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Kalle Schwensen

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Kalle Schwensen (2012)

Karl Heinz „Kalle“ Schwensen (* 30. August 1953 in Selb) ist ein deutscher Unternehmer, der sich als „Kiezgröße“ des Rotlichtmilieus in Hamburg einen Namen machte. Er galt als Mitglied der Chikago-Bande.<ref>st.pauli -legenden. Abgerufen am 27. April 2022.</ref>

Leben

Schwensen, Sohn eines afroamerikanischen Soldaten und einer Deutschen, stammt aus Oberfranken. Im Alter von zwölf Jahren zog er mit seinen Eltern nach Norddeutschland.<ref name=":3">Christoph Stockburger: Kalle Schwensen im Interview: "Ich bin eher der Limousinen-Typ". In: Der Spiegel. 28. Januar 2016, ISSN 2195-1349 (archive.org [abgerufen am 19. September 2022]).</ref> In seiner Jugend (im Alter von 16 bis 18 Jahren) boxte er zwei Jahre lang in einem Amateurboxverein<ref name=":0">KALLE SCHWENSEN. In: reeperbahn.de. 24. Juni 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Juni 2016; abgerufen am 27. April 2022.</ref> und war eigener Angabe nach Hamburger Juniorenmeister.<ref>Kalle Schwensen – das Interview. In: reeperbahn.de. 24. Juni 2015, abgerufen am 19. September 2022.</ref> Er begann eine Lehre zum Feinmechaniker, die er abbrach. In der Diskothek Cleopatra im Stadtteil Bramfeld arbeitete er als Kellner und wurde 1974 Geschäftsführer des Lokals. Bald darauf wurde er im Stadtteil St. Pauli tätig.<ref name=":2">Wer schoß auf „Kalle“ Schwensen? (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 24. August 1996, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. November 2023; abgerufen am 19. September 2022.</ref> Im August 1996 berichtete das Hamburger Abendblatt: „Früher war Schwensen der Geldeintreiber vom Kiez. Er fing klein an, vor 20 Jahren, für die Paten von St. Pauli.“<ref name=":4">Machtkampf in der Unterwelt? (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 27. August 1996, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. November 2023; abgerufen am 19. September 2022.</ref>

Schwensen, dessen Markenzeichen Schnauzbart und Ray-Ban-Pilotenbrille sind, war in einer Grundstücks- und Vermögensverwaltung auf St. Pauli tätig. Er war Inhaber des Lokals B'sirs;<ref name=":3" /> von 1984 bis Ende 1994 war er Betreiber des Top Ten Club.

Im Dezember 1986 wurde Schwensen bei einer Großrazzia auf St. Pauli festgenommen. Bereits seit dem 21. Oktober bestand ein Haftbefehl gegen ihn, da er in Verdacht stand, an der Beschaffung der Waffe beteiligt gewesen zu sein, mit der Werner Pinzner Ende Juli 1986 seine Frau, einen Staatsanwalt und sich selbst erschoss.<ref>Flucht über die Dächer von St. Pauli. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 13. Dezember 1986, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. November 2023; abgerufen am 19. September 2022.</ref> Das Hamburger Abendblatt beschrieb Schwensen als „einflussreichen Geschäftsmann“, er sei „einer der ganz Großen auf dem Hamburger Kiez“.<ref>Drei Männer, denen die Groß-Razzia galt. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 13. Dezember 1986, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. November 2023; abgerufen am 19. September 2022.</ref>

Im Oktober 1989 wurde er vom Landgericht Hamburg zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt.<ref name=":1">Das Urteil. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 25. Oktober 1989, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. Oktober 2023; abgerufen am 19. September 2022.</ref> Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schwensen gemeinsam mit Reinhard Klemm und Holger Sass die Waffe vom Typ Smith & Wesson, Kaliber 38 für Pinzner besorgt hatte;<ref>Urteil im St.Pauli-Prozeß. In: Die Tageszeitung: taz. 25. Oktober 1989, ISSN 0931-9085, S. 2 (archive.org [abgerufen am 19. September 2022]).</ref> Schwensen bestritt seine Beteiligung.<ref>"Mucki" - Showdown im Polizeipräsidium. In: Hamburger Abendblatt. 26. März 1999, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. September 2022; abgerufen am 19. September 2022.</ref> Da die Untersuchungshaft angerechnet wurde und die drei Angeklagten bereits im Juli 1989 vom Gericht Haftverschonung erhalten hatten, blieben sie zunächst auf freiem Fuß<ref name=":1" /> und mussten dann 1991 in Haft.<ref name=":2" />

Schwensen bezeichnete seine berufliche Tätigkeit bisweilen als Berater<ref name=":5">Mehrere Wohnungen gestürmt - ohne Erfolg. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 26. August 1996, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. November 2023; abgerufen am 19. September 2022.</ref> und Kaufmann.<ref>Karl-Heinz Schwensen hat einen neuen Job im Fernsehen. In: Hamburger Abendblatt. 6. Oktober 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. Oktober 2020; abgerufen am 19. September 2022.</ref> Mit Berufung auf den Bundesanzeiger berichtete das Hamburger Abendblatt im August 1996, dass Anfang 1996 die Eröffnung von Konkursverfahren gegen Schwensen und gegen sein Unternehmen Empire mangels Masse abgelehnt worden seien.<ref name=":4" /> Er betätigte sich im Berufsboxen; 1996<ref name=":5" /> und 2017<ref>Fight Night am Flughafen abgesagt - Kalle Schwensen geht mit Kampf-Spektakel k.o. In: Bild. 1. November 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. September 2024; abgerufen am 19. September 2022.</ref> sorgte er für Aufsehen, weil von Schwensen großangelegte Boxveranstaltungen in Hamburg abgesagt wurden.

Am 23. August 1996 wurde Schwensen in einem Restaurant im Hamburger Mittelweg angeschossen. Er wurde von zwei Kugeln im Oberkörper getroffen.<ref name=":2" /> Zwei der drei geflüchteten Täter wurden später identifiziert. Die Strafverfolgungsbehörde ging davon aus, dass ihm im Zusammenhang mit Warentermingeschäften ein Denkzettel verpasst werden sollte.<ref>Artikel Gutes Geld für Schüsse? vom 11. Mai 2003 in der Welt am Sonntag</ref> Schwensen ließ sich am Tatort vom Notarzt seine Sonnenbrille aufsetzen – das Bild des bei der Verfrachtung in den Krankenwagen auf der Trage liegenden Schwensen mit Victory-Zeichen<ref name=":2" /> ging bundesweit durch die Boulevardmedien.

In der Folge Monster der Serie Doppelter Einsatz spielte Schwensen 1997 einen Schläger,<ref>Michael Knof: Monster. In: Doppelter Einsatz. 14. Januar 1997, abgerufen am 27. April 2022.</ref> in dem Thriller Das Miststück 1998 die Rolle des Neger-Kalle,<ref>Das Miststück auf IMDb.</ref> und in dem Musical Half Empty von 2006 den Kalle.<ref>Half Empty (2006) - IMDb. Abgerufen am 27. April 2022.</ref>

Schwensen war für die Versöhnung der Band Tic Tac Toe verantwortlich und fungierte bis zur erneuten Auflösung im Januar 2007 als Manager.<ref name=":0" /> In dem Video Dein Herz schlägt schneller<ref> Fünf Sterne deluxe: Fünf Sterne deluxe - Dein Herz schlägt schneller (ab 0:00:09) auf YouTube, 30. Januar 2015, abgerufen am 25. Februar 2024 (Laufzeit: 3:25 min).</ref> der Gruppe Fünf Sterne deluxe sowie in der Episode 72 der WDR-Comedyserie Dittsche trat er als Gaststar auf; deren Erstausstrahlung war am 11. März 2007.

Im Mai 2008 eröffnete Kalle Schwensen offiziell seine Agentur Talent-Casting K1 in Hamburg-St. Georg, die im Vorfeld von zahlreichen Prominenten beworben wurde.<ref>Christoph Wirtz: Was macht eigentlich…Karl-Heinz Schwensen?. In: stern.de. 3. Mai 2009</ref> Im Jahr 2010 übernahm er den SM-Club Club de Sade.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Artikel (Memento vom 31. Januar 2015 im Internet Archive) in der Hamburger Morgenpost</ref> Nach eigener Aussage benutzt er die Geräte auch selbst.<ref name=":0" />

2012 spielte er in der Comedy-Serie Krass! sich selbst.<ref>Krass! 5. September 2012, abgerufen am 27. April 2022.</ref> Am 20. Januar 2013 war er Gast und Gastgeber in der Fernsehsendung Das perfekte Promi-Dinner des Fernsehsenders VOX, wo er nicht, wie in der Serie gewohnt, die Gäste bei sich zu Hause empfing, sondern in seinem SM-Club Das Verlies.<ref>Promi-Dinner, Vox</ref> 2018 wurde er Moderator der Sendung Kalles Halbzeit im Verlies, in der es hauptsächlich um den Hamburger Amateurfußball geht.<ref>Neue Amateur-Talkshow: „Kalles Halbzeit im Verlies“. In: FussiFreunde Hamburg. Abgerufen am 19. September 2022.</ref> Die zunächst im Internet gezeigte Sendung wurde ab Oktober 2020 im Stadtfernsehsender Hamburg1 ausgestrahlt.<ref>Kiezgröße Kalle Schwensen: Vom Verlies ins Fernsehen. In: Bild. 5. Oktober 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. September 2024; abgerufen am 19. September 2022.</ref>

2023 spielte Schwensen in Til Schweigers Fortsetzungsfilm Manta Manta – Zwoter Teil den Chef einer Strandbar.

Früherer Spitzname

Schwensen wurde früher auf dem Kiez Neger-Kalle genannt und auch in verschiedenen Medienberichten so betitelt. Aufgrund der rassistischen und diskriminierenden Konnotation der Bezeichnung verwahrt sich Schwensen inzwischen juristisch gegen diesen Spitznamen.<ref>Stefan Niggemeier: Wissenswertes über Kalle Schwensen. 30. Juli 2007</ref>

Weblinks

Commons: Kalle Schwensen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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