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Glockenbecherkultur

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Als Glockenbecherkultur ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}), auch Glockenbecherphänomen (Heyd 2008, Strahm 2012) wird eine kupfersteinzeitliche Kultur des mitteleuropäischen Endneolithikums bezeichnet, die sich von der iberischen Halbinsel (ca. 2800 v. Chr.) nach West- und Mitteleuropa, im Osten bis ins nördliche Ungarn ausbreitete, etwa bis 2200 v. Chr. andauerte und nur in Großbritannien bis ca. 1800 v. Chr. bestand. Sie stellte in diesen Regionen eine Kultur am Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit dar.

Forschungsgeschichte

Als „Glockenbecher“ werden keramische Gefäße mit flachem Standboden und S-förmigem Profil bezeichnet, die meist flächendeckend verziert sind. Im Jahr 1900 verwendete der damals in Mainz arbeitende Prähistoriker Paul Reinecke diesen Ausdruck, den zuvor schon italienisch- und tschechischsprachige Prähistoriker benutzt hatten, und führte ihn in die deutsche Terminologie ein.

Die Einstufung der Glockenbecherkultur (GBK) als eigenständige archäologische Kultur ist strittig. Gordon Childe sah die Glockenbecherleute als Missionare, die sich, von Spanien kommend, über den atlantischen Rand Europas ausbreiteten und die Kenntnis der Kupfermetallurgie mit sich brachten. Die Ansicht, dass es sich bei der typischen Glockenbecherausstattung um die Prestigegüter einer neuen Oberschicht handelt, vertritt vor allem Stephen Shennan (UCL). Christian Strahm (Freiburg) prägte den Begriff Glockenbecherphänomen, um den Ausdruck Kultur zu vermeiden.

Edward Sangmeister kennzeichnet 1972 die Träger der Glockenbecherkultur als bewegliche, in Kleingruppen aufgegliederte Gesellschaft, geschätzt wegen ihrer Fähigkeiten im Aufsuchen, Verarbeiten und Verhandeln begehrter Werkstoffe. Der Mangel an Siedlungsfunden unterstützt die frühe Hypothese der hochmobilen „Glockenbecherleute“.

Die Glockenbecherkultur ist in Europa nicht flächig verbreitet, sondern bildete inselartige Fundkonzentrationen (zum Beispiel Südbayern). Zumindest für die frühen Phasen kann man kaum von einer „Kultur“ im engeren Sinne sprechen, da Elemente wie zum Beispiel gemeinsame Gebrauchskeramik, Haustypen oder einheitliche Bestattungssitten fehlen. Letzteres trifft jedoch für die jüngeren Phasen der Glockenbecherkultur zu. Heute wird aus archäologischer Sicht das Modell einer sozialen Schichtung vorgezogen, nach dem die zunehmende gesellschaftliche Differenzierung im ausgehenden Neolithikum zur Herausbildung privilegierter Gruppen geführt habe, welche die Möglichkeit zum Handel/Tausch von Prestigegütern über größere Entfernung wahrgenommen hätten.

Verbreitung

Datei:Beaker culture diffusion.svg
Verbreitung der Glockenbecherkultur

Die Verbreitung der Glockenbecherkultur umfasste

  • Mitteleuropa (von Ungarn über Polen (Grabhügel von Supraśl als östlichster Punkt) bis Dänemark (insbesondere Jütland – Bejsebakken), Deutschland und in die Schweiz, wo sie die Seeufersiedlungsphase unterbricht)
  • Westeuropa (Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Irland)
  • Südeuropa (Italien mit Sizilien und Sardinien, die Iberische Halbinsel mit den Balearen, nicht jedoch Korsika)<ref>Campaniformes en Corse; on sait en effet que les porteurs de cette belle cerarnique etaient de hardis navigateurs, puisqu 'ils gagnerent la Sardaigne, la Sicile (en venant du Nord-Ouest) et les Baleares (Majorque). C’est la raison pour laquelle on attachera la plus grande importance ä la toute recente decouverte de ICesari, aux Calanchi, d’un tesson, malheureusement unique, decore suivant le mode campaniforme. Cette trouvaille doit etre mise en relation avec la brusque acceleration des echanges que la Corse du Sud et la Sardaigne entretenaient depuis longtemps, mais elle ne suffit pas, pour le moment, ä prouver l' extension du complexe culturel campaniforme ä l' ensemble de 1 'Ile.</ref>
  • Marokko

Bestattungsform

Datei:Bell Beaker artefacts, Spain.jpg
Artefakte der Glockenbecherkultur
Datei:Campaniforme M.A.N. 04.JPG
Rekonstruktion eines Männergrabes; Blick nach Westen, Kopf nach Norden (Museo Arqueológico Nacional de España, Madrid)

Typisch für das Totenritual der östlichen kontinentalen Glockenbecherkultur sind Einzelbestattungen in Erdgräbern oder Steinkisten. In einigen Fällen lässt sich Überhügelung rekonstruieren. Im westlichen Verbreitungsgebiet kommen häufig Nachbestattungen in Megalithanlagen und Beisetzungen in Höhlen vor – mitunter, auch an die vorherigen megalithischen Traditionen angepasst, als Mehrfachbestattung. Die Glockenbecher- und die Einzelgrabkultur zeigen ihre Einflüsse in zahlreichen Großsteingräbern. In der Westschweiz wurde beobachtet, dass sich die Gräber der Glockenbecherkultur besonders häufig im Umfeld von Menhiren und Steinreihen fanden.

Die Toten wurden als Hocker in geschlechtsspezifischer Orientierung und Seitenlage beigesetzt:

Beide Geschlechter wurden demnach mit dem Blick nach Osten bestattet. Diese Art der strikten geschlechtlich bipolaren Bettung erinnert an das Totenritual der zum Teil zeitgleichen Schnurkeramik, steht aber in seiner Ausführung in augenfälligem Gegensatz dazu – die Hauptorientierungsachse der Glockenbecherkultur ist Nord-Süd, nach Osten gewandt, die der Schnurkeramik jedoch Ost-West, nach Süden gewandt. Einige Forscher sehen darin eine bewusste Abgrenzung der Träger der Glockenbecherkultur von den Schnurkeramikern.<ref>Zum Beispiel Alexander Häusler: Struktur und Evolution der Bestattungssitten im Neolithikum und in der frühen Bronzezeit Mittel- und Osteuropas. Habil.-Schrift, Halle 1991.</ref> Die bipolare Lage der Toten hält sich in einigen Regionen bis in die Bronzezeit, zum Beispiel bei der Unterwölblinger Gruppe in Niederösterreich. Hin und wieder, jedoch nicht regelmäßig, treten auch Brandbestattungen auf. In der Csepel-Gruppe im östlichen Randgebiet ist die Verbrennung des Leichnams sogar häufiger als die Körperbestattung.

Steinkisten

Bei Brackagh im County Londonderry enthielt ein kleiner rechteckiger Grabhügel, der von elf Randsteinen eingefasst war, ein Steinkistenpaar. Eine Kiste war rechteckig, die andere achteckig. In der oktogonalen Kiste lag die Asche von zwei Erwachsenen, die auf 2620–2485 v. Chr. datiert wurden. Die rechteckige Kiste enthielt Leichenbrand von zwei Individuen, die auf 2485–2342 v. Chr. datiert wurden. Grabbeigaben fehlen.

Grabbeigaben

Datei:Archäologisches Landesmuseum Schloss Gottorf 088.JPG
Typische Pfeilspitzen der Glockenbecherkultur
Datei:Archäologisches Landesmuseum Schloss Gottorf 087.JPG
Armschutzplatte der Glockenbecherkultur

Zu den Grabbeigaben zählen die namengebenden Glockenbecher, Dolche aus Kupfer, Armschutzplatten und Pfeilspitzen aus Silex – diese vier Beigabenkategorien werden als Beaker Package bezeichnet und kommen im gesamten Verbreitungsgebiet oft in herausragenden Männergräbern vor. In seltenen Fällen werden diese Gegenstände von Goldschmuck (zum Beispiel Amesbury Archer) oder Bernstein begleitet (zum Beispiel Frau im Steinbruch von Berkshire). Nur 6 % der Gräber weisen eine Kombination aus Dolch und Armschutzplatte auf, ein Hinweis auf eine kleine Oberschicht und damit für eine beginnende soziale Differenzierung.<ref name="Bick">Almut Bick: Die Steinzeit. Theiss WissenKompakt, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-1996-6.</ref>

Konische V-förmig durchbohrte Knöpfe kommen in Frauengräbern und Knebel, die als Anhänger oder Gewandschließen interpretiert werden, in Männergräbern vor. Auf der iberischen Halbinsel wurden diese Artefakte auch aus Elfenbein gefertigt. Die überwiegende Mehrheit der Gräber jedoch wurde weniger aufwendig ausgestattet. In der Anfangsphase enthalten die „gewöhnlichen“ Gräber vor allem Keramikgefäße der vor Ort ansässigen Kulturen; später werden diese durch eigene Formen, die sogenannte Begleitkeramik, ersetzt.

Obwohl Pfeile häufige Grabausstattung der Männer waren, sind meist keinerlei organische Reste, sondern nur noch die Pfeilspitzen aus Feuerstein sowie steinerne Armschutzplatten erhalten. In mehreren Gräbern Bayerns und Böhmens wurden außerdem Pfeilschaftglätter aus Sandstein gefunden.<ref>Tobias Bosch: Archäologische Untersuchungen zur Frage von Sozialstrukturen in der Ostgruppe des Glockenbecherphänomens anhand des Fundgutes. Dissertation, Universität Regensburg, 2009 (PDF; 28,3 MB).</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20140315184440

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  }} (Mittelbayerische vom 14. Juni 2010).</ref>

Siedlungen

Siedlungen sind wenig bekannt. Lediglich aus den Niederlanden, Großbritannien (zum Beispiel Gwithian, Belle Tout), Irland (Knowth, Monknewton) und der Schweiz sind eindeutige Häuser belegt. In Cortaillod-Sur Les Rochettes-Est (Kanton Neuchâtel, Schweiz) wurden Überreste eines zweiphasigen Dorfes mit sieben Hausgrundrissen entdeckt. Ein fast vollständiger Grundriss eines Hauses konnte in Bevaix Le Bataillard (Schweiz) freigelegt werden. Die Einstufung der ausgegrabenen Funde erfolgte über die Leittypen kammstempelverzierter Glockenbecher und Armschutzplatten. Viele der Funde wurden über C14-Datierungen bestimmt.<ref name="Lanting 1973" />

Keramik

Glockenbecher

Aus einer Steinkiste in Neehausen wurden im 19. Jahrhundert Gefäße geborgen, die die typische Verzierung der Glockenbecher zeigen. Die Verzierungen wurden durch gezogene Linien oder Kammstempelmuster gebildet. Es gibt umlaufende Linien und waagerechte oder senkrechte Leiterbänder. Gewöhnlich sind die Zierstreifen in zwei, mehrfach gegliederte Zonen unterteilt. Eine regionale Besonderheit Mitteldeutschlands ist die Gliederung in einzelne Bildsequenzen, sogenannte Metopen. Diese zeigen beispielsweise Sanduhrmuster und andere Sonderformen; zuweilen sind auch Zonen ganz schraffiert. Die eingetieften Verzierungen wurden mitunter mit Farbe gefüllt. Markant ist beim Fund von Neehausen das Vorkommen von gehenkelten und ungehenkelten Gefäßen. Die Stücke gehören zu einer Sondergruppe innerhalb der Glockenbecherkultur, die aufgrund von Parallelen in Böhmen „böhmische Becher“ genannt werden.

Musikinstrumente

In Unterdigisheim wurde 2019 eine Knochenflöte gefunden. Das Instrument mit den filigranen eingeritzten Verzierungen stammt aus der Glockenbecherkultur.<ref name="Gettenweiler">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Wirtschaftsweise

Für den jüngeren Horizont der Glockenbecherkultur wird davon ausgegangen, dass es in Europa domestizierte Pferde gegeben hat.<ref name="Uerpmann 1990" /> Im Übrigen lässt sich über die Viehhaltung und Jagd der Glockenbecherleute in Deutschland angesichts der Quellenlage fast nichts sagen. Daher gilt die Siedlung von Nähermemmingen bei Nördlingen als Ausnahme: Die meisten Knochen stammen dort vom Rind, danach folgen Schaf/Ziege und Schwein; Wildtiere fehlen, „was zu einem Jägervolke, als das man die Glockenbecherleute bezeichnet hat, nicht passen will“.<ref name="Frickhinger 1939" /> Der Befund passt dagegen zum mährischen Inventar aus Holubice mit 99,8 % Haustieren, davon 72 % Rind, 14 % Schwein, 12 % Ovicapriden (Schaf/Ziege) und einige Hundeknochen.<ref name="Peške 1985" />

Ursprung

Den Ursprung der Glockenbecherkultur suchen einige Forscher, wie Edward Sangmeister, in Spanien und Portugal (Zambujal), andere in der Kontaktzone zur Schnurkeramischen Kultur am Niederrhein.<ref name="Lanting 1974" /> Wieder andere verweisen auf Ungarn, den östlichen Rand des Verbreitungsgebietes, und die Vučedol-Kultur.<ref>Grafik: Die Kultur der Linearbandkeramiker im Verlauf (A), Trichterbecherkultur entsteht und breitet sich aus (B), Schnurkeramische und Glockenbecher-Kultur kommen nach Mitteleuropa und die Beziehung zur Jamnaja-Kultur (C) Die mitochondrialen DNA (mtDNA) sind vermerkt. [1]</ref><ref>Guido Brandt: Beständig ist nur der Wandel! Die Rekonstruktion der Besiedelungsgeschichte Europas während des Neolithikums mittels paläo- und populationsgenetischer Verfahren. Dissertationsschrift, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz 2014 ([2] auf researchgate.net; über download full-text PDF) hier S. 17; 19</ref>

Einzelne Länder

Glockenbecherkultur in Irland

Die Grabsitten der Glockenbecherkultur in Irland dauerten rund 300 Jahre (etwa 2450–2170 v. Chr.). Die Becher der Kultur wurden zumeist in Siedlungen, bei Bestattungen und in Kupferminen gefunden. Lange Zeit waren nur Funde aus Großsteingräbern bekannt, vor allem im Norden der Insel. Entdeckungen der 1990er Jahre haben die Situation verändert. Jetzt sind zwei Grabtraditionen erkennbar, nachgenutzte oder neu gebaute Megalithanlagen (primär Steinkisten) im Norden und eine Einzelgrabtradition im Süden.

Nachnutzung von Megalithanlagen

Im Norden der Insel wurden Becherbeigaben hauptsächlich in den etwa 390 bekannten Court Tombs platziert, die bereits bei der Vorgängerkultur in Gebrauch waren. In Ballybriest im County Londonderry wurde ein polygonaler Hohlraum in Form Steinkiste im Cairn angelegt und der Leichenbrand eines erwachsenen Mannes mit einem Becher als Beigabe darin platziert.

Wedge Tombs sind die häufigste Anlagenart in Irland, mit mehr als 500 Beispielen vor allem im Norden und Westen. In Wedge Tombs wurden verbrannte und unverbrannte menschliche Überreste niedergelegt, wobei die Einäscherung häufiger vorkam. Becherbeigaben wurden vor allem in Wedge Tombs im Norden identifiziert. In Largantea im County Londonderry wurde Leichenbrand mit intakten Bechern deponiert. Im Süden enthielten Anlagen wie Labbacallee und Island, im County Cork, menschliche Überreste, aber keine Becherkeramik.

Grubenbestattungen

Im Süden und Osten der Insel gibt es einige Grubenbestattungen ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}) mit Bechern. Sie enthalten kleine Mengen eingeäscherter Knochen, Scherben von einem oder mehreren Bechern und manchmal große Steinartefakte wie Äxte und Keulenköpfe, sowie Feuerstein und Getreide. Bei Lismullin im County Meath enthielt eine Grube eine eingeäscherter Person mit zerbrannten Steinen, dem Fragment eines Keulenkopfes, Scherben zweier Becher, einige andere Scherben und einen Feuersteinabschlag. Bei Corbally im County Kildare enthielt eine Grube mit verbrannten und angesengten menschlichen Knochen und Tierknochen, Feuerstein, eine Pfeilspitze und Scherben von zwei Bechern. Eine Grube im benachbarten Browns County Kildare enthielt eingeäscherte Knochen, Gerste und Weizen und die Scherben eines Bechers.

Anthropologie und Genetik

In der älteren Forschung verband Kurt Gerhard diese Kultur mit dem plan-occipitalen Steilschädel, einer besonderen Schädelform, deren stärkste Verbreitung heute im Nahen Osten und auf dem Balkan liegt.<ref>Kurt Gerhard: Die Glockenbecherleute in Mittel- und Westdeutschland. Ein Beitrag zur Paläanthropologie Eurafrikas. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Erwin Nägele), Stuttgart 1953.</ref><ref>Kurt Gerhard: Paläanthropologie der Glockenbecherleute. Fundamenta Reihe A, Köln 1978</ref> Sie tritt jedoch in den Gräbern der GBK zu vereinzelt auf (wenn auch in Europa erstmals nachweisbar) und ist zudem zu unscharf definiert, als dass sich die Behauptung eines eindeutigen populationsspezifischen Typus der Glockenbecherkultur halten ließe.

Die Haplogruppe R1b des Y-Chromosoms wurde in zwei männlichen Skeletten in einer deutschen Glockenbecher-Grabungsstelle aus dem Jahr 2600–2500 v. Chr. in Kromsdorf nachgewiesen, von denen eines positiv auf die Mutation M269, aber negativ auf die R-U106 (R1b1a2a1a1a)-Subklasse getestet wurde (zu berücksichtigen ist aber, dass auf die P312-Subklasse nicht untersucht wurde).<ref>Esther J. Lee, Cheryl Makarewicz, Rebecca Renneberg, Melanie Harder, Ben Krause‐Kyora, Stephanie Müller, Sven Ostritz, Lars Fehren‐Schmitz, Stefan Schreiber et al.: Emerging genetic patterns of the European neolithic: Perspectives from a late neolithic bell beaker burial site in Germany. American Journal of Physical Anthropology (2012), 148 (4): 571–579. {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}</ref>

Wolfgang Haak et al. (2015) bestimmten in einem männlichen Glockenbecher-Skelett in Quedlinburg aus der Zeit zwischen 2296 und 2206 v. Chr. die Y-Haplogruppe R1b1a2a1a2. Die Studie ergab ferner, dass die Glockenbecher- und die Menschen der Aunjetitzer-Kultur weniger von der Jamnaja-Kultur abstammen als von der früheren Schnurkeramischen Kultur. Die Autoren der Studie interpretierten die Ergebnisse aus den Funden als Hinweis auf ein Wiederaufleben der indigenen Bevölkerung Westeuropas nach den Folgen der Expansion der Jamnaja-Kultur.

Datei:R1b.jpg
Verbreitung der Haplogruppe R1b des Y-chromosomalen R1b in Eurasien

Allentoft et al. (2015) fanden weiter, dass die Menschen der Glockenbecher-Kultur genetisch eng mit der Schnurkeramischen Kultur, der Aunjetitzer-Kultur und auch der Kultur der nordischen Bronzezeit verwandt waren. Mathieson et al. (2015) analysierten acht Skelette, die der Glockenbecherkultur zugeschrieben wurden. Zwei Individuen gehörten zur Haplogruppe R1, während die verbleibenden sechs zur Haplogruppe R1b1a2 und verschiedenen Unterklassen davon zählen.<ref>Iain Mathieson et al.: Genome-wide patterns of selection in 230 ancient Eurasians. Nature 528 (7583), 2015: 499–503. }} PMC 4918750 (freier Volltext{{#if:|, PDF}}).</ref>

Aus neueren genetischen Analysen in Böhmen wurden weiterreichende Schlussfolgerungen über die Sozialstruktur der Glockenbecherkultur gezogen. Während die Funde ader Schnurkeramik eine große genetische Diversität aufwiesen und die Träger dieser Kultur (insbesondere die Frauen) nicht nur von Jamnaja-Menschen abstammten, verengte sich die genetische Diversität des Y-Chromosoms mit dem Übergang zur Glockenbecher-Kultur in Böhmen seit 2600 v. Chr. erheblich. Die Y-chromosomale Vielfalt wurde verdrängt durch eine einzige Abstammungslinie, die zuvor noch nie in Böhmen nachgewiesen wurde und alle vorher existierenden Y-Linien ersetzen konnte. Die Autoren bringen dies mit der Entstehung einer stark geschichteten Gesellschaft der Aunjetitzer Kultur und einem teilweisen Bevölkerungsaustausch in Verbindung. Bei dem Stammvater müsse es sich um eine machtvolle Persönlichkeit gehandelt haben, die Sex mit sehr vielen Frauen hatte.<ref>Luka Papac, Michal Ernée, Miroslav Dobeš u. a.: Dynamic changes in genomic and social structures in third millennium BCE central Europe. In: Science Advances, Vol. 7, no. 35, 25. August 2021, eabi6941. {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}</ref>

Literatur

  • Alexander von Burg: Die Glockenbecherkultur auf dem Plateau von Bevaix. In: Archäologie der Schweiz. Jahrgang 25, Nummer 2, 2002, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0255-9005|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

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}}, S. 48–57.

  • Marion Benz, Samuel van Willigen (Hrsg.): Some New Approaches to the Bell Beaker 'Phenomenon' : Proceedings of the 2nd Meeting of the "Association Archéologie et Gobelets" Feldberg (Germany), 18th-20th April 1997
  • Ralph Großmann: Das dialektische Verhältnis von Schnurkeramik und Glockenbecher zwischen Rhein und Saale (= Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie. Band 287 = Human Development in Landscapes. Band 8). Habelt, Bonn 2016, ISBN 978-3-7749-4035-2 (PDF; 21,8 MB).
  • Richard J. Harrison: The Beaker Folk, Copper Age archaeology in Western Europe. Thames and Hudson, London 1980.
  • Michael Herity: The finds from Irish court tombs. In: Proceedings of the Royal Irish Academy. Section C: Archaeology, Celtic studies, history, linguistics, literature. Band 87C, 1987, S. 103–281, {{#invoke:JSTOR|f|1=25506150}}{{#if:
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}}.

  • Volker Heyd: Die Spätkupferzeit in Süddeutschland. In: Saarbrücker Beiträge zur Altertumskunde 73. Habelt, Bonn 2000, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0080-5181|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

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}}.

  • Volker Heyd, Ludwig Husty, Ludwig Kreiner: Siedlungen der Glockenbecherkultur in Süddeutschland und Mitteleuropa. Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands, Bd. 17. Dr. Faustus, Büchenbach 2004, ISBN 3-933474-27-2.
  • J. Herring: The cairn excavation at Well Glass Spring. Largantea, Co. Londonderry. Ulster Journal of Archaeology 1, 1938 S. 164–88.
  • Andreas Hille: Die Glockenbecherkultur in Mitteldeutschland. (= Veröffentlichungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte, Bd. 66), Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle an der Saale 2012. ISBN 978-3-939414-78-0.
  • Jan N. Lanting: De NO-Nederlandse/NW-Duitse Klokbekergroep: culturele achtergrond, typologie van het aardewerk, datering, verspreiding en grafritueel. In: Palaeohistoria. Band 49/50, 2007/2008 (2008), S. 11–326 (Online).
  • Jan N. Lanting, J. D. van der Waals (Hrsg.): Glockenbecher Symposion Oberried. Bussum 1974.
  • Bärbel Metzinger-Schmitz: Die Glockenbecherkultur in Mähren und Niederösterreich. Diss. Saarbrücken 2004 (Liegt auch gedruckt vor).
  • Johannes Müller (Hrsg.): Vom Endneolithikum zur Frühbronzezeit. Muster sozialen Wandels? Tagung Bamberg 14.–16. Juni 2001. Habelt, Bonn 2002, ISBN 3-7749-3138-0.
  • Clément Nicolas: Bracer Ornaments! An investigation of Bell Beaker stone ‘wrist-guards’ from Central Europe. In: Journal of Neolithic Archaeology. Band 22, S. 15–107 (Online).
  • Franco Nicolis (Hrsg.): Bell Beakers Today. Pottery, people, culture and symbols in prehistoric Europe. International Colloquium Riva del Garda (Trento, Italy), 11–16 May 1998. Ufficio Beni Culturali, Trento 2001, ISBN 88-86602-43-X.
  • Rosa Schreiber: Die Glockenbecherkultur in Budapest. Budapest 1973.
  • Rick Schulting, Alison Sheridan, S. Clarke & Brock Ramsey: Largantea and the dating of Irish Wedge Tombs. Journal of Irish Archaeology 17, B. 2008. S. 1–17.
  • Christian Strahm (Hrsg.): Das Glockenbecher-Phänomen. Ein Seminar. Band 2. Freiburger Archäologische Studien, Freiburg 1995, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|1437-3327|0}}{{#ifeq:1|0|[!]

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}}.

  • Otto Helmut Urban: Der lange Weg zur Geschichte. Die Urgeschichte Österreichs. Wien 2003, ISBN 3-8000-3773-4.

Weblinks

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  }}, Artikel von Roland Wiermann, ursprünglich veröffentlicht in Archäologie in Deutschland 5/2003

Einzelnachweise

<references responsive> <ref name="Lanting 1973">J. N. Lanting, W. G. Mook, J. D. van der Waals: C14 chronology and the Beaker problem. Helinium, 13, S. 38–58, 1973.</ref> <ref name="Uerpmann 1990">Hans-Peter Uerpmann: Die Domestikation des Pferdes im Chalkolithikum West- und Mitteleuropas. Madrider Mitteilungen, 31, S. 110–153, 1990</ref> <ref name="Frickhinger 1939">Ernst Frickhinger: Die Glockenbechersiedlung und der frühbronzezeitliche Hockerfriedhof bei Nähermemmingen, Bez.-Amt Nördlingen. Mannus, 31, S. 467–484, 1939, S. 470 f.</ref> <ref name="Peške 1985">L. Peške: Osteologické nálezy kultury zvoncovitých pohárů z Holubic a poznámky k zápřahu skotu v eneolitu (Bone finds of Bell Beaker culture from the site of Holubice and notes on the harnessing of cattle in the Aeneolitic). Arch. rozhledy, 37, S. 428–440, 1985, Tab. 1.</ref> <ref name="Lanting 1974">J. N. Lanting, J. D. van der Waals: Beaker culture relations in the Lower Rhine Basin. In: Lanting et al. (Hrsg.): Glockenbecher Symposion Oberried. Uniehoek n. v., Bussum-Haarlem 1974.</ref> </references>

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