Lossow (Frankfurt (Oder))
Lossow Ortsteil Frankfurt (Oder)
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(503)&title=Lossow 52° 17′ N, 14° 33′ O
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| Höhe: | 63 m | |||||
| Fläche: | 70 ha | |||||
| Einwohner: | 503 (31. Dez. 2019)<ref>Kommunalstatistischer Jahres- und Demografiebericht 2020. (PDF) In: Frankfurt-Oder.de. Abgerufen am 19. September 2021.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 719 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. Januar 1973 | |||||
| Postleitzahl: | 15236 | |||||
| Vorwahl: | 0335 | |||||
Gebietsgliederung der Stadt Frankfurt (Oder), Lage Lossows hervorgehoben
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Lossow () ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder).
Geografie
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Geografische Lage
Lossow liegt sieben Kilometer südlich des Stadtgebietes von Frankfurt (Oder), vier Kilometer östlich des Helenesee und etwa 102 Kilometer östlich von Berlin.
Nachbargemeinden
Südlich von Lossow liegt fünf Kilometer entfernt Brieskow-Finkenheerd, eine Gemeinde im Landkreis Oder-Spree.
Geschichte
Der Ort wurde nach der Familie von Lossow benannt. Deren erste urkundliche Erwähnung findet sich 1290 unter dem Namen Otto de Lossowe statt. 1328 ist der Ort erstmals urkundlich nachweisbar.
Der Frankfurter Patrizier Rakow kaufte 1438 der Familie Lossow den Freien Hof und das Dorf ab. 1460 besaß der Ort 64 Hube, 20 Kötter, einen Krug und eine Schäferei. Von den 64 Huben standen vier dem Pfarrer und zwei der Kirche zu, vier gehörten dem Richter oder Lehnschulzen und 34 Hube dem Gerichtsherrn. 1473 wurde erstmals eine Zollstelle erwähnt.
Als 1512 das Patriziergeschlecht von Rakow ausstarb, ging Lossow in den Besitz der Familie von Beerfelde über, bei denen es bis zum Jahre 1806 verblieb. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erlitt Lossow Plünderung und Brandschatzung durch Truppen Wallensteins und der Schweden. 1741–1746 wurde die Dorfkirche neu errichtet. Im Zuge des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) erlitt die Bevölkerung erneut Plünderung und Gewalt; 1759 wurde die Kirche durch russische Soldaten geplündert. 1801 hatte Lossow 232 Einwohner, eine Schmiede, ein königliches Nebenzollamt, eine Ziegelei, die Buschmühle und eine Wassermühle.
1806 ging das Gut Lossow in den Besitz des Landrates Carl Heinrich von Schöning über und an Wilhelm Carl Gottfried Selle (* 31. Mai 1791 in Küstrin; † 21. Feb. 1827 in Lossow) in Pacht. Lossow erhielt, bis auf die Patrimonialgerichtsbarkeit, die Selbstverwaltung. Im selben Jahr wurde der Ort beim Durchzug französischer Soldaten abermals geplündert.<ref>Biographien würdiger Geistlichen [!]. In: Carl Friedr. Brecius, Ludw. Muzel, Christian Wilh. Spieker (Hrsg.): Neuestes Archiv für die Pastoral-Wissenschaft theoretischen und praktischen Inhalts. Jg. 1827, Teil/Heft (?), Verlag Darnmann’sche Buchhandlung, Leipzig / Züllichau / Freistadt 1827, S. 60–99, hier S. 71.</ref> 1811 wird anlässlich der Bekämpfung eines Großbrandes in Tzschetzschnow erstmals die Feuerwehr des Ortes erwähnt.
1810 begann der Lossower Prediger Karl Heinrich Neumann, angeregt durch die kurmärkische Regierung in Potsdam, gemeinsam mit dem Kantor und Lehrer Menzel, eine lokale Schulverbesserung. Neumann und Menzel reformierten den Unterricht nach den neuesten Pestalozzischen Grundsätzen und veranstalteten Lehrerbildungskurse. 1815 eröffnete Neumann ein Lehrerseminar in Lossow.<ref>Vgl. Joachim Scholz: Die Lehrer leuchten wie die hellen Sterne. Landschulreform und Elementarlehrerbildung in Brandenburg-Preußen. Edition Lumière, Bremen 2011.</ref>
Im Zuge der Befreiungskriege (1813–1815) wurden 1813 in Tzschetzschnow, Lossow und Markendorf 800 die Truppen der französischen Armee verfolgende Donkosaken einquartiert. In Folge des Wiener Kongress' (18. September 1814 bis 9. Juni 1815) gehörte Lossow ab 1816 bis zu dessen Auflösung 1945 zum Regierungsbezirk Frankfurt.
1844 wurden beim Bau der Eisenbahnstrecke Berlin–Breslau archäologische Funde am Burgwall Lossow bekannt. 1900 gibt es 537 Einwohner und 65 Wohnhäuser. Vor 1914 kam der Oberleutnant Siegfried Simon in den Besitz des Gutes.<ref>Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. 1914. Verzeichnis. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 292 f.</ref> Um 1930 war er, dann als Rittmeister a. D., Herr auf Lossow. Das für die Region sehr große Rittergut beinhaltete nach wie vor 1834 ha.<ref>Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. 1929. Verzeichnis. In: Niekammer Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, Selbstverlag von Niekammer`s Güter-Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 238.</ref>
Am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 war Lossow zu 35 % zerstört.
Nach der Kreisreform von 1950 gehörte Lossow zum Landkreis Frankfurt (Oder); nach der Kreisreform von 1952 zum Kreis Fürstenberg, der 1961 in Kreis Eisenhüttenstadt-Land umbenannt wurde. 1973 wurde Lossow in die kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder) eingemeindet.
| Jahr | Einwohnerzahl |
|---|---|
| 1801 | 232 |
| 1900 | 537 |
| 1986 | 344 |
| 2007 | 540 |
| 2010 | 502 |
| 2012 | 597 |
Historische Galerie
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Schloss Lossow vor 1913.
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Partie an der Kirche Lossow vor 1913.
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Blick in den Altarraum der Kirche Lossow (ca. 1909).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Dorfkirche
Im Lebuser Stiftregister wird 1405 erstmals die Kirche in Lossow erwähnt. Mit der Baufälligkeit 1741 plante der Kirchenpatron Adolph Friedrich von Beerfelde den Bau einer neuen Kirche, welcher 1746 vollendet wurde.
1759, im Siebenjährigen Krieg, erfolgte die Plünderung der Kirche durch russische Soldaten. Ein Blitzeinschlag am 13. Juli 1885 ließ den Glockenstuhl ausbrennen, die Glocken stürzten ab und zerbrachen. Noch im selben Jahr begann man mit dem Wiederaufbau des Turmes der 1886 abgeschlossen wurde. 1924 bekam die Kirche drei neue Glocken aus Apolda vom damaligen Rittergutbesitzer Herrn Simon geschenkt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1945 stark beschädigt und brannte aus. In den 1950er-Jahren fingen erste Aufbauarbeiten an. Bauern spendeten Bauholz; der Turm erhielt ein Dach. Fördermittel sorgten 1995 für die Sanierung des Turmdaches und eines Teils der Kirchmauer. Mit einem Sicherungsnetz, welches 2005 über die Mauerkrone angebracht wurde, ist die Ruine heute begehbar.
Denkmäler
Der Burgwall von Lossow gehört heute zu den bedeutendsten Bodendenkmalen des Landes Brandenburg. Seine Nutzung wird wahrscheinlich auf 1000 v. Chr. bis 400 v. Chr. datiert. Im 19. Jahrhundert stieß man während des Baues der Bahnstrecke Berlin–Breslau auf archäologische Funde, welche aus der Bronze- und Eisenzeit wie auch aus der Slawenzeit stammten. Der Wall erhebt sich etwa dreißig Meter über dem westlichen Oderufer; geschützt durch die Steile Wand. Noch heute erkennt man die bis zu sechs Meter hohe Erde-Holz-Mauer.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
Klein- und Mittelbetriebe in der Dienstleistung kennzeichnen heute die Wirtschaftsstruktur von Lossow.
Verkehr
Lossow liegt östlich an der B 112 in Richtung Eisenhüttenstadt an der Oder-Lausitz-Straße.
Feuerwehr
Die Ersterwähnung der Feuerwehr erfolgte im Zusammenhang mit einem Großbrand am 8. September 1811 in Tzschetzschnow, der damalige Name von Güldendorf, einem Ortsteil von Frankfurt (Oder). Am 19. Juni 1999 wurde mit der Stadt Cybinka in Polen ein Vertrag beider Freiwilligen Feuerwehren geschlossen, die die gegenseitige Zusammenarbeit auf dem Gebiet von Polen und Deutschland vereinbart.
Persönlichkeiten
- Christian Wilhelm von Beerfelde (um 1730–1792), preußischer Landrat
- Hans Sigismund von Beerfelde (1726–1788), Erbherr auf Lossow u. preußischer Landrat
- Aura Hertwig (Aurelie Antoinette Paschke, 1861–1944), deutsche Fotografin
- Johann Jakob Nathanael Neumann (1750–1803), deutscher evangelischer Theologe u. Philosoph, Hauslehrer s. Pfarrer in Lossow
- Karl Heinrich Neumann (1778–1818), preußischer Prediger u. Schulmann, Pfarrer in Lossow 1804–1816
- Otto Eduard Vincenz Ule (1820–1876), deutscher naturwissenschaftlicher Schriftsteller
Trivia
Laut einer Sage soll ein unterirdischer Gang vom Burgwall bis in die Nähe von Frankfurt geführt haben, wo er in einem Gebüsch endete.<ref>Unterirdische Gänge. In: Wiener Bilder. Nr. 44. Wien 2. November 1910, S. 19 (Digitalisat).</ref>
Literatur
- Wilhelm Jung, Friedrich Solger, Willy Spatz: Die Kunstdenkmäler des Kreises Lebus. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. Band VI, 1. Hrsg. Brandenburgischer Provinzialverband-Schriftleitung Theodor Goecke, Meisenbach & Riffarth, Berlin 1909, S. 186 ff.
- Sybille Gramlich, Andreas Bernhard, Andreas Cante, Irmelin Küttner u. a.: Denkmale in Brandenburg. Band 3. Stadt Frankfurt (Oder). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2003, ISBN 3-88462-190-4, S. 362 ff.
- Gerhard Vinken, Barabara Rimpel, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Brandenburg. 2. Auflage, Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 640.
Weblinks
- Willkommen in Lossow, dem Ortsteil von Frankfurt (Oder). In: Lossow-FF.de. (zu Lossow).
Einzelnachweise
<references />
Ortsteile: Booßen | Güldendorf | Hohenwalde | Kliestow | Lichtenberg | Lossow | Markendorf | Markendorf-Siedlung | Rosengarten/Pagram
Wohnplätze: Altberesinchen | Booßen Siedlung | Försterei Malchow | Forsthaus Eduardspring | Gronenfelde | Gubener Vorstadt | Halbe Stadt | Hansa Nord | Hospitalmühle | Klingetal | Kosmonautenviertel | Lebuser Vorstadt | Lillihof | Malchow | Mittelmühle | Neuberesinchen/Nord | Neuberesinchen/Süd | Nuhnen | Nuhnenvorstadt | Obere Stadt | Obermühle | Pagram | Peterhof | Ragoser Mühle | Rosengarten | Siedlung Hexenberg | Siedlung Junkerfeld | Stadtmitte | Talmühle | Vordermühle | Vorwerk Hexenberg | Vorwerk Lichtenberg | Waldhaus | Winzerviertel