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}}</ref> ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=fr|SCRIPTING=Latn|SERVICE=französisch}}, {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}) genannt, sind Holzbauten auf Pfählen an Flüssen, an oder in Seen, in Sümpfen oder am Meer.
Pfahlbauten sind aus vorgeschichtlicher Zeit vom 6.<ref name="Ohrid"/> bis zum 1. Jahrtausend v. Chr. in Europa dokumentiert, insbesondere im alpinen Raum (siehe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen).<ref>Denkmalpflege. UNESCO-Welterbe. Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen in Baden-Württemberg. Landesamt für Denkmalpflege, Stuttgart 2011, S. 5</ref> Auch in Frankreich, Slowenien, Schottland, Litauen oder Lettland lassen sich inzwischen Pfahlbauten an den Rändern von Seen nachweisen. Historische Pfahlbauten in der Poebene in Italien heißen Terramaren. Heute sind Pfahlbauten an den Küsten in Südostasien verbreitet.
Ein Teil der prähistorischen Pfahlbauten stand lediglich auf feuchtem Grund am Ufer von Seen und wird daher heute Feuchtbodensiedlung genannt. Sie waren nur durch einen späteren Seespiegelanstieg unter die Wasserlinie geraten und zunächst irrtümlich für echte Pfahlbauten (im Wasser stehend) gehalten worden. Mit fortschreitender Ausgrabungstätigkeit an den zirkumalpinen Seen wurden aber immer mehr echte Pfahlbauten, die nur saisonal bei Niederwasserständen trocken fielen, gefunden. Pfahlbausiedlungen und Pfahlbauten sind nach den neuesten Untersuchungen<ref>siehe: Dunning & Hafner, 2004 sowie Schöbel 2005</ref> wieder als Begriffe akzeptiert. Damit ist der langandauernde „Pfahlbaustreit“ um die Lage dieser Siedlungen beendet.
Gründe für die Pfahlbauweise
Pfahlbauten dienten unter anderem der Absicherung gegen Hochwasser, Raubtiere und feindliche Stämme (Nachbarn).
Bauweise
An seichten Stellen rammte man Pfähle ein, die aus ganzen oder gespaltenen Stämmen bestanden und die typischerweise zwei zu zwei angeordnet waren. Die Pfähle waren meist nicht stärker als 15 Zentimeter, die Länge betrug je nach Höhe des Wasserstandes meist zwischen drei und fünf Meter. Oft wurden am Fuß der Pfähle schwere Steine versenkt, die für mehr Stabilität gegen Wellenschlag sorgen sollten. Die Häuser selbst waren ebenfalls aus Pfahlwerk geschaffen, von außen mit einer Lehmschicht verkleidet und mit Stroh, Rinden und Reisig bedeckt. Mit der Standortwahl am Seeufer haben sich die «Pfahlbauer» vor 6300 bis 2800 Jahren einen namhaften Platz in der Geschichte gesichert. Dank ausgezeichneten Erhaltungsbedingungen im feuchten Milieu der Moore und Seekreideschichten erlauben Dorfruinen und Siedlungsmaterial einzigartige Einblicke in den jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Alltag früher Bauern und Handwerker und geben ihnen internationale Bedeutung. Unter Luftabschluss haben sich in feuchten Sedimenten auch organische Materialien wie Nahrungsmittel und Speisereste gut erhalten, ebenso textile Werkstoffe und Bauteile vom Ständer über Flechtwerk bis zur Dachbedeckung.
Dendrochronologische Analysen erlauben eine jahrgenaue Datierung der Bauhölzer und die Bau- und Erneuerungsphasen der Uferdörfer. Je länger, desto mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Bauweise immer mit, selten aber auf Pfählen beruhte und dass Pfahlbaudörfer von der romantischen Seeplattform zum ebenerdigen Uferdorf am Strand mutierten. Die neuere Forschung geht davon aus, dass derartige Bauten nicht nur im Uferbereich von Seen (also an offenen Gewässern) existierten, sondern auch in sumpfigem Gelände.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Geschichte
Siedlungen in Pfahlbauweise lassen sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen. Meist fördern die Grabungsarbeiten zahlreiche Alltagsgegenstände der jeweiligen Kultur zutage. Pfahlbauten sind auch aus der Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit bekannt, beispielsweise bei La Tène oder auf Gotland. Die Größe solcher Siedlungen variierte stark. Sie können bis 60.000 Quadratmeter bedecken.
Erste archäologische Funde
Die ersten derartigen Bauten entdeckte man im Winter 1853/54 am Zürichsee, der seinerzeit einen ungewöhnlich niedrigen Wasserstand hatte. Deshalb wollte man dem Gewässer eine größere Landfläche abgewinnen und zog Mauern und Dämme. Als die Arbeiter den Seegrund zum Füllen der neu gewonnenen Flächen abtrugen, stießen sie auf eine dunkle Schicht mit regelmäßigen Pfahlreihen und Überresten einer menschlichen Kultur. Der Schweizer Altertumsforscher Ferdinand Keller interpretierte sie als Reste von Siedlungen und prägte den Begriff Pfahlbauten. Diese Entdeckungen lösten europaweit ein großes Interesse an den Pfahlbauten sowie ihren Bewohnern aus, die in der Folge romantisch verklärt Eingang in die Kunst und Populärwissenschaft fand und heute als Pfahlbauromantik bezeichnet wird.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
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Konservierung von Pfahlbaufunden
Taucharchäologe Joachim Köninger, der die Auskartierung der Pfahlfelder in Vorbereitung des Unesco-Antrags leitete, stellte im März 2009 in Uhldingen neue Ergebnisse der Unterwasserarchäologie im Bereich der Konservierung der Eichenpfähle vor. Der größte Feind der Pfähle ist die Erosion, zwischen 1989 und 2004 hat sie bis zu 35 Zentimeter betragen. Derzeit testet man dort, ob man diese durch Kiesauflagen aufhalten kann.<ref>Sylvia Floetemeyer: Pfahlbauten werden vielleicht Weltkulturerbe In: Südkurier vom 19. März 2009</ref> Wenn die starke Erosion nicht gestoppt wird, könnten nach Aussage von Schlichtherle in den nächsten zwei Jahrzehnten 80 der rund 100 Pfahlbausiedlungen am Bodensee verschwinden. Eine weitere Gefahr sind die Seeschwankungen. Die extreme Trockenperiode im Winter lege die Reste der Pfahlbauten in den Flachwasserzonen trocken. Solche außergewöhnlichen Wetterlagen und Klimasituationen wird es künftig öfter geben, sind sich Wissenschaftler einig.<ref>Adalbert Brütsch: Am See wird’s wärmer und extremer. In: Südkurier vom 15. Juli 2006</ref>
UNESCO-Weltkulturerbe
Am 27. Juni 2011 wurden 111 prähistorische Pfahlbausiedlungen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Slowenien unter der Bezeichnung Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|Vorlage:FormatDate/Wartung/Error}}| |}}}}{{#if:UNESCO World Heritage Centre|UNESCO World Heritage Centre: }}{{#if:|{{#if:Six new sites inscribed on UNESCO’s World Heritage List|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Six new sites inscribed on UNESCO’s World Heritage List}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:http://whc.unesco.org/en/news/774%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Six new sites inscribed on UNESCO’s World Heritage List}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=http://whc.unesco.org/en/news/774}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Six new sites inscribed on UNESCO’s World Heritage List}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:{{#if: 2017-06-22 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}
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Das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen ist das älteste europäische Pfahlbaumuseum. Am und auf dem Wasser des Bodensees wurden Ufersiedlungen aus verschiedenen Epochen rekonstruiert. Die ersten beiden Häuser des Freilichtmuseums wurden 1922 erbaut. In der Zwischenzeit entstanden 21 weitere Rekonstruktionen. 2007 entstanden drei weitere Steinzeithäuser am Ufer, die originalgetreu für die Fernsehdokumentation Steinzeit – Das Experiment. Leben wie vor 5000 Jahren der ARD/SWR nachgebaut wurden. Dem Museum ist ein Museum mit Originalfunden und ein Forschungsinstitut angegliedert.
In der 9 km vom Attersee entfernt gelegenen Stadt Vöcklabruck befindet sich im Heimathaus Vöcklabruck die größte Pfahlbausammlung Österreichs.
In Mondsee befindet sich das österreichische Pfahlbaumuseum.
In der Nähe des Ortsteils Kammer von Attersee am Attersee, Oberösterreich, wurde 1910 ein Pfahlbaudorf errichtet. Es war eines der ersten Freilichtmuseen in Europa. 1922 wurde es für den Film Sterbende Völker als Filmkulisse abgebrannt.
Am Attersee werden vom Verein Pfahlbau am Attersee jährlich mehr als 50 „Zeitreisen zu den Pfahlbauern“ angeboten.
Schweiz
In Gletterens im Kanton Freiburg gibt es seit 1996 die rekonstruierte Pfahlbausiedlung Pré de Riva, der jungsteinzeitlichen Horgener Kultur.
In Schönenwerd im Kanton Solothurn gibt es seit 100 Jahren den Bally-Park.
Die Pfahlbausiedlung Wauwil im Kanton Luzern wurde 2009 erstellt. Sie umfasst ein kleines Freilichtmuseum mit archäologischem Lehrpfad.<ref>Pfahlbausiedlung Wauwil, abgerufen am 24. Mai 2019.</ref>
Datei:Na Luang village(5).jpgWohnhäuser im ländlichen Laos in Pfahlbauweise – der Bereich unter der Wohnfläche wird als trockene Lager- oder Stallfläche genutzt
Auch heute noch werden Pfahlbauten verwendet, insbesondere in Südostasien, auf den Nikobaren, in Westafrika, auf der chilenischen Insel Chiloé und in Neuguinea. In Südamerika werden im Wasser stehende Pfahlbauten allgemein als Palafitos bezeichnet, bei den Seminolen Nordamerikas als Chickee.
Im Nordseebad Sankt Peter-Ording beherbergen im Gezeitenbereich erbaute Pfahlbauten Restaurants und andere Freizeiteinrichtungen; sie sind mit den andernorts (wie zum Beispiel an der Ostsee) zu findenden Seebrücken verwandt.
Die vorwiegend für einfache landwirtschaftliche Gebäude verwendete Holzmastenbauart verwendet ebenfalls eingespannte Pfosten als tragende und zugleich aussteifende Grundelemente.
„Moderne Pfahlbauten“
Die Sendegebäude der Fernsehsender KCRA, KXTV und KOVR im kalifornischen Walnut Groove sind wegen der Lage im Überschwemmungsgebiet moderne Pfahlbauten – aber nicht aus Holz.<ref>Scott Fybush: The Tall Towers of Walnut Grove, California. Fybush.com, 11. November 2005, abgerufen am 24. Mai 2019.</ref>
Das Erscheinungsbild von offenen Pfahlbaukonstruktionen wird bei manchen modernen Gebäuden aus architektonischen Gründen zitiert, wie etwa beim Stelzenhochhaus in Sindelfingen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20170623111249
Eine Theorie für den Namen Venezuela ist, dass als Amerigo Vespucci die Bucht von Maracaibo erforschte, ihn die im Wasser stehenden Pfahlbauten der Einheimischen an Venedig erinnerten und die Region dann als „Klein-Venedig“ (Venezuela) bezeichnet wurde.
Der beschreibende Begriff „Pfahlbauten“ ist seit dem 4. Juni 2004 eine eingetragene Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt. Inhaber der Wortmarke „Pfahlbauten“ mit der Registernummer 30355957 ist der Verein für Pfahlbau- und Heimatkunde e. V.
Helmut Schlichtherle (Hrsg.): Pfahlbauten rund um die Alpen (= Archäologie in Deutschland. Sonderheft 1997, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0176-8522|0}}{{#ifeq:1|0|[!]
Francesco Menotti (Hrsg.): Living on the Lake in prehistoric Europe. 150 years of lake-dwelling research. Routledge, London u. a. 2004, ISBN 0-415-31720-7.
Philippe Della Casa, Martin Trachsel (Hrsg.): WES ’04, Wetland Economies and Societies. Proceedings ot the international Conference, Zurich, 10–13 March 2004 (= Collectio archaeologica. Band 3). Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0757-4.
Gunter Schöbel: Pfahlbauquartett, 150 Jahre Pfahlbauforschung, ein Rückblick. In: Plattform 13/14, 2004/2005, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0942-685X|0}}{{#ifeq:1|0|[!]
Cynthia Dunning, Albert Hafner: Das Projekt „Pfahlbauten des Alpenraumes als UNESCO Welterbe“. Informationen zur Nominierung auf die „liste indicative“ der schweizerischen Bundesregierung von Dezember 2004. In: Philippe Della Casa, Martin Trachsel (Hrsg.): Wetland Economies and Societies. Chronos, Zürich 2005, S. 297–298.
Susanne Rau u. a. (Hrsg.): 4.000 Jahre Pfahlbauten, Thorbecke, Ostfildern 2016, ISBN 978-3-7995-0676-2.
Eva-Maria Seng, Helmut Schlichtherle, Claus Wolf, C. Sebastian Sommer (Hrsg.): Prähistorische Pfahlbauten im Alpenraum. Erschließung und Vermittlung eines Welterbes (= Reflexe der immateriellen und materiellen Kultur. Band 3). De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 978-3-11-041670-1.
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