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Nickendes Perlgras

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Melica nutans)

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Nickendes Perlgras
Datei:Melica nutans.jpg

Nickendes Perlgras (Melica nutans)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Perlgräser (Melica)
Art: Nickendes Perlgras
Wissenschaftlicher Name
Melica nutans
L.

Das Nickende Perlgras (Melica nutans)<ref name="FloraWeb" /> ist eine Art aus der Gattung der Perlgräser (Melica) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Die Art ist in Eurasien weitverbreitet.

Etymologie

Der deutsche Trivialname „Perlgras“ bezieht sich auf die kugeligen bis eiförmigen, meist dunklen, glänzenden Ährchen, die wie auf einer Perlschnur aufgereiht erscheinen. Es existieren regionale Trivialnamen, die sich ebenfalls auf das typische Erscheinungsbild der Blütenstände beziehen wie „Saulaus“ in Österreich oder „Geisszötteli“ oder „Galläseckeli“ in der Schweiz.

Beschreibung

Datei:Melica nutans sl4.jpg
Bestand des Nickenden Perlgrases
Datei:Melica nutans sl2.jpg
Stängel mit Laubblatt und Blatthäutchen
Datei:Melica nutans sl3.jpg
Am Grund eines Ährchens befinden sich zwei Hüllspelzen (Glu). Darüber sitzen drei Blüten, die jeweils in eine Deckspelze (Lem) und Vorspelze (Pal) eingehüllt sind. Die oberste Blüte ist zu einem weißlichen, fleischigen Elaiosom umgewandelt.

Vegetative Merkmale

Das Nickende Perlgras wächst als sommergrüne<ref name="FloraWeb" />, ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 60 Zentimetern. Die lockere Rasen bildende Art hat eine dünne, lang kriechende Grundachse, zuweilen mit Ausläufern. Die Laubblätter sind in Blattscheide und Blattspreite gegliedert. Von den aufwärts rauen, mehr oder weniger geflügelten bis gekielten Blattscheiden sind die unteren meist purpurfarben überlaufen. Das bräunliche Blatthäutchen (Ligula) ist mit einer Länge von etwa 0,5 Millimetern relativ kurz.<ref name="FloraWeb" /> Die hellgrüne<ref name="FloraWeb" /> Blattspreite ist etwa 4 Millimeter breit und oben meist zerstreut behaart.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Der einseitswendige, unterwärts schwach traubige, rispige Blütenstand ist kaum bis zu 10 Zentimeter lang. Die kurz gestielten, nickenden zweiblütigen Ährchen sind bei einer Länge von 6 bis 7 Millimeter verkehrt-eiförmig und glänzend violett bis braun-purpurfarben, manchmal auch etwas grün oder weißlich gescheckt. Es ist ein 5 bis 7 mm langer, kolbenförmiger, verkümmerter Blütenrest vorhanden. Grannen fehlen. Die Deckspelzen sind kahl, die Hüllspelzen sind braunviolett und oberwärts weißhäutig.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Schmeil und Fitschen2024" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18, ausgehend von der Grundzahl der Gattung Melica von x = 9<ref name="FNA" /> liegt Diploidie vor.

Vorkommen

Das Nickende Perlgras ist in den gemäßigten Zonen Eurasiens verbreitet.<ref name="WCSP" /> In Europa kommt es in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Portugal, Spanien, Island, Litauen, Lettland und Nordmazedonien.<ref name="Euro+Med" /> In den Niederlanden kommt es eingeschleppt vor.<ref name="Euro+Med" /> In Österreich ist das Nickende Perlgras häufig in allen Bundesländern besonders in der collinen Höhenstufe verbreitet. In Deutschland kommt diese Art im Norden zerstreut, im Süden häufig vor. In den Allgäuer Alpen steigt es in Bayern am Gängele nordöstlich Oberstdorf bis zu 1820 m Meereshöhe auf.<ref name="Dörr und Lippert" /> In Graubünden erreicht es auf der Alp Sassnair 2100 Meter.<ref name="Conert1992" />

Das Nickende Perlgras wächst gerne auf Kalk und besiedelt an lichten Stellen in Wäldern gerne die Nordseite („Halbschattengras“). Es gedeiht am besten auf warmen, mäßig feuchten, nährstoffreichen Böden mit schwach saurer Humusauflage, aber auch Blockhalden (Steinböden).

Das Nickende Perlgras ist Charakterart der Klasse der Edel-Laubwälder (Querco-Fagetea). Weitere Hauptvorkommen liegen in der Klasse Vaccinio-Piceetea<ref name="FloraWeb" /> und der Klasse Erico-Pinetea<ref name="Oberdorfer2001" />.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Ökologie

Das Nickende Perlgras ist ein Rhizom-Geophyt oder Hemikryptophyt<ref name="FloraWeb" />. Vegetative Vermehrung erfolgt durch die mehrere Dezimeter langen Ausläufer.<ref name="Düll2011" /> Es wurzelt bis zu 50 Zentimeter tief.<ref name="Oberdorfer2001" />

Blütenökologisch handelt es sich um Windblütigkeit vom „Langstaubfädigen Typ“.<ref name="Düll2011" />

Diasporen (Ausbreitungseinheit) sind die von den glänzenden Spelzen locker umhüllten Karyopsen. Bei der Reife fallen zuerst die oberen Karyopsen heraus; später wird dann die unterste Karyopse mitsamt den Hüllspelzen des Ährchens als Ballonflieger verweht. Die zuerst herausgefallenen Karyopsen unterliegen der Ameisenausbreitung. Die Fruchtreife ist von Juni bis Juli, bei der untersten Blüte bis Oktober.<ref name="Düll2011" />

Taxonomie

Das Nickende Perlgras wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Tomus I, S. 66 als Melica nutans erstbeschrieben.<ref name="Euro+Med" />

Literatur

  • Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Parey, Berlin 2000, ISBN 3-8263-3327-6, S. 402.
  • Jürke Grau, Bruno P. Kremer, Bodo M. Möseler, Gerhard Rambold, Dagmar Triebel: Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsengewächse und grasähnliche Familien Europas (= Steinbachs Naturführer). Neue, bearb. Sonderausgabe Auflage. Mosaik, München 1996, ISBN 3-576-10702-9.
  • Nickendes Perlgras. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum (Abschnitte Beschreibung und Ökologie)

Einzelnachweise

<references> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="FloraWeb"> Nickendes Perlgras. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="FNA">Mary E. Barkworth: Melica. In: </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr und Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 183.</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Conert1992">Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, Seite 463–465. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1992. ISBN 3-489-52020-3.</ref> <ref name="InfoFlora"> Melica nutans L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Euro+Med"> B.Valdés, H.Scholz; with contributions from E. von Raab-Straube & G.Parolly (2009+): Poaceae (pro parte majore). Datenblatt Melica nutans In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Melica. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 308.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Nickendes Perlgras (Melica nutans) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien