Kanon und Gigue in D-Dur (Pachelbel)
Kanon und Gigue in D-Dur, Originaltitel Canon per 3 Violini con Basso continuo, ist ein Werk des Nürnberger Barock-Komponisten Johann Pachelbel (1653–1706). Es ist seine mit Abstand populärste Komposition, durch die sein Name bis in den Bereich des Crossover und der Popmusik präsent ist.
Es handelt sich um den einzigen von Pachelbel überlieferten Kanon.
Entstehung
Pachelbel war bekannt für seine Orgel- und Klaviermusik, während er heute auch als bedeutender Komponist von Kirchen- und Kammermusik anerkannt ist. Von seiner Kammermusik blieb jedoch nur wenig erhalten. Außer einigen Stücken in Manuskripten ist nur die „Musikalische Ergötzung“ bekannt, eine Sammlung von Partituren, die zu Pachelbels Lebzeiten veröffentlicht wurde. Der Kanon und die Gigue in D-Dur sind zwei dieser Stücke. Nur eine einzige handschriftliche Kopie aus dem 19. Jahrhundert blieb erhalten: Mus.ms. 16481/8 in der Staatsbibliothek zu Berlin. Sie enthält zwei weitere Kammersuiten. Eine weitere Kopie, die sich in der Hochschule der Künste in Berlin befand, ist verschollen.
Die Umstände der Entstehung des Stücks sind unbekannt. Hans-Joachim Schulze vermutete 1985, dass das Stück für die Hochzeit von Johann Christoph Bach am 23. Oktober 1694 komponiert worden sein könnte. Johann Ambrosius Bach, Pachelbel und weitere Freunde und Familienmitglieder sorgten für die musikalische Untermalung der Feier. Johann Christoph Bach, der älteste Bruder von Johann Sebastian Bach, war ein Schüler von Pachelbel. Die Pachelbel-Forscherin Kathryn Jane Welter hält dies für „reine Spekulation“. Ein anderer Forscher, Charles E. Brewer, untersuchte mögliche Verbindungen zwischen den veröffentlichten Kammermusikwerken von Pachelbel und Heinrich Biber. Seine Forschungen ergaben, dass der Kanon möglicherweise als Antwort auf eine Chaconne mit kanonischen Elementen entstand, die Biber als Teil von Partia III von „Harmonia artificioso-ariosa“ veröffentlichte. Damit wäre Pachelbels Kanon nicht vor 1696 zu datieren, dem Jahr der Veröffentlichung von Bibers Sammlung.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Gelegentlich werden auch andere Daten für die Abfassung des Kanons genannt, z. B. das Jahr 1680.<ref name="altogether now">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: The Daily Telegraph, 27. Mai 2004. Abgerufen am 20. August 2015 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>
Besetzung und Harmonien
Die Besetzung des dreistimmigen Kanons wird in den Urtextausgaben mit 3 Violinen und basso continuo angegeben. Das Musikstück basiert auf einer permanent wiederholten Bassfigur (Ostinato). Die auch als Pachelbel-Schema bezeichnete zweitaktige Akkordfolge D – A – h – fis – G – D – G – A des Kanons verwendet eine Sequenz, nämlich den Parallelismus, und wird insgesamt 28 Mal wiederholt – somit ergeben sich zusammen mit dem Schlusstakt insgesamt 57 Takte, über die diese Akkordfolge streng eingehalten wird.
Dem Kanon schließt sich eine Gigue an. Diese steht im 12/8-Takt und ist 40 Takte lang.
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Adaptionen
- Mozart verwendete eine Adaption der Tonfolge für eine markante Passage in Die Zauberflöte in dem Moment, in dem die drei Jünglinge zum ersten Mal auftreten – mit Abweichungen in den letzten zwei Takten:
„Drei Knäbchen, jung, schön, hold und weise umschweben euch auf eurer Reise.“
- Es gibt Vermutungen, dass Pachelbels Kanon Vorbild für die Melodie der Hymne der Sowjetunion war, deren von Alexander Wassiljewitsch Alexandrow geschriebene Musik auch in der Hymne der Russischen Föderation verwendet wird.<ref>Renovabis e.V, Zentralkomitee der deutschen Katholiken: 100 Jahre Oktoberrevolution. Eine alternative Chronik der Sowjetunion.: OST-WEST. Europäische Perspektiven 4/17. Verlag Friedrich Pustet, 2017, ISBN 978-3-7917-7162-5 (google.de [abgerufen am 2. Januar 2022]).</ref>
- Der von den Bee Gees 1966 veröffentlichte Song Spicks and Specks nimmt Basslinien von Pachelbels Kanon auf, wobei dort jeder Basston viermal gespielt wird.
- Das 1973 veröffentlichte Lied Wenn ein Mensch lebt von den Puhdys beginnt mit einfachen Basslinien des Klaviers, die den Basslinien des Kanons entsprechen, wobei dort jeder Basston doppelt gespielt wird.
- Die Village People verwendeten die Melodie für ihren 1979 veröffentlichten Song Go West, der ursprünglich nur mäßig erfolgreich war, in einer 1993 veröffentlichten Coverversion von den Pet Shop Boys jedoch zu einem internationalen Hit wurde.<ref>Go West. In: Songlexikon. Encyclopedia of Songs. 8. Mai 2017, abgerufen am 20. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Die deutsche Punkband Wizo verwendete die Melodie in ihrem Song K.i.K. III,<ref>K.i.k. III, auf YouTube, abgerufen am 3. März 2026.</ref> der 1992 auf dem Album Bleib Tapfer erschien.
- Der US-amerikanische Rapper Coolio verwendete die Melodie in seinem Song C U When U Get There.<ref>Benny Mielke: Coolio – C U When U Get There [#Classic]. In: rap.de. 26. August 2015, abgerufen am 23. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Die deutschsprachige Hip-Hop-Gruppe Die Firma verwendete in ihrem Song Die Eine 2005 die Harmoniefolge von Pachelbel.<ref>Die Firma: Die Firma - Die Eine 2005 (Official Video). 9. Dezember 2010, abgerufen am 4. Dezember 2024.</ref>
- Eine von Eberhard Schoener produzierte Version wurde 1986 für die Folge Zwei Leben der ZDF-Krimiserie Der Alte verwendet. Diese war zugleich die letzte Folge mit Siegfried Lowitz in der Hauptrolle des Kriminalhauptkommissars Erwin Köster.
- Das Lied Memories von Maroon 5 basiert auf der Akkordfolge und zu weiten Teilen auf der Melodie von Pachelbels Kanon.
- Das Lied Full of Life von Christine And The Queens basiert auf der Akkordfolge von Pachelbels Kanon.
Siehe auch
Weblinks
- Gustav Beckman: Johann Pachelbel als Kammerkomponist. In: Archiv für Musikwissenschaft. 1918, Seite 267. Darin: Seite 271, Canon. Notensatz nach dem Manuskript der Bibliothek des Königlich Akademischen Instituts für Kirchenmusik in Charlottenburg. (Internet Archive)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kanon und Gigue im Kantoreiarchiv ( vom 4. März 2009 im Internet Archive)
- Kanon und Gigue in D-Dur (Pachelbel): Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Freie Noten im Cantorion
- Kanon in D-Dur (Audio, Orchesterfassung)
- „Der Parallelismus (Pachelbel-Modell)“ von Ulrich Kaiser, 1. April 2013, auf musikanalyse.net
Einzelnachweise
<references />