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Laktatazidose

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Milchsäureazidose)
Klassifikation nach ICD-10
E87.2 Azidose
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Laktatazidose (aus Laktat und Azidose, auch Laktazidose) beschreibt einen Krankheitszustand mit vermehrtem Gehalt von Laktat (Salze oder Ester der Milchsäure) im Blut und im Gewebe. Der pH-Wert in Gewebe und Blut ist in der Regel vermindert (Azidose), kann aber durch eine respiratorische Alkalose (Hyperventilation) normal sein. Es handelt sich um eine Sonderform der metabolischen Azidose.<ref>Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin. Hrsg.: Gerd Herold. Köln 2021, ISBN 978-3-9821166-0-0.</ref>

Cohen-Woods-Klassifikation

  • Typ A: verminderte Sauerstoffversorgung
  • Typ B: andere Gründe
    • Typ B1: Grundkrankheit
    • Typ B2: Medikament oder Intoxikation
    • Typ B3: angeborene Stoffwechselerkrankung<ref>Woods, Hubert Frank.: Clinical and biochemical aspects of lactic acidosis. Blackwell Scientific Publications, Oxford [England] 1976, ISBN 0-632-09460-5.</ref>

Im Jahr 1976 beschrieben Cohen und Woods im Rahmen einer Monografie, dass im menschlichen Körper ein Gleichgewicht zwischen der Produktion von Milchsäure und dem Verbrauch durch oxidative Verbrennung besteht. Steht in den Zellen zu wenig Sauerstoff zur Verfügung, so kommt es zu einem Rückstau nicht verstoffwechselter Milchsäure (Typ A).<ref>R. D. Cohen, H. F. Woods: Lactic Acidosis Revisited. In: Diabetes. Band 32, Nr. 2, 1. Februar 1983, ISSN 0012-1797, S. 181–191, doi:10.2337/diab.32.2.181.</ref> Dies kann eine allgemeine Störung zum Beispiel bei einem Kreislaufzusammenbruch oder eine lokale Störung zum Beispiel durch einen Gefäßverschluss sein.<ref name="Kraut14">Jeffrey A. Kraut, Nicolaos E. Madias: Lactic Acidosis. In: New England Journal of Medicine. Band 371, Nr. 24, 11. Dezember 2014, ISSN 0028-4793, S. 2309–2319, doi:10.1056/NEJMra1309483.</ref> Auch ohne zellulären Sauerstoffmangel kann eine Laktatazidose entstehen (Typ B), wenn der Stoffwechsel durch bestimmte Chemikalien oder angeborene Stoffwechselerkrankungen gestört ist.

Ursachen

Schock, Sepsis, Polytrauma und deren Kombinationen sind die häufigsten Gründe für eine Laktatazidose.

Eine Laktatazidose kann im Rahmen von Syndromen auftreten, wie bei MLASA.

Diagnostik

Symptome der Laktatazidose sind unter anderem Tachypnoe (erhöhte Atemfrequenz), Tachykardie (Herzrasen), Bewusstseinstrübung sowie Hepatomegalie (Lebervergrößerung).<ref name="Maschmeyer" /> Eine gesicherte Diagnose der Laktatazidose kann nur mittels Laboruntersuchungen gestellt werden. Laktatkonzentrationen können im Vollblut oder im Plasma gemessen werden. Auch eine Messung im Liquor ist möglich.<ref name="Flexikon">Nils Nicolay, Frank Antwerpes, Claudia Bader, Norbert Ostendorf, Natascha van den Höfel, Kai Thomas, Benedikt Hofer, Miriam Dodegge, No, Janica Nolte, Charlotte Braatz, Maxx Schuster, Norbert Ostendorf und Duc Le Viet: Laktat. In: Flexikon. DocCheck, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. Januar 2025; abgerufen am 25. Januar 2025.</ref> Die Blutwerte sind niedriger als die Plasmawerte. Die Blutproben müssen einen Glykolyse-Inhibitor enthalten, weil sonst zusätzliche Milchsäure gebildet wird.<ref name="Flexikon" /> Auch längeres Stauen vor dem Blutabnehmen erhöht durch die entstehende Hypoxie den Laktatspiegel. Normale Werte im venösen Blut sind 4,5–20 mg/dl bzw. 0,5–2,2 mmol/l.<ref name="Flexikon" /> Für die Diagnose Laktatazidose ist ein erniedrigter pH-Wert des Blutes nicht zwingend erforderlich. Der pH-Wert wird häufig respiratorisch normalisiert.<ref name="Kraut14" />

Prognose

Die Laktatazidose ist mit einer schlechten Prognose verbunden. Besonders hoch ist das Sterberisiko von Patienten mit Laktatazidose in Kombination mit einer Sepsis oder einer Kreislaufdepression.<ref>Kyle J. Gunnerson, Melissa Saul, Shui He, John A. Kellum: Lactate versus non-lactate metabolic acidosis: a retrospective outcome evaluation of critically ill patients. In: Critical Care (London, England). Band 10, Nr. 1, Februar 2006, ISSN 1466-609X, S. R22, doi:10.1186/cc3987, PMID 16507145, PMC 1550830 (freier Volltext).</ref> Je höher der Grad der Laktatazidose, umso höher ist das Sterberisiko.<ref>Alistair D. Nichol, Moritoki Egi, Ville Pettila, Rinaldo Bellomo, Craig French: Relative hyperlactatemia and hospital mortality in critically ill patients: a retrospective multi-centre study. In: Critical Care (London, England). Band 14, Nr. 1, 2010, ISSN 1466-609X, S. R25, doi:10.1186/cc8888, PMID 20181242, PMC 2875540 (freier Volltext).</ref>

In schweren Fällen kann die Laktatazidose bis zum Schock und Versagen der Nierenfunktion führen.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary: Laktatazidose – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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