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Homologietheorie

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(Weitergeleitet von Homologiegruppe)

Unter Homologie (Vorlage:GrcS, „ähnlich, gleich“, und {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}, hier: „Verhältnis, Analogie, Proportion“<ref>Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Braunschweig 31914, Band 2, S. 58–61. Stichwort {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}, Bedeutung C.5 (Online-Version)</ref>) versteht man in der algebraischen Topologie eine Folge von Abelschen Gruppen, den Homologiegruppen, die topologischen Räumen zugeordnet werden. Homologie ist nützlich, denn sie erlaubt, das „Loch“ eines Torus mathematisch zu formalisieren. Sie gibt ferner Aufschluss über wichtige Merkmale eines topologischen Raumes (wie Zusammenhang oder Orientierbarkeit) und hat eine Reihe weiterer wünschenswerter Eigenschaften (wie die Künneth-Formel). Sie ist eine topologische Invariante, das heißt, sie erlaubt, manche topologische Räume voneinander zu unterscheiden.

Es gibt verschiedene Homologietheorien (z. B. simpliziale, singuläre oder zelluläre Homologie) zur Berechnung der Homologie, die jedoch alle die gleichen Homologiegruppen liefern. Somit ergibt es Sinn, von der Homologie eines Raumes zu sprechen.

In der modernen Mathematik wird Homologie analog auch mathematischen Objekten zugewiesen, die keine topologischen Räume sind. Allen Homologietheorien ist gemein, dass eine Folge von Kettenkomplexen konstruiert wird, die durch eine Folge von Abbildungen verknüpft sind. Aus den Abbildungen errechnen sich anschließend die Homologiegruppen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Konstruktion von Homologiegruppen

Man geht im Allgemeinen wie folgt vor: Einem mathematischen Objekt <math>X</math> wird zunächst ein Kettenkomplex zugeordnet, der Information über <math>X</math> enthält. Ein Kettenkomplex ist eine Folge von Moduln <math>A_0, A_1, \dots</math> über einem festen Ring, verbunden durch Homomorphismen <math>d_n\colon A_n \to A_{n-1}</math>, so dass die Hintereinanderausführung je zweier dieser Abbildungen die Nullabbildung ist: <math>d_n\circ d_{n+1} = 0</math> für jedes <math>n</math>. Dies bedeutet, dass das Bild der <math>n</math>-ten Abbildung stets im Kern der <math>(n+1)</math>-ten Abbildung enthalten ist. Man definiert nun die <math>n</math>-te Homologiegruppe von <math>X</math> als den Quotientenmodul

<math>\,H_n(X) = \mathrm{ker}(d_n) / \mathrm{im}(d_{n+1}).</math>

Ein Kettenkomplex heißt exakt, wenn das Bild der <math>(n+1)</math>-ten Abbildung stets der Kern der <math>n</math>-ten Abbildung ist; die Homologiegruppen von <math>X</math> messen also, „wie unexakt“ der <math>X</math> zugeordnete Kettenkomplex ist.

Beispiele

Das erste Beispiel stammt aus der algebraischen Topologie: die simpliziale Homologie eines simplizialen Komplexes <math>X</math>. Hier ist <math>A_n</math> der freie Modul über den <math>n</math>-dimensionalen orientierten Simplizes von <math>X</math>. Die Abbildungen <math>d_n</math> heißen Randabbildungen und bilden das Simplex mit den Ecken

<math> (a[0], a[1], \dots, a[n]) </math>

auf die alternierende Summe der „Randflächen“

<math> \sum_{i=0}^n (-1)^i(a[0], \dots, a[i-1], a[i+1], \dots, a[n]) </math>

ab.

Für Moduln über einem Körper (d. h. Vektorräume) beschreibt die Dimension der <math>n</math>-ten Homologiegruppe von <math>X</math> die Anzahl der <math>n</math>-dimensionalen Löcher von <math>X</math>.

Mit diesem Beispiel kann man eine simpliziale Homologie für jeden topologischen Raum definieren. Der Kettenkomplex für <math>X</math> wird so definiert, dass <math>A_n</math> der freie Modul über allen stetigen Abbildungen vom <math>n</math>-dimensionalen Einheitssimplex nach <math>X</math> ist. Die Homomorphismen <math>d_n</math> ergeben sich aus den simplizialen Randabbildungen.

In der homologischen Algebra benutzt man Homologie, um abgeleitete Funktoren zu definieren. Man betrachtet dort einen additiven Funktor <math>F</math> und einen Modul <math>X</math>. Der Kettenkomplex für <math>X</math> wird wie folgt konstruiert: <math>F_1</math> sei ein freier Modul und <math>p_1\colon F_1 \to X</math> ein Epimorphismus, <math>F_2</math> sei ein freier Modul, der die Eigenschaft besitzen soll, dass ein Epimorphismus <math>p_2\colon F_2 \to \mathrm{ker}\,p_1</math> existiert, <math>\ldots</math> Man erhält also eine Sequenz freier Moduln <math>F_n</math> und Homomorphismen <math>p_n\colon F_n \to F_{n-1}</math> und durch Anwendung von <math>F</math> einen Kettenkomplex. Die <math>n</math>-te Homologie <math>H_n</math> dieses Komplexes hängt, wie man zeigen kann, nur von <math>F</math> und <math>X</math> ab. Man schreibt <math>H_n =: D^n F(X)</math> und nennt <math>D^nF</math> den <math>n</math>-ten abgeleiteten Funktor von <math>F</math>.

Homologiefunktoren

Die Kettenkomplexe bilden eine Kategorie: Ein Morphismus – man sagt: eine Kettenabbildung – vom Kettenkomplex <math>(A_n, d^A_n)</math> in den Kettenkomplex <math>(B_n, d^B_n)</math> ist eine Folge von Modulhomomorphismen <math>f_n\colon A_n \to B_n</math>, so dass <math>f_{n-1} \circ d^A_n = d_n^B \circ f_n</math> für jedes <math>n</math>. Die <math>n</math>-te Homologiegruppe <math>H_n</math> kann man als Funktor von der Kategorie der Kettenkomplexe in die Kategorie der Moduln über dem zugrunde liegenden Ring <math>R</math> auffassen.

Wenn der Kettenkomplex von <math>X</math> funktoriell abhängt (d. h. jeder Morphismus <math>X \to Y</math> induziert eine Kettenabbildung vom Kettenkomplex von <math>X</math> in den von <math>Y</math>), dann sind die <math>H_n</math> Funktoren von der Kategorie, zu der <math>X</math> gehört, in die Kategorie der Moduln.

Ein Unterschied zwischen Homologie und Kohomologie liegt darin, dass die Kettenkomplexe in der Kohomologie kontravariant von <math>X</math> abhängen und daher die Homologiegruppen (die dann Kohomologiegruppen genannt werden und in diesem Kontext mit <math>H^n</math> bezeichnet werden) kontravariante Funktoren sind. Des Weiteren hat man meist auf der graduierten Kohomologiegruppe eine kanonische Ringstruktur, etwas Vergleichbares gibt es auf dem Niveau der Homologie nicht.

Eigenschaften

Ist <math>(A_n, d_n)</math> ein Kettenkomplex, so dass alle <math>A_n</math> endlich erzeugte freie Moduln sind, von denen höchstens endlich viele nicht null sind, dann kann man die Euler-Charakteristik

<math> \chi = \sum (-1)^n \, \mathrm{rank}\,(A_n) </math>

definieren. Man kann zeigen, dass die Euler-Charakteristik auch bezüglich der Homologie ausgedrückt werden kann:

<math> \chi = \sum (-1)^n \, \mathrm{rank}(H_n) </math>

In der algebraischen Topologie liefert das zwei Wege, die Invariante <math>\chi</math> für das Objekt <math>X</math>, aus dem der Kettenkomplex erzeugt wurde, auszurechnen.

Jede kurze exakte Sequenz

<math> 0 \rightarrow A \rightarrow B \rightarrow C \rightarrow 0 </math>

von Kettenkomplexen liefert eine lange exakte Sequenz der Homologiegruppen

<math> \cdots \rightarrow H_n(A) \rightarrow H_n(B) \rightarrow H_n(C) \rightarrow H_{n-1}(A) \rightarrow H_{n-1}(B) \rightarrow H_{n-1}(C) \rightarrow H_{n-2}(A) \rightarrow \cdots \,</math>

Alle Abbildungen dieser exakten Sequenz sind durch die Abbildungen zwischen den Kettenkomplexen induziert, außer den Abbildungen <math> H_n(C) \rightarrow H_{n-1}(A) </math>, die verbindende Homomorphismen genannt werden und deren Existenz mit dem Schlangenlemma bewiesen wird.

Siehe auch

Weblinks

  • {{#if: | {{{author}}} | Eric W. Weisstein }}: Homology. In: MathWorld (englisch). {{#if: Homology | {{#ifeq: {{#property:P2812}} | Homology | | {{#if: {{#property:P2812}} | {{#ifeq: 0 | 0 | }} | {{#ifeq: 0 | 0 | }} }} }} }}

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Algebraische Topologie