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Ratatöskr

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(Weitergeleitet von Ratatosk)
Ratatöskr in der Weltenesche Yggdrasil, aus einer isländischen Handschrift des 17. Jahrhunderts:
"Rata-tøskur ber øf undar ord my-llū arnr og nyd-hoggs."

Ratatöskr, auch Ratatosk, Ratatösk oder Ratatwisker, ist in der nordischen Mythologie ein Eichhörnchen, das zu den Tieren des Weltenbaums Yggdrasil gehört. Es übermittelt Nachrichten zwischen dem Adler in der Krone und dem schlangenartigen Drachen Nidhöggr am Fuße des Weltenbaums.

Etymologie

Den Namen Ratatöskrs, altnordisch Ratatǫskr, leitet man meist ab von altnordisch rati „Bohrer“ und *toskr „Zahn(?)“, so dass der Name mit „Bohrerzahn, Nagezahn“ übersetzt wird.<ref>Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 343: Bohrerzahn – John Lindow: Handbook of Norse Mythology. ABC-CLIO Ltd, USA 2001, ISBN 978-1-57607-217-2, S. xi: Bore-Tooth. – einer Tetzner: Germanische Göttersagen (nach den Quellen neu erzählt). Reclam-Verlag, Ditzingen 1992, ISBN 978-3-15-008750-3, S. 193: Nagezahn</ref>

Quellen

Das Eichhörnchen wird in der Lieder-Edda nur im Lied Grímnismál erwähnt.

<poem style="margin-left:2em; float:left;"> Ratatoscr heitir ícorni, er renna scal at asci Yggdrasils; arnar orð hann scal ofan bera oc segia Níðhǫggvi niðr.<ref>Lieder-Edda: Grímnismál 32. Textausgabe nach Titus Projekt, URL: https://titus.uni-frankfurt.de/texte/etcs/germ/anord/edda/edda.htm, aufgerufen am 14. Dezember 2009.</ref> </poem>

<poem style="margin-left:2em; float:left;"> Ratatosk heißt das Eichhörnchen, das herumspringt an der Esche Yggdrasil; die Worte des Adlers trägt es von oben herab und sagt sie unten Nidhögg.<ref>Übersetzung nach Arnulf Krause: Die Götter- und Heldenlieder der Älteren Edda. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-15-050047-7</ref> </poem>

– Grímnismál, Strophe 32 (Übersetzung nach Arnulf Krause)

Demnach ist das Eichhörnchen im Wesentlichen der Überbringer der Botschaften des Adlers an den Drachen Nidhöggr, der sich unten an den Wurzeln des Weltenbaums aufhält. Snorri Sturluson fügte in seiner Prosa-Edda hinzu, dass Ratatöskr auch umgekehrt die Nachrichten des Drachen an den Adler übermittelt und dass die beiden auf diese Weise einen Streit miteinander austragen. Aus welchem Grund bleibt unerwähnt:

<poem style="margin-left:2em; float:left;"> Örn einn sitr í limum asksins, ok er hann margs vitandi en í milli augna honum sitr haukr, sá er heitir Veðrfölnir. Íkorni sá, er heitir Ratatoskr, renn upp ok niðr eftir askinum ok berr öfundarorð milli arnarins ok Níðhöggs, [...] </poem>

<poem style="margin-left:2em; float:left;"> Ein Adler sitzt in den Ästen der Esche, der hat manches Wissen und zwischen seinen Augen sitzt der Habicht mit Namen Wedrfölnir. Das Eichhörnchen, das Ratatosk heißt, springt an der Esche hinauf und hinunter. Zwischen dem Adler und Nidhögg tauscht es Gehässigkeiten aus.<ref>Arnulf Krause: Die Edda des Snorri Sturluson. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 978-3-15-000782-2</ref> </poem>

– Snorri Sturluson, Prosa-Edda: Gylfaginning, Kapitel 16 (Übersetzung von Arnulf Krause)

Forschung

Das Eichhörnchen gehört wohl nicht zur ursprünglichen Grundausstattung des Weltenbaums, dessen Wurzeln man bis in indogermanische Zeit zurückverfolgen kann. Es handelt sich vermutlich um ein ausschmückendes Detail aus späterer Zeit.<ref>Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 343.</ref>

Das Streitmotiv zwischen Adler und Drache könnte hingegen ein Motiv aus indogermanischer Zeit sein. Denn auch in der indischen Mythologie streiten sich der Adler und die Schlangen, und im Christentum wurde Christus mit dem Adler und der Teufel mit einer Schlange<ref>Allison Coudert: Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten. (Originalausgabe: Alchemy: the Philosopher’s Stone. 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 163.</ref> verglichen. Und auch in einer Fabel des römischen Dichters Phaedrus stiftet eine Katze an einem Baum Feindschaft zwischen einem Adler in der Höhe und einer Wildsau an den Wurzeln.<ref>Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte, Band 2: Religion der Nordgermanen. Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin, Leipzig 1937, § 328 – Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 343 weist darauf hin, dass diese Parallelen keinen sicheren Schluss über das Alter des Streitmotivs erlauben.</ref>

Der Streit zwischen Adler und Drache könnte den Widerstreit der aufbauenden mit den zerstörerischen Kräften der Welt symbolisieren, den Göttern und den Riesen, doch hält man das in der Wissenschaft nicht unbedingt für wahrscheinlich.<ref>Henry Adams Bellows: The Poetic Edda. The Mythological Poems. Courier Dover Publications, Mineola NY 2004, ISBN 978-0-486-43710-1, S. 97, Anmerkung 32 Online Auszug</ref>

Wirkungsgeschichte

Der deutsche Schriftsteller Hans Erich Blaich wählte Ratatöskr als eines seiner Pseudonyme.

Literatur

Einzelnachweise

<references />