Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Rote Lichtnelke – Wikipedia Zum Inhalt springen

Rote Lichtnelke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Rote Nachtnelke)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Rote Lichtnelke
[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]:

Rote Lichtnelke (Silene dioica)

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Unterfamilie: Caryophylloideae
Tribus: Sileneae
Gattung: Leimkräuter (Silene)
Art: Rote Lichtnelke
Wissenschaftlicher Name
Silene dioica
(L.) Clairv.

Die Rote Lichtnelke (Silene dioica), auch Rotes Leimkraut, Rote Nachtnelke, Rote Waldnelke, Taglichtnelke oder Herrgottsblut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Leimkräuter (Silene) innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).

Beschreibung

Datei:Silene dioica (Masclef et al. 1891, Tome 2, planche 47) clean, no-description.jpg
Illustration
Datei:Silene01.jpg
Blüten, frontal und im Profil
Datei:Lychnis - fleurs mâle & femelle.jpg
Illustration einer männlichen und weiblichen Blüte
Datei:2006-10-22Silene dioica07.jpg
Blütenstand mit Blüten in dichasialer Anordnung
Datei:Silene dioica - Iceland - 2007-07-10.jpg
Blütenstand einer männlichen Pflanze von oben; die Nebenkrone ist in den Blüten erkennbar
Datei:Punase pusurohu kupar.jpg
Reife, offene Kapselfrucht mit Samen
Datei:Silene dioica Rote Lichtnelke Pollen 400x.jpg
Pollenkorn (400×)

Erscheinungsbild und Laubblatt

Die Rote Lichtnelke wächst als sommergrüne, zweijährige oder wenige Jahre ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 90 Zentimeter. Die oberirdischen Pflanzenteile sind dicht drüsig behaart.

Die gegenständig am Stängel angeordneten Laubblätter besitzen eine einfache, eiförmige bis lanzettliche Blattspreite, die ganzrandig und zum oberen Ende spitz ausläuft.

Blütenstand und Blüte

Die Rote Lichtnelke ist meist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die Blütezeit reicht von April bis Oktober. Auffällig ist die dichasiale Anordnung der Blüten.

Die fünfzähligen, duftlosen, eingeschlechtigen Blüten sind bei einem Durchmesser von 18 bis 25 Millimetern radiärsymmetrisch. Der stark behaarte Kelch ist 10 bis 15 Millimeter lang, bei männlichen Blüten zehn- und bei weiblichen Blüten zwanzignervig. Die fünf roten Kronblätter sind tief zweispaltig mit einer Länge von 15 bis 25 Millimetern. Am Schlund der Krone befindet sich eine Nebenkrone, die aus fünf zweilappigen Ligulae gebildet wird. Die weibliche Blüte enthält fünf Griffel.

Frucht und Samen

Datei:Dagkoekoeksbloem, 10-07-2025. (d.j.b.) 01.jpg
Samenkapseln

Die im Herbst bis in den frühen Winter gebildete, kugelige Kapselfrucht besitzt zehn nach außen gekrümmte Zähne, an denen entlang sie sich zackig öffnet. Die dunkelbraunen bis schwarzen Samen wirken etwas mohnkornartig.

Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24 oder 48.<ref name="Oberdorfer2001" /><ref name="BiolFlor" />

Ökologie

Bei der Roten Lichtnelke handelt es sich um einen Hemikryptophyten.<ref name="BiolFlor" /> Sie wurzelt bis zu 50 Zentimeter tief.<ref name="Oberdorfer2001" />

Meistens sind auf jedem Pflanzenexemplar nur Blüten eines Geschlechtes, es kommen aber auch Pflanzen mit beiden Geschlechtern vor, deshalb ist diese Art eigentlich „dreihäusig“ und die Artbezeichnung dioica (zweihäusig) nicht ganz korrekt.

Die Blüten öffnen sich abends und bleiben dann 24 bis 36 Stunden zusammenhängend geöffnet.<ref name="Friedrich1979" /> Die Bestäubung der Roten Lichtnelke erfolgt ausschließlich über Insekten, überwiegend von Tagfaltern. Auch Käfer wurden als Bestäuber beobachtet.<ref name="Friedrich1979" /> Auch manche Schwebfliegenarten gelangen an den Nektar. Hummeln beißen von außen ein Loch in die Kelchwand. Im Unterschied zu den Schmetterlingen besitzen Hummeln nur einen kurzen Rüssel und gehen sonst leer aus.

Die Samen werden durch Hin- und Herwiegen im Wind aus der Kapselfrucht herausgeschüttelt. Die Ausbreitung wird durch Selbst- und Windausbreitung bewirkt, daneben erfolgt aber auch Schwimmausbreitung, weshalb diese Art auch als Bach- und Stromtalpflanze auftritt.

Vorkommen

Die Rote Lichtnelke ist eurasisch verbreitet, mit Schwerpunkt in den mittleren und nördlichen Bereichen. In Europa ist sie weit verbreitet, in Südosteuropa (Südbalkan) fehlt sie allerdings ganz. Sie kommt in Europa in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Belarus, Moldau, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Griechenland und in der Türkei. In Island kommt sie eingebürgert vor.<ref name="Euro+Med" /> Außerhalb Eurasiens wurden Funde in Algerien und Marokko dokumentiert. Die Rote Lichtnelke ist in manchen gemäßigten Gebieten der Welt ein Neophyt.

Bevorzugte Standorte der Roten Lichtnelke sind kalkreiche feuchte Wiesen, feuchte Waldschläge, Waldsäume, Hochstaudenfluren, Gebüsche sowie Bruch- und Auenwälder. In den Alpen steigt die Rote Lichtnelke im Wallis bis 2640 Meter, am Stilfserjoch in den Rhätischen Alpen bis 2737 Meter auf.<ref name="Friedrich1979" /> In den Allgäuer Alpen steigt sie am Kreuzeck in Bayern bis in Höhenlagen von 2364 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert2001" />

Entsprechend der ökologischen Zeigerwerte nach Ellenberg wird die Rote Lichtnelke als Halbschattenpflanze für mäßig warmes Seeklima angegeben. Die Rote Lichtnelke bevorzugt gleichmäßig feuchte bis nasse, niemals stark saure und stickstoffreiche Böden. Sie wächst in Gruppen, jedoch nur selten bestandsbildend. Die Rote Lichtnelke gedeiht in tieferen Lagen in Gesellschaften der Ordnung Glechometalia, auch in denen des Verbands Alno-Ulmion. In höheren Lagen wächst sie in Gesellschaften der Verbände Arrhenatherion, Polygono-Trisetion, Filipendulion, Atropion oder der Ordnung Adenostyletalia.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung dieser Art erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Lychnis dioica durch Carl von Linné in Species Plantarum, S. 437. Das Typusmaterial wurde hinterlegt als: Herb. Linn. No. 602.6, "6 dioica / Cucubalus dioicus" (lecto- Talavera & Muñoz Garmendia 1989). Joseph Philippe de Clairville stellte diese Art 1811 in Manuel d'Herborisation en Suisse et en Valais, S. 146 in die Gattung Silene. Ein Homonym ist Silene dioica <templatestyles src="Person/styles.css" />A.DC. nom. illeg. hom. Weitere Synonyme für Silene dioica <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Clairv. sind: Lychnis dioica var. rubra <templatestyles src="Person/styles.css" />Weigel, Lychnis rubra <templatestyles src="Person/styles.css" />Patze, E.Mey. & Elkan, Lychnis sylvestris <templatestyles src="Person/styles.css" />Schkuhr: 1791, Lychnis diurna <templatestyles src="Person/styles.css" />Sibth., Melandrium sylvestre <templatestyles src="Person/styles.css" />(Schkuhr) Röhl., Melandrium diurnum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Sibth.) Fr., Melandrium dioicum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Coss. & Germ., Melandrium rubrum <templatestyles src="Person/styles.css" />Garcke nom. illeg., Melandrium dioicum subsp. rubrum <templatestyles src="Person/styles.css" />D.Löve.<ref name="Tropicos" /> Das Artepitheton dioica bedeutet „zweihäusig“.

Inhaltsstoffe

Die Rote Lichtnelke enthält, unter anderem Saponine, Triterpene und Gerbstoffe.<ref>Rote Lichtnelke Heilpflanzenportrait. 28. Mai 2022, abgerufen am 10. November 2025.</ref> Durch den hohen Gehalt an schäumenden Saponinen, vor allem in der Wurzel, wurde diese in der Vergangenheit als eine Art Seife zum Waschen verwendet.<ref name=":0">Rote Lichtnelke - gestalte deinen Garten ökologisch & pflegeleicht. Abgerufen am 10. November 2025.</ref><ref name=":1">Rote Lichtnelke: Leuchtende Wiesenblume. Abgerufen am 10. November 2025.</ref> Die Pflanze gilt als schwach giftig, da der Verzehr von zu viel Saponinen Magenbeschwerden wie Übelkeit und Erbrechen auslösen kann.<ref>Lichtnelke - Rote - Wildkräuter bestimmen & verwenden. 4. November 2022, abgerufen am 10. November 2025.</ref><ref name=":0" />

Verwendung

Die Rote Lichtnelke wird in den gemäßigten Gebieten als Zierpflanze in Parks und Gärten verwendet. Dafür stehen mehrere Sorten zur Verfügung, beispielsweise solche mit rosafarbenen und gefüllten Blüten. Im Zander werden folgende Sorten genannt: ‘Clifford Moor’, ‘Plena’.<ref name="Zander2008" />

In der Volksmedizin wurden die zerstoßenen Samen zur Behandlung von Schlangenbissen eingesetzt.<ref name="Sebald1989" /> Die Wurzeln der Roten Lichtnelke wurden früher wie Seife benutzt.<ref name=":1" /><ref name=":0" />

Im nordöstlichen Italien werden Ravioli mit Ricotta und den Blättern des Leimkrautes gefüllt. Die Samen werden dort auch kommerziell vertrieben.

Quellen und weiterführende Informationen

Der Artikel beruht hauptsächlich auf folgenden Unterlagen:

  • Silene dioica (L.) Clairv., Rote Lichtnelke. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
  • Gunter Steinbach (Hrsg.), Bruno P. Kremer et al.: Wildblumen. Erkennen & bestimmen. Mosaik, München 2001, ISBN 3-576-11456-4.
  • Dankwart Seidel: Blumen. Treffsicher bestimmen mit dem 3er-Check. 2., durchgesehene Auflage. blv, München/Wien/Zürich 2001, ISBN 3-405-15766-8.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Tropicos">Silene dioica bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="BiolFlor">Rote Lichtnelke. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.</ref> <ref name="InfoFlora">Silene dioica (L.) Clairv. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr-Lippert2001">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 475. </ref> <ref name="Sebald1989">Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur. Wildpflanzen Mitteleuropas. ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5, S. 70.</ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold, 2011+: Caryophyllaceae.: Datenblatt Silene dioica In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Friedrich1979">Hans-Christian Friedrich: Familie Caryophyllaceae. S. 1126–1132. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band III, Teil 2, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1979, ISBN 3-489-60020-7. </ref> <ref name="Zander2008"> Walter Erhardt et al.: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2, S. 1745. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-8001-5406-7. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Rote Lichtnelke (Silene dioica) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien