Jeanine Meerapfel
Jeanine Meerapfel (geboren am 14. Juni 1943 in Buenos Aires, Argentinien) ist eine deutsch-argentinische Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Filmdozentin. Von 2015 bis Mai 2024 war sie Präsidentin der Berliner Akademie der Künste.<ref name="AdK">Aufbau und Aufgaben. Akademie der Künste, abgerufen am 25. Juli 2019.</ref><ref>Akademie der Künste Pressemitteilung vom 25. Mai 2024: Manos Tsangaris neuer Präsident der Akademie der Künste Anh-Linh Ngo neuer Vizepräsident, abgerufen am 27. Mai 2024.</ref>
Werdegang
Jeanine Meerapfel wuchs in Argentinien als Tochter jüdischer Emigranten aus Deutschland auf. Von 1961 bis 1964 besuchte sie die Journalistenschule in Buenos Aires und arbeitete als Redakteurin und freie Journalistin. Gleichzeitig studierte sie Drehbuch bei Simón Feldman. 1964 kam sie nach Deutschland und studierte mit einem Stipendium des DAAD von 1964 bis 1968 am Institut für Filmgestaltung der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm, u. a. bei Alexander Kluge.<ref name="AdKA">Jeanine-Meerapfel-Archiv. Akademie der Künste, abgerufen am 25. Juli 2019.</ref> Ihr Studium schloss sie 1969 mit einem Diplom der HfG ab. Ihre theoretische Abschlussarbeit trug den Titel Der weiße Planet bekennt Farbe (Drehbuch für einen Spielfilm), der praktische Teil bestand aus dem Dokumentarfilm Regionalzeitung II. Teil.<ref>Meerapfel, Jeanine (1943). In: hfgulmarchiv.de. (Profil auf der Website des Archivs der HfG Ulm, mit Foto und Details zum Studium).</ref>
Von 1970 bis 1980 arbeitete Meerapfel als Filmkritikerin und führte Filmseminare in Ulm und an verschiedenen Goethe-Instituten durch.<ref>Biografie von Jeanine Meerapfel beim Deutschen Filmhaus</ref> 1981 hatte sie ihr Spielfilm-Debüt mit Malou, dem bis 2012 elf Filme folgten. In Meerapfels Film La Amiga – Die Freundin (1988) spielt Liv Ullmann eine Mutter, deren Sohn während der argentinischen Militärdiktatur verschwunden ist und die für die Menschenrechte kämpft; der Film entstand unter schwierigen Bedingungen.<ref>Letztlich geht es doch darum, die eigenen Gefühle zu kennen. zeit.de, 18. Dezember 2015, abgerufen am 7. Februar 2016.</ref>
1984 war sie Mitglied der Jury der Berliner Filmfestspiele. 1990 erhielt Meerapfel eine Professur (mit dem Schwerpunkt Regie von Dokumentar- und Spielfilmen) an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Sie ist seit 1998 Mitglied der Berliner Akademie der Künste und wurde am 30. Mai 2015 als Nachfolgerin von Klaus Staeck zu deren Präsidentin gewählt.<ref name="AdK" />
Jeanine Meerapfels Filmarchiv befindet sich seit 2002 in der Berliner Akademie der Künste.<ref name="AdKA" />
2011 drehte sie in Frankfurt am Main u. a. den Spielfilm Der deutsche Freund, eine deutsch-argentinische Koproduktion, die Ende 2012 ins Kino kam.<ref>Süddeutsche Zeitung: Gefangen im Theater der Geschichte, Artikel vom 6. November 2012; abgerufen am 1. Dezember 2013.</ref>
Auch zu filmpolitischen Fragen spricht Jeanine Meerapfel öffentlich, so etwa in der linken Tageszeitung junge Welt zum Festival des Neuen Lateinamerikanischen Films in Havanna.<ref>„Die Filme werden wie sonst nirgends gefeiert“. In: junge Welt, 18. Dezember 2019, S. 3.</ref>
Filme (Auswahl)
- 1966: Abstand (Kurzfilm)
- 1969: Zwickel auf Bizyckel (Kollektivfilm 1969; fertiggestellt 1997)
- 1981: Im Land meiner Eltern (Dokumentarfilm)
- Malou (2019 digital restaurierte Fassung<ref>Malou. In: www.berlinale.de. Abgerufen am 16. Februar 2019.</ref>)
- 1984: Solange es Europa noch gibt – Fragen an den Frieden
- 1985: Die Kümmeltürkin geht
- 1987: Die Verliebten
- 1988: La Amiga – Die Freundin (La amiga)
- 1989: 13 Minuten vor zwölf in Lima (TV)
- 1989: Desembarcos
- 1990: Im Glanze dieses Glückes (Kollektivfilm)
- 1994 Amigomío
- Annas Sommer
- 2012: Der deutsche Freund (El amigo alemán)
- 2014: Confusion/Diffusion
- 2020: Moving Sands/Topos
- 2021: Eine Frau
Auszeichnungen (Auswahl)
- 1981: FIPRESCI-Preis in Cannes für Malou
- 1981: „Best New Director“ beim Filmfestival San Sebastián für Malou
- 1985 Deutscher Kritikerpreis in der Kategorie Film für Die Kümmeltürkin geht
- 1985: Interfilm Award der Berlinale für Die Kümmeltürkin geht
- 1989: Nominierung zum Deutschen Filmpreis in der Kategorie Bester programmfüllender Spielfilm für La Amiga – Die Freundin
- 2012: Fünf Nominierungen für den argentinischen Filmpreis Cóndor de Plata für Der deutsche Freund
- 2020: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
- 2022: DOK.fest München, Nominierung für den VIKTOR DOK.international für Eine Frau
Literatur
- Peer Moritz: Jeanine Meerapfel – Filmmacherin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 14, 1989.
- Torsten Musial: Erinnerung und Identität. Die Filmemacherin Jeanine Meerapfel. In: Wolfgang Trautwein, Julia Bernhard (Hrsg.): Aufbrüche in die Moderne. Das Archiv der Akademie der Künste. Akademie der Künste, Berlin 2013, ISBN 978-3-88331-202-6, S. 176–180.
- Chryssoula Kambas: Jeanine Meerapfel. Ein unverwechselbarer Beitrag zum Neuen Deutschen Film. In: Weimarer Beiträge, 69. Jg., 2023, Heft 1, S. 134–141.
- Lea Wohl von Haselberg (Hg.): Jeanine Meerapfel. Film-Konzepte 76, edition text+kritik 2025, ISBN 978-3-689-30041-8.
Weblinks
- Vorlage:IMDb/1
- Jeanine Meerapfel bei filmportal.de
- Website von Jeanine Meerapfel
- Jeanine-Meerapfel-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
- Deutschlandfunk Zwischentöne. Musik und Fragen zur Person vom 14. Oktober 2018
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Meerapfel, Jeanine |
| KURZBESCHREIBUNG | argentinisch-deutsche Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Dozentin |
| GEBURTSDATUM | 14. Juni 1943 |
| GEBURTSORT | Buenos Aires, Argentinien |
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- Journalist (Deutschland)
- Filmkritiker
- Filmregisseur
- Drehbuchautor
- Hochschullehrer (KHM Köln)
- Mitglied der Akademie der Künste (Berlin)
- Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse
- Absolvent der Hochschule für Gestaltung Ulm
- Deutscher
- Argentinier
- Geboren 1943
- Frau