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Narrenruf

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(Weitergeleitet von Narrengruß)

Mit einem Narrenruf begrüßen sich die aktiven Narren und Jecken bei Karneval, Fastnacht und Fasching sowie der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Diese Rufe sind in den jeweiligen Karnevalshochburgen unterschiedlich.

Gebrauch

Narrenrufe bestehen im Regelfall aus zwei Teilen, wobei der erste Teil (Vorlage) meist ein zu würdigender Eigenname (vorwiegend der Name der Karnevalshochburg) ist, dieser wird vom Vorrufer angegeben. Der zweite Teil ist die Antwort auf den ersten Teil und stellt häufig den eigentlichen Narrenruf dar, dieser wird von der anwesenden Narrenschar mitgetragen.<ref name=":1">Schwäbisch-alemannische Fastnacht — Haldenwanger Gaudi e.V. 30. November 2013, abgerufen am 16. Februar 2026.</ref>

Am Beispiel von Helau seien hier einige Verwendungsarten von Narrenrufen dargestellt:

  • als einfach zweigeteilter Ruf: „He – lau!“
  • als zweifacher Ruf: „(Karnevalshochburg, z. B. „Mainz“) – Helau!“
  • als dreifach abgeändert wiederholter Ruf:
    „Darauf ein dreifach kräftiges/schallendes/donnerndes“ (zuweilen auch: „kräftig schallendes/donnerndes“):
    „(Karnevalshochburg) → Helau!“
    Karneval → Helau!“.

Beispiele von Narrenrufen

Alaaf

Vor der Fassade des Kölner Doms sind rote und weiße, ca. 1,50 m hohe Buchstaben aufgestellt, die das Wort „Alaaf“ bilden.
Schriftzug „Alaaf“ vor der Westfassade des Kölner Doms

Alaaf ist ein ursprünglich Kölner Ausruf, Lob- und Trinkspruch sowie der Narrenruf im Kölner, Aachener, Bonner und Leverkusener Karneval. Er wird in einem Gebiet vom Bergischen Land südlich der Wupper bis in den Selfkant und in den Aachener Raum im Westen verwendet. In den Süden reicht das Verbreitungsgebiet bis zur Nord- und Ahreifel bis an das Neuwieder Becken mit Remagen und Neuwied.<ref name=":0">„Alaaf“ und „Helau“. In: dat-portal.lvr.de. Landschaftsverband Rheinland (LVR), abgerufen am 15. Dezember 2024.</ref>

Erste Belege für Alaaf als feste Wendung finden sich auf Bartmannskrügen, unter anderem auf einem auf das zweite Drittel des 16. Jahrhunderts datierten Exemplar mit der Aufschrift AllAf fur einen goden druinck (Es geht nichts über einen guten Trunk).<ref name=":0" /> Eine Formulierung, die „Kölle Alaaf“ ähnelt, wurde erstmals im Jahr 1635 schriftlich erwähnt. Sie findet sich in einer Bittschrift des in Köln geborenen Geheimrats Metternich zur Gracht an seinen Kurfürsten Franz Wilhelm von Wartenberg.<ref name="hilgers2008">Heribert A. Hilgers: Alaaf – Zur Geschichte eines kölnischen Hochrufs. S. 66–71 und 200 in „wir im rheinland“ – Magazin für Sprache und Alltagskultur. 26. Jahrgang, Heft 1–2/2008. Herausgegeben vom Landschaftsverband Rheinland, J. P. Bachem-Verlag, Köln. ISSN 1862-6874, ISBN 978-3-7616-2182-0.</ref> 1748 wurde „Allaff Cöllen“ in Kölner Universitätsakten als „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)“ – jener alte, allgemein verbreitete Spruch – bezeichnet.<ref name="hilgers2008" />

Der Narrenruf wird in der Regel zweigeteilt genutzt: Der Vorrufer etwa ruft „Kölle“ (Köln) oder „Ooche“ (Aachen), und das Publikum antwortet mit „Alaaf“. Der erste Teil kann (auch wechselweise) zum Beispiel der Ort sein, in dem gefeiert wird, der Büttenredner, der gerade gesprochen hat, oder die Band, die just musiziert hat. Das geschieht dreimal.<ref>Alaaf-Schriftzug. In: koelnerkarneval.de. Gemeinnützige Gesellschaft des Kölner Karnevals mbH, abgerufen am 20. Dezember 2024.</ref> Damit verbunden ist in der Regel eine dreimalige Bewegung der rechten Hand vom Herzen aus nach rechts oben.

Helau

Datei:FGO Prinzenpaar 2014 20140304 143519.jpg
Narrenruf „Helau“ des Obertiefenbacher Prinzenpaares, 2014

Der Ruf „Helau“ ist in vielen Karnevalshochburgen verbreitet. Oft wird er auch mit „ll“ geschrieben. Über seine Entstehung gibt es zahlreiche Erklärungsversuche: Am Niederrhein soll das „Helau“ einmal ein Hirtenruf gewesen sein. Eine weitere Deutung leitet „Helau“ von Halleluja ab. Manche behaupten, dass „Helau“ auch „Hölle auf“ oder „hel auf“ (Hel = germanische Göttin der Unterwelt, hieraus hat sich Hölle entwickelt) bedeuten kann; denn Karneval werde schon seit sehr langer Zeit gefeiert, um den Winter und die bösen Geister, die bei der Öffnung der Hölle auf die Erde kamen, zu vertreiben. Solche Verortungen einzelner Fastnachtstraditionen in die vorchristliche Zeit werden jedoch von der Kulturwissenschaft seit Mitte des 20. Jahrhunderts durchweg abgelehnt.

Ahoi

Im Norddeutschen und teilweise in der Pfalz/Kurpfalz, vereinzelt im Badischen und Bayerischen, ruft man „Ahoi“. Der Ursprung liegt in der Schifffahrt: Die Mannschaft des Narrenschiffs im Karnevalsumzug begrüßt das närrische Volk am Straßenrand mit „Ahoi“ und wird mit demselben Ruf zurückgegrüßt. In Wasungen wird der Stadtname auf Plattdeutsch („Woesinge“) mit einem nachfolgenden „Ahoi“ gerufen. Hier liegt der Ursprung in der Flößerei auf der Werra, was früher eine der großen Ertragsquellen war.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Karneval in Wasungen (Memento vom 10. Dezember 2007 im Internet Archive)</ref>

Narri–Narro

In der schwäbisch-alemannischen Fasnet gibt es in jedem Ort bzw. für jede Narrenzunft einen eigenen Narrenruf. Einige davon sind jedoch an mehreren Orten gebräuchlich; der häufigste Narrenruf ist „Narri–Narro“.<ref name=":1" />

Weblinks

Wiktionary: Narrenruf – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />