Góra
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Góra [[[:Vorlage:IPA]]] (deutsch Guhrau) ist eine Stadt im Powiat Górowski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie ist zugleich Sitz der Stadt- und Landgemeinde Góra.
Geographie
Góra liegt 35 km östlich von Głogów (Glogau), 90 km nordwestlich von Breslau, 22 km südlich von Leszno (Lissa) und 24 km nordwestlich von Rawicz (Rawitsch).
Geschichte
Erstmals erwähnt wurde Góra in der Bulle des Papstes Hadrian IV. aus dem Jahr 1155. 1289 wurde dem Ort das Magdeburger Stadtrecht verliehen, 1319 kam er in den Besitz der Schlesischen Piasten. 1336 findet sich erstmals der Name Guhrau. 1506/1508 kam der Ort zu Böhmen. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert war der zur Standesherrschaft Pleß gehörende Ort<ref>Siegfried Wollgast: Morphologie schlesischer Religiosität in der frühen Neuzeit: Sozinianismus und Täufertum. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 22, 2003, S. 419–448, hier: S. 438 f.</ref> ein Zentrum der Tuchmacherei. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Guhrau mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Guhrau vor allem als Stadt der Windmühlen bekannt, da es um 1840 mehr als 80 solcher Mühlen im Stadtgebiet gegeben haben soll. Zahlreiche Windmühlen-Standorte sind auf einer historischen Landkarte eingezeichnet.<ref name="mgaz" />
Um 1935 hatte Guhrau unter anderem drei Hotels, acht Gasthäuser und Restaurants, ein Bankhaus und zwei Sparkassen, drei Bierbrauereien, drei Buchdruckereien, sechs Destillationen und Likörfabriken, eine Essigfabrik, ein Holzsägewerk, drei Maschinenfabriken, zwei Metallgießereien, eine Möbelfabrik, vier Molkereien, vier Mühlen, zwei Mühlenbauanstalten, zwei Orgelbauer, eine Seifenfabrik, zwei Seiler, zehn Viehhandlungen, eine Waagenfabrik, drei Wagenfabriken, zwei Zeitungsverlage, eine Zementwarenfabrik, eine Zuckerfabrik und eine Vielzahl von Einzelhandelsgeschäften, Warenhändlern sowie Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben.<ref>Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Schlesien, S. 1580–1581 (Google Books).</ref>
Bis 1945 gehörte Guhrau zu Niederschlesien. Guhrau war Verwaltungssitz des Landkreises Guhrau im Regierungsbezirk Breslau. Seit 1879 bestand das Amtsgericht Guhrau.
Am 23. Januar 1945 besetzte die Rote Armee die Stadt, kurz danach wurde sie von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Es begann nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Die Alteinwohner wurden in der Folgezeit von der polnischen Verwaltungsbehörde aus Guhrau vertrieben.
Von 1946 bis 1975 war Góra Sitz eines Landkreises; seit 1999 ist es wiederum Sitz der Kreisverwaltung.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1803 | Vorlage:02733 | <ref name="Krug-5" /> |
| 1810 | Vorlage:02871 | <ref name="Krug-5" /> |
| 1816 | Vorlage:02950 | davon 2266 Evangelische, 650 Katholiken und 34 Juden<ref name="Krug-5">Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 288–295, Ziffer 235 (Google Books).</ref> |
| 1821 | Vorlage:03113 | Kreisstadt an der Bartsch, mit 473 Privatwohnhäusern sowie 67 Fabriken, Mühlen und Magazinen (einer Menge Windmühlen)<ref name="Krug-5" /> |
| 1825 | Vorlage:03188 | darunter 708 Katholiken und 24 Juden; Stadt durch Mauern, Graben und Gärten umschlossen, innere Stadt mit 216 massiv gebauten Häusern, 271 Häuser in der Vorstadt; Garnison: 1. Eskadron des 2. Leibhusaren-Regiments<ref>Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des ganzen jetzt zur Provinz gehörenden Markgrafenthums Ober-Lausitz, und der Grafschaft Glatz. Breslau 1830, S. 936–937 (Google Books).</ref> |
| 1840 | Vorlage:03733 | darunter 2956 Evangelische, 725 Katholiken und 52 Juden<ref name="Knie45" >Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 833 (Google Books).</ref> |
| 1843 | Vorlage:03648 | am Jahresende, darunter 2922 Evangelische, 694 Katholiken und 32 Juden<ref name="Knie45" /> |
| 1852 | Vorlage:03982 | am Jahresende<ref>Uebersicht des Flächenraums und der Einwohnerzahl des Preussisches Staates, und Alphabetisches Verzeichniss der Städte in demselben, mit Angabe der Civil-Einwohnerzahl am Schlusse des Jahres 1852. Decker, Berlin 1854, S. 14 (Google Books).</ref> |
| 1867 | Vorlage:04234 | am 3. Dezember<ref name="KSB">Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 48, Ziffer 1 (Google Books).</ref> |
| 1871 | Vorlage:04037 | am 1. Dezember, davon 3063 Evangelische, 867 Katholiken, eine sonstige christliche Person und 106 Juden<ref name="KSB" /> |
| 1890 | Vorlage:04557 | davon 3417 Evangelische, 1047 Katholiken und 93 Juden<ref name="Rademacher">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref> |
| 1900 | Vorlage:04844 | meist Evangelische<ref>Vorlage:Meyers-1905</ref> |
| 1910 | Vorlage:04877 | am 1. Dezember, Stadt mit einer evangelischen und einer katholischen Pfarrkirche<ref name="mgaz" >Guhrau, Kreisstadt, Regierungsbezirk Breslau, Provinz Schlesien, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Guhrau (meyersgaz.org).</ref> |
| 1925 | Vorlage:05152 | <ref name="Rademacher" /> |
| 1933 | Vorlage:05422 | <ref name="Rademacher" /> |
| 1939 | Vorlage:05648 | <ref name="Rademacher" /> |
| Jahr | 2023 | 2024 |
|---|---|---|
| Einwohnerzahl | 10.877 | 10.700 |
Sehenswürdigkeiten
- Die spätgotische Pfarrkirche St. Katharina (kościół p.w. Św. Katarzyny Aleksandryjskiej) wurde um die Wende des 15. Jahrhunderts zum 16. Jahrhundert in ihrer heutigen Form erbaut und ist das Wahrzeichen der Stadt. Dabei nahm die dreischiffige Backstein-Hallenkirche Elemente des 1457 abgebrannten Vorgängerbaus auf. Die Doppeltürme der reich gegliederten Fassade erreichen nur eine Höhe von 31 m und ragen somit nur wenig über das Dach des Langhauses hinaus. Im Innern findet sich eine reiche Barock- und Rokokoausstattung.
- Die Renaissance-Kirche Corpus Christi (kościół cmentarny Bożego Ciała) wurde um 1566 auf dem Pfarrfriedhof errichtet. Im Innern verdienen die Deckenmalereien und die Renaissancekanzel von 1571 Beachtung. In der Nähe der Kirche wurde seit Ende des 17. Jahrhunderts ein Kalvarienberg angelegt.<ref>Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. München 2005, S. 332, ISBN 3-422-03109-X</ref>
- Der Wehrturm, der auch als Gefängnis diente, gilt als Relikt des Schlosses aus dem 14./16. Jahrhundert
- Das Tor mit Glogauer Turm, aus dem 14.–19. Jahrhundert, umgebaut bis 1915
- Häuser vom Anfang des 18. Jahrhunderts, im 19./20. Jahrhundert umgebaut, an der in der ul. Bolesława Chrobrego 22 ul. Piłsudskiego 29 und an der Starogórska 17 und 19 (erste Hälfte 19. Jahrhundert), ul. Ściegiennego 27 (18. Jahrhundert umgebaut 19./20. Jahrhundert)
- Haus mit den Überresten des Polnischen Tores, aus dem 15. Jahrhundert, im 18. und 19./20. Jahrhundert umgebaut, an der ul. Wrocławska 1
- Windmühle in der ul. Sikorskiego 25, aus dem 15./16. Jahrhundert, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umgebaut
- Schule in der ul. Poznańska 2, die 1923–1928 errichtet wurde
- Stadtmauer, im 15. Jahrhundert aus Backstein errichtet. 1770 wurde mit dem Abbruch der Befestigungen begonnen, den jedoch Fragmente der Anlage überstanden. Ab 1960 wurden die erhaltenen Teile restauriert und teilweise rekonstruiert. Von den vier Stadttoren hat sich nur das Glogauer Tor erhalten, das eine Stundenglocke von 1765 birgt.
- Turm der ehemaligen evangelischen Kirche wurde 1854–1857 erbaut. Es handelt sich um ein 7-stöckiges Gebäude, ohne Keller, mit Steinboden. Die Mauern des Turms wurden aus 120 bis 75 cm dicken Ziegeln errichtet. Die Außenseite besteht aus Vormauerziegeln, die Innenseite aus Vollziegeln mit Kies- und Kalkputz. Die Höhe des Turms bis zur Dachoberkante beträgt 37,56 m. Im Jahr 2019 wurde der Turm wieder geöffnet. Die ursprünglich im Jahre 1748 als Fachwerk konstruierte Evangelische Kirche wurde nach einem Brand im Jahre 1759 unter Verwendung des erhaltenen Turms 1774 wieder aufgebaut. Sie ist nicht erhalten geblieben.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Städtepartnerschaften
Góra unterhält Städtepartnerschaften mit:
- Herzberg am Harz (Niedersachsen) seit 1993
Der Stadt- und Landgemeinde Góra gehören neben dem namensgebenden Hauptort 35 weitere Orte auf einer Fläche von 268,74 km² an. Vorlage:Hauptartikel
Wappen und Flagge
Das Wappen der Gemeinde Góra zeigt die heilige Katharina von Alexandria mit ihren Attributen (Schwert und knochenbrechendes Rad) zwischen zwei Türmen auf weißem Hintergrund. Die Góra-Flagge in Form eines Rechtecks trägt in der oberen linken Ecke auf weißem Grund das Góra-Wappen, die Farben in Form von Dreiecken (Hellblau, Grün, Gelb und Rot) beziehen sich auf die im Wappen verwendeten Farben.
Verkehr
In Góra kreuzen sich die Straßen Nr. 324 und Nr. 323 von Leszno nach Lubin.
Die Stadt hatte einen Kreuzungsbahnhof zwischen der Guhrauer Kreisbahn und der Bahnstrecke Bojanowo–Odrzycko. Der letzte Zug fuhr am 10. Dezember 2011. Zwei Tage später wurde aufgrund des Baus der Schnellstraße S5 ein Teil der Gleise abgebaut, wodurch der Bahnhof vom Eisenbahnnetz abgeschnitten wurde. Der Bahnhof wurde unter der Bezeichnung „Guhrau 1885“ eröffnet.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
- Valentin Triller (1493–1573), deutscher Pfarrer sowie Autor und Komponist von Kirchenliedern
- Sebastian Hempel (1593–1650), deutscher Jurist, Direktor des Hofgerichts Stettin
- Heinrich Held (1620–1659), deutscher Rechtsanwalt und Kirchenlieddichter
- Ernst Gustav von Held (1766–1851), preußischer Generalleutnant und erster Kommandant des Invalidenhauses
- Ernst Louis Otto Nerreter (1809–1880), evangelischer Theologe und Abgeordneter
- Ludwig Herzfeld (1819–1911), deutscher Rechtsanwalt
- Carl August Flickschu (1821–1888), deutscher Kaufmann, Tuchfabrikant und Stadtrat
- Emil von Pfuhl (1821–1894), preußischer Generalleutnant
- Benno von Arent (1823–1899), königlich-preußischer Generalleutnant
- Louis Wandelt (1823–1871), Pianist und Musikpädagoge
- Wilhelm Neumann (1826–1907), Architekt und Baubeamter
- Paul Stankiewicz (1834–1897), Maler und Verleger
- Benno Schulze (1836–1882), Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstags
- Augustin Rösler (1851–1922), deutscher römisch-katholischer Theologe
- Benno Erdmann (1851–1921), deutscher Philosoph
- Alfred von Goßler (1867–1946), deutscher Jurist und Politiker
- Georg von Dehn-Schmidt (1876–1937), deutscher Diplomat
- Alfred Herfurth (1889–1946), deutscher Handwerkskammer-Syndikus und Mitglied des Badischen Landtages
- Alfred Noske (1894–1957), deutscher Schriftsteller und Politiker
- Wilhelm Klemm (1896–1985), deutscher Chemiker, Rektor der Universität Münster
- Werner Naumann (1909–1982), deutscher Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda
- Hans-Karl Paetzold (1916–2002), deutscher Geophysiker, Lehrstuhlinhaber und Direktor des Instituts für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln
- Herbert Wehnelt (1918–2007), deutscher Generalleutnant
- Siegfried George (1933–2017), deutscher Didaktiker
- Georg Hirschbrich (1939–2012), römisch-katholischer Geistlicher
- Andreas Fritsch (* 1941), deutscher Altphilologe
- Sigrun Steinborn (* 1942), deutsche Politikerin
- Volker Ronge (1943–2026), deutscher Soziologe, Rektor der Bergischen Universität Wuppertal
- Hajo Funke (* 1944), deutscher Politikwissenschaftler, emeritierter Professor an der Freien Universität Berlin
- Karol Kulczycki (* 1966), polnischer Ordensgeistlicher, Bischof von Port Pirie in Australien
- Jarosław Gromadziński (* 1971), Generalleutnant des Heeres der Polnischen Streitkräfte
- Radosław Kałużny (* 1974), polnischer Fußballspieler
Persönlichkeiten mit Bezug zu Góra
- Julius Schmundt (1815–1894), preußischer Militärarzt; lebte und praktizierte zuletzt in Guhrau, wo er auch verstarb.
Literatur
- Vorlage:MerianTopo
- Guhrau, Kreisstadt, Regierungsbezirk Breslau, Provinz Schlesien, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Guhrau (meyersgaz.org).
- Karl August Müller: Vaterländische Bilder, oder Geschichte und Beschreibung sämmtlicher Burgen und Ritterschlösser Schlesiens beider Antheile und der Grafschaft Glatz. Zweite Auflage, Glogau 1844, S. 251–253 (books.google.de).
- Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien. Breslau 1830, S. 936–937 (books.google.de).
- Ziołecki: Geschichte der Stadt Guhrau 1300–1900. Guhrau 1900.
- Otto Tippel: Guhrau an der Jahrhundertwende. Schweidnitz 1902.
- Fritz Heinze: Heimatbuch des Kreises Guhrau/Schlesien. 504 Seiten, 1973, ISBN 3-930376-13-X.
Weblinks
- Stadt Guhrau (Territorial.de)
- Website der Gemeinde
- Historische Fotos mit Karte
- Dolny Śląsk – dziedzictwo przeszłości utrwalone w zabytkach
Einzelnachweise
<references />