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Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden

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Außenansicht von Nordosten

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colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Daten
Ort Bischofswiesen, Urbanweg 26, 28
Baujahr 1936–1937
Höhe 620 m
Grundfläche 1255 m²
Koordinaten 47° 37′ 52,4″ N, 12° 58′ 29,5″ O
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Die Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden (auch Kleine Reichskanzlei) ist ein 1936 bis 1937 nach Plänen von Alois Degano als Außenstelle der Reichskanzlei errichtetes denkmalgeschütztes Gebäudeensemble im Bischofswiesener Gemeindeteil Stanggaß nahe Berchtesgaden. Sie diente als zweiter Regierungssitz des nationalsozialistischen Deutschen Reiches während der Anwesenheit Adolf Hitlers im nahe gelegenen Führersperrgebiet Obersalzberg.

Planung und Bau

Während der häufigen Aufenthalte Hitlers in seiner Privatresidenz Berghof auf dem Obersalzberg wurden auch Beamte der Reichskanzlei in und nahe Berchtesgaden in Pensionen untergebracht, was keine professionelle Verwaltungstätigkeit erlaubte. Bereits in dieser Zeit war die Bezeichnung „Kleine Reichskanzlei“ für die in und um Berchtesgaden ansässigen Beamten üblich.<ref>Gunther Exner: Hitlers zweite Reichskanzlei: eine architektur-historische Dokumentation der „Reichskanzlei, Dienststelle Berchtesgaden“. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1999. ISBN 978-3-8046-8846-9; S. 14</ref> Um die Jahreswende 1935/36 beschloss Hitler, ein Gebäude für die „Kleine Reichskanzlei“ in Berchtesgaden errichten zu lassen.

Mit der Planung der, heute denkmalgeschützten,<ref>Baudenkmäler Bischofswiesen: D-1-72-117-90, Liste vom 17. April 2020, online als PDF-Datei unter geodaten.bayern.de, abgerufen am 23. Mai 2020.</ref> Gebäude wurde der Architekt Alois Degano beauftragt. Die Planungen begannen, noch bevor sich für ein Grundstück entschieden worden war.<ref>Gunther Exner: Hitlers zweite Reichskanzlei: eine architektur-historische Dokumentation der „Reichskanzlei, Dienststelle Berchtesgaden“. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1999. ISBN 978-3-8046-8846-9; S. 15</ref> Aus Platzgründen entschied man sich dann für ein unweit der Gemeindegrenzen Berchtesgadens gelegenes Grundstück in Bischofswiesen, wählte dafür aber dennoch in Anbetracht des bekannteren Kreishauptorts die Bezeichnung „Dienststelle Berchtesgaden“.<ref>Gunther Exner: Hitlers zweite Reichskanzlei: eine architektur-historische Dokumentation der „Reichskanzlei, Dienststelle Berchtesgaden“. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1999. ISBN 978-3-8046-8846-9; S. 16</ref>

Baubeginn war Mitte September 1936. Der hohe Grundwasserspiegel erschwerte die Errichtung der Fundamente, weshalb eine Pfahlgründung auf 620 Betonpfählen eingebracht wurde. Degano hatte sich für ein Hauptgebäude mit Nebentrakt entschieden, zusätzlich wurde nordöstlich ein Garagenbau mit Personalwohnungen errichtet. Das Richtfest fand am 18. Januar 1937 statt, bei dem Hitler persönlich eine Rede hielt.<ref>Der Führer beim Richtfest in Berchtesgaden. Deutsches Nachrichtenbüro GmbH, 4. Jahrgang 1937, Abend- und Nachtausgabe vom 18. Januar 1937.</ref>

Die Fertigstellung der oberirdischen Gebäude erfolgte im Juli 1937.<ref>Zentralblatt der Bauverwaltung, 20. April 1938, 58. Jahrgang, Heft 10, S. 407.</ref> Von 1943 bis 1945 wurde die 500 m lange Luftschutzstollenanlage errichtet.

Ursprünglich waren die Kosten auf 558.000 Reichsmark (2025: 3.012.508 €) veranschlagt worden, im Juli 1938 waren die Kosten jedoch auf 1.309.959,91 Reichsmark (2025: 7.008.940 €) angewachsen.<ref>Gunther Exner: Hitlers zweite Reichskanzlei: eine architektur-historische Dokumentation der „Reichskanzlei, Dienststelle Berchtesgaden“. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1999. ISBN 978-3-8046-8846-9; S. 30</ref>

Beschreibung

Lage

Die Gebäude befinden sich am Urbanweg im Bischofswiesener Gemeindeteil Stanggaß auf einer Höhe von etwa Vorlage:Höhe/Fmt m. Die Bunkeranlagen, die direkt mit den Gebäuden der Reichskanzlei verbunden sind, haben einen Zugang südwestlich der Anlage direkt an der Bahnstrecke Bad Reichenhall–Berchtesgaden.

Baubeschreibung

Bei der Reichskanzlei handelt es sich um eine Baugruppe mit zwei versetzt angeordneten zweigeschossigen Flachsatteldachbauten mit parallel verlaufendem Giebel. Die Gebäude sind mit Giebellauben, Standerkern, profilierten Pfettenköpfen und Rundbogeneingängen in Anlehnung an regionale Bauformen gestaltet. Als Verbindung dient ein niedriger Querbau mit Satteldach.

Das zugehörige Kraftwagengebäude ist ein zweigeschossiger Massivbau mit Flachsatteldach.

Dienstbetrieb

Ab 1937 verrichteten der Chef der Reichskanzlei Hans Heinrich Lammers, Willy Meerwald, Leiter der Abteilung A („Persönliche Angelegenheiten des Führers und Reichskanzlers, Repräsentation, Empfänge, Presse“) und weitere Beamte in den Sommermonaten ihre Dienstgeschäfte in der Dienststelle Berchtesgaden.<ref>Völkischer Beobachter, 19. Januar 1937 zum Richtfest (R 43 II/1036, Bl. 103). Ansichten des Gebäudes in: Die Bauten der Bewegung, Buchreihe des Zentralblatts der Bauverwaltung, hrsg. vom Preußischen Finanzministerium, Berlin 1942.</ref> Im Schriftverkehr sowie im öffentlichen Sprachgebrauch wurde nicht von der Reichskanzlei Berchtesgaden, sondern von der Dienststelle der Reichskanzlei in Berchtesgaden gesprochen. Damit sollte der Eindruck vermieden werden, dass die Reichskanzlei vollständig nach Berchtesgaden verlegt wurde.<ref>Schreiben von Lammers an Goebbels vom 29. November 1937 (R 43 II/1036, Bl. 111 ff.). Unterlagen über die Organisation der Verbindung zwischen Berlin und Berchtesgaden in: R 43 II/586, Bl. 11 ff.</ref>

In später hinzugekauften Gebäuden wurde bei Bedarf das Oberkommando der Wehrmacht untergebracht.

Nachkriegsverwendung

Im Mai 1945 wurde die Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden von der US Army besetzt. US-General Omar Bradley ließ sich in einem der Fahrzeuge aus Hitlers Fuhrpark auf das Gelände chauffieren, um vor Ort einen Ehrenappell von US-Soldaten abzunehmen und Auszeichnungen zu verleihen.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Von 1945 bis 1995 von der US-Armee genutzt, konnte die Bundesrepublik – rechtsidentisch mit dem Deutschen Reich – ab 1996 über die Liegenschaft auch verfügen. Sie verkaufte diese an eine Gruppe privater Investoren.<ref name="Schallenberg">Jörg Schallenberg: Das Psycho-Hauptquartier. TAZ (taz.de), 29. Juni 2004, abgerufen am 12. Mai 2017.</ref>

2004 geriet die einstige Kleine Reichskanzlei wegen der zeitweiligen Nutzung einer darin befindlichen Mietwohnung durch den Familientherapeuten Bert Hellinger erneut in den Blickpunkt der Medienöffentlichkeit,<ref name="Schallenberg" /> woraufhin er von führenden systemischen Therapeuten<ref>Siegfried Rosner, Andreas Winheller: Mediation und Verhandlungsführung. München/Mering 2012, S. 389, Fußnote 1027.</ref> wie Arist von Schlippe wegen seiner im Sinne von Familienaufstellungen bezogenen Einlassungen zu Adolf Hitler und dem „jüdischen Volk“ heftig kritisiert wurde.<ref name="AvS">Arist von Schlippe: Offener Brief von Arist von Schlippe an Bert Hellinger. (PDF; 79 kB), S. 1 (undatiert).</ref> Später betonte Arist von Schlippe jedoch, dass er Hellinger weder als „Nazi“ noch als „Faschisten“, „sein Denken“ nicht „als Wegbereiter ‚brauner‘ Weltanschauung“ verstehe.<ref>Arist von Schlippe: … und deshalb bist du ein Elch. Ein offener Brief und seine Folgen, Osnabrück, 2004, S. 1.</ref>

Das Interieur der Kleinen Reichskanzlei ist in großen Teilen noch im Original vorhanden. Der Besitzer legt Wert darauf, diesen Zustand so zu erhalten.<ref>Böse Bauten III. Dokumentation in: ZDFmediathek. Deutschland 2016. Ab Minute 14:32. Abgerufen am 27. Januar 2017; abrufbar bis 31. Oktober 2017.</ref>

Siehe auch

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />