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RS-14 Temp-2S

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(Weitergeleitet von SS-16 Sinner)
RS-14 Temp-2S
Datei:Temp 2S SS16 Sinner sketch.svg
15U67-Startfahrzeug

15U67-Startfahrzeug
Allgemeine Angaben
Typ Interkontinentalrakete
Heimische Bezeichnung RS-14 Temp-2S
GRAU-Index 15P642, 15Sch42
NATO-Bezeichnung SS-16 Sinner
Herkunftsland Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller Nadiradse und Moskauer Institut für Wärmetechnik
Entwicklung 1969
Indienststellung 1976
Einsatzzeit 1985
Technische Daten
Länge 18,50 m
Durchmesser 1.800 mm
Gefechtsgewicht 41.500–44.200 kg
Antrieb
Erste Stufe
Zweite Stufe
Dritte Stufe

Feststoff
Feststoff
Feststoff & PBV (Post Boost Vehicle)
Reichweite 9.200–10.500 km
Ausstattung
Lenkung Inertiales Navigationssystem
Gefechtskopf 1 Nukleargefechtskopf mit 650 oder 1.500 kT
Zünder Programmierter Zünder
Waffenplattformen MAZ-547 LKW
Listen zum Thema

Die RS-14 Temp-2S ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) war eine fahrzeuggebundene ballistische Interkontinentalrakete aus sowjetischer Produktion. Der GRAU-Index für das Gesamtsystems lautet 15P642, die Rakete wird unter 15Sch42 geführt. Der NATO-Codename lautet SS-16 Sinner. Die Temp-2S war bei der Indienststellung die weltweit erste mobile Interkontinentalrakete.

Entwicklung

Anfang der 1960er-Jahre wurde in der Sowjetunion mit der RT-20P (NATO-Codename SS-15 Scrooge) Versuche unternommen, eine straßenmobile und eisenbahnbasierte Interkontinentalrakete zu entwickeln. Nachdem die Versuche mit dieser Rakete wenig erfolgversprechend verliefen und ersichtlich wurde, dass die RT-20P nicht serienreif war, wurde das Projekt beendet. Daraufhin wurde ein neues Pflichtenheft ausgearbeitet und am 6. März 1966 erteilten das Zentralkomitee der KPdSU und der Ministerrat der UdSSR den Auftrag zu Entwicklung einer neuen straßenmobilen Interkontinentalrakete.<ref name="rvsn">Rvsn.ruzhany.info: Ракетный комплекс РС-14, «Темп-2С» (15Ж42, SS-16 Sinner)</ref> Die Rakete wurde unter Alexander Nadiradse im Moskauer Institut für Wärmetechnik entwickelt.<ref name="zaloga">Steven J. Zaloga: The Kremlin’s Nuclear Sword: The Rise and Fall of Russia’s Strategic Nuclear Forces 1945–2000. Smithsonian Book, 2014. ISBN 1-58834-484-3. S. 151–153</ref> Die Produktion erfolgte im Maschinenbauwerk Wotkinsk.<ref name="pavel16">Pavel Podvig: Russian Strategic Nuclear Forces. MIT Press, 2004. ISBN 0-262-16202-4. S. 210–211</ref> Die Triebwerke wurden bei Firma OKB Sojus entwickelt und die Entwicklung des Start- und Transportfahrzeuges erfolgte bei Minski Awtomobilny Sawod.<ref name="utkin16">A. W. Karpenko; A. D. Popow; Ju. S. Solomonow; A. F. Utkin: Sowjetisch-Russische Strategische Raketenkomplexe. Elbe-Dnjepr-Verlag, 2006. ISBN 3-933395-79-8. S. 136–143</ref> Die Entwicklung eines Startkomplexes auf Kettenfahrzeugen (Objekt 821 und Objekt 829) wurde eingestellt.<ref name="utkin16" /> Im Oktober 1971 wurde der erste Temp-2S-Prototyp zum Kosmodrom Plessezk gebracht. Der erste Teststart erfolgte am 14. März 1972. Die Rakete flog vom Plessezk zum Raketentestgelände Kura auf der Halbinsel Kamtschatka.<ref name="utkin16" /> Bis zum Jahr 1976 wurden in Plessezk 26 Temp-2S-Raketen zu Test- und Übungszwecken gestartet.<ref name="astronautix">Vorlage:Astronautix</ref> Ab 1975 wurde die ersten Temp-2S für Truppenversuche an die Strategischen Raketentruppen ausgeliefert, so dass am 21. Februar 1976 zwei Raketenregimenter mit der Temp-2S ausgerüstet waren.<ref name="pavel16" />

Die Temp-2S bildete die Grundlage für die späteren Raketensysteme RSD-10 (NATO-Codename SS-20 Saber) und RS-12M (NATO-Codename SS-25 Sickle).

Technik

Startfahrzeug

Die 15Sch42-Raketen waren auf dem geländegängigen MAZ-547A-12×12-LKW platziert und wurden ab diesem gestartet.<ref name="militaryrussia">Militaryrussia.ru: РС-14 Темп-2С - SS-16 SINNER</ref> Der Systemindex der Sowjetarmee für dieses Fahrzeug lautete 15U67 bzw. 82SCP2. Jedes Fahrzeug war mit einer Rakete bestückt. Der LKW wurde von Minski Awtomobilny Sawod entwickelt und hatte eine Besatzung von drei Personen. Er verfügte über eine Reifendruckregelanlage, ein Navigationssystem und ein Führerhaus mit ABC-Schutz.<ref name="rvsn" /> An der Fahrzeugfront befand sich der Motor mit dem Führerhaus. Als Motor kam ein luftgekühlter W58-Dieselmotor mit 478 kW (650 PS) Leistung zur Anwendung. Unbeladen (ohne Rakete) hatte das Fahrzeug eine Länge von 17,33 m, war 3,20 m breit und hatte eine Höhe von 2,94 m<ref name="militaryrussia" /> und ein Gewicht von knapp über 40 Tonnen. War das Fahrzeug mit dem Transport- und Abschussbehälter für die Rakete beladen, betrug die Länge 21,50 m und die Höhe 4,45 m.<ref name="utkin16" /> Das Fahrzeuggewicht stieg auf rund 85 Tonnen.<ref name="militaryrussia" /> Beladen betrug die maximale Fahrgeschwindigkeit rund 40 km/h.<ref name="utkin16" /> Um das Startfahrzeug feuerbereit zu machen, wurde es zuerst auf Hydraulikstützen gestellt. Danach wurde der Transport- und Abschussbehälter mit der Rakete über das Heck in einem Winkel von 90 ° angestellt. Die 15Sch42-Raketen wurden kalt gestartet.<ref name="rvsn" /> Mittels Gasdruck wurden sie aus dem Abschussbehälter auf eine Höhe von ca. 30 m ausgestoßen.<ref name="rvsn" /> Erst dann zündete die erste Raketenstufe. Ab dem Startfahrzeug konnten die Raketen direkt in der Basis, bei eingemessenen Geländepunkten entlang einer festgelegten Patrouillenroute oder von beliebigen Punkten im Gelände gestartet werden. Das mobile Temp-2S-System war schnell verlegbar und daher schwierig zu lokalisieren, somit war eine präventive Zerstörung nur schwierig realisierbar. Für den Raketenstart wurde eine Vorbereitungszeit von 10–20 Minuten benötigt.<ref name="lennox16">Duncan Lennox: Jane’s Strategic Weapon Systems. Edition 2001, 34th edition Edition, Jane’s Information Group, 2001, ISBN 0-7106-0880-2. S. 560</ref> Nach dem Start konnte das Fahrzeug mit einer neuen Rakete beladen werden.<ref name="zaloga" />

Rakete

Die 15Sch42-Raketen wurden in versiegelten, vor Witterungseinflüssen geschützten Transport- und Abschussbehältern aus dem Herstellungswerk geliefert. In der Raketengarnison wurden die Behälter auf die Start- und Transportfahrzeuge aufgesetzt.<ref name="utkin16" /> Der zylinderförmige Abschussbehälter hatte eine Länge von 20 m und einen Außendurchmesser von rund 2,00 m.<ref name="zaloga" /> Der Behälter schützte die Rakete vor Umwelteinflüssen und Beschädigung. Im Inneren des Behälters war eine elektrische Heizung installiert, welche für eine optimale Temperatur zwischen 15 und 20 °C sorgte.<ref name="utkin16" /> Die 15Sch42 war eine dreistufige Interkontinentalrakete. Die Stufen bestehen aus drei Hauptantriebstufen mit Feststoff-Raketentriebwerken. Der Wiedereintrittskörperträger (englisch Post Boost Vehicle) verfügte über vier kleine Feststoff-Raketentriebwerke zur Lageregelung.<ref name="rvsn" /> Die Antriebsstufen waren übereinander angebracht und zünden der Reihe nach. Die Hülle der Rakete bestand aus Komposit-Werkstoffen, welche Temperaturen von bis zu 3.000 °C standhalten mussten.<ref name="astronautix" /> Die erste Stufe hatte einen Durchmesser von 1.800 mm, die zweite 1.470 mm und die dritte 1.300 mm. Als Treibstoff verwendete die Rakete den PAL-17/7-Treibstoff auf der Basis von Butylkautschuk, Aluminium und Ammoniumperchlorat. Die Lenkeinheit bestand aus einem Trägheitsnavigationssystem mit einem Analog-Digital-Steuersystem.<ref name="militaryrussia" /> Die Steuerung erfolgte über vier Strahlruder am Raketentriebwerk sowie acht wabenförmige Gitterflossen (davon vier beweglich) am Raketenheck. Die Rakete konnte wahlweise mit einem leichten Nukleargefechtskopf mit einer Sprengleistung von 650 kT oder einem schweren Nukleargefechtskopf mit 1.500 kT bestückt werden.<ref name="pavel16" /><ref name="utkin16" /> Je nach Schussdistanz erzielte sie einen Streukreisradius (CEP) von 450–1.640 m.<ref name="mindex">Missile.index.ne.jp: Temp-2S</ref><ref name="lennox16" />

Status

Gemäß russischen Angaben verblieben die Temp-2S-Systeme in der Truppenerprobung und wurden nie offiziell in Dienst gestellt.<ref name="zaloga" /><ref name="lennox16" /> Insgesamt erhielten die Strategischen Raketentruppen 39 Start- und Transportfahrzeuge.<ref name="utkin16" /> Die zwei Temp-2S-Raketenregimenter waren im Großraum von Plessezk stationiert und waren mit je 6 Start- und Transportfahrzeugen ausgerüstet.<ref name="pavel16" /> Bei Überflügen von Aufklärungssatelliten wurden die Start- und Transportfahrzeuge in spezielle Garagen gestellt, um diese zu verbergen.<ref name="iir">Encyclopedia Astronautica: Ineragency Intelligence Report Octobre 1974: A Sovjet Land-Mobile ICBM</ref><ref name="cia">Cia.gov: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Photographic Interpretation report: SS-X-16 Missile (Memento vom 23. Januar 2017 im Internet Archive)</ref> Je nach Quelle wurden zwischen 100 und 200 15Sch42-Raketen hergestellt.<ref name="pavel16" /><ref name="militaryrussia" /><ref name="lennox16" /> Im Zuge der SALT-II-Abrüstungsverhandlungen wurden alle Systeme im Jahr 1985 ausgesondert und in ein spezielles Depot zur Langzeitlagerung gebracht.<ref name="militaryrussia" /> Die Entsorgung der Raketen begann erst zehn Jahre später. Die letzte Rakete wurde 1997 verschrottet.<ref name="rvsn" />

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Ballistische Boden-Boden-Raketen aus der Sowjetunion/Russland