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Rechtsförmlichkeit

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Die Rechtsförmlichkeit oder Legistik ist die Lehre und die Regelung der formalen Gestaltung und Verwaltung von Rechtsvorschriften.

Deutschland

„Das Handbuch ist als praktische Arbeitshilfe für alle konzipiert, die Rechtsvorschriften entwerfen oder prüfen. Das Handbuch berücksichtigt die dafür maßgebenden rechtlichen Vorgaben einschließlich des verfassungsrechtlichen Rahmens und der GGO sowie Erfahrungen aus der Rechtsetzungspraxis.“

Handbuch der Rechtsförmlichkeit, 4. Auflage<ref>Handbuch der Rechtsförmlichkeit, 4. Auflage. In: bmj.de. Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 11. April 2025.</ref>

Im genannten Handbuch finden sich zahlreiche Regelungen zu folgenden Gesichtspunkten:

Am 31. Oktober 2024 wurde eine Neufassung des Handbuchs veröffentlicht, die ab der 21. Legislaturperiode des Deutschen Bundestags Anwendung findet.<ref>Handbuch der Rechtsförmlichkeit, 4. Auflage. In: bmj.de. Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 11. April 2025.</ref>

In vielen Bundesländern bestehen zusätzlich eigene Regelungen, so z. B. in Bayern die Redaktionsrichtlinien<ref>Richtlinien für die Redaktion von Rechtsvorschriften (RedR, 2015)</ref> und in Nordrhein-Westfalen die Sonderregelungen in der Gemeinsamen Geschäftsordnung (GGO) und insbesondere in den Anlagen zu dieser.<ref>Gemeinsame Geschäftsordnung für die Ministerien des Landes Nordrhein-Westfalen (GGO, 2014)</ref>

Österreich

In Österreich ist der Verfassungsdienst (Sektion V des Bundeskanzleramtes) für die Erarbeitung und Weiterentwicklung der legistischen Richtlinien zuständig. In den einzelnen Bundesministerien gibt es zur Erarbeitung von Gesetzestexten (Ministerialentwürfen) jeweils eine eigene Abteilung oder Sektion, zum Beispiel die Sektion III (Recht) Abteilung Legistik im Innenministerium.

Der Verfassungsdienst stellt die jeweils gültigen Bestimmungen im Bereich der Rechtssetzungstechnik im Internet auf der Homepage des Verfassungsdienstes zur Verfügung.<ref>Verfassungsdienst: E-Recht und Legistische Richtlinien</ref> Im Begutachtungsverfahren äußert sich der Verfassungsdienst oft mit Anliegen gesetzestechnischer Natur.

Eigene Regelungen bestehen etwa in den Bundesländern Niederösterreich,<ref>Niederösterreich: Legistische Richtlinien (2015)</ref> Steiermark<ref>Steiermark: Legistisches Handbuch (2005 ff.)</ref> und Vorarlberg.<ref>Vorarlberg: Legistische Richtlinien (2009)</ref>

Schweiz

In der Schweiz ist die Sektion Recht der Bundeskanzlei verantwortlich. Es gelten Gesetzestechnische Richtlinien des Bundes<ref>Gesetzestechnische Richtlinien des Bundes (GTR), Ausgabe 2013 = Directives sur la technique législative = Direttive di tecnica legislativa (DTL)</ref> sowie Richtlinien der Kantone<ref>ius.uzh.ch: Richtlinien für die Rechtsetzung aus den Kantonen (PDF)</ref> und kommunaler Körperschaften.<ref>Beispiel Stadt Zürich: Richtlinien der Rechtsetzung (2015)</ref>

Liechtenstein

Der Rechtsdienst der Regierung überprüft Entwürfe zu Rechtsvorschriften und hat 1990 Legistische Richtlinien ausgearbeitet.<ref>Rechtsdienst der Regierung (RDR) – Legistik</ref>

Weitere deutschsprachige Gebiete

Südtirol

In Südtirol liegt die Zuständigkeit beim Amt für Rechts- und Gesetzgebungsangelegenheiten des Landtages und bei der Anwaltschaft des Landes.<ref>Autonome Provinz Bozen – Südtirol, Rechtsbereich</ref> Es gibt Legistische Richtlinien, publiziert im Rundschreiben der Generaldirektion vom 2. Jänner 1997.

Ostbelgien

Die Zentrale Dienststelle für Deutsche Übersetzungen (ZDDÜ) in Malmedy erstellt deutsche Übersetzungen belgischer Gesetze und stellt die dreisprachige Terminologiedatenbank Semamdy zur Verfügung.<ref>Zentrale Dienststelle für Deutsche Übersetzungen (ZDDÜ)</ref>

Europäische Union

Bei der Europäischen Union ist der Juristische Dienst der Europäischen Kommission, Team „Qualität der Gesetzgebung“ zuständig.<ref>Europäische Kommission, Juristischer Dienst, Team „Qualität der Gesetzgebung“</ref> Als interinstitutionelle Regelung dient ein Gemeinsamer Leitfaden für Personen, die an der Abfassung von Rechtstexten der Europäischen Union mitwirken,<ref>Gemeinsamer Leitfaden für Personen, die an der Abfassung von Rechtstexten der Europäischen Union mitwirken (2. Auflage 2015)</ref> der durch ein Gemeinsames Handbuch zur Abfassung von Rechtsakten im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren<ref>Gemeinsames Handbuch zur Abfassung von Rechtsakten im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren (2018)</ref> konkretisiert wird.

Gliederung und Zitierweise eines typischen Rechtsakts

Deutschland<ref>Handbuch der Rechtsförmlichkeit, 4. Auflage. In: bmj.de. Bundesministerium der Justiz, abgerufen am 11. April 2025 (Rn. 77 und 382).</ref> Österreich<ref>Handbuch der Rechtssetzungstechnik, Teil 1: Legistische Richtlinien 1990, Richtlinien 113 und 137</ref> Schweiz,<ref>Gesetzestechnische Richtlinien des Bundes (2013), Rz. 70 und 98 (Gliederungseinheiten ausgeschrieben im Fließtext, abgekürzt etwa in Klammern und Fußnoten)</ref> Liechtenstein<ref>Legistische Richtlinien (1990), Art. 48</ref> EU<ref>Gemeinsamer Leitfaden (2015), Nummer 15.4</ref>
Gliederung Zitat Gliederung Zitat Gliederung Zitat Gliederung Zitat
§ 1 § 1 § 1 § 1 Art. 1 Artikel 1 (Art. 1) Artikel 1 Artikel 1
(1) Absatz 1 (1) Abs. 1 ¹ Absatz 1 (Abs. 1) (1) Absatz 1
Satz 1 1. Z 1 a. Buchstabe a (Bst. a) a) Buchstabe a
1. Nummer 1 a) lit. a 1. Ziffer 1 (Ziff. 1) 1. Nummer 1
a) Buchstabe a aa) sublit. aa erster Strich i) Ziffer i
aa) Doppelbuchstabe aa

Die Regelungen subnationaler Einheiten (Bundesländer, Kantone) können abweichen. In Bayern etwa sind Stammgesetze in Artikel gegliedert, und mehrere Sätze in einem Absatz werden durch voran- und hochgestellte Zahlen gekennzeichnet.<ref>Redaktionsrichtlinien (2015), Nr. 2.6</ref> Umgekehrt werden in einigen Schweizer Kantonen (AG, BL, BS, LU, SZ, SO, TG, ZG, ZH) in der Regel Paragrafen verwendet.

Weitere Länder

Auch in anderen Ländern gibt es entsprechende Regeln zur Abfassung von Rechtsvorschriften, beispielsweise in Italien<ref>Camera dei deputati: Regole e raccomandazioni sulla formulazione tecnica dei testi legislativi (CIRC/PC/1/2001)</ref> und Polen.<ref>Vorlage:Dziennik Ustaw</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Marina Brambilla, Joachim Gerdes, Chiara Messina (Hrsg.): Diatopische Variation in der deutschen Rechtssprache. Frank & Timme, Berlin 2013, ISBN 978-3-86596-447-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
  • Harald Kindermann: Ministerielle Richtlinien der Gesetzestechnik. Vergleichende Untersuchung der Regelungen in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich und der Schweiz. Springer-Verlag, Berlin 1979 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – historisch).
  • Hildebert Kirchner: Abkürzungsverzeichnis der Rechtssprache. 6. Auflage. De Gruyter Recht, Berlin 2008, ISBN 978-3-89949-335-1.
  • Anton Schäfer: Abkürzungen, Begriffe, Zitiervorschläge (Akronyme – internationale Einführung und umfangreiche Abkürzungssammlung). 1. Auflage. Verlag Österreich, Wien 2008, ISBN 978-3-7046-5112-9.
  • Tonio Walter: Kleine Stilkunde für Juristen. 2. Auflage. Beck Verlag, München 2009, ISBN 978-3-406-59190-7.
  • Tonio Walter: Sprache und Stil in Rechtstexten in JR. 2007, S. 61–65.
  • Uwe Wesel: Fast alles, was Recht ist. Jura für Nichtjuristen. 8. Auflage. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-8218-4749-8.

Weblinks

Einzelnachweise

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