Ainkhürn
Ainkhürn (wörtlich „Ein-Gehörn, Horn des Einhorns“) ist die Bezeichnung für das Horn eines Einhorns (lateinisch<ref>Vgl. Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 158.</ref> Unicornu), dem Legenden zufolge diverse Heil-, Reinigungs- und Schutzwirkungen nachgesagt wurden. In der Realität waren Exemplare davon oft Stoßzähne eines Narwals, da ihre natürliche, spiralförmige Kerbung praktisch deckungsgleich war mit Illustrationen vom Ainkhürn im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Die nachgesagten magischen Eigenschaften machten das Ainkhürn zu einem der kostbarsten Materialien überhaupt und wurde oft auch für Herrscherinsignien verwendet.
Mythologie
Das mythische Einhorn war für den Jäger nicht fassbar, legte jedoch seinen Kopf zutraulich in den Schoß einer Jungfrau. Daher sah man in ihm das Symbol Mariens, der Jungfrau, der Unschuld und der unbefleckten Empfängnis. Das Horn wurde zum Symbol göttlicher Macht, dem größte Heilswirksamkeit zugeschrieben wurde.
Beispiele
Erwähnenswerte Objekte aus Ainkhürn sind der Thron der Könige von Dänemark auf Schloss Rosenborg in Kopenhagen, Zepter und Reichsapfel des Kaisertums Österreich (siehe Österreichische Kaiserkrone) sowie ein Schwert aus dem Besitz Karls des Kühnen, das in der Wiener Hofburg aufbewahrt wird.
Ebenfalls in der Schatzkammer der Hofburg befindet sich ein ganzer Narwalzahn, der einfach nur „Ainkhürn“ genannt wird. Er ist ein Geschenk des polnischen Königs Sigismund II. August an den römisch-deutschen König und späteren Kaiser Ferdinand I. aus dem Jahr 1540. Zusammen mit der Achatschale gehört er zu den „unveräußerlichen Erbstücken des Hauses Habsburg“. Bei der Erbteilung nach dem Tod Ferdinands I. wurde vereinbart, dass diese beiden Objekte im gemeinsamen Besitz aller Linien bleiben sollen und auch nicht verschenkt oder verkauft werden dürfen.<ref>Rudolf Distelberger: Das «Ainkhürn» (Einhorn), in: Kunsthistorisches Museum Wien (Hrsg.): Die geistliche und weltliche Schatzkammer, Wien 2000, S. 114</ref>
Auch im Markusdom von Venedig gibt es zwei Narwalzähne, die im Zuge des Vierten Kreuzzuges aus Konstantinopel mitgebracht wurden.
Heilwirkung
Der hohe Wert des Ainkhürns – zeitweilig das Zehnfache von Gold – erklärt sich nicht nur aus seiner Seltenheit, sondern vornehmlich aus seiner vermeintlichen Eigenschaft als Mittel gegen Vergiftung, eine in Herrscherhäusern allgegenwärtige Bedrohung. Man nahm an, dass die natürliche Abscheu des Einhorns vor jeglicher Unreinheit bewirke, dass das Horn bei Anwesenheit von Giften anfange zu schwitzen. Daher hatten Diener vor dem Servieren der Speisen diese mit dem Ainkhürn, dem Bezoar oder der Natternzunge, denen gleiche Wirkung zugeschrieben wurde, zu berühren.<ref>Louis Lewin: Die Gifte in der Weltgeschichte. Toxikologische allgemeinverständliche Untersuchungen der historischen Quellen. Parkland, Köln 2000, ISBN 3-88059-972-6, S. 43–44.</ref> Um die giftneutralisierende Wirkung zu erreichen, wurden auch Tafelaufsätze und Trinkgefäße aus Narwalzahn hergestellt. Kaiser Rudolf II. ließ sich aus Furcht vor einer Vergiftung von seinem Hofgoldschmied Jan Vermeyen einen kostbar mit Gold und Edelsteinen gefassten Trinkbecher aus Ainkhürn fertigen, heute im Bestand des Kunsthistorischen Museums Wien.
Literatur
- Philippe Cordez: Materielle Metonymie. Thomas von Cantimpré und das erste Horn des Einhorns. In: Bildwelten des Wissens. Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik. Bd. 9, Nr. 1 = Präparate, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|1611-2512|0}}{{#ifeq:1|0|[!]
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}}, 2012, S. 85–92.
- Guido Schönberger: Narwal-Einhorn. Studien über einen seltenen Werkstoff. In: Städel-Jahrbuch. Bd. 9, 1935/1936, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0585-0118|0}}{{#ifeq:1|0|[!]
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}}, S. 167–247, hier S. 173ff., Abb. 190–192.
Weblinks
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Einzelnachweise
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