Nemesis
Nemesis ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist in der griechischen Mythologie die Göttin des gerechten Zorns, der ausgleichenden Gerechtigkeit, wodurch sie zur Rachegottheit wurde.
Ihre Begleiterin ist Aidos, die Göttin der Scham. Nemesis bestraft vor allem die menschliche Selbstüberschätzung (Hybris) und die Missachtung der Themis, (der Göttin) des göttlichen Rechts und der Sittlichkeit.
Im späten 20. Jahrhundert ist durch Einfluss der Popkultur eine Bedeutungsveränderung im Sinne eines ewigen Gegenspielers, eines Erzrivalen, einer Art persönlichen Todesengels, eines Todfeindes, eines nicht personifizierten Todbringers oder einer tödlichen Bedrohung eingetreten. Die Aussage „Ich bin deine Nemesis“ wird als „Ich bin dein Untergang“ statt als „Du bekommst, was du verdienst“ interpretiert.
Mythos
Nemesis ist eine Tochter der Nyx („Nacht“), entweder nur aus dieser geboren<ref>Hesiod Theogonie 233. Pausanias 7,5,3</ref> oder die Tochter der Nyx und des Erebos<ref>Hyginus Mythographus Fabulae praefation. Cicero De Natura Deorum 3,17</ref> bzw. Tochter des Okeanos.<ref>Pausanias 7,5,3. Nonnos Dionysiaka 48,375. Johannes Tzetzes zu Lykophron 88</ref>
Zeus paarte sich mit Nemesis in der Gestalt eines Schwans, nachdem sie zunächst aus Scham und gerechtem Zorn vor seinen Nachstellungen geflüchtet war. Auf ihrer Flucht über das Meer verwandelte sie sich in einen Fisch, am Rand der Erde angelangt, schließlich in eine Ente oder Gans, mit der Zeus als Schwan die Helena zeugte, um deretwillen schließlich der Trojanische Krieg geführt wurde.<ref>Kypria Frag. 8. Bibliotheke des Apollodor 3,127. Pausanias 1,33,4</ref>
In einer anderen Version der Geschichte spielt Aphrodite die Nemesis Zeus zu, indem sie sich als Adler auf den Schwan stürzt, der sich in den Schoß der Nemesis „flüchten“ kann. In beiden Erzählungen wird das Ei zu Leda gebracht, die Helena aufzieht – wenngleich sie nicht selbst die Mutter Helenas ist. Schwan und Adler wurden zu den entsprechenden Sternbildern.<ref>Hyginus Mythographus Astronomica 2,8</ref>
Nach Bakchylides ist Nemesis mit Tartaros die Mutter der Telchinen von Rhodos.<ref>Bakchylides Frag. 52</ref>
In Ovids Metamorphosen bestraft sie den Narziss, weil dieser die Nymphe Echo und andere durch seine Unerbittlichkeit zugrunde gerichtet hat.<ref>Ovid Metamorphosen 3,406</ref>
Ihre Attribute sind mannigfach. Unter anderem hält sie einen Zweig vom Apfelbaum in der Hand und wird von einem Greif begleitet. Wie die Erinys als Erinnyen kann auch Nemesis in der Mehrzahl (Nemeseis) angerufen werden. Zwei Nemeseis wurden in Smyrna verehrt, die bei dem dortigen Heiligtum Alexander dem Großen im Traum erschienen, als er erschöpft von der Jagd unter einer Platane schlief: Sie forderten ihn zur Neugründung der Stadt Smyrna auf, wo sich ihre älteste Kultstätte befand. Das Orakel des Apollon zu Klaros bestätigte den Auftrag.<ref>Pausanias 7,5,1ff</ref>
In Aischylos’ Der gefesselte Prometheus heißt Nemesis auch Adrasteia („die Unentfliehbare“), in Ovids Metamorphosen Rhamnusia nach ihrem Heiligtum mit dem berühmten Kultbild in Rhamnous.
Dass im Unterschied zum modernen Verständnis die Göttin Nemesis mehr Richterin als Rächerin ist, macht der Orphische Hymnos „An Nemesis“ deutlich:
<poem style="margin-left:4em;">Ich rufe Dich, Nemesis! Höchste! Göttlich waltende Königin! Allsehende, Du überschaust Der vielstämmigen Sterblichen Leben. Ewige, Heilige, Deine Freude Sind allein die Gerechten. Aber Du hassest der Rede Glast, Den bunt schillernden, immer wankenden, Den die Menschen scheuen, die dem drückenden Joch Ihren Nacken gebeugt. Aller Menschen Meinung kennst Du, Und nimmer entzieht sich Dir die Seele Hochmütig und stolz Auf den verschwommenen Schwall der Worte. In alles schaust Du hinein, Allem lauschend, alles entscheidend. Dein ist der Menschen Gericht. […]<ref>Orphische Hymnen 62. Zitiert nach: Orpheus. Altgriechische Mysterien, übertr. und erl. von Joseph Otto Plassmann, Diederichs Gelbe Reihe, Köln 1982, S. 103.</ref></poem> Friedrich Schiller dichtet:
„Es ist des Wohllauts mächtige Gottheit,/ die zum geselligen Tanz ordnet den tobenden Sprung, /die, der Nemesis gleich, an des Rhythmus goldenem Zügel / lenkt die brausende Lust und die verwilderte zähmt.“
Astronomie
Der 1872 entdeckte Hauptgürtelasteroid (128) Nemesis wurde nach der Göttin benannt.
Außerdem ist Nemesis der Name eines hypothetischen Himmelskörpers, welcher das Sonnensystem zu einem Doppelsternsystem machen würde.<ref>Marc Davis, Piet Hut, Richard A. Muller, Nature, April 1984, Seite 715 ff.</ref><ref>Marc Davis, Piet Hut, Richard A. Muller, Nature Februar 1985 Seite 503</ref>
Siehe auch
- Justitia, die altrömische Göttin der (ausgleichenden) Gerechtigkeit
Literatur
- Daniela Bonanno: Nemesis. Rappresentazioni e pratiche cultuali nella Grecia antica (= Potsdamer Altertumswissenschaftliche Beiträge, Bd. 85). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-515-13492-7. – Rezension von Emma Stafford, in: sehepunkte 25 (2025), Nr. 5, 15.05.2025
- Hans Herter: Nemesis. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XVI,2, Stuttgart 1935, Sp. 2338–2380.
- Paulina Karanastassis, Federico Rausa: Nemesis. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC). Band VI, Zürich/München 1992, S. 733–770.
- Noel Deeves Robertson: Nemesis. The history of a Social and Religious Idea in Early Greece. Ithaca N.Y 1964, OCLC 638349797 (Philosophische Dissertation, Cornell University, Ithaca NY, 1964).
- Otto Rossbach: Nemesis. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 3,1, Leipzig 1902, Sp. 117–166 (Digitalisat).
- Mary Scott: Aidos and Nemesis in the Works of Homer, and their relevance to Social or Co-operative Values. In: Acta Classica. Bd. 23, Nr. 1, 1980, ISSN 0065-1141, S. 13–35, (Digitalisat (PDF; 1,54 MB)).
- Jan Stenger: Nemesis. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 8, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01478-9, Sp. 818–819.
- Hermann Posnansky: Nemesis und Adrasteia. Eine mythologisch-archäologische Abhandlung (= Breslauer philologische Abhandlungen. Band 5, Heft 2, ISSN 0866-9155), Koebner, Breslau 1890, (Digitalisat).
- Marion Tradler: Die Ikonographie der Nemesis. Mainz 1998 DNB 959198660 Dissertation, Universität, Mainz, 1998
Belletristik
- Übers. Irene Holicki: Isaac Asimov, Nemesis. Heyne, München 1989 u. ö.
- Übers. Dirk van Gunsteren: Philip Roth, Nemesis. Hanser, München 2011
Weblinks
- Vorlage:Mythoskop
- Nemesis im Theoi Project (englisch)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nemesis-Votivrelief aus dem Amphitheater von Virunum ( vom 14. Juli 2018 im Internet Archive)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nemesis ( vom 29. November 2020 im Internet Archive), in: Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Einzelnachweise
<references />