Hannes Ametsreiter
Johannes „Hannes“ Ametsreiter (* 20. Jänner 1967 in Salzburg) ist ein österreichischer Manager. Er hatte langjährige Führungspositionen in der Telekommunikationsbranche inne, unter anderem als Vorsitzender der Geschäftsführung von Vodafone Deutschland und Vorstandsvorsitzender der A1 Telekom Austria Group.<ref>Profile. Bloomberg, abgerufen am 12. November 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zuletzt war er Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.<ref>Ex-Vodafone-Chef: Hannes Ametsreiter wird neuer Chef der Bertelsmann-Stiftung. In: Handelsblatt. 26. September 2024, abgerufen am 3. Januar 2025.</ref>
Leben
Studium
Ametsreiter verbrachte seine Kindheit und Jugend in Salzburg. Nach der Matura strebte er zunächst eine Laufbahn als Sportjournalist an. Dies veranlasste ihn zu einem Studium der Publizistik sowie Kommunikations- und Sportwissenschaften an der Paris-Lodron-Universität in Salzburg. Währenddessen arbeitete Ametsreiter unter anderem als Praktikant<ref>Monika Kriwan: Hannes Ametsreiter. In: Die Presse. Ressort Karriere. 16. Juni 2007, S. 1.</ref> in der Pressestelle von UNO-Generalsekretär Pérez de Cuéllar in New York City.<ref name=":3">Elisabeth Eidenberger: Der „Mister A1“. In: Oberösterreichische Nachrichten. 17. August 2011, S. 1.</ref> Weitere studentische Praktika führten ihn zu Chemie Linz, Messerschmitt Bölkow Blohm und Siemens.
Auf den Abschluss als Master of Arts (M.A.) im Jahr 1991 folgte ein Doktorstudium. Während seines Doktorats begab sich Ametsreiter zu Forschungsarbeiten in die Vereinigten Staaten und nahm zugleich an einem MBA-Programm an der Pepperdine University im US-Bundesstaat Kalifornien teil.
Während seiner beruflichen Tätigkeit bildete er sich im Rahmen von Executive Education an der französischen Wirtschaftshochschule Insead (2011) sowie der Stanford University (2012) und der Harvard Business School (2014) fort.<ref name=":0" />
Karriere
Ametsreiter begann seine berufliche Laufbahn als Assistant Brand Manager bei Procter & Gamble.<ref name=":0">Hannes Ametsreiter. In: Linkedin. Abgerufen am 12. November 2020.</ref> Im Rahmen dieser Tätigkeit erlernte er das Marketing-Handwerk und sammelte weitere internationale Erfahrung, etwa in Kairo und London.
Mobilkom Austria
1996 wechselte Ametsreiter in das Produktmanagement von Mobilkom Austria, eine Tochtergesellschaft der Telekom Austria. Nach zwei Jahren übernahm er die Leitung dieses Bereichs, der öffentlich durch den Erwerb der Namensrechte an der österreichischen Formel-1-Rennstrecke („A1-Ring“) von sich reden machte.<ref>Die Werbung gibt Vollgas. In: Wiener Zeitung. 31. Januar 2002, S. 13.</ref>
Ab 2001 war Ametsreiter federführend für Marketing und Vertrieb verantwortlich. In dieser Position rückte er als einer der jüngsten österreichischen Manager auch in den Vorstand von Mobilkom Austria auf.<ref>Neuer Vorstand bei der Mobilkom. In: Der Standard. 20. Januar 2001, S. 28.</ref> Von 2005 bis 2006 wirkte Ametsreiter als Chief Marketing Officer (CMO) von Mobiltel in Bulgarien. Bei der Übernahme von Mobiltel durch Mobilkom Austria handelte es sich um eine der größten Investitionen in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte.<ref>Martin Fellhuber: Telekom Austria landet in Bulgarien. In: Wirtschaftsblatt. 15. Juli 2005, S. 3.</ref> Ametsreiter hatte ferner verschiedene Positionen in anderen Auslandsgesellschaften des Konzerns inne.<ref>Mobilkom: Nach Bulgarien nun bald Serbien? In: Wiener Zeitung. 21. März 2006, S. 26.</ref> Er galt als Anwärter auf den CEO-Posten der Telekom Austria.<ref>Die „Eigenmarke“ des Hannes Ametsreiter. In: Die Presse. 2. März 2009, abgerufen am 18. Februar 2021.</ref>
A1 Telekom Austria
2006/2007 führte die Telekom Austria eine neue Organisationsstruktur ein, die auch zu Veränderungen im Management führte.<ref>Luise Ungerboeck: Mehr Köpfe und höhere Gewinne. In: Der Standard. 14. März 2006, S. 18.</ref><ref>Sissi Eigruber: Grünes Licht für Telekom Austria-Dach. In: Wiener Zeitung. 13. Juni 2006, S. 25.</ref> Daraufhin übernahm Ametsreiter zusätzlich zum Marketing des Mobilfunkbereichs auch das Marketing des Festnetzbereichs.<ref>Personalities der Woche. In: Format. 6. Juli 2007, S. 63.</ref><ref>Der Diener zweier Herren. In: Kurier. 2. August 2007, S. 21.</ref> Ab 2008 führte er als Vorstandsvorsitzender den gesamten Festnetzbereich.<ref>Telekom hat neuen Festnetz-Chef. In: Die Presse. 17. Dezember 2008, S. 18.</ref> Dieser hatte viele Jahre lang kontinuierlich Kunden verloren. Ametsreiter generierte durch die Einführung von Kombipaketen aus Festnetz und Mobilfunk sowie der Entwicklung neuer Produkte wie Internet-TV wieder Wachstum und erreichte so einen Turnaround.<ref>Telekom kann im Festnetz Kundenschwund bremsen. In: Der Standard. 16. Januar 2009, S. 16.</ref>
Nach dem Rückzug von Boris Nemsic im Jahr 2009 bestellte der Aufsichtsrat Ametsreiter einstimmig<ref>Ametsreiter ist neuer Telekom-Chef. In: Kurier. 6. März 2009, S. 15.</ref> zum Generaldirektor und Vorstandsvorsitzenden der Telekom Austria.<ref>Luise Ungerboeck: Ametsreiter neuer starker Mann bei der Telekom. In: Der Standard. 6. März 2009, S. 24.</ref> Als Chef des Mobilfunk- und Festnetzbereichs sowie der Holding führte er nun alle drei wesentlichen Bereiche der Telekom Austria.<ref>Ingrid Brodnig, Matthias G. Bernold: „Ich bin kein Störenfried.“ In: Falter. 8. April 2009, S. 21.</ref> Ametsreiter führte diese unter der gemeinsamen Dachmarke A1 Telekom Austria zusammen und setzte auf Kombipakete aus Fernsehen, Internet und Mobilfunk.<ref>A1 Telekom Austria bekommt einheitliche Marke. In: Der Standard. 25. Oktober 2010, abgerufen am 12. November 2020.</ref><ref>Kombipakete retten Festnetz. In: Die Presse. 16. Januar 2009, S. 16.</ref>
Während Ametsreiters Amtszeit stieg América Móvil zum Großaktionär der Telekom Austria auf.<ref>Thomas Jäkle: TA-Chef Ametsreiter lebt tête-à-tête mit ÖIAG & Slim. In: Wirtschaftsblatt. 31. Januar 2014, S. 26.</ref><ref>Gerangel um Macht bei der Telekom. In: Kurier. 16. Juni 2015, S. 9.</ref><ref>Sigrid Brandstätter: Perfekter Absprung. In: Oberösterreichische Nachrichten. 20. Juni 2015, S. 1.</ref>
Vodafone Deutschland
Im Oktober 2015 rückte Ametsreiter an die Spitze von Vodafone Deutschland.<ref>Stefan Paravicini: Hannes Ametsreiter rückt an die Spitze von Vodafone Deutschland. In: Börsen-Zeitung. 20. Juni 2015, S. 12.</ref> In der Position des Chief Executive Officer (CEO) folgte er auf Jens Schulte-Bockum, der das Unternehmen verlassen hatte.<ref>Stephan Happel, Jürgen Berke: Hannes Ametsreiter folgt Jens Schulte-Bockum. In: Wirtschaftswoche. 19. Mai 2015, abgerufen am 12. November 2020.</ref> Ametsreiter zog auch in den erweiterten globalen Konzernvorstand („Executive Committee“) der Vodafone Group ein.<ref>Karl Leban: Ametsreiter wechselt zum Mobilfunkriesen Vodafone. In: Wiener Zeitung. 20. Juni 2015, S. 12.</ref> Dort verantwortet er die strategische Transformation und die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle.<ref>2020 Annual Report. (PDF) Vodafone Group, S. 66, 79, abgerufen am 12. November 2020.</ref>
Bei Vodafone Deutschland investierte Ametsreiter in die Infrastruktur und konnte die Finanzkennzahlen verbessern. Das Unternehmen war Vorreiter der 5G-Technik in Europa.<ref>Michael Knauer: „Tesla ist vielen eine ganze Ecke voraus.“ Interview. In: Automobilwoche. 17. März 2020, abgerufen am 10. Dezember 2020.</ref> Darüber hinaus führte Ametsreiter mit der Integration von Kabel Deutschland und Unitymedia das regional zersplitterte Kabelnetz zusammen, um einen Wettbewerber zum Telekom-Festnetz zu schaffen.<ref>Corinna Schulz: Angriff auf die Telekom. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 25. April 2018.</ref><ref>Ina Karabasz, Kirsten Ludowig: „Die Telekom kann nicht mit uns mithalten.“ Interview. In: Handelsblatt. 19. Februar 2016, abgerufen am 12. November 2020.</ref>
Mitte 2022 folgte ihm Philippe Rogge als CEO von Vodafone Deutschland und Mitglied des Konzernvorstands der Vodafone Group nach.<ref>Daniel Sokolov: Vodafone-Chef Ametsreiter tritt zurück, Rogge übernimmt. In: Heise. 20. April 2022, abgerufen am 7. Februar 2024.</ref><ref name="ds2000135036438">Österreicher Ametsreiter hört nach fast sieben Jahren als CEO von Vodafone Deutschland auf. In: DerStandard.at. 19. April 2022, abgerufen am 20. April 2022.</ref> Ametsreiter war daraufhin zunächst als Investor tätig.<ref>Hannes Ametsreiter wird jetzt Investor. In: brutkasten.com. 20. April 2022, abgerufen am 3. Dezember 2024.</ref>
Bertelsmann Stiftung
Am 1. Januar 2025 übernahm Ametsreiter den Vorstandsvorsitz der Bertelsmann Stiftung.<ref>Ametsreiter neuer Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. In: Politik & Kommunikation. 2. Dezember 2024, abgerufen am 3. Dezember 2024.</ref><ref>Thiemo Heeg: Hannes Ametsreiter: Neuer Chef der Bertelsmann-Stiftung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. September 2024, abgerufen am 3. Januar 2025.</ref> Zum 31. Juli 2025 gab er diese Position auf.<ref>Vorstandschef Hannes Ametsreiter verlässt Bertelsmann-Stiftung bereits wieder. In: Der Standard. 10. Juni 2025, abgerufen am 13. Juni 2025.</ref>
Familie
Hannes Ametsreiter ist mit Marie-Helene Ametsreiter verheiratet.<ref name=":2">Mathias Ohanian: „Ich liebe Geschwindigkeit.“ In: Focus Business. 18. Februar 2020, S. 68–69.</ref> Seine Frau war ebenfalls für die Telekom Austria tätig und baute als CEO von Vipnet unter anderem das kroatische Mobilfunknetz des Konzerns auf.<ref name=":3" /><ref>Marie-Helene Ametsreiter. In: Linkedin. Abgerufen am 25. Januar 2021.</ref> Heute investiert sie als Partnerin von Speedinvest, einem Venture-Capital-Fond, in Start-up-Unternehmen.<ref>Hans-Peter Siebenhaar: Ein Herz für Start-ups. In: Handelsblatt. 11. Dezember 2018, S. 44.</ref> Das Paar hat zwei Töchter.<ref name=":2" />
Mandate
- 2003–2015: Vorsitzender des Aufsichtsrats, Paybox Bank<ref>Unternehmensregister (Österreich). In: Europäisches Justizportal. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 12. November 2020. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> („A1 Bank“)<ref>Paybox und A1 Bank fusionieren. In: Kurier. 11. Februar 2011, abgerufen am 12. November 2020.</ref>
- 2009–2012: Board Member, GSM Association<ref>Christoph Pridun: Ametsreiter wird Vorstand der GSM Association. In: Wirtschaftsblatt. 18. August 2009, S. 20.</ref>
- 2013–2015: Non-Executive Director, Wind Hellas<ref>Unternehmensregister (Griechenland). In: Europäisches Justizportal. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 12. November 2020. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
- 2016–2019: Mitglied des Vorstands, Bundesverband der Deutschen Industrie<ref>Präsidium. Bundesverband der Deutschen Industrie, abgerufen am 16. Dezember 2019.</ref>
- 2016–2022: Hauptvorstand, Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien<ref>Hauptvorstand. Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, abgerufen am 27. Januar 2021.</ref>
- seit 2020 (aktuell): Mitglied des Innovation Board, Handelsblatt<ref>Handelsblatt gründet Innovation-Board. In: Handelsblatt. 17. September 2020, S. 3.</ref>
- seit 2022 (aktuell): Board Member, Telia Company<ref>Board of Directors. Telia Company, abgerufen am 6. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- seit 2023 (aktuell): Board Member, 1Global<ref>Henning Gajek: Hannes Ametsreiter im Aufsichtsrat von 1Global. In: Teltarif. 18. Oktober 2023, abgerufen am 6. Februar 2025.</ref>
Zudem war Ametsreiter Vorsitzender des Beirats der gemeinnützigen Vodafone Stiftung Deutschland. Diese engagiert sich für Projekte im Bereich der digitalen Bildung.<ref>Vodafone Stiftung Deutschland. Abgerufen am 12. November 2020.</ref> Ametsreiter setzte sich öffentlichkeitswirksam für „Programmieren als Schulfach“ ein.<ref>Michael Bröcker, Reinhard Kowalewsky: „Programmieren als Schulfach“. In: Rheinische Post. 13. Januar 2018, S. 9.</ref> Unter seiner Führung erhielt die Stiftungsarbeit einen größeren Stellenwert bei Vodafone.<ref>Hannes Ametsreiter: Stiftungsarbeit wird Chefsache. In: Handelsblatt. 24. November 2016, S. 46.</ref>
Auszeichnungen
- 2001/2002: Effie in der Kategorie „Marketer of the Year“<ref>Alle guten Marketer sind drei. In: Wirtschaftsblatt. 14. September 2002, S. 40.</ref>
- 2008/2009: „Manager des Jahres“ (CMO) der Fachzeitschrift Horizont<ref>Ametsreiter ist Manager des Jahres. In: Horizont. 27. Februar 2009, abgerufen am 12. November 2020.</ref>
- 2011: Big Brother Award, in der Kategorie Business und Finanzen (Negativpreis)
- 2018: Großes Silbernes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich<ref>Ehrenzeichen. In: Wiener Zeitung. Amtsblatt Nr. 230. 28. November 2018.</ref>
Publikationen
- Konsum und Kommunikation: Image und Design bestimmen Produkt und Lebensstil dargestellt am Fallbeispiel der Privatbrauerei Sigl. Paris-Lodron-Universität, Salzburg 1994 (Dissertation).
- Die Zukunft ist digital. In: Marcin Kotlowski (Hrsg.): Der digitale Wohlfahrtsstaat. Beiträge zur Überwindung der digitalen Kluft. Echomedia, Wien 2010, ISBN 978-3-902672-25-4.
- Hannes Ametsreiter: Die Vereinigten Digitalstaaten von Europa. In: Thomas Sigmund, Sven Afhüppe (Hrsg.): Europa kann es besser. Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft. Herder, Freiburg im Breisgau 2019, ISBN 978-3-451-81690-1.
Weblinks
- Interview mit Hannes Ametsreiter für SWR1
- 25 Ideen für eine bessere Zukunft auf Focus Online
- Hannes Ametsreiter im Podcast „Behind the Screens“ auf Soundcloud
Einzelnachweise
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ametsreiter, Hannes |
| ALTERNATIVNAMEN | Ametsreiter, Johannes |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Manager |
| GEBURTSDATUM | 20. Januar 1967 |
| GEBURTSORT | Salzburg |
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- Person (Vodafone)
- Person (Bertelsmann Stiftung)
- Manager (Telekommunikation)
- Manager (Österreich)
- Absolvent der Universität Salzburg
- Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich
- Österreicher
- Geboren 1967
- Mann