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Namtaru

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(Weitergeleitet von Namtar)

Namtaru (sum. dnam.tar, dna-ám-tar, akkad. Namtaru, dnam-ta-ru, NAM.TAR, líl-lá-da-ra) ist ein sumerischer und akkadischer Unterweltsgott. Der Name bedeutet auf sumerisch „Schicksal“. In der älteren Literatur wird er gelegentlich als Gott der Pest betrachtet.<ref>Karl Sudhoff, Julius Pagel, Kurzes Handbuch der Geschichte der Medizin, Karger 1922</ref>

Funktion

Namtaru ist, zusammen mit Nergal, Gilgameš, Nin[…], Dumuzi, Ningišzida und seiner Frau Ḫušbiša einer der sieben Unterweltsgötter (lugal kurra) aus dem Ur-Nammu-Text, von denen jeder in einem eigenen Palast wohnt<ref>S. N. Kramer: The Death of Gilgamesh. Bulletin of the American Schools of Oriental Research Nr. 94, 1944, S. 6</ref>. Namtaru ist der Wesir der Unterwelt (sukallu irsiti)<ref>John Barclay Burns: The Identity of Death’s First-Born (Job XVIII 13). Vetus Testamentum Nr. 37, Bd. 3 1987, S. 362–364</ref>, manchmal gilt er auch als der Wesir von Ereškigal (Mythos von Nergal und Ereškigal), von Nergal, oder ein Pestgott (Atraḫasīs-Mythos). Er trägt den Beinamen „Er, der alle Schicksale entscheidet“ (lú nam-tar ta-ra)<ref>Tod des Ur-Nammu</ref>, „großer Dämon des Grabes“ und „Läufer der Götter“ (lâsim ilī). Er herrscht in dem Land ohne Wiederkehr<ref> J. Klein, Lemma Namtar, in Erich Ebeling, Bruno Meissner, Dietz Otto Edzard (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie: Nab-Nuzi. de Gruyter, Berlin, S. 144</ref>. Sein Mund ist mit Gift gefüllt. Er bringt Krankheiten, Herzschmerzen und Kopfschmerzen.

Der Mythos von Inannas Gang in die Unterwelt beschreibt die Unterwelt, der Ort, wo Namtar lebt: Es gibt Essen, aber es ist nicht essbar, es gibt Wasser, aber es ist nicht trinkbar, Kunst und Handwerk sind unbekannt, Lippen sind blutbedeckt<ref>BM 100046, 51–59; Samuel Noah Kramer, The Death of Dumuzi: A New Sumerian Version. Anatolian Studies 30 (Special Number in Honour of the Seventieth Birthday of Professor O. R. Gurney) 1980, 6</ref>.

Im Mythos von Nergal und Ereškigal ist Namtar der Bote der Ereškigal. Als Nergal ihn beleidigt, indem er nicht vor ihm aufsteht, muss er sich vor der Unterweltsgöttin rechtfertigen.

In exorzistischen Texten gilt Namtaru als Dämon<ref> J. Klein, Lemma Namtar, Erich Ebeling, Bruno Meissner, Dietz Otto Edzard (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie: Nab-Nuzi. de Gruyter, Berlin, S. 144</ref>. In dieser Erscheinungsform tritt er oft zusammen mit Asag auf.

Familie

Namtaru ist der Sohn von Mardu'alanki und der Gatte von Ḫušbiša (sumerische Form des hethitischen Hupisna/Hubišna, Region südwestlich des Urmiasee). Ihre Tochter ist Ḫedimmeku (hethitisch Ḫedammu, hurritisch Apše), diese wird allerdings auch als Tochter Enkis geführt (An-Anum-Mythos). Vereinzelt gilt Namtaru auch als Sohn von Enki und Ereškigal (Udug-ḫul)<ref> K. Tallqvist: Sumerische Akkadische Namen der Totenwelt. Helsinki, 1934, S. 12 ff., 88</ref>. Ein später Text nennt [Na]mtartu als seine Gattin<ref> J. Klein, Lemma Namtar, Erich Ebeling, Bruno Meissner, Dietz Otto Edzard (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie: Nab-Nuzi. de Gruyter, Berlin, S. 143</ref>. Manchmal wird auch Enki als Namtar oder großer Namtar angerufen<ref> J. Klein, Lemma Namtar, in Erich Ebeling, Bruno Meissner, Dietz Otto Edzard (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie: Nab-Nuzi. de Gruyter, Berlin, S. 145</ref>. Das alles symbolisiert wohl die wechselnden Machtverhältnisse in Obermesopotamien.

Geschichte

Namtaru ist in Schriften seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. bezeugt. John Barclay Burns will in dem "erstgeborenen Sohn des Todes" des Buches Hiob (Hiob 18, 13), der den Gottlosen verzehrt, den Namtaru sehen<ref>John Barclay Burns: The Identity of Death’s First-Born (Job XVIII 13). Vetus Testamentum Nr. 37, Bd. 3 1987, S. 362–364</ref>. Es wurde jedoch auch eine Identifikation mit Rešef oder Mot erwogen<ref>Nicolas Wyatt: The Expression bekôr māwet in Job XVIII 13 and its mythological Background. Vetus Testamentum Nr. 40, Bd. 2 1990, S. 207–216</ref>. Bei der Namtar-Pflanze (NAM.TAR.(IRA)) handelt es sich vielleicht um die Mandragora<ref>R. Campbell Thompson: On Mandrake and Tragacanth in Cuneiform. Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland Nr. 1, 1926, S. 100</ref>. Hier ist jedoch unklar, ob sich der Name auf den Gott oder abstrakt auf das Schicksal bezieht.

Adaption

Namtar wird in Thomas Manns Roman Joseph und seine Brüder erwähnt, zusammen mit anderen Dämonen wie Labartu. Ebenso spielt er eine Rolle in Markus HeitzAERA – Die Rückkehr der Götter.

Literatur

  • John Barclay Burns: Namtaru and Nergal: Down but Not out: A Reply to Nicolas Wyatt. Vetus Testamentum, Nr. 43, Vol. 1, 1993, S. 1–9.
  • J. Klein in Erich Ebeling, Bruno Meissner, Dietz Otto Edzard (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie: Nab-Nuzi. de Gruyter, Berlin, S. 142–145.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />