelmäßigen Kurzfilm-Wettbewerb namens „La Usona Bona Film-Festivalo/American Good Film Festival“ in dem Esperantosprachige Kurzfilme prämiert werden.<ref>[1] - Webseite des Usona Bona Film-Festivalo</ref>

Kulturelle Veranstaltungen

Vereinzelte Festivals haben Esperanto-Kultur zum Thema. Solche Veranstaltungen fanden 2005 in Skandinavien<ref>esperanto.fi: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kultura Esperanto Festivalo 2005 (Memento vom 28. Juli 2005 im Internet Archive)</ref>, Russland<ref>Esperanto – Lingvo Arta (EoLA)</ref>, Polen<ref>republika.pl: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Artaj Konfrontoj en Esperanto – Arkones 2007 (Memento vom 23. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref>, der Ukraine<ref>Velura Sezono</ref> und Frankreich<ref>Kultura kaj Arta Festivalo de Esperanto (KAFE)</ref> statt.

Museen und Bibliotheken

In Wien befindet sich das Internationale Esperanto-Museum. Die zugehörige Sammlung für Plansprachen ist Teil der Österreichischen Nationalbibliothek.<ref>onb.ac.at: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Sammlung für Plansprachen und Esperantomuseum (Memento vom 18. Dezember 2007 im Internet Archive)</ref> Die Deutsche Esperanto-Bibliothek ist in Aalen beheimatet.<ref name="aalen">aalen.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Deutsche Esperanto Bibliothek (Memento vom 19. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref> Die Bibliothek Hector Hodler befindet sich in Rotterdam (Niederlande).<ref>uea.org: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Biblioteko Hector Hodler (Memento vom 6. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref>

Stiftungen und Preise

Die Stadt Aalen vergibt zusammen mit der FAME-Stiftung zur Förderung internationaler Verständigungsmittel den FAME-Esperanto-Kulturpreis.<ref name="aalen" /> Die Stiftung Mondo hat einen eigenen Fond für Esperanto-Kultur.<ref>Internetauftritt der Stiftung Mondo</ref>

Der Esperanto-Weltbund veranstaltet seit 1950 jedes Jahr die Belartaj Konkursoj (Wettbewerbe der schönen Künste). In den Kategorien Poesie und Prosa werden seit 1976 nur Beiträge zugelassen, die auf Esperanto verfasst wurden. Seit jenem Jahr gibt es eine Kategorie für Essays. Diese dürfen ebenfalls nur Esperanto-Originale sein. 1984 kam die Kategorie Lied hinzu.<ref>Belartaj Konkursoj 1950-1999, Sten Johansson, 2000.</ref><ref>uea.org: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Regularo de Belartaj Konkursoj (Memento vom 31. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref><ref>Übersicht mit den Gewinnern von 1950 bis 2007</ref> In den Vereinigten Staaten fördert die Esperantic Studies Foundation (ESF) auf vielen Bereichen die Esperanto-Kultur.

Währung

Datei:SpesmiloItalic.png
Spesmilo-Symbol

Um die Kommunikation unter Esperantisten auch auf finanzieller Ebene zu erleichtern, entwarf René de Saussure 1907 die Währungseinheit Speso. Ein wichtiger Förderer dieser Idee war der deutsche Bankier und Esperantist Herbert Hoveler. Zu diesem Zweck gründete er die Ĉekbanko Esperantista, welche Schecks auf Speso herausgab. Daraufhin wurde er in kleinem Umfang auch durch britische und schweizerische Banken genutzt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 beendete die Verwendung des Spesos. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurde mit dem Stelo ein erneuter Versuch eine einheitliche Weltwährung unter Esperantisten zu etablieren gestartet. Auch dieser Versuch scheiterte.

Sonstiges

Der 1936 entdeckte Asteroid (1421) Esperanto wurde nach der Sprache und der zwei Jahre später entdeckte Asteroid (1462) Zamenhof nach ihrem Erfinder benannt.

Herzberg am Harz bezeichnet sich als Die Esperanto-Stadt.

Siehe auch

Weblinks

Commons: Esperanto-Kultur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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