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Kernkraftwerk Stade

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von KKW Stade)
Kernkraftwerk Stade
Datei:AKW Stade.JPG
Lage
Kernkraftwerk Stade (Niedersachsen)
Kernkraftwerk Stade (Niedersachsen)
Koordinaten 53° 37′ 12″ N, 9° 31′ 51″ OKoordinaten: 53° 37′ 12″ N, 9° 31′ 51″ O
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Land Deutschland
Daten
Eigentümer 66,7 % Preussenelektra
33,3 % Vattenfall
Betreiber PreussenElektra
Projektbeginn 1967
Kommerzieller Betrieb 19. Mai 1972
Stilllegung Februar 2005

Stillgelegte Reaktoren (Brutto)

1  (672 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2003 4.481 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme 145.896 GWh
Website Seite bei PreussenElektra
Stand 6. Okt. 2006
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Stade (KKS) wurde von 1972 bis 2003 im Ortsteil Stadersand der Stadt Stade nahe der Schwingemündung an der Elbe betrieben. Es war das erste nach dem Atomausstieg stillgelegte Kernkraftwerk Deutschlands und befindet sich zurzeit im Rückbau (Phase 4: Abbau der restlichen kontaminierten Anlagenteile, Nachweis der Kontaminationsfreiheit, Entlassung der verbleibenden Strukturen aus der atomrechtlichen Überwachung<ref name="Umwelt Niedersachsen">Niedersächsisches Umweltministerium: Sachstandsinformation zum Kernkraftwerk Stade, gesehen am 23. Februar 2011.</ref>). Das KKS liegt an der südlichen Uferseite der Unterelbe in der Gemarkung der Hansestadt Stade in Niedersachsen, etwa 30 km westlich von Hamburg und neben dem ebenfalls stillgelegten und bereits rückgebauten ölbetriebenen Kraftwerk Schilling. Es war mit einem leichtwassermoderierten Druckwasserreaktor ausgestattet.

Geschichte

Im Juli 1967 beantragte die Nordwestdeutsche Kraftwerke AG die Errichtung und den Betrieb des Kernkraftwerks Stade. Im Oktober 1967 gab es die Auftragserteilung an die Siemens AG zur schlüsselfertigen Errichtung. Im November 1967 war Baubeginn nach Erteilung der Genehmigung für Erdarbeiten. Im März 1968 kam es zur Gründung der Kernkraftwerk Stade GmbH. Im Juni 1971 fand die Durchführung der nichtnuklearen Inbetriebsetzung statt. Im Januar 1972 folgte die Genehmigung für die nukleare Inbetriebsetzung.<ref name="Preussen Elektra">www.preussenelektra.de</ref>

Das Kraftwerk wurde von Siemens, bzw. der Kraftwerk Union errichtet, der Bau kostete umgerechnet 150 Mio. Euro.<ref name="NDR29032011">Maya Ueckert, NDR.de: Stade: Ein Atommeiler wird entsorgt, 29. März 2011; daraus: "E.ON rechnet mit Kosten von 500 Millionen Euro; die Baukosten hatten umgerechnet 150 Millionen Euro betragen."; abgerufen am 10. April 2013</ref> Es nahm am 19. Mai 1972 den kommerziellen Leistungsbetrieb auf, nachdem die erste Kritikalität am 8. Januar 1972 erfolgt war.<ref name="IAEA" /> Von März 1972 bis zum Ende des Leistungsbetriebs am 14. November 2003 erzeugte das Kernkraftwerk eine elektrische Bruttoleistung von 662 MW bzw. 630 MW elektrische Nettoleistung aus 1892 MW thermischer Leistung. Am Freitag, dem 14. November 2003 um 8.31 Uhr, wurde das Kernkraftwerk Stade offiziell stillgelegt. Der Betreiber E.ON gab wirtschaftliche Gründe für die Abschaltung an.

Bis zum 7. September 2005 lief das Kraftwerk im Nachbetrieb, danach im Restbetrieb. Insgesamt 157 Brennelemente wurden im Kraftwerk verwendet, auch Brennelemente mit bis zu 4 % Uran-235 (seit dem 15. Dezember 1988). Von 1984 bis zur Stilllegung wurde die benachbarte Saline über eine Dampfauskopplung mit Prozessdampf versorgt.

Architektur

Das zugehörige Verwaltungsgebäude wurde vom Architekten Gustav Burmester 1971 fertiggestellt.

Daten des Reaktorblocks

Das Kernkraftwerk Stade hatte einen Reaktorblock:

Reaktorblock<ref name="IAEA">Power Reactor Information System der IAEA: „Germany, Federal Republic of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)</ref> Reaktortyp Siemens-Baulinie elektrische
Nettoleistung
elektrische
Bruttoleistung
thermische
Reaktorleistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Stade (KKS) Druckwasserreaktor 1. Generation Siemens DWR 640 MW 672 MW 1.900 MW align="right" Vorlage:DatumZelle align="right" Vorlage:DatumZelle align="right" Vorlage:DatumZelle align="right" Vorlage:DatumZelle

Trivia

Die Baustelle des Kernkraftwerks ist ein Drehort der Vorabend-Fernsehserie Ein Jahr mit Sonntag von 1969.

Rückbau

Vorgehensweise

Der Rückbau des Kraftwerks seit Oktober 2005<ref name="Preussen Elektra"></ref> gliederte sich in 5 Phasen, die bis 2015 hätten abgeschlossen sein sollen; der Betreiber E.ON veranschlagte im März 2011 hierfür zunächst 500 Millionen Euro.<ref name="NDR29032011" />

  • Phase 1: Abbau von für den Restbetrieb der Anlage nicht mehr benötigten Anlagenteilen, Vorbereitung weiterer Rückbauschritte, Schaffung nötiger Infrastruktur
  • Phase 2: Abbau der Großkomponenten im Reaktor-Sicherheitsbehälter, insbesondere die vier Dampferzeuger
  • Phase 3: Abbau des Reaktordruckbehälters (mit Deckel), der Kerneinbauten, des Biologischen Schilds sowie anderer Systeme und Komponenten
  • Phase 4: Abbau der restlichen kontaminierten Anlagenteile, Nachweis der Kontaminationsfreiheit, Entlassung der verbleibenden Strukturen aus der atomrechtlichen Überwachung
  • Phase 5: Konventioneller Abbruch der Gebäude

Mit Stand März 2025<ref name="jb24"> Jahresbericht 2024 - Rückbau im Fokus, PreussenElektra, abgerufen am 17. April 2025</ref> wird davon ausgegangen, dass der Rückbau bis Ende 2026 dauern wird. Die Rückbaukosten wurden (Stand 2020) auf eine Milliarde Euro beziffert.<ref>Stade: AKW-Rückbau dauert länger als geplant. In: Norddeutscher Rundfunk, 19. März 2017. Abgerufen am 20. März 2017. (Archivlink)</ref>

Ablauf

Am 27. April 2005 wurden die letzten Brennelemente aus dem Kernkraftwerk abtransportiert. Das Niedersächsische Umweltministerium hat ein Lager mit einer Kapazität von 4.000 Kubikmetern für schwach- und mittelradioaktive Abfälle<ref>Deutsches Atomforum e. V.: Kernenergie - Aktuell 2007, Kapitel Zwischenlager/Transporte. Berlin, September 2007.</ref> auf dem Kraftwerksgelände bis maximal 2046 genehmigt.<ref name="Umwelt Niedersachsen" />

Der Rückbau sollte Ende 2014 abgeschlossen sein, doch im selben Jahr waren neue Probleme aufgetaucht: Im Sockelbereich des Reaktorgebäudes wurde radioaktiv kontaminierte Kondensnässe nachgewiesen, die vermutlich aus Leckagen im Primärwasserkreislauf während des Betriebs stammten. Im Bodenbereich waren Werte von bis zu 164 Bq/g gemessen worden. Das Umweltministerium in Hannover kündigte an, dass der Abbau womöglich drei oder vier Jahre länger dauern werde.<ref name="Pressemitteilung">[1].</ref>

Im Dezember 2016 schätzt der Betreiber Preussenelektra, dass für den Rückbau rund eine Milliarde Euro aufgewendet werden müsse.<ref>Rückbau des AKW Stade dauert länger. In: www.cn-online.de. 1. Dezember 2016, abgerufen am 1. Dezember 2016.</ref> Der Rückbau sollte bis 2023 dauern.<ref>AKW-Abbau dauert noch bis ins Jahr 2023 - TAGEBLATT - Aktuelle Meldungen aus dem Landkreis Stade. - Tageblatt.de. In: www.tageblatt.de. Abgerufen am 1. Dezember 2016.</ref> Aktuell (Stand April 2025) wird der konventionelle Abbruch parallel vorangetrieben und PreussenElektra gibt Ende 2026 als Ziel für den Abschluss des Rückbaus an.<ref name="jb24"/>

Konsequenzen für die Region

Mit der Stilllegung des Kernkraftwerks Stade wurde ebenfalls der Betrieb der benachbarten Saline eingestellt,<ref>Von Lno: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Akzo-Nobel-Konzern schließt Saline Stade zum Monatsende (Memento vom 30. November 2016 im Internet Archive), Die Welt vom 25. Juni 2003.</ref> die etwa 20 Jahre lang Dampf aus dem Kraftwerk bezogen hatte.

Zwischenzeitlich gab es Pläne, als Ersatz für das Kernkraftwerk ein Steinkohlekraftwerk mit etwa der gleichen Leistung zu errichten,<ref>BUND: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Rückschlag für Klimaschutz“ (Memento vom 16. April 2009 im Internet Archive) im Stader Tageblatt vom 28. September 2007.</ref> für das das Land Niedersachsen aber noch den Seehafen Stade-Bützfleth um einen Kohleanleger erweitern müsste, an dem die jährlich 1,7 Mio. t Steinkohle abgefertigt werden können.<ref>Thomas Sylzyc: Kohlekraftwerk nach Stade? im Hamburger Abendblatt vom 12. Dezember 2005.</ref>

Bilder

Siehe auch

Weblinks

Commons: Kernkraftwerk Stade – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

<references />

<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang

Außer Betrieb:

Biblis | Brokdorf | Brunsbüttel | Emsland | Grafenrheinfeld | Greifswald | Grohnde | Gundremmingen | THTR-300 Hamm-Uentrop | Isar | AVR Jülich | KNK Karlsruhe | MZFR Karlsruhe | Krümmel | Lingen | Mülheim-Kärlich | Neckarwestheim | Obrigheim | Philippsburg | Rheinsberg | Stade | Unterweser | Würgassen

Abgebaut:

Großwelzheim | Kahl | Niederaichbach

Nicht in Betrieb
genommen:

Kalkar | Stendal | Wyhl

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