Etappensau
Als Etappensäue oder Etappenschweine<ref>Deutsche Diplomatie. In: Der neue Tag, 15. Februar 1920, S. 2 (online bei ANNO).</ref> wurden von den Frontsoldaten diejenigen Einheiten oder Soldaten bezeichnet, die in der Etappe – im Hinterland der Front – beschäftigt waren. Dort waren sie nicht den Gefahren der Front ausgesetzt.<ref>Im Zeichen des Hakenkreuzes. Die Etappenschweine auf dein Kriegspfad. In: Arbeiter-Zeitung, 22. März 1923, S. 5 (online bei ANNO). Hier heißt es, dass Etappenschweine Soldaten waren, „die weit hinten in der sicheren Etappe bei leckerem Mahl die Soldaten im Schützengraben und Trommelfeuer zum Durchhalten ermunterten“.</ref> Sie lebten oft „wie die Maden im Speck“, manchmal sogar auf Kosten der Frontsoldaten, die oftmals auch noch unter Schikanen von Etappensoldaten leiden mussten.
Soldatenjargon-Wörter mit ähnlicher Bedeutung waren oder sind z. B. „Etappenhengst“ oder „Sockenzähler“.<ref>Klaus Peter Möller: Der wahre E: ein Wörterbuch der DDR-Soldatensprache. S. 277 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
In der Etappe befanden sich z. B. Militärverwaltung, Nachschub, medizinischer Dienst, Instandsetzung und Verpflegungsdienst.
Sonstiges
Während des Ersten Weltkriegs kursierte unter Frontsoldaten folgendes Gedicht:
- Die Etappenschweine.
- Wer läuft gekleidet und gebügelt umher,
- wem fällt das Grüßen entsetzlich schwer,
- wer schluckt unzähliges Kommandogeld,
- wer ist in Gesprächen und Briefen ein Held,
- wer stiehlt uns die besten Weine,
- das sind die Etappenschweine.
- Wer hat weder Mist noch Grütze im Kopf
- und trägt doch das schwarz-weiße Band im Knopf,<ref group="A">Dies meint das Eiserne Kreuz für Nichtkombattanten.</ref>
- wer trippelt den deutschen Frauen zur Schmach,
- geputzten verseuchten Französinnen nach,
- und wer schläft selten alleine?
- Das sind die Etappenschweine.
- Wer packt beim geringsten Schießen den Koffer
- und zittert vor Durchbruchsversuchen von Joffre
- wer schneidet die dümmsten Latrinengerüchte
- und macht uns die freudige Stimmung zunichte
- durch Schwarzseherei und Gegreine
- das sind die Etappenschweine.
- Und doch ihr Wichte und Milchgesichter,
- ihr aufgeblasenes schlappes Gelichter,
- wir möchten für euer erbärmliches Leben,
- nicht eine der stolzen Erinn'rungen geben,
- uns binden Liebe und Treue,
- ihr bleibt die Etappensäue.
- Ein Frontschwein<ref>zitiert nach Feldpostbrief vom 18. Mai 1915. Das Gedicht wird auch in Büchern zitiert, z. B. Franz Seldte (1930), Fronterlebnis: Volksausgabe der beiden Bücher "M.G.K." und "Dauerfeuer". Koehler Verlag, S. 395 oder Kurt Tucholsky: Gesamtausgabe: Briefe 1911-1918, Rowohlt 2008, S. 80 oder Militärseelsorge im Ersten Weltkrieg: das Kriegstagebuch des katholischen Feldgeistlichen Benedict Kreutz, Matthias-Grünewald, 1987, S. 24</ref><ref>laut Armin Aubler: Spuren: Der abenteuerliche Weg einer bayerischen Familie. 2011, S. 539 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)., wurde der Verfasser des Gedichts gesucht, aber nicht gefunden</ref>
Ähnliche Begriffe
Einzelnachweise
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Anmerkungen
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