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Tante-Emma-Laden

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(Weitergeleitet von Krämerladen)

Tante-Emma-Laden, regional auch Krämer und veraltet Höker (noch in Verwendung im umgangssprachlichen verhökern),<ref>Krämer. In: Duden. Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 29. Oktober 2020.</ref><ref>Höker. In: Duden. Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 29. Oktober 2020.</ref> ist eine in Deutschland und der Schweiz seit der Nachkriegszeit gebräuchliche umgangssprachliche Bezeichnung für ein kleines Einzelhandelsgeschäft, das Lebensmittel und weitere Artikel des täglichen Bedarfs anbietet.<ref>Tante-Emma-Laden. In: Duden. Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 29. Oktober 2020.</ref><ref>Manfred Jessen-Klingenberg: „Tante-Emma-Läden“. Einrichtungen des Industriezeitalters. Fotos: Sammlung Michael Plata. (PDF; 3,9 MB) In: Demokratische Geschichte, 17, 2006, S. 115; abgerufen am 29. September 2017.</ref> In Österreich entspricht dem der Begriff Greißler. Bezeichnend ist, dass der Laden oft so klein ist, dass nur eine Person, häufig die Ladenbesitzerin persönlich – die namensgebende „Tante Emma“ –, dort arbeitet.

Datei:Lebensmitteleinzelhandel in den 1950er.jpg
Lebensmittelladen, 1950er Jahre
Datei:TanteEmmaBamberg.JPG
Tante-Emma-Laden, 2007

Geschichte

Datei:Fotothek df roe-neg 0006456 017 Kundin beim Einkauf.jpg
Typische „Tante Emma“, 1953
Datei:Puerto Princesa Tante Emma.jpg
„Tante Emmaladen“ [sic] in Puerto Princesa (Philippinen), 2013
Datei:Kinderspielzeug, Kaufmannsladen, Tante Emma, 2014 (Alter Fritz).JPG
Kinder-Kaufmannsladen „Tante Emma Laden“ [sic], 2014

Überwiegend als Anbieter von Backwaren<ref>Bäckerei Krause in gelsenkirchener-geschichten.de, abgerufen am 11. Februar 2022</ref> und anderen Lebensmitteln bzw. Kolonialwaren (woher sich auch der lange Zeit noch verwendete Begriff Kolonialwarenladen herleitete), aber auch anderen Produkten für den täglichen Bedarf (Haushaltswaren, Textilien, Kurzwaren, Schreibwaren usw.) sorgten sie früher häufig für die lokale Warenversorgung der Bevölkerung. Übliche Elemente persönlicher Kundenbindung waren unter anderem Einkauf „auf Anschreiben“, Rabattmarken-Hefte, Gratiszugaben und Warenproben, Hauslieferungen, Reservierungen und Sonderbestellungen auf Kundenwunsch, Zusammenstellung von Geschenkkörben, Aufschnittplatten usw. Kinder wurden stets mit einer kleinen Aufmerksamkeit bedacht. Häufig befand sich auch die Wohnung des Inhabers unmittelbar hinter oder über dem Ladengeschäft, so dass ein verspäteter Kunde nach Ladenschluss auch einfach an der Wohnungstür klingeln und (eigentlich unerlaubt) doch noch etwas kaufen konnte. Mit dem gesetzlichen Verbot der Preisbindung ab 1974 und dem Siegeszug der Discounter war der Niedergang dieser Verkaufskultur endgültig besiegelt.<ref>Heike Lützenkirchen: Lebensmittelhändler im Bergischen Land: Vom Ausgang des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre des 20. Jahrhunderts. Hier insbes. Kapitel 4.5, S. 321 ff. urn:nbn:de:hbz:6-67449424276</ref>

Heute gilt der nostalgische Begriff Tante-Emma-Laden als Synonym für eine (noch) intakte persönliche Beziehung und Dienstleistungsbereitschaft zwischen dem lokalen Händler und seinen Kunden, ganz im Gegensatz zu anonymen Discountern, Kaufhäusern mit Selbstbedienung, Supermärkten, Einkaufszentren, Kettengeschäfte in Einkaufspassagen oder Warenhäusern.

Besonders im ländlichen Raum dienen die Tante-Emma-Läden noch immer der Nahversorgung mit Lebensmitteln. Initiativen von (meist mittelständischen) Lebensmittelgroßhandlungen führen in einigen Regionen teilweise zur Renaissance von Tante-Emma-Geschäften. Bis 2005 führte die österreichische REWE-Tochter Billa kleinere Lebensmittelläden unter dem Namen „Emma“.

Seit den 1980er Jahren werden die klassischen Tante-Emma-Läden in Deutschland von Lebensmittelläden abgelöst, die von Immigranten betrieben werden. Heutzutage betreiben viele Einwanderer aus der Türkei kleine familiäre Läden, die an Tante-Emma-Läden erinnern. Sie werden mit einem Augenzwinkern „Onkel-Mehmet-Läden“ genannt.<ref>dw-world.de</ref> Vor allem in den letzten Jahren haben diese Gewerbetreibenden eine bedeutende Rolle in der Nahversorgung der Bevölkerung in manchen Stadtteilen übernommen.<ref>Von Tante Emma zu Onkel Ali? Ethnische Ökonomie: Integrationsfaktor und Integrationsmaßstab. Deutsches Institut für Urbanistik. Kurzfassung unter <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />difu.de (Memento des Vorlage:IconExternal vom 28. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.difu.de</ref>

Zur Sicherung der Nahversorgung werden in manchen Orten Dorfläden eingerichtet.<ref>Mathias Welp: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tante Emma schlägt zurück. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 4. August 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/reporter.zdf.de Reportage, D, 2010, für ZDF (Vom Überlebenskampf kleiner Läden, zum Beispiel des 2010 eröffneten Dorfladens in der Gemeinde Gemmerich im Taunus).</ref> In manchen Gemeinden etablieren sich allmählich genossenschaftliche Modelle, so zum Beispiel in Düren und Barmen.<ref>Mehr Dorv fürs Dorf. Spiegel Online, 25. April 2011; abgerufen am 22. Januar 2017</ref> Auch von privatwirtschaftlicher Seite gibt es mittlerweile Wiederbelebungsversuche des Tante-Emma-Prinzips. So eröffnete im Oktober 2011 in Düsseldorf ein Tante-Emma-Laden mit dem Namen „Emmas Enkel“, der das typische Ladenlokal nostalgisch inszeniert und zugleich mit einem Online-Shop und Bringdienst verbindet.<ref>Tante Emma reloaded In: Die Welt, 4. November 2011</ref> Dieser Laden wurde im Jahr 2016 wieder geschlossen. In Jagsthausen wurde im Sommer 2012 ein genossenschaftlich finanzierter „Tante-Emma-Laden“ eröffnet, der mindestens bis ins Jahr 2018 wirtschaftlichen und kommunalpolitischen Erfolg vorweisen konnte.<ref>Tante-Emma-Laden: Und er lohnt sich doch! Kommunal.de, 17. September 2018</ref>

Miniaturisierte Nachbildungen von Tante-Emma-Läden sind heute noch als Kinderspielzeug beliebt und werden „Kaufladen“ genannt. In vielen Freilicht- oder Heimatmuseen sind historische Tante-Emma-Läden ausgestellt.

1976 veröffentlichte Udo Jürgens das Lied „Tante Emma“ (Im Tante-Emma-Laden, um die Ecke vis-à-vis), das sich fast ein Vierteljahr in den Charts hielt und die persönliche Kundenbindung der „Kälte“ der Discounter gegenüberstellt. Auch in der Literatur oder in Filmen sind Tante-Emma-Läden häufig Schauplatz, etwa im Roman Die Blechtrommel von Günter Grass und der gleichnamigen Verfilmung.

Begriffsherkunft

Im Brockhaus Wahrig steht unter Tante-Emma-Laden: „Kleines Einzelhandelsgeschäft; die Zahl der Tante-Emma-Läden ist weiter zurückgegangen [nach dem früher häufigen Namen Emma; Tante Emma, die einfache Durchschnittsfrau, zu der man als Nachbar noch ein persönliches Verhältnis hat, als Kontrast zu den unpersönlichen Selbstbedienungsläden und Supermärkten]“.<ref>Zitiert nach: Gerhard Wahrig et al.: Deutsches Wörterbuch in sechs Bänden. Band 6. Brockhaus/DVA, Wiesbaden/Stuttgart 1984, S. 174</ref>

Früher war Emma – wie Minna – eine geläufige Bezeichnung für Dienstmädchen. Heinz Küpper verzeichnet den „Tante-Anna-Laden“.<ref>Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. Band 8. Klett, Stuttgart 1984, S. 2821</ref> Das Wort „Tante“ wird mehrfach übertragen gebraucht, etwa für „(ältere) weibliche Person“, und es ist jugend- und kindersprachlich üblich. Küpper datiert seine Belege für Tante-Anna- bzw. Tante-Emma-Laden mit 1950 ff. und 1955 ff. Auch „Tante Emma“ mit der Bedeutung „Inhaberin eines kleinen Einzelhandelsgeschäfts“ stammt nach seinen Belegen aus der Nachkriegszeit.<ref>Tante-Emma-Laden. In: Der Sprachdienst, 1996, S. 134</ref> Es war damals eine abwertende Bezeichnung der klassischen Einzelhändler für die Nebenerwerbsgeschäfte, die infolge von Nachkriegsnöten mehrheitlich von Frauen betrieben wurden. Aufgrund des eingeschränkten Warenangebots hatten die Tante-Emma-Läden eine günstigere Kostenstruktur und entzogen den Vollkaufleuten wichtigen Umsatz.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Tante-Emma-Laden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Tante-Emma-Laden – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />

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