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Schleicher (Familie)

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(Weitergeleitet von Matthias Ludolf Schleicher)
Datei:Schleicher-Wappen.jpg

Schleicher (Variation: Slicher) ist die älteste und eine der bedeutendsten Kupfermeisterfamilien in Stolberg und im Aachener Raum. Vor allem durch die ehelichen und geschäftlichen Verbindungen der Familie Schleicher mit den im Raum Stolberg ebenfalls erfolgreichen Fabrikantenfamilien Hoesch, Peltzer, Prym, Lynen, von Asten und Anderen gehörte Stolberg über einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren zu einem der bedeutendsten Zentren der Kupferindustrie Europas.

Ursprünge

Nachdem ab Mitte des 16. Jahrhunderts sich allmählich auch in Aachen die Lutheraner vorübergehend durchgesetzt hatten, schlossen sich viele Familien dieser neuen Religionsrichtung an, so unter anderem auch die ehemals Aachener Familie Schleicher. Aber auf Grund der hiermit verbundenen Benachteiligungen und Nachstellungen sah sie sich in der Zeit der Aachener Religionsunruhen dazu gezwungen, unter dem Aspekt der Religions- und Arbeitsfreiheit frühzeitig ihre Zukunft in anderen Regionen aufzubauen, erst recht nach der erfolgten Reichsacht gegen reformierte Bürger und Amtsinhaber im Jahre 1598.

In diesem Zusammenhang wanderte ein gewisser „Anthoin Slicher“ nach Den Haag aus, wo er Stammvater eines erfolgreichen und später geadelten Familienzweiges wurde, der unter dem Namen Slicher bekannt wurde. Um 1571 zog ebenso der Aachener Kupfermeister und Gerichtsschöffe Leonhard Schleicher (ca. 1535–1606), Sohn des zum evangelischen Glauben übergetretenen Kupfermeisters Leonhard Schleicher (1495–1560) und einer Tochter des Kaufmanns Servatius von Cölln, rechtzeitig nach Stolberg, ebenso wie nach ihm im Jahr 1785 die Angehörigen der Familie Peltzer. Damit wurde er zum Begründer der bis zum heutigen Tage weit verzweigten und über viele Jahrhunderte hinweg überaus erfolgreichen Unternehmerfamilie.

Wappen

Datei:Wappen-Ellermühle.jpg
Wappenstein mit Ehewappen Schleicher und Lynen an der Ellermühle

Das Wappen der Familie Schleicher zeigt auf goldenem Grund einen breiten roten Querbalken, darüber drei blaue (oder silberne) Hufeisen nebeneinander (wobei die Richtung der Stollen variiert). Unterhalb des Querbalkens findet sich ein blaues Mühleisen. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein aufsprigendes, (rot gezäumtes) silbernes Pferd. Im Wesentlichen entspricht dem auch das Wappen der Linie Slicher.<ref>Hermann Friedrich Macco: Aachener Wappen und Genealogien, Band 2, Aachen 1907, S. 124125; Tafel 92.</ref>

Kupferhöfe in Familienbesitz

Datei:Mirck leonard schleicher 1591.svg
Mirck des Leonhard Schleicher

Den ersten Schritt zur Unternehmensgründung unternahm Leonhard Schleicher im Jahr 1571, indem er ein Grundstück an der heutigen Burgstraße erwarb und 1575 dort den ersten Kupferhof, die heutige Adler-Apotheke, baute. Gemeinsam mit seinen Söhnen und Enkeln errichtete die Familie später die Kupferhöfe Schart, Knautzenhof, Rose, Vogelsang und im Jahre 1724 den Kupferhof Rosenthal, wo Johannes Schleicher (1676–1750) eine repräsentative barocke Hofanlage erbauen ließ. Darüber hinaus hielten Mitglieder der Familie durch Erbfolgen oder Ankäufe – sogar zum Teil alleinige – Anteile an einer Vielzahl weiterer Kupferhöfe wie beispielsweise die Ellermühle oder die Krautlade. Ein Teil der erworbenen Kupferhöfe und Produkte wurden dabei branchenüblich mit einem Mirck gekennzeichnet.

Von besonderem wirtschaftlichem Erfolg gekrönt war im Jahr 1617 der Erwerb des Kupferhofs Bernardshammer von den Brüdern Mondenschein durch Leonhard Schleicher (1561–1617), Sohn des nach Stolberg ausgewanderten Leonhards, sowie im Jahre 1718 des Kupferhofs Unterster Hof durch Guillaume Schleicher (1673–1731) von der Familie Peltzer. Der Bernardshammer wurde erst sieben Generationen später von Johann Adam Schleicher (1776–1854), der 1794 auch zum Maire von Stolberg ernannt worden war, um 1830 verkauft, nach dem Tod seiner zweiten Frau Maria Gertrud Lynen, die ebenfalls aus altem Aachener und Stolberger Patriziergeschlecht stammte.<ref>Hermann Friedrich Macco: Aachener Wappen und Genealogien, Band 1, Aachen 1907, S. 279.</ref> Dagegen überstand der Unterste Hof alle wirtschaftlichen Beeinträchtigungen und acht Generationen später, erst zwischen den Weltkriegen, erfolgte durch den Kommerzienrat Emil Schleicher (1850–1933) die Zusammenlegung dieses Hofes mit anderen Erbengemeinschaften zu einer Kommanditgesellschaft und nach dessen Tod die Verpachtung an die Stolberger Metallwerke. Dieser Standorttreue wegen benannte Emil Schleicher diesen Hof seit jener Zeit „Hof Bleibtreu“.

Die Familie Schleicher bewohnt derzeit immer noch den Hof Bleibtreu an der Eisenbahnstraße in Stolberg, in dessen Nähe sich auch der dazugehörende „Schleicherpark“ befindet.

Veränderungen ab der Zeit der Industrialisierung

Mit der beginnenden Industrialisierung und dem damit verbundenen Niedergang des Kupfermeistergewerbes hatte die Familie Schleicher erheblichen Anteil daran, dass das NE-Metallgewerbe im Raum Eschweiler-Stolberg weiter betrieben werden konnte. Matthias Leonhard Schleicher (1758–1836) beispielsweise begründete in seinem Messingwerk im damaligen Eschweiler Stadtteil Velau im Jahre 1819 die erste Zinkhütte im Rheinland: die Zinkhütte Velau. Er betrieb auch seit 1810 die Atscher Mühle und baute am Untersten Hof ein industriell strukturiertes Messingwerk. Ab 1822 wurde das Unternehmen nach Matthias Ludolf Schleicher (1788–1831), Sohn von Matthias Leonhard, benannt.<ref>Karl Schleicher: Die Firma Matth. Lud. Schleicher Sohn im 19. Jahrhundert, in: Die metallverarbeitende Industrie in Stolberg, Bericht des Heimat- und Geschichtsvereins Stolberg e. V., Kap. 5</ref> Diese Firma fand ab 1933 ihren Fortbestand als Teil der Stolberger Metallwerke. Darüber hinaus übernahm Matthias Ludolf auch den Hof Krautlade und richtete dort eine Fingerhutfabrik ein und war Mitbegründer der Zinkhütte Birkengang.

Ein weiterer Sohn von Matthias Leonhard Schleicher und Bruder von Matthias Ludolf, Carl Viktor Schleicher (1803–1883), übernahm im Jahr 1835 im Langerweher Ortsteil Schönthal die dortige und 1805 von seinem Vater eingerichtete Nadelfabrik und führte diese als „Carl Schleicher & Söhne“ in eine erfolgreiche Zeit. Dies führte dazu, dass er ab Mitte der 1850er-Jahre ein benachbartes Waldstück erwerben konnte und in diesem den Landschaftsgarten Kammerbusch im Stile eines Englischen Landschaftsgartens anlegte und mit mehreren Skulpturen und Denkmälern ausstattete. Darüber hinaus ließ er dort etwa zehn Jahre später die Karlsburg sowie im Jahr 1869 in Nähe zur Fabrik die repräsentative „Villa Schleicher“ für seine Familie erbauen und erwarb im Jahre 1893 zudem noch die Burg Holzheim. Die Karlsburg diente dabei vor allem als Gästehaus. Das Unternehmen und die Anlagen wurde zunächst von Carls Sohn Richards Schleicher (1843–1918) und nachfolgend von dessen Sohn Waldemar (1880–1949) weitergeführt. Im Zuge des Niedergangs der Nadelindustrie zwischen den beiden Weltkriegen wurde die Fabrik Schleicher von dem Aachener Unternehmen Jungbecker übernommen. In den Folgejahrzehnten verfielen die Fabrikanlage, Hof, Villa und die Parkanlage mit der Karlsburg zunehmend und wurden später verkauft. Seit den 2000er-Jahren und unter neuen Besitzern sind Gut Schönthal eine Hotel- und Seniorenanlage und der Landschaftspark eine öffentliche Naherholungsstätte und wurden unter Denkmalschutz gestellt.

Dagegen waren andere Unternehmungsgründungen oder Übernahmen der Familie in jener Zeit nicht von allzu großem Erfolg gekrönt. Issak Schleicher (1751–1815) versuchte im Jahr 1790 zusammen mit Isaak Lynen, Johann Peltzer und Isaak Prym den bestehenden Kupferhof Steinfeld zu einer Glashütte umzustrukturieren und fusionierte sie dazu auch mit der Hütte „Am Hammerfeld“ zur „St. Johannis-Hütte“. Bereits zwei Jahre später wurde diese aber dann in die Firma „Gebr. Siegwart & Co“ überführt und auf Steinfeld wieder Messing produziert. Danach leitete den Hof noch Johann Adolf (1752–1819) und sein Sohn Johann Matthias Schleicher (* 1782), bevor er dann wieder an die Familie Peltzer fiel.

Der Kupferhof Weide, der bereits in früheren Jahren einmal im Besitz der Familie gewesen war, wurde 1805 ebenfalls von Matthias Leonhard Schleicher übernommen, diente aber ab ca. 1900 mehrheitlich als Arbeiterwohnung, Weinkeller und Hühnerhof und wurde nach der Zerstörung im Verlauf des Zweiten Weltkrieges als normales Wohnhaus wiederhergestellt. Johann Adam Schleicher, letzter Besitzer von Bernardshammer, betrieb zusammen mit Johann Heinrich Schervier ab 1807 noch ein Messingwalzwerk in Stolberg-Buschmühle, welches allerdings schon 1814 in die Liquidation geriet.

Weitere Persönlichkeiten

Literatur

  • Hermann Friedrich Macco: Beträge zur Geschichte und Genealogie rheinischer Adels- und Patrizierfamilien, Band 2, Aachen 1887, S. 97–113.
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  • Rudolf Arthur Peltzer: Geschichte der Messingindustrie und der künstlerischen Arbeiten in Messing (Dinanderies) in Aachen und den Ländern zwischen Maas und Rhein von der Römerzeit bis zur Gegenwart. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. Band 30, 1908, S. 235–463.
  • Hans-Joachim Ramm (Redaktion): Mühlen, Hammerwerke und Kupferhöfe im Tal der Vicht und ihre Besitzer (=Beiträge zur Stolberger Geschichte, Band 23), Stolberg 1998, ISBN 3-926830-12-3
  • Karl Schleicher: Geschichte der Stolberger Messingindustrie. Stolberg 1956.

Weblinks

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Einzelnachweise

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