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Kiefern-Spei-Täubling

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(Weitergeleitet von Russula silvestris)

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Kiefern-Spei-Täubling
Datei:Russula silvestris 17.jpg

Kiefern-Spei-Täubling (Russula silvestris)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Täublingsartige (Russulales)
Familie: Täublingsverwandte (Russulaceae)
Gattung: Täublinge (Russula)
Art: Kiefern-Spei-Täubling
Wissenschaftlicher Name
Russula silvestris
(Singer) Reumaux
Datei:Russula silvestris (Singer) Reumaux 566355.jpg
Unterseite des Fruchtkörpers

Der Wald- oder Kiefern-Spei-Täubling (Russula silvestris, Syn.: Russula emetica f. silvestris<ref name="speciesfungorum" />) ist ein Pilz aus der Familie der Täublingsverwandten. Es handelt sich um einen ziemlich kleinen, zerbrechlichen, scharfen Täubling, der meist einen kirschrot gefärbten Hut hat und lange Zeit nur als Varietät des sehr ähnlichen Kirschroten-Spei-Täublings galt. Man findet den Pilz meist unter Kiefern auf Sand- oder Silikatböden.

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Der Kiefern-Spei-Täubling hat einen relativ kleinen, zerbrechlichen Fruchtkörper. Der sehr spröde und brüchige Hut ist etwa 3–6 cm breit. Jung ist sein Hut halbkugelig, später gewölbt bis abgeflacht und im Alter in der Mitte oft etwas niedergedrückt und am Rand wellig verbogen. Die Hüte junger Fruchtkörper sind lebhaft karmin- bis kirschrot, in der Mitte auch orangerot gefärbt, blassen aber schon bald zu rosa Tönen oder fast Weiß aus. Die jung und/oder bei Feuchtigkeit schmierig glänzende Huthaut ist bis zu 2/3 oder sogar fast ganz abziehbar. Abgetrocknet ist sie eher matt. Das Fleisch unter der Haut ist weiß. Der Hutrand ist bei reifen Fruchtkörpern auf etwa 1/3 der Radiuslänge gerieft bis leicht gefurcht.

Die im Alter recht entfernt stehenden Lamellen sind kaum gegabelt, sehr bauchig und am Stiel gerundet oder schmal angewachsen. Sie sind weiß und haben einen schwach bläulich grünen Reflex. Auch das Sporenpulver ist rein weiß (Ia nach Romagnesi).

Der weiße Stiel ist 3–5 (–7) cm lang und 0,5–1,3 cm breit. Er ist leicht zusammendrückbar und sehr zerbrechlich. Zur Basis hin kann sich der Stiel im Alter ockerlich bis gelblich verfärben. Die Stielrinde ist fein längsaderig.

Das brüchige, weiße Fleisch hat einen schwachen, aber typischen Geruch nach Kokosnuss. Es schmeckt sehr scharf, aber oft erst nach einigen Sekunden. Mit Eisensulfat verfärbt sich das Fleisch schwach rosa, mit Guajak reagiert es schwach und verfärbt sich dabei blass graugrün und mit einer 10%igen Formalinlösung färbt sich sowohl die Stielrinde als auch das Fleisch rosa.<ref name="krieglsteiner" /><ref name="bon-key" /><ref name="Kraenzlin" /><ref name="jahn" />

Mikroskopische Merkmale

Die rundlichen bis breitelliptischen Sporen sind 7–9,7 µm lang und 6,5–8,2 µm breit und tragen entfernt stehende, kräftige, meist über 1 µm hohe Dornen, die größtenteils fein netzig, aber stellenweise nur undeutlich miteinander verbunden sind. Die keuligen bis bauchigen Basidien sind 30–50 µm lang und 10–12 µm breit und haben je 4 Sterigmen. Die Cheilozystiden sind 35–60 µm lang und 6–9 µm breit. Sie sind spindelförmig und an der Spitze teilweise appendikuliert, das heißt mit einem kleinen Anhängsel versehen. Die Pleurozystiden sind 58–110 lang und 10–12 µm breit, keulig oder abgerundet und an der Spitze meist appendikuliert oder kopfig oder zugespitzt. Alle Zystiden sind zahlreich und lassen sich mit Sulfovanillin anfärben.

Die schmalen Hyphenzellenenden sind 1,5–3 µm breit, einfach septiert, selten verzweigt und oft an der Spitze verschmälert und manchmal wellig gewunden. Die Hyphenwände sind gelatinisiert, dazwischen liegen die 6–10 µm breiten und mehrheitlich keuligen Pileozystiden, die sich ebenfalls mit Sulfovanillin oder Sulfobenzaldehyd anfärben. Sie sind meist ein- bis vierfach septiert. Die äußeren Zelle sind oft kürzer. In der Huthaut kommen Vakuolenpigmente, aber keine Membranpigmente vor.<ref name="bon-key" /><ref name="Kraenzlin" />

Artabgrenzung

Der Kiefern-Spei-Täubling steht zwischen dem Kirschroten Spei-Täubling und dem Buchen-Spei-Täubling. Vom Kirschroten Spei-Täubling unterscheidet er sich vor allem durch die kleineren Fruchtkörper, die stärker entfernt stehenden, schwach bläulich grünen Lamellen und den häufig rosa ausbleichenden Hut.

Vom Buchen-Spei-Täubling unterscheidet er sich normalerweise schon durch den Standort. Wenn er aber einmal in einem Mischwald mit eingestreuten Rotbuchen und Kiefern vorkommt, sind beide Täublinge makroskopisch nur schwer zu unterscheiden. Der Buchen-Spei-Täubling besitzt festeres Fleisch, hat eine dunkel blaugrüne Guajak-Reaktion und eine nur bis zur Hälfte abziehbare Huthaut. Außerdem fehlt bei ihm der grüne Reflex in den Lamellen, dafür hat sein Fleisch einen typischen Honiggeruch. Mikroskopisch unterscheiden sich die beiden Arten dadurch, dass der Kiefern-Spei-Täubling die deutlich größeren Sporen mit höherem Ornament besitzt.<ref name="bon-key" /><ref name="Kraenzlin" />

Ökologie

Der Kiefern-Spei-Täubling ist wie alle Täublinge ein Mykorrhizapilz, der bevorzugt mit Kiefern und Fichten eine symbiontische Partnerschaft eingeht. Eine engere oder ausschließliche Bindung an Nadelbäume scheint aber nicht zu bestehen.

Man könnte den Täubling auch den „Sandboden-Spei-Täubling“ nennen. Er ist der typische Speitäubling des norddeutschen Tieflandes. Er kommt meist in lichten Fichten-Tannen- und Fichten-Birken-Eichen-Mischwäldern sowie in Kiefern- und Fichtenforsten vor. Er bevorzugt trockene bis nur mäßig frische, gut durchlüftete, saure, an rohhumus- oder moderhumusreiche Sand- oder Silikatböden, die nicht selten von einer dicken Nadelstreuschicht bedeckt sind. Häufig findet man den Pilz zwischen Gemeinem Weißmoos (Leucobryum glaucum) oder Frauenhaar-Moos-Postern (Polytrichum sp.). Die Fruchtkörper erscheinen zwischen Juni und Oktober.

Verbreitung

Datei:Distribution of Russula silvestris.svg
Europäische Länder mit Fundnachweisen des Kiefern-Spei-Täublings.<ref name="basidiochecklist" /><ref name="Belgian" /><ref name="Bulgarien" /><ref name="Croatia" /><ref name="Czech" /><ref name="GBIF" /><ref name="Greece" /><ref name="grzyby" /><ref name="nahuby" /><ref name="pilzoek" /><ref name="niederlande" /><ref name="wsl" />
Legende:
  • Länder mit Fundmeldungen
  • Länder ohne Nachweise
  • keine Daten
  • außereuropäische Länder
  • Die Verbreitung des Täublings ist unsicher, da er oft nicht vom Kirschroten-Spei-Täubling unterschieden wird. Er scheint aber wohl in ganz Europa verbreitet zu sein, wenn er auch in weiten Gebieten sehr selten sein dürfte. Aus Polen gibt es keine gesicherten Nachweise, obwohl der Kiefern-Spei-Täubling in Ostdeutschland nicht selten ist. Wahrscheinlich wird er hier nicht von Russula emetica unterschieden. Seit 2009 gibt es mehrere Nachweise als Russula aff. silvestris.<ref name="grzyby" /> Da der Speitäubling vorwiegend auf Sandböden vorkommt, dürfte er im Norddeutschen Tiefland häufiger sein als im südlichen Deutschland.<ref name="krieglsteiner" /><ref name="jahn" /> In der Schweiz ist der Täubling verbreitet, aber nicht häufig.<ref name="Kraenzlin" /><ref name="wsl" />

    Systematik

    Infragenerische Systematik

    Der Kiefern-Spei-Täubling wird in die Untersektion Emeticinae (Syn.: Russula subsect. Russula) gestellt, einer Untersektion der Sektion Russula. Die Untersektion enthält kleinere bis mittelgroße, zerbrechliche Arten mit roten oder rosa Hüten und weißem Sporenpulver. Die Täublinge schmecken sehr scharf und haben einen angenehmen, meist fruchtigen Geruch.

    Bedeutung

    Wie alle Täublinge aus der Untersektion Emetica ist auch der Kiefern-Spei-Täubling leicht giftig.

    Literatur

    Einzelnachweise

    <references> <ref name="basidiochecklist"> Basidiomycota Checklist-Online - Russula silvestris. In: basidiochecklist.info. Abgerufen am 6. Oktober 2012. </ref> <ref name="Belgian"> Belgian Species List 2012 - Russula silvestris. In: species.be. Abgerufen am 7. Juni 2012. </ref> <ref name="bon-key"> Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Monographic Key to European Russulas (1988).] (PDF; 1,4 MB) In: Englische Übersetzung von M. Bons Russula-Schlüssel:. The Russulales Website, , S. 20, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 22. Mai 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung </ref> <ref name="Bulgarien"> Cvetomir M. Denchev & Boris Assyov: Checklist of the larger basidiomycetes in Bulgaria. In: Mycotaxon. Band 111, 2010, ISSN 0093-4666, S. 279–282 (mycotaxon.com [PDF; 592 kB; abgerufen am 31. August 2011]). </ref> <ref name="Croatia"> Z. Tkalcec & A. Mešic: Preliminary checklist of Agaricales from Croatia V:. Families Crepidotaceae, Russulaceae and Strophariaceae. In: Mycotaxon. Band 88, 2003, ISSN 0093-4666, S. 292 (online [abgerufen am 31. August 2011]). </ref> <ref name="Czech"> Karel Tejkal: Russula silvestris. In: www.myko.cz. Abgerufen am 6. Februar 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="GBIF"> Weltweite Verbreitung von Russula silvestris. In: www.gbif.org. Abgerufen am 24. März 2025. </ref> <ref name="Greece"> </ref> <ref name="grzyby"> Russula silvestris. In: grzyby.pl. Abgerufen am 6. Februar 2016. </ref> <ref name="jahn"> Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Der Spei-Täubling (Russula emetica ss. lato ).] (PDF; 288 kB) In: wwwuser.gwdg.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 23. Mai 2011.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung </ref> <ref name="krieglsteiner"> German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder, Wulfard Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0, S. 558. </ref> <ref name="Kraenzlin"> Josef Breitenbach, Fred Kränzlin (Hrsg.): Pilze der Schweiz. Beitrag zur Kenntnis der Pilzflora der Schweiz. Band 6: Russulaceae. Milchlinge, Täublinge. Mykologia, Luzern 2005, ISBN 3-85604-060-9, S. 168. </ref> <ref name="nahuby"> Nahuby.sk - Atlas húb - Russula silvestris. In: nahuby.sk. Abgerufen am 6. Oktober 2012. </ref> <ref name="niederlande"> NMV Verspreidingsatlas | Russula emetica. In: verspreidingsatlas.nl. Abgerufen am 6. Mai 2012. </ref> <ref name="pilzoek"> Russula emetica var. silvestris in der PilzOek-Datenbank. In: pilzoek.de. Abgerufen am 21. August 2011. </ref> <ref name="speciesfungorum"> Synonyme von Russula silvestris. In: speciesfungorum.org. Index Fungorum, 2011, abgerufen am 22. Mai 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="wsl"> Verbreitungsatlas der Pilze der Schweiz. In: wsl.ch. Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, abgerufen am 24. März 2025. </ref> </references>

    Weblinks