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Carl Millöcker

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Carl Millöcker, 1865

Carl Joseph Millöcker (auch: Karl Millöcker)<ref>Millöcker, Vorname hier „Karl“ Abgerufen am 8. Juni 2011.</ref> (* 29. April 1842 in Wien (Laimgrube); † 31. Dezember 1899 in Baden bei Wien)<ref name="bzt|03|01|1900|04">Local-Nachrichten. Carl Millöcker †. In: Badener Zeitung, 3. Jänner 1900, S. 04 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bzt</ref> war ein österreichischer Operettenkomponist.

Leben und Wirken

Datei:Wohn--und-Sterbehaus-Carl-Millöckers-(010315).jpg
Wohn- und Sterbehaus, Baden bei Wien, Conrad-von-Hötzendorf-Platz 8 (früher: Bahnhofplatz 8)<ref group="Anm.">Das Mietwohnhaus, entworfen und ausgeführt vom Badener Stadtbaumeister Josef Schmidt (1838–1910), war erst 1897 fertiggestellt worden und hieß bei Millöckers Einzug (im zweiten Obergeschoß) Komarek’sches Haus, da der Bauherr, Karl Komarek, im Behördenverfahren und danach durch Vertreter des Gemeinderats öffentlich kritisiert worden war. – Siehe: Local-Nachrichten. (…) „Zawrzelhaus“ – „Komarekhaus“. In: Badener Zeitung, Nr. 69/1898 (XVIII. Jahrgang), 27. August 1898, S. 2 f. (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bzt
Als Anschnitt rechts: unter selber Adresse von Carl Michael Ziehrer (1843–1922) vor dem Ersten Weltkrieg genutztes, 1889 ebenfalls von Stadtbaumeister Schmidt erbautes Wohnhaus (Stöckl), das ursprünglich zur Verbreiterung des Gassenportals hätte abgerissen werden sollen.</ref>
Datei:Karl Millöckers Grab am Ortsfriedhofs St. Helena (Baden).png
Carl Millöckers Grab am Ortsfriedhof St. Helena (Baden) nach einer Zeichnung von Johannes Mayerhofer im Illustrirten Wiener Extrablatt vom 28. Oktober 1900
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Grabstätte von Carl Millöcker auf dem Wiener Zentralfriedhof

Carl Millöcker, Sohn des Goldarbeiters Carl Franz Millöcker und dessen Frau Maria, geb. Laber, begann schon in frühen Jahren mit dem Spielen der Flöte. Er war Schüler des Konservatoriums der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (heute Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) und wurde bereits mit 16 Flötist im Theater in der Josefstadt unter Franz von Suppè. Auf dessen Empfehlung wurde er 1864 als Theaterkapellmeister am Thalia-Theater in Graz engagiert, wo er seine ersten (einaktigen) Operetten Der tote Gast und Die lustigen Binder zur Ausführung brachte. In gleicher Eigenschaft kam er 1866 an das Harmonietheater in Wien, wo er die Bekanntschaft mit Ludwig Anzengruber machte. In Wien hatte er u. a. den Einakter Diana auf die Bühne gebracht (1867 im Harmonietheater), ein vollendetes gemeinsames Werk mit Anzengruber kam jedoch wegen der wirtschaftlichen Situation des Theaters nicht auf die Bühne; danach war er kurze Zeit am deutschen Theater in Pest tätig. Dort hatte u. a. seine dreiaktige Operette Die Fraueninsel Premiere.

Im Jahre 1869 wurde er als Zweiter Kapellmeister ans Theater an der Wien berufen. Diese Stelle bekleidete er, bis es ihm der Erfolg des Bettelstudenten ab dem Jahr 1883 ermöglichte, als freischaffender Komponist zu leben. Während dieses Zeitraums schrieb er außer einer großen Anzahl von Possenmusiken eine Reihe von Operetten, wie: Der Regimentstambour (1869), Ein Abenteuer in Wien (1870), Das verwunschene Schloß (mit Gesängen in oberösterreichischer Mundart, 1877), Gräfin Dubarry (1879, Neufassung von Theo Mackeben als Die Dubarry 1931), Apajune, der Wassermann (1880), Die Jungfrau von Belleville (1881) und endlich den unzählige Male aufgeführten Bettelstudenten (1882), der Millöckers Ruf vorzugsweise begründete, und dem Gasparone (1884), Der Feldprediger (1885), Die Sieben Schwaben (1887), Der arme Jonathan (1890), Das Sonntagskind (1892), Der Probekuß (1894) und Nordlicht (1896) nachfolgten.

Unter dem Titel Musikalische Presse gab Millöcker von September 1873 bis Dezember 1875 Monatshefte mit Klaviermusik heraus, darunter auch eigene Klavierstücke. Im 2. Jahrgang veröffentlichte er erstmals Mozarts Ballettmusik zur Pantomime Les petits riens (KV 299b).

Millöcker war Freimaurer. Er wurde 1875 in die Loge „Zukunft“ in Pressburg (heute: Bratislava) aufgenommen.

Millöcker hatte, laut Aufzeichnungen in seinem Tagebuch, am 8. Jänner 1892 einen „leichten Schlaganfall“ erlitten. Von 1891 bis 1899 verbrachte er mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau, Caroline Hofschneider († 7. Dezember 1901 in Liesing), sowie „Köchin und Stubenmädchen“ die Monate Mai bis spätestens Oktober in Baden bei Wien in einem ehemaligen, nahe der Weilburg in der Albrechtsgasse 6 gelegenen „Hauerhäuschen“, dessen großen Garten er mit tropischen wie mediterranen Pflanzen „verschönerte“<ref name="Ehrmann" /> und wo er in den Jahren seines Aufenthalts die Musik zu seinen zwei letzten Operetten schrieb.<ref>† Karl Millöcker. In: Neue Freie Presse, 2. Jänner 1900, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nfp</ref> Nach dem im September 1899 gefassten Beschluss, nicht nach Wien zurückzukehren, bezog Millöcker „eine für den Winteraufenthalt geeignetere, dem Bahnhof näher gelegene Wohnung“ am Bahnhofplatz Nr. 8 (heute: Conrad-von-Hötzendorf-Platz 8); – dem kommenden „Trauerhaus“.<ref name="Ehrmann">Alfred Ehrmann: Millöckers letzte Tage.. In: Badener Zeitung, 4. Jänner 1930, S. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bzt</ref>

Tod und Nachlass

Datei:Gedenktafel-Wohn--und-Sterbehaus-Carl-Millöckers-(010315).jpg
Gedenktafel aus 1925 am Wohn- und Sterbehaus in Baden bei Wien

Am 29. Dezember 1899 erlitt Millöcker einen ihn halb lähmenden Schlaganfall,<ref>Local-Nachrichten. Capellmeister Carl Millöcker. In: Badener Zeitung, 30. Dezember 1899, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bzt</ref><ref>Kleine Chronik. Karl Millöcker. In: Neue Freie Presse, 30. Dezember 1899, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nfp</ref> an dessen Folgen er gegen 2:30 Uhr am 31. Dezember 1899 verstarb.<ref>Carl Millöcker †. In: Deutsches Volksblatt, 2. Jänner 1900, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dvb</ref>

„Aus dem ehedem so glänzenden Dreigestirn der Wiener Operette Suppé [sic!], Johann Strauß, Millöcker ist jetzt auch der letzte Name erloschen. Die erste musikalische Trauerbotschaft des neuen Jahres verkündet den in Baden bei Wien am 31. December 1899 erfolgten Tod Carl Millöcker's. Seinem großen Collegen Johann Strauß ist Millöcker kaum sieben Monate später in das Grab nachgefolgt. Kein so espritvoller, feiner Kopf wie Suppé, keine geniale Vollblutsnatur wie Strauß, besaß doch auch Millöcker seine Eigenart: ein ungemein liebenswürdiges, graciöses, in der Wiener Volksthümlichkeit wurzelndes melodisches Talent.“

Nachruf in Signale für die musikalische Welt 1900, Nr. 6<ref>Carl Millöcker.Signale für die musikalische Welt, Jahrgang 1900, S. 94 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/smw</ref>

Millöcker – der letzte Komponist aus dem Dreigestirn Suppè-Strauß-Millöcker<ref name="bzt|03|01|1900|04" /> – wurde am 2. Jänner 1900 nach einer Trauerfeier in der protestantischen Kirche, Baden, in der Kapelle des Ortsfriedhofs St. Helena eingesegnet<ref>Local-Nachrichten. Millöcker †. In: Badener Zeitung, 6. Jänner 1900, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bzt</ref> und dort am 7. Jänner 1900 „provisorisch“ bestattet.<ref>Beisetzung der Leiche des Componisten Carl Millöcker. In: Badener Zeitung, 10. Jänner 1900, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bzt</ref> Die Umbettung in das ihm auf dem Wiener Zentralfriedhof zugedachte Ehrengrab (Gruppe 32 A, Nummer 35)<ref>Hedwig Abraham: Carl Millöcker. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 8. September 2011.</ref> erfolgte am 27. Oktober 1900;<ref name="bzt|01|01|1930|2">Der dreißigste Todestag Carl Millöckers. In: Badener Zeitung, Nr. 1/1930, 1. Jänner 1930, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bzt</ref> das Grabdenkmal schuf der Bildhauer Josef Tuch.<ref>Hedwig Abraham: Carl Millöcker In: viennatouristguide.at.</ref>

Millöcker, der am 7. Juli 1865 in Graz die Koloratursängerin Karoline Kling (1844–1874) geheiratet hatte und sich von dieser nach einem Jahr trennte, bestimmte als Universalerbin seine zweite Frau, Caroline;<ref>† Karl Millöcker. In: Neue Freie Presse, 2. Jänner 1900, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nfp</ref> per testamentarischer Verfügung hinterließ er sämtliche seiner Originalpartituren dem Badener städtischen Museum.<ref>Local-Nachrichten. Eine wertvolle Bereicherung. In: Badener Zeitung, 10. Jänner 1900, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bzt</ref> Ein weiterer Teil seines Nachlasses gelangte nach dem Tod seiner Tochter Emma Gärdtner 1956 in die Wienbibliothek im Rathaus.

Auszeichnungen, Ehrungen, Preise (Auswahl)

Datei:Agnes Palmisano Trio – I und mei Bua (aus „Drei Paar Schuhe“) Live Brigittenau 2025.ogg
Lied aus Carl Millöckers Operette „Drei Paar Schuhe“ (1871), Trio-Arrangement 2025

Werke

Bühnenwerke
Titel Gattung Akte Libretto Uraufführung Ort, Theater
Der tote Gast Operette 1 Akt Ludwig Harisch, nach einer Romanze von Heinrich Zschokke 11. Februar 1865 Graz, Thalia-Theater
Die beiden Binder Operette 1 Akt Gustav Stoltze 21. Dezember 1865 Graz, Thalia-Theater
Diana Operette 1 Akt Josef Braun 2. Jänner 1867 Wien, Harmonietheater
Der Sackpfeifer Operette 1 Akt Ludwig Anzengruber 19. September 2015 Strasshof, KUMST
Der Dieb Operette 1 Akt Alois Berla 1868/1869 Pest (Stadt), Deutsches Theater Pest
Die Fraueninsel Operette 3 Akte Cogniard nach Le royaume des femmes von Théodore und Hippolyte Cogniard 1868/1869 Pest, Deutsches Theater
Der Regiments-Tambour Operette 2 Akte Heinrich Börnstein 23. Oktober 1869 Wien, Theater in der Josefstadt
Abenteuer in Wien Singspiel 3 Akte Alois Berla 20. Jänner 1873 Wien, Theater an der Wien
Das verwunschene Schloß Operette 5 Akte Alois Berla 30. März 1878 Wien, Theater an der Wien
Gräfin Dubarry (1931 in Berlin umbenannt in Die Dubarry) Operette 3 Akte Richard Genée und F. Zell 31. Oktober 1879 Wien, Theater an der Wien
Apajune, der Wassermann Operette 3 Akte Richard Genée und F. Zell 18. Dezember 1880 Wien, Theater an der Wien
Die Jungfrau von Belleville Operette 3 Akte Richard Genée und F. Zell, nach La pucelle de Belleville von Paul de Kock 29. Oktober 1881 Wien, Theater an der Wien
Der Bettelstudent Operette 3 Akte Richard Genée und F. Zell, nach Fernande von Victorien Sardou, und Le Guitarréro von Halévy/Eugène Scribe 6. Dezember 1882 Wien, Theater an der Wien
Gasparone Operette 3 Akte Richard Genée und F. Zell 26. Jänner 1884 Wien, Theater an der Wien
Der Feldprediger Operette 3 Akte Hugo Wittmann und Alois Wohlmuth, nach Das seltsame Brautgemach von Gustav Schilling 31. Oktober 1884 Wien, Theater an der Wien
Der Vice-Admiral Operette 1 Prolog und 3 Akte Richard Genée und F. Zell 9. Oktober 1886 Wien, Theater an der Wien
Die sieben Schwaben Volksoper 3 Akte Hugo Wittmann und Julius Bauer 29. Oktober 1887 Wien, Theater an der Wien
Der arme Jonathan Operette 3 Akte Hugo Wittmann und Julius Bauer 4. Jänner 1890 Wien, Theater an der Wien
Das Sonntagskind Operette 3 Akte Hugo Wittmann und Julius Bauer 16. Jänner 1892 Wien, Theater an der Wien
Der Probekuss Operette 3 Akte Hugo Wittmann und Julius Bauer 22. Dezember 1894 Wien, Theater an der Wien
Das Nordlicht Operette 3 Akte Hugo Wittmann 2. Dezember 1896 Wien, Theater an der Wien
Cousin Bobby
Pasticcio arrangiert von Ernst Reiterer
Operette 3 Akte Benno Jacobsohn und Franz Wagner, Bearbeitung von Bertram Sänger 1906 Wien
Sonstige Werke

Neben seinen über 100 Bühnenwerken (Operetten, Singspiele, Musik zu Possen etc.) komponierte Millöcker Klavierstücke, etwa 90 Lieder, Tänze und Märsche, Chöre, Kammermusik und arrangierte Musik anderer Komponisten für Orchester, Klavier (zwei- und vierhändig) bzw. Kammermusikbesetzungen.

Literatur

  • Theophil AntonicekMillöcker Karl. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 6, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1975, ISBN 3-7001-0128-7, S. 307.
  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 4. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00546-9.
  • Christa Harten: Millöcker, Carl. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 17. Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
  • Eusebius MandyczewskiMillöcker, Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 52, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 409 f.
  • Norbert Rubey: Millöcker, Carl. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3045-7 (Druckausgabe: Band 3. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3045-7).
  • Cornelius Preiß: Versuch einer Biographie Millöckers. In: Wochenschrift für Kunst und Musik. Band III.1904/05, Nummer 1–25. Holzwarth & Berger, Wien 1905.
  • Edmund Nick: Vom Wiener Walzer zur Wiener Operette. Sikorski-Verlag, Hamburg 1954.
  • Anton Bauer: Opern und Operetten in Wien. Böhlau, Wien 1955.
  • Fritz Racek: Das Tagebuch Carl Millöckers. Wiener Schriften Heft 30, Wien 1969, S. 137–236.
  • Alfred Willander: Musikgeschichte der Stadt Baden. 1. Auflage. Weilburg-Verlag, Baden 1980.
  • Norbert Rubey: Carl Millöcker und Baden. Beethovenhaus Baden, Ausstellung ’92. Kulturamt der Stadtgemeinde Baden, Baden 1992.
  • Martin Trageser: Carl Millöckers Leben und Werk im Spiegel der zeitgenössischen Presse, Königshausen & Neumann, Würzburg 2024, ISBN 3-8260-8715-1
  • Viktor Wallner: Die „leichte“ Muse in Baden – Karl Millöcker, Karl Zeller, Karl Komzák. Neue Badener Blätter, Band 3,1. Gesellschaft der Freunde Badens und Städtische Sammlungen – Archiv, Rollettmuseum der Stadtgemeinde Baden, Baden 1992.
  • Alfred Willander: Baden bei Wien – Stadt der Musik. Kral, Berndorf 2007, ISBN 978-3-902447-23-4.

Weblinks

Commons: Carl Millöcker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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Einzelnachweise

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