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Wolhynisches Fieber – Wikipedia Zum Inhalt springen

Wolhynisches Fieber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Fünftagefieber)
Klassifikation nach ICD-10
A44.8 Sonstige Formen der Bartonellose
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11

Das Wolhynische Fieber oder Fünftagefieber (lateinisch febris quintana seu wolhynica<ref>Zur Benennung, insbesondere als Fünftagefieber, korrekter Fünfttagefieber, vgl. Georg Sticker: Hippokrates: Der Volkskrankheiten erstes und drittes Buch (um das Jahr 434–430 v. Chr.). Aus dem Griechischen übersetzt, eingeleitet und erläutert. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1923 (= Klassiker der Medizin. Band 29); unveränderter Nachdruck: Zentralantiquariat der Deutschen Demokratischen Republik, Leipzig 1968, S. 118–121.</ref>), auch Schützengrabenfieber (englisch trench fever), Wolhynienfieber oder Werner-His-Krankheit genannt, ist eine durch das Bakterium Bartonella quintana ausgelöste Infektionskrankheit. Es wird von Mensch zu Mensch durch Kleiderläuse (Pediculus humanus corporis) und möglicherweise auch durch Kopfläuse übertragen.<ref>Max Maurin, Didier Raoult: Bartonella (Rochalimaea) quintana infections. In: Clinical Microbiology Reviews. Band 9, Nr. 3, 1996, S. 273–292, doi:10.1128/cmr.9.3.273, PMID 8809460, PMC 172893 (freier Volltext).</ref><ref name="Ohl">Michael Ohl, D. H. Spach: Bartonella quintana and Urban Trench Fever. In: Clinical Infectious Diseases. Band 31, Nr. 1, 2000, S. 131–135, doi:10.1086/313890, PMID 10913410.</ref>

Geschichte

Bartonella quintana (früher Rickettsia quintana), der dem Fleckfiebererreger ähnliche Erreger des Fünftagefiebers (korrekter gemäß Sticker: Wolhynisches Fünfttagefieber), rief während des Ersten Weltkrieges große Epidemien unter den alliierten Soldaten der Westfront hervor, weswegen die Krankheit die Bezeichnung „Schützengrabenfieber“ erhielt. Die heutige, geläufigere Bezeichnung lautet „Wolhynisches Fieber“ (nach der ukrainischen Landschaft Wolhynien,<ref>Karl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. 1961, S. 159.</ref> wo die Krankheit das erste Mal auf Seiten der Mittelmächte in Erscheinung trat). Der Name Werner-His-Krankheit ehrt den Tropenmediziner und Hygieniker Heinrich Werner und den damals in deutschen Diensten stehenden Schweizer Internisten Wilhelm His, die die Krankheit bei Soldaten im Stellungskrieg des Ersten Weltkrieges maßgeblich erforschten.<ref>Ole Daniel Enersen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Heinrich Werner (Memento vom 21. Februar 2025 im Internet Archive) bei whonamedit.com</ref><ref>Medicine Online: Stichwort: Werner–His disease</ref><ref>Ole Daniel Enersen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wilhelm His (Memento vom 7. November 2024 im Internet Archive) bei whonamedit.com</ref><ref>Ole Daniel Enersen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Werner-His disease (Memento vom 19. Februar 2025 im Internet Archive) bei whonamedit.com</ref>

Bereits bei Napoleons Russlandfeldzug 1812 erlagen dem Fieber viele Soldaten seines Heeres.<ref>Jacques Presser: Napoleon – Das Leben und die Legende. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1977, ISBN 3-421-01804-9, S. 457.</ref>

Verlauf

Die Inkubationszeit beträgt 10–30 Tage. Die Erkrankung zeichnet sich durch plötzlich einsetzende Kopfschmerzen, eine aseptische Meningitis, persistierendes Fieber mit periodischen Fieberschüben sowie andere unspezifische Symptome wie neuralgisch-rheumatische Gelenk- und Beinschmerzen (insbesondere Schienbeinschmerz, im Volksmund ausgedrückt mit dem Krankheitsnamen Schienbeinkrankheit), Bindehautentzündung und Milzschmerz<ref>Karl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 9–223, hier: S. 131 und 159 f.</ref> aus.

Heutzutage spielt der Erreger B. quintana eine Rolle bei HIV-Infizierten. B. quintana konnte als Erreger der Bazillären Angiomatose nachgewiesen werden. Diese Erkrankung präsentiert sich klinisch als einzeln oder multipel auftretende, kutane oder subkutane Läsionen mit derbem rötlich-lividem Aussehen, die dem Kaposi-Sarkom morphologisch ähneln können.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt mit Gentamicin und Doxycyclin<ref>Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 186.</ref> oder mit Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin und Azithromycin.<ref name="Ohl" />

Literatur

  • Cédric Foucault, Philippe Brouqui, Didier Raoult: Bartonella quintana Characteristics and Clinical Management. In: Emerging infectious diseases. Band 12, Nr. 2, 2006, S. 217–223, doi:10.3201/eid1202.050874, PMID 16494745, PMC 3373112 (freier Volltext).
  • Karl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 9–223, hier: S. 159 f. (Wolhynisches Fieber).

Einzelnachweise

<references />

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