Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Kanadische Orangenwurzel – Wikipedia Zum Inhalt springen

Kanadische Orangenwurzel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Orangenwurzel)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Kanadische Orangenwurzel
Datei:Hydrastis canadensis - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-209.jpg

Kanadische Orangenwurzel (Hydrastis canadensis), Illustration

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Hydrastidoideae
Gattung: Hydrastis
Art: Kanadische Orangenwurzel
Wissenschaftlicher Name der Unterfamilie
Hydrastidoideae
Raf.
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Hydrastis
L.
Wissenschaftlicher Name der Art
Hydrastis canadensis
L.

Die Kanadische Orangenwurzel (Hydrastis canadensis), auch Goldsiegelwurzel oder Kanadische Gelbwurz genannt, ist die einzige Pflanzenart der Gattung Hydrastis und der Unterfamilie Hydrastidoideae in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Merkmale

Die Kanadische Orangenwurzel ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 50 Zentimeter erreicht. Es wird ein dickes, gelbes, kriechendes Rhizom als Überdauerungsorgan ausgebildet. Jeder aufrechte, unverzweigte Stängel besitzt ein hinfälliges einfaches Grundblatt, zwei Stängelblätter und eine endständige Blüte. Die Blattspreite der zwei Stängelblätter ist handförmig drei (selten bis neun) -lappig bis -teilig und hat zur Fruchtzeit eine Breite bis 25 Zentimeter. Der Blattrand ist gesägt.

Datei:Hydrastis vision general.jpg
Habitus mit den Laubblättern und einer Blüte
Datei:Hydrastis canadensis - goldenseal - desc-flower front view.jpg
Die Staubblätter sind bei der Blüte am auffälligsten
Datei:Hydrastis fruit.jpg
Sammelfrucht

Die zwittrige, radiärsymmetrische Blüte weist einen Durchmesser von 8 bis 18 mm auf. Die Blütenhülle ist einfach. Die drei hinfälligen Blütenhüllblätter sind grünlich-weiß oder rosa und 3,5 bis 7 mm groß. Es sind zahlreiche (50 bis 75) Staubblätter mit weißen Staubfäden vorhanden; sie sind der auffälligste Teil der Blüte und weisen eine Länge von 4 bis 8 mm auf. Die fünf bis fünfzehn Fruchtblätter sind frei und enthalten jeweils zwei Samenanlagen. Die Narbe ist zweilappig.

Die roten, meist zweisamigen, 10 bis 15 × meist 8 bis 15 (selten bis 20) mm großen Beeren sind zu sitzenden, kopfigen Sammelfrüchten zusammengefasst, die eine Größe von etwa 0,6 bis 1 mm aufweisen. Die glatten, schwarzen Samen sind 2,5 bis 4,5 mm groß.

Die Blütezeit liegt im Mai.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 26.<ref name="IPCN" />

Vorkommen

Die Kanadische Orangenwurzel kommt im warmen bis gemäßigten östlichen Nordamerika in sommergrünen Laubwäldern in Höhenlagen bis 1200 Meter vor. Sie wächst oft auf Lehmböden. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Ontario, Alabama, Arkansas, Connecticut, Delaware, Georgia, Illinois, Iowa, Kentucky, Maryland, Massachusetts, Michigan, Minnesota, Missouri, New Jersey, New York, North Carolina, Ohio, Pennsylvania, Tennessee, Vermont, Virginia, Westvirginia und Wisconsin.<ref name="FNA"/>

Geschichte

Die Ureinwohner Nordamerikas nutzten die Kanadische Orangenwurzel als Medizin und als Färbemittel. Noch im 19. Jh. wurde sie von den Ureinwohnern in Form einer Tinktur als Tonikum und in Form eines Aufgusses zur äußerlichen Verwendung bei Konjunktivitis und bei geschwürigen Entzündungen verwendet. Ärzte der nordamerikanischen eklektischen Schule setzten sie daraufhin erfolgreich bei der Behandlung von Entzündungen der Schleimhäute ein.<ref>Alfred A. B. Durand. On Hydrastis canadiensis. In: The American Journal of Pharmacy, Philadelphia, Band 23 (1851), S. 112–118 (Digitalisat)</ref> Unter diesen Ärzten ging Grover Coe so weit, die Kanadische Orangenwurzel als Universalheilmittel anzupreisen.<ref>Grover Coe. Hydrastin. In: Concentrated Organic medicines: being a practical exposition of the therapeutic properties and clinical employment of the combined proximate medicinal constituents of indigenous and foreign plants. B. Keith, New York 1858, S. 359–364 (Digitalisat)</ref>

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Droge in Deutschland kaum beachtet. Sie wurde erst in die 1890 erschienene 3. Auflage des «Arzneibuchs für das Deutsche Reich» aufgenommen und als Mittel gegen Blutungen aus den weiblichen Genitalien, gegen Darmkatarrhe und als Tonikum bei Dyspepsie empfohlen.<ref>Prof. Dr. Henkel. Über einige neuere Drogen … Henkel. 3) Hydrastis canadensis L. In: Neues Jahrbuch für Pharmacie und verwandte Fächer. Band XVIII (1862), J. C. B. Mohr, Heidelberg S. 143–146 (Digitalisat)</ref><ref>Arzneibuch für das Deutsche Reich. Dritte Ausgabe. Decker Berlin 1890, S. 256–257: Rhizoma Hydrastis (Digitalisat)</ref><ref>Arzneibuch für das Deutsche Reich. Vierte Ausgabe. Decker Berlin 1900, S. 310: Rhizoma Hydrastis (Digitalisat)</ref><ref>Hagers Handbuch der pharmaceutischen Praxis für Apotheker, Ärzte, Drogisten und Medicinalbeamte. Springer Berlin 1902, Band II, S. 77–83: Hydrastis (Digitalisat)</ref><ref>Wolfgang Schneider: Lexikon zur Arzneimittelgeschichte. Sachwörterbuch zur Geschichte der pharmazeutischen Botanik, Chemie, Mineralogie, Pharmakologie, Zoologie. Govi-Verlag, Frankfurt a. M. Band 5/2 (1974), S. 181–182: Hydrastis (Digitalisat)</ref>

Neben Berberin findet sich in der Wurzel das Alkaloid Hydrastin, das 1851 von Durand schon beobachtet, 1862 von Perrins näher untersucht wurde.<ref>Alfred A. B. Durand. On Hydrastis canadiensis. In: The American Journal of Pharmacy, Philadelphia, Band 23 (1851), S. 112–118 (Digitalisat)</ref><ref> F. Mahla. Berberin in Hydrastis Canadensis. In: The American Journal of Pharmacy, Band XXXIV, 3. Serie Band X (März 1862), Philadelphia S. 141–144 (Digitalisat)</ref><ref> J. Dyson Perrins. On Hydrastine, an alkaloid occuring in Hydrastis canadensis. In: Pharmaceutical journal and transactions. 2. Serie, Band III, No. 11 (01.05.1862), London 1862, S. 546–547 (Digitalisat)</ref><ref>August Husemann und Theodor Husemann. Die Pflanzenstoffe in chemischer, physiologischer, pharmakologischer und toxikologischer Hinsicht. Für Aerzte, Apotheker, Chemiker und Pharmakologen. Springer, Berlin 1871, S. 243 (Digitalisat)</ref>

Literatur

  • Bruce A. Ford: Hydrastis in der Flora of North America, Volume 3: Online
  • Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8.

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="IPCN">Hydrastis canadensis bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="FNA">Bruce A. Ford: Hydrastis J. Ellis in C. Linnaeus. In: Flora of North America, vol. 3. [1].</ref> </references>

Vorlage:Hinweisbaustein