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Explorer (Schiff, 1969)

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(Weitergeleitet von Lindblad Explorer)
Explorer
Datei:MS-Explorer-2005-1.jpg
Die Explorer zwischen lockerem Packeis und Schelfeisteilen vor dem antarktischen Schelfeis.
Die Explorer zwischen lockerem Packeis und Schelfeisteilen vor dem antarktischen Schelfeis.
Schiffsdaten
Flagge LiberiaDatei:Flag of Liberia.svg Liberia
andere Schiffsnamen Lindblad Explorer (1969–1985)

Society Explorer (1985–1992)

Schiffstyp Kreuzfahrtschiff
Rufzeichen ELJD8<ref name="FOF"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lindblad Explorer (1969). (Memento vom 10. März 2011 im Internet Archive) Fakta om Fartyg (schwedisch).</ref>
Heimathafen Monrovia
Eigner G.A.P. Shipping, Bahamas
Reederei G.A.P. Adventures
Bauwerft Nystads Varv, Nystad<ref name="FOF" />
Baunummer 260
Stapellauf 18. Juni 1969<ref>Ship-DB Schiffs-Datenbank</ref>
Indienststellung 14. Dezember 1969
Verbleib am 24. November 2007 gesunken
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 72,88<ref name="FOF" /> m (Lüa)
64,90 m (Lpp)
Breite 14,0 m
Seitenhöhe 8,01 m
Tiefgang (max.) 4,20 m
Vermessung 2.346 BRZ / 773 NRZ
Maschinenanlage
Maschine dieselmechanisch
Dieselmotor (Atlas-MaK 8M452C)<ref name="FOF" />
Maschinen­leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat 2.796 kW (3.802 PS)
Höchst­geschwindigkeit 14 kn (26 km/h)
Propeller 2 × 4-Blatt-Verstellpropeller
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 560<ref name="FOF" /> tdw
Zugelassene Passagierzahl 118
PaxKabinen 50
Sonstiges
Klassifizierungen Det Norske Veritas
IMO-Nr. 6924959<ref name="FOF" />

Die Explorer war ein Kreuzfahrtschiff, das vom kanadischen Reiseveranstalter G.A.P. Adventures für Expeditionskreuzfahrten eingesetzt wurde. Sie sank am 23. November 2007 in antarktischen Gewässern, nachdem sie vermutlich einen Eisberg gerammt hatte.

Geschichte des Schiffes

Datei:1988-10 Society Explorer Mittelamerika 041.jpg
Society Explorer 1988 im Panamakanal

Das vom dänischen Schiffsarchitekturbüro Knud E. Hansen entworfene Schiff<ref>Explorer – Purpose-built Expedition Cruise Vessel. Knud E. Hansen; abgerufen am 21. Januar 2021.</ref> wurde 1969 auf der Nystads Varv im finnischen Nystad gebaut und als Lindblad Explorer unter der Flagge Norwegens in Dienst gestellt. Das Kreuzfahrtschiff war eines der ersten, das speziell für Reisen in entlegene Gegenden der Erde, insbesondere auch in die Polarregionen, gebaut wurde.

Im Februar 1972 lief das Schiff in der Antarktis in der Nähe des La Plaza Point auf Grund, konnte aber vom Hochseeschlepper Arctic freigeschleppt werden.<ref>Jan Mordhorst: Schlepper. Einsatz im Hafen und auf hoher See. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2008, ISBN 978-3-7822-0974-8, S. 65.</ref> 1989 war es an einer Rettungsaktion für ein vor der Anvers-Insel auf Grund gelaufenes, argentinisches Versorgungsschiff beteiligt.

Nachdem das Schiff mehrfach verkauft worden war, kam es 1985 zur ehemaligen, auch die World Discoverer betreibenden Bremer Discoverer-Reederei. Das Schiff wurde an den Reiseveranstalter Society Expeditions (Seattle) verchartert und in Society Explorer umbenannt. Seit 1992 hieß das Schiff Explorer,<ref name="FOF" /> seit Ende 2004 fuhr es für G.A.P. Adventures unter der Flagge Liberias.

Das Schiff, das aufgrund seiner Farbe auch liebevoll das „kleine rote Schiff“ genannt wurde,<ref name="SP519322">Havarie im Eis: Kapitän gibt Passagierschiff auf. Spiegel Online, 23. November 2007.</ref> befuhr als erstes Kreuzfahrtschiff 1984 die Nordwestpassage.<ref>Havarie in der Antarktis: Kreuzfahrtschiff rammt Eisberg – Leck im Rumpf. Spiegel Online, 23. November 2007.</ref> Weiterhin war es das erste Kreuzfahrtschiff, das 1970 in die Antarktis fuhr und sie 1973 von Neuseeland nach Argentinien teilweise umrundete, das den Amazonas von Brasilien nach Peru befuhr und 1988 Prowidenija in Sibirien anlief.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Information about the M/S Explorer. (Memento vom 12. November 2007 im Internet Archive) G.A.P. Adventures.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />M/S Explorer. (Memento vom 25. November 2007 im Internet Archive) Eagle-Eye Tours.</ref> Südgeorgien widmete dem Schiff ein Briefmarkenmotiv.

Unfall in der Antarktis 2007

Datei:Explorer-sinking-3.jpg
Sinkende Explorer

Am Morgen des 23. November 2007 um 5:24 Uhr UTC kollidierte die Explorer, die sich auf einer Kreuzfahrt vom argentinischen Ushuaia zur Antarktischen Halbinsel befand, etwa 26 Seemeilen östlich der zu den Südlichen Shetlandinseln gehörenden King-George-Insel vermutlich mit einem Eisberg und schlug dabei leck (62° 24′ S, 57° 16′ WKoordinaten: 62° 24′ 0″ S, 57° 16′ 0″ W

 {{#coordinates:−62,4|−57,266666666667|primary
   |dim=10000
   |globe=
   |name=Havarie der Explorer
   |region=AQ
   |type=event
  }}). Etwa 15 Stunden nach der Kollision, nach Angaben von G.A.P. Adventures bereits gegen 19 Uhr UTC,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Explorer News. (Memento vom 25. November 2007 im Internet Archive) G.A.P. Adventures.</ref> sank sie in etwa 1.100 Meter Tiefe.<ref>Kreuzfahrtschiff nach Eisberg-Kollision gesunken. Welt Online, 23. November 2007.</ref>

91 Passagiere, neun Expeditionsleiter und Lektoren sowie 52 Besatzungsmitglieder begaben sich bei ruhiger See in die Rettungsboote und wurden von der sich in der Nähe befindenden Nordnorge – ein in den Sommermonaten der Südhemisphäre auch für Kreuzfahrten in die Antarktis eingesetztes Schiff der norwegischen Reederei Hurtigruten AS – aufgenommen.<ref>Stricken Antarctic ship evacuated. BBC News, 24. November 2007.</ref> Der Kapitän und der Erste Offizier blieben an Bord und versuchten, das Schiff schwimmfähig zu halten, gaben jedoch im Laufe des Tages auf.<ref name="SP519322" /> Die Nordnorge brachte die Schiffbrüchigen zur chilenischen Antarktisstation Presidente Eduardo Frei Montalva auf der King-George-Insel.<ref>Drama in der Antarktis: „Explorer“ rammt Eisblock. n-tv, 23. November 2007.</ref> Von dort wurden sie in den folgenden beiden Tagen mit einem Lockheed C-130 Hercules-Transportflugzeug der chilenischen Luftwaffe zum Stützpunkt Punta Arenas geflogen.<ref>„Explorer“-Unglück: Militär fliegt Schiffbrüchige aus. Spiegel Online, 25. November 2007.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Glückliches Ende nach Drama im Eismeer. (Memento vom 28. November 2007 im Internet Archive) Lübecker Nachrichten, 25. November 2007.</ref>

Durch den Untergang des Schiffes flossen etwa 185.000 Liter Treibstoff ins Meer. Argentinien kündigte an, sich für eine Einschränkung des Antarktistourismus einsetzen zu wollen.<ref>Untergang der „Explorer“: Drama im Eismeer findet glückliches Ende. Spiegel Online, 25. November 2007.</ref>

Auch Wissenschaftler forderten, es sollten weniger Touristen in den sensiblen Lebensraum Antarktis reisen, um die Gefahr derartiger Unfälle zu verringern.<ref>Bestand der Adelie-Pinguine stark gesunken. Die Welt, 11. März 2008.</ref>

Im Januar 2008 wurde das Wrack der Explorer durch das britische Forschungsschiff Endurance am Nordwest-Ende der Bransfieldstraße auf der Position 62° 24′ 18″ S, 57° 11′ 46″ W

 {{#coordinates:−62,404881666667|−57,196246666667|
   |dim=10000
   |globe=
   |name=Wrack Explorer
   |region=AQ
   |type=event
  }} und damit rund vier Kilometer von der Stelle des Untergangs entfernt in einer Tiefe von 1.130 m lokalisiert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />HMS Endurance finds sunken Little Red Ship, MV Explorer. (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive) BYM Marine & Maritime News, 28. Januar 2008 (englisch).</ref>

Technische Daten

Das Schiff wurde von zwei Dieselmotoren mit jeweils 1398 kW Leistung angetrieben. Die Motoren wirkten auf zwei Verstellpropeller. Das Schiff war mit einem Bugstrahlruder und mit Stabilisatoren ausgerüstet. Die Reichweite des Schiffes betrug mindestens 5300 Seemeilen.

In den Medien

Der Untergang wurde in der ersten Staffel der US-amerikanischen Doku-Serie In Seenot in der Folge „Die letzte Kreuzfahrt der ‚MV Explorer‘“ (Original: „Disasters at Sea“, „The Ice Ship“) thematisiert.<ref>In Seenot. fernsehserien.de</ref>

Der australische YouTube-Kanal „Oceanliner Designs“ widmete 2024 dem Untergang des Schiffes eine rund halbstündige Dokumentation.<ref>Titanic in 2007? How it Almost Happened Again auf YouTube, abgerufen am 16. September 2024.</ref>

Siehe auch

Weblinks

Commons: Explorer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Hinweis Seiten-Koordinaten