Namensstreit zwischen Debian und Mozilla
Der Namensstreit zwischen Mozilla und Debian entstand im Jahr 2006, als der Mozilla-Entwickler Mike Connor die Einhaltung bestimmter Bedingungen seitens Debian forderte, um die Marken der Mozilla Corporation weiterhin verwenden zu dürfen. Debian war mit diesen Bedingungen nicht einverstanden und entschied, die modifizierten Versionen der Mozilla-Programme umzubenennen: Firefox in Iceweasel, Thunderbird in Icedove, Sunbird in Iceowl und SeaMonkey in Iceape. Diese Änderungen waren ab Debian 4.0 (Etch) aktiv.
Im März 2016 wurde der Streit beigelegt. In der Folge verwendete Debian wieder die von Mozilla vorgegebenen Bezeichnungen und Logos. In Debian ist Firefox seither in zwei Versionen enthalten: Firefox, das dem regulären Veröffentlichungszyklus folgt, sowie Firefox-esr, dem „Extended Service Release“ mit längerer Unterstützung durch Mozilla.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. 11. März 2016, abgerufen am 10. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Abgerufen am 14. März 2016.</ref><ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Abgerufen am 14. März 2016.</ref>
Ursache
Im Juni 2005 gab es bereits eine Diskussion zwischen den Mozilla- und Debian-Entwicklern um die Markenrechte von Mozilla. Zu diesem Zeitpunkt gab die Mozilla Foundation Debian die Rechte, ihre Marken zu benutzen, sofern Debians Änderungen in gewissen, nicht genauer angegebenen Grenzen blieben.<ref>Branden Robinson / Debian Project Leader: Report for 2005-07-07; Abschnitt Mozilla Firefox trademark license, englisch</ref><ref name="debian-bugs">Uses Mozilla Firefox trademark without permission aus der Debian-Fehlerdatenbank, Diskussion von Februar bis Oktober 2006, englisch</ref>
Infolge der Gründung von Mozilla Corporation wurden die Markenrechte auf dieses Unternehmen übertragen. Dabei sei man über Ubuntu darauf gestoßen, dass der Name „Firefox“ ohne die Logos und Icons von Mozilla entgegen der Mozilla Trademark Policy<ref name="mozilla-trademark">Mozilla-Stiftung Mozilla Trademark Policy, englisch</ref> bei Debian verwendet wurde. Daraufhin wurde dies bei Debian im Februar 2006 als Fehler gemeldet und es entwickelte sich eine Diskussion.<ref name="debian-bugs" />
Wegen dieser Streitigkeiten haben sich die Verantwortlichen aus dem Debian-Projekt entschlossen, die Mozilla-Produkte als Bestandteile der Debian-Distribution umzubenennen.<ref>Hintergrundartikel zum Namensstreit zwischen Debian und Mozilla, Heise open, 19. Oktober 2006</ref> Eine entsprechende Bitte des Debian-Projektes, die Namensänderung wegen der nahenden Veröffentlichung der Version 4.0 („Etch“) zu verschieben, wurde von der Mozilla Corporation abgelehnt. Firefox erhielt daraufhin den Namen Iceweasel und Thunderbird wurde zu Icedove.<ref name="debian-bugs" /> Im selben Monat wurde beschlossen, SeaMonkey in Iceape umzubenennen.<ref>Alexander Sack: debranding seamonkey aus der Mozillamaintainers Debian-Mailingliste</ref> Zwar wird SeaMonkey außerhalb von Mozilla weiterentwickelt, doch die Mozilla Corporation arbeitete auch in diesem Fall daran, den Produktnamen sowie die Logos als Marke zu registrieren, und hat auch angedeutet, die Patches auch hier jeweils vorher untersuchen und absegnen zu wollen.<ref>Review Debian SeaMonkey package diff for trademark-incompatible changes aus der Mozilla-Fehlerdatenbank, Diskussion vom Oktober 2006, englisch</ref> Am 19. Oktober 2006 wurde die Marke schließlich Mozilla zugeteilt.<ref>Trademark Electronic Search System(Tess) Suchbegriff SeaMonkey</ref>
Anliegen von Mozilla
Das Ziel der restriktiven Politik der Mozilla Corporation hinsichtlich der Verwendung ihrer Produktnamen und Logos sei es unter anderem, dass Fehler und Probleme von Abkömmlingen der Mozilla-Produkte nicht den Ruf des Mozilla-Projektes schädigten und dass ein Namensmissbrauch verhindert werde. Außerdem sollen Aussehen, Bedienung und Fähigkeiten auf allen Plattformen und Distributionen möglichst gleich sein.<ref>Lucas Nussbaum: Mozilla, Debian and Iceweasel: the Mozillian point of view, 15. Oktober 2006, englisch</ref><ref>Sean Michael Kerner: Debian Fights Mozilla’s Fire, Thunder With 'Ice', auf internetnews.com, 17. Oktober 2006, englisch</ref><ref name="mozilla-trademark" />
Deshalb müsste Debian die entsprechenden Icons in ihrer Distribution verwenden und darüber hinaus sollen Debians Änderungen und Ergänzungen am Quelltext von Mozilla vor der Veröffentlichung auf Qualität und Sicherheit geprüft werden. Des Weiteren störte es Mozilla, dass Debian die alten Versionen mit Sicherheitspatches versorgte, statt diese auf neuere Versionen aufzurüsten.<ref name="debian-bugs" />
Das Markenrecht allein reiche für den Schutz der Logos nicht aus, weshalb diese als Bestandteil der Softwareprodukte nicht unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden können. So wollte Mozilla darauf Einfluss nehmen, auf welchem Hintergrund sich das Logo befinden darf.<ref>Mozilla Foundation Visual Identity Guidelines, insbesondere auch <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />die für Firefox ( vom 13. September 2008 im Internet Archive), englisch</ref>
Anliegen von Debian
Debian hingegen hat eine strenge Richtlinie, genannt Debian Free Software Guidelines, welcher alle Teile des Debian-Projektes folgen müssen. Unfreie Lizenzen für Logos und Icons, wie Mozilla sie verwendet, widersprechen dieser. Diese Marken können hingegen durch das Markenrecht geschützt werden, was auch von Debian toleriert wird. Würde Debian diese Dateien mit den Produkten mitliefern, müsste es sie als „unfreie“ Software klassifizieren und aus der regulären Distribution entfernen.<ref name="debian-bugs" /><ref name="facts">Mike Hommey: Facts about Debian and Mozilla® Firefox®, 15. Oktober 2006, englisch</ref>
Darüber hinaus hatte Debian die Befürchtung, die Prüfungen durch Mozilla würden Veröffentlichungen und Sicherheitspatches unangemessen verzögern.<ref name="debian-bugs" /> Die Änderungen von Debian, die nicht debianspezifisch sind, werden den ursprünglichen Entwicklern (hier: Mozilla) sofort gegeben.<ref name="facts" />
Außerdem wunderte sich Debian, dass die zuvor gegebene Erlaubnis entzogen wurde, obwohl Debian zu dem Zeitpunkt weniger Änderungen als damals vorgenommen hat. Insbesondere das Ersetzen der Icons wurde auch damals praktiziert.<ref name="debian-bugs" /><ref name="facts" />
Um die Mozilla-Produkte weiterhin mit dem Debian-Betriebssystem ausliefern zu können, um unabhängig von der Genehmigung der Mozilla Corporation Änderungen vornehmen zu können und um die Forderungen der Mozilla Corporation umzusetzen, entschied sich Debian zur Umbenennung und zur Benutzung eigener Logos und Icons.<ref name="debian-bugs" />
Reaktionen auf die Umbenennung
In der Gemeinde der Firefox-Anwender wurde diese Entwicklung kritisch diskutiert und die Befürchtung geäußert, der Streit zwischen den beiden großen Open-Source-Projekten und der Vertrieb des Firefox-Browsers unter verschiedenen Namen könne seiner Weiterentwicklung, Verbreitung und Bekanntheit schaden.<ref>Ben de Groot: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Five reasons to kill IceWeasel ( vom 29. September 2007 im Internet Archive), 12. Oktober 2006, englisch</ref> Des Weiteren erschwere die Umbenennung Internetrecherchen. Auf der anderen Seite wurde die Entwicklung als gütliche Einigung gesehen, die beiden Projekten nutze.
Firefox und Thunderbird in Ubuntu
Während Ubuntu auf Debian basiert und vor diesem Streit auch den freien Globus von Mozilla als Logo unter dem Namen Firefox verwendete, einigte sich Canonical mit Mozilla. Seit Edgy Eft (6.10) kamen Firefox und Thunderbird unter Ubuntu mit den ursprünglichen Logos.<ref>Matt Zimmerman: Firefox outcome (Re: Is Ubuntu going to adapt Ice Weasel?) aus der Ubuntu-Mailingliste, 23. Oktober 2006, englisch</ref> Paradoxerweise soll Ubuntu dabei wesentlich umfangreichere Änderungen am Quellcode als Debian getätigt haben. Mike Hommey – ein Debian-Entwickler – erklärte, Debian hätte bei Iceweasel 6 Dateien verändert, die von Ubuntu nicht verändert wurden, Ubuntu-Entwickler hätten dafür Veränderungen an 46 Dateien vorgenommen, die von Debian nicht angetastet wurden. Die restlichen gegenüber dem ursprünglichen Mozilla-Quelltext veränderten Dateien seien bei Debian und Ubuntu die gleichen gewesen.<ref name="ubuntu">Mike Hommey: Facts about Debian, Mozilla® Firefox® and Ubuntu, 27. Oktober 2006, englisch</ref>
GNUzilla und GNU IceCat
Unabhängig von den Meinungsverschiedenheiten zwischen den Debian-Entwicklern und der Mozilla Corporation hatte ein kleines Team im Rahmen des GNU-Projekts das GNUzilla-Projekt initiiert, dessen Ziel es ist, vollständig freie Varianten einiger Softwareprodukte aus dem Mozilla-Projekt herauszugeben. Der ursprüngliche Name der GNUzilla-Variante des Browsers Mozilla Firefox lautete ebenfalls GNU IceWeasel, im Gegensatz zum Namen des Debian-Pakets mit großem „W“. Nach kurzer Zeit wurde es jedoch umbenannt in GNU IceCat. An IceWeasel wird unabhängig von Debians Iceweasel gearbeitet.<ref name="debian-bugs" /> Debian- und GNUzilla-Entwickler gaben bekannt, Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit ausloten zu wollen.<ref name="facts" /><ref>Sean Michael Kerner: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. internetnews.com, 6. Oktober 2006, abgerufen am 30. Juli 2007 (englisch).</ref> Im August 2007, zwei Jahre nach Beginn des Projekts, war Firefox die einzige Mozilla-Anwendung, dessen GNUzilla-Variante Aktivität verzeichnete.<ref>GNU Savannah: Savannah Administration – task #4529: Submission of GNUzilla, Anmeldung des GNUzilla-Projekts bei GNU Savannah, 30. August 2005, englisch</ref><ref name="gnuzilla">GNUzilla Project: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Free Software Foundation, 22. November 2006, abgerufen am 6. Dezember 2007 (englisch).</ref>
Auf der Website von GNUzilla und IceCat wurde im August 2007 die GNUzilla-Fassung des Firefox als Testversion zum Herunterladen angeboten, andere Bestandteile der Mozilla-Produktpalette fehlten. GNUzilla wird als Name für das beherbergende Projekt analog zu dem Namen Mozilla verwendet.<ref>GNUzilla-Projekt: IceCat Readme, Zitat: „The goal of the IceCat project is to provide a completely free version of the popular mozilla source code. It is part of Gnuzilla, the umbrella project analogous to Mozilla.“, Dateirevision 1.2, vom 24. November 2007, (englisch)</ref><ref name="gnuzilla" /> Ein Softwareprodukt, das den Namen GNUzilla trägt, gibt es nicht.
Die gleiche Namensgebung seitens GNUzilla und Debian (bis auf die Großschreibung) hat zu Missverständnissen geführt, so dass viele meinten, Debian selbst und nicht GNUzilla würde diese vielen Änderungen vornehmen, verbreiten und nicht angemessen mit Mozilla zusammenarbeiten.<ref name="facts" /> Andere Debianbenutzer meinten, sie bekämen jetzt GNUzillas IceWeasel statt Firefox und waren teilweise darüber verärgert.<ref>Re: Debian, Iceweasel, Firefox auf der Debianbenutzer-Mailingliste</ref><ref name="iceweasel2">Mike hommey: Re: Iceweasel 2.0.0.3 auf der Bug-Gnuzilla Mailingliste, 20. Juni 2007, englisch</ref> Letztendlich entschied sich das GNUzilla-Team im September 2007, den Namen ihrer Firefox-Variante in IceCat zu ändern.<ref>Karl Berry: Re: ice weasel, Zitat: „[…] we’ve decided to change the name to IceCat […]“ auf der Bug-Gnuzilla Mailingliste, 23. September 2007, englisch</ref>
GNUzilla entfernt, nicht anders als einige Linuxdistributionen auch,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Debian Changelog iceweasel ( vom 16. März 2009 im Internet Archive), Zitat: „iceweasel (2.0.0.3-1) […] debian/remove.nonfree“, verlinkt am 15. Juni 2011, englisch</ref> nichtfreie Bestandteile aus dem Quellcode von Firefox.<ref name="nonfree">GNUzilla-Projekt: Liste der von GNUzilla entfernten Bestandteile von Firefox, Version 2.0.0.11-g1 von IceCeasel, verlinkt am 6. Dezember 2007</ref> Darüber hinaus haben die GNU-Entwickler auch einige kleine Änderungen bezüglich der Funktionalität vorgenommen. Dazu gehört die Erkennung von sogenannten Zählpixeln.<ref>GNUzilla-Projekt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zählpixel-Erkennung ( des Vorlage:Referrer vom 8. November 2006 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/archiv-bot, verlinkt am 13. August 2007, englisch</ref> Eine vollständige Liste der Modifikationen befindet sich auf der GNUzilla-Website.<ref name="gnuzilla" /> Einige dieser Modifikationen bereiten Schwierigkeiten beim Übernehmen von neueren Änderungen von Firefox in dessen GNUzilla-Ableger.<ref name="iceweasel2" />
Weitere Umbenennungen
Außer dem Debian-Projekt und dem GNUzilla-Projekt wurde auch beim inoffiziellen Ubuntu-Derivat gNewSense für den Mozilla Firefox ein anderer Name gewählt: BurningDog.<ref>gNewSense: gNewSense Main Repository – Mozilla Firefox, Eintrag zu Mozilla Firefox im Paketverzeichnis der Distribution, verlinkt am 13. August 2007, englisch</ref> Dieser Name entspricht ebenfalls dem Schema, einen elementaren Zustand mit einem Tier zu kombinieren.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />