Weißes Straußgras
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| Weißes Straußgras | ||||||||||||
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| Datei:Agrostis stolonifera sl23.jpg
Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Agrostis stolonifera | ||||||||||||
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Das Weiße Straußgras (Agrostis stolonifera), auch Flecht-Straußgras oder Bentgras genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Straußgräser (Agrostis) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Es wird als weidefestes Futtergras vor allem im Feuchtgrünland verwendet.
Beschreibung
Das Weiße Straußgras ist sehr formenreich.
Vegetative Merkmale
Das Weiße Straußgras ist eine immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 8 bis 40 Zentimetern. Es breitet sich über blattreiche oberirdische Ausläufer aus und bildet dichte Rasen. Die ästig aufsteigenden Halme sind glatt, kahl und besitzen zwei bis fünf Knoten (Nodien).<ref name="Conert1989" /> An den unteren Knoten bilden sich sprossbürtige Wurzeln und neue Triebe.
Das Blatthäutchen (Ligula) ist als ein 2 bis 6 mm langer, häutiger Saum ausgebildet. Die kahlen, fein zugespitzten, grau- oder blaugrünen Laubblätter sind 0,5 bis 5 mm breit und bis 10 Zentimeter lang. Sie sind in jungem Zustand eingerollt, später flach ausgebreitet. Die Blattspreiten sind dicht von Nerven durchzogen und sehr fein rau.
Generative Merkmale
Blütezeit liegt zwischen Juli und August.<ref name="Conert1989" /> Der rispige Blütenstand ist bei einer Länge von 1 bis 13 Zentimetern sowie einer Breite von 0,4 bis 2,5 Zentimetern länglich und zur Anthese ausgebreitet, sonst oft dicht zusammengezogen. Seine Seitenäste gehen zu dritt oder zu siebt von der Hauptachse ab. Die Ährchen stehen in dichten Büscheln. Die einblütigen Ährchen sind 2 bis 3 mm lang, lanzettlich-spitz geformt, glatt und kahl. Die kahlen Hüllspelzen sind einnervig und so lang wie das Ährchen. Die glatten, kahlen, meist unbegrannten Deckspelzen sind fünfnervig, um 2 mm lang und erscheinen am oberen Ende abgerundet. Die Vorspelze erreicht etwa drei Viertel der Länge der Deckspelze. Die Staubbeutel werden 1 bis 1,5 mm lang.
Die Karyopsen werden von den Deck- und Vorspelzen umschlossen.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28, 35 oder 42.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie
Beim Weißen Straußgras handelt es sich um einen Hemikryptophyten.
Krankheiten
Das Weiße Straußgras wird von verschiedensten Pilzarten befallen. So kommen die Rostpilze Puccinia agrostidis, Puccinia graminis und eventuell Uromyces agrostidis mit Uredien und Telien vor.<ref name="Zwetko" /> Sclerotinia homoeocarpa ist der Verursacher der Dollarflecken-Krankheit auf Straußgräsern. Fusarium tricinctum und Fusarium roseum lösen eine Fusarium-Welke aus. Microdochium nivale löst den Rosa-Schneeschimmel aus. Ferner kommen Rhizoctonia solani, Pythium-Arten und Typhula incarnata und Typhula ishikariensis vor.<ref name="Casler+al 2003" />
Vorkommen
Das Weiße Straußgras ist in den gemäßigten Zonen Eurasiens, auf Madeira und in Nordafrika bis zum Tschad beheimatet. In zahlreichen anderen Ländern, besonders in Amerika, Australien, Neuseeland und Südafrika ist Agrostis stolonifera ein Neophyt.<ref name="WCSP" /> In Europa kommt es in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Nordmazedonien.<ref name="Euro+Med" /> Es besiedelt feuchte, nährstoffreiche, oft kalkhaltige, sandig-kiesige Lehm- oder Tonböden, kann jedoch auch auf Schlickböden im Überschwemmungsbereich der Gewässer vorkommen. Agrostis stolonifera ist die Kennart der Ordnung der Flutrasen (Agrostietalia stoloniferae). Agrostis stolonifera ist auch als Begleitart in Ampfer-Queckenrasen-Gesellschaften (Agropyro-Rumicion) und Vogelknöterich-Trittrasen-Gesellschaften (Polygonion avicularis) zu finden. An den Küsten formt es zusammen mit der Strand-Grasnelke den Verband Armerion maritimae.
Das Weiße Straußgras wächst in frischen bis feuchten Rasen, Wiesen, Weiden und Äckern. Nicht selten ist es auch entlang von Ufern, Gräben und entlang von Wegsenken zu finden. Dieses salztolerante Gras wächst auch an der Küste auf der Außenseite der Dünen. In den Allgäuer Alpen steigt es in Vorarlberg nahe der Widdersteinhütte bis zu 2015 Metern Meereshöhe auf.<ref name="Dörr und Lippert" /> In Graubünden steigt es im Val da Fain, einem Seitental des Val Bernina, bis 2780 Meter Meereshöhe auf.<ref name="Conert1989" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />
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Kriechende Wuchsform
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Bewurzelung
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Ausläufer
Nutzung
Das Weiße Straußgras wird als züchterisch bearbeitetes, aus Pflanzen stark beanspruchter Golfgrüns herangezogenes, kriechendes Straußgras (creeping bentgrass) für Sportrasen eingesetzt.<ref>Weißes Straußgras – Agrostis gigantea. Abgerufen am 26. März 2019.</ref>
Systematik
Die Erstveröffentlichung von Agrostis stolonifera erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, S. 62.<ref name="Linné1753" /> Das Artepitheton stolonifera leitet sich von stolo für Ausläufer und fere für tragen ab. Synonyme für Agrostis stolonifera <templatestyles src="Person/styles.css" />L. sind: Agrostis adscendens <templatestyles src="Person/styles.css" />Lange, Agrostis alba <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Agrostis ambigua <templatestyles src="Person/styles.css" />Roem. & Schult., Agrostis aristulata <templatestyles src="Person/styles.css" />Müll. Hal., Agrostis aspera <templatestyles src="Person/styles.css" />Weber, Agrostis brevis <templatestyles src="Person/styles.css" />Knapp, Agrostis bryoides <templatestyles src="Person/styles.css" />Dumort., Agrostis caespitosa <templatestyles src="Person/styles.css" />Gaudich., Agrostis caespitosa <templatestyles src="Person/styles.css" />Gaudich. ex Mirb., Agrostis capillaris var. stolonifera <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Druce, Agrostis decumbens <templatestyles src="Person/styles.css" />Hall. f. ex Gaudin, Agrostis depressa <templatestyles src="Person/styles.css" />Mez ex Pilg., Agrostis depressa <templatestyles src="Person/styles.css" />Vasey, Agrostis dulcis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Pers.) Sibth. ex Kunth, Agrostis eliasii <templatestyles src="Person/styles.css" />Sennen, Agrostis flava <templatestyles src="Person/styles.css" />O.F.Müll., Agrostis glaucescens <templatestyles src="Person/styles.css" />(C.Presl) Spreng., Agrostis glaucescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Opiz ex Steud., Agrostis jacutica <templatestyles src="Person/styles.css" />Schischk., Agrostis macrantha <templatestyles src="Person/styles.css" />Schischk., Agrostis maritima <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Agrostis maritima <templatestyles src="Person/styles.css" />With., Agrostis mutabilis <templatestyles src="Person/styles.css" />Knapp, Agrostis nemoralis <templatestyles src="Person/styles.css" />Phil., Agrostis patula <templatestyles src="Person/styles.css" />Gaudin, Agrostis polymorpha var. stolonifera <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Huds., Agrostis prorepens <templatestyles src="Person/styles.css" />(W.D.J.Koch) G.Mey. ex Asch., Agrostis prostrata <templatestyles src="Person/styles.css" />Hook. f., Agrostis pseudoalba <templatestyles src="Person/styles.css" />Klokov, Agrostis reptans <templatestyles src="Person/styles.css" />Rydb., Agrostis sibirica <templatestyles src="Person/styles.css" />Petrov, Agrostis sicula <templatestyles src="Person/styles.css" />Guss. ex Steud., Agrostis sicula <templatestyles src="Person/styles.css" />Kunth, Agrostis sinaica <templatestyles src="Person/styles.css" />Boiss., Agrostis stolonizans <templatestyles src="Person/styles.css" />Besser ex Schult. & Schult. f., Agrostis zerovii <templatestyles src="Person/styles.css" />Klokov, Agrostis stolonifera subsp. stolonizans <templatestyles src="Person/styles.css" />(Besser ex Schult. & Schult. f.) Soó, Agrostis stolonifera var. compacta <templatestyles src="Person/styles.css" />Hartm., Agrostis stolonifera var. patula <templatestyles src="Person/styles.css" />(Gaudin) Rchb., Agrostis stolonifera var. prorepens <templatestyles src="Person/styles.css" />W.D.J.Koch.<ref name="Tropicos" />
Es gibt von Agrostis stolonifera beispielsweise die Varietäten:<ref name="GRIN" />
- Agrostis stolonifera var. palustris <templatestyles src="Person/styles.css" />(Huds.) Farw. (Syn.: Agrostis stolonifera subsp. palustris <templatestyles src="Person/styles.css" />(Huds.) Tzvelev, Agrostis palustris <templatestyles src="Person/styles.css" />Huds.): Sie kommt an Flussufern und an Teichen vor.<ref name="Conert1989" />
- Agrostis stolonifera <templatestyles src="Person/styles.css" />L. var. stolonifera.
Nach Euro+Med gibt es zahlreiche Unterarten:<ref name="Euro+Med" />
- Agrostis stolonifera subsp. albida <templatestyles src="Person/styles.css" />(Trin.) Tzvelev: Sie kommt in Europa in der Ukraine, in Moldau, Russland und Rumänien vor.<ref name="Euro+Med" />
- Agrostis stolonifera subsp. filifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Link) H. Scholz: Sie kommt in Portugal vor.<ref name="Euro+Med" />
- Agrostis stolonifera subsp. gaditana <templatestyles src="Person/styles.css" /> (Boiss. & Reut.) Valdés & H. Scholz: Sie kommt in Marokko, Portugal, Spanien, Frankreich, Korsika und Belgien vor.<ref name="Euro+Med" />
- Agrostis stolonifera subsp. karsensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Litv.) Valdés & H. Scholz: Sie kommt in Aserbaidschan vor.<ref name="Euro+Med" />
- Agrostis stolonifera subsp. maritima <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lam.) Vasc.: Sie kommt in Frankreich und in Albanien vor.<ref name="Euro+Med" />
- Agrostis stolonifera subsp. scabriglumis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss. & Reut.) Maire: Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, Portugal, Spanien, Frankreich, Korsika, Griechenland, Sizilien, Bulgarien, Rumänien, Syrien, Libanon und in Palästina vor.<ref name="Euro+Med" />
- Agrostis stolonifera <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. stolonifera
- Agrostis stolonifera subsp. straminea <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hartm.) Tzvelev: Sie kommt in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden Litauen, Lettland, Estland und in Russland vor.<ref name="Euro+Med" />
- Agrostis stolonifera subsp. transcaspica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Litv.) Tzvelev: Sie kommt im Kaukasusraum vor.<ref name="Euro+Med" />
Quellen
Literatur
- Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Parey, Berlin 2000, ISBN 3-8263-3327-6.
- Ernst Klapp, Wilhelm Opitz von Boberfeld: Taschenbuch der Gräser. Erkennung und Bestimmung, Standort und Vergesellschaftung, Bewertung und Verwendung. 12., überarbeitete Auflage. Paul Parey, Berlin / Hamburg 1990, ISBN 3-489-72710-X.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Zwetko"> Peter Zwetko: Die Rostpilze Österreichs. Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales (= Biosystematics and Ecology. Band 16). Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 2000, S. 1–67 (Vorlage:ZOBODAT [PDF; 1,8 MB]). </ref> <ref name="Casler+al 2003"> Michael D. Casler, Ronny R. Duncan (Hrsg.): Turfgrass Biology, Genetics, and Breeding. John Wiley & Sons, Hoboken, NJ 2003, ISBN 1-57504-159-6, S. 175–176, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Tropicos"> Agrostis stolonifera bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 251. </ref> <ref name="Linné1753"> Carl von Linné: Species Plantarum, 1753, Band 1, S. 62. </ref> <ref name="WCSP"> Vorlage:WCSP </ref> <ref name="Dörr und Lippert"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 159. </ref> <ref name="Conert1989"> Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage. Band I, Teil 3, S. 353–357. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1989, ISBN 3-489-52020-3. </ref> <ref name="InfoFlora"> Agrostis stolonifera L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Euro+Med"> B.Valdés, H.Scholz; with contributions from E. von Raab-Straube & G.Parolly (2009+): Poaceae (pro parte majore). Datenblatt Agrostis stolonifera. In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>
Weblinks
- Agrostis stolonifera L., Weißes Straußgras. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Weißes Straußgras. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Verbreitung auf der Nordhalbkugel aus: Eric Hultén, Magnus Fries: Atlas of North European vascular plants. 1986, ISBN 3-87429-263-0 bei Den virtuella floran. (schwed.)
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
- Michael Hassler, Bernd Schmitt: Datenblatt: Agrostis stolonifera L. (Weißes Straußgras) bei Flora von Deutschland – Eine Bilder-Datenbank, Version 2.91.
- Gerhard Nitter: Steckbrief mit Fotos.
- Günther Blaich: Datenblatt mit Fotos.