Szybowice
Szybowice (deutsch Schnellewalde) ist ein Ort in der Stadt- und Landgemeinde Szybowice im Powiat Prudnicki der Woiwodschaft Opole in Polen.
Geographie
Das Waldhufendorf Szybowice liegt im Süden Oberschlesiens etwa sechs Kilometer nordwestlich von Prudnik und 57 Kilometer südwestlich von Opole in der Schlesischen Tiefebene an der Bahnstrecke Kędzierzyn-Koźle–Nysa.
Ortsteil von Szybowice ist der bis 1938 selbstständige Ort Włóczno (Achthuben).
Nachbarorte von Szybowice sind im Westen Nowy Las (Neuwalde), im Nordosten Stary Las (Altewalde), im Norden Mieszkowice (Dittmannsdorf), im Nordosten Rudziczka (Riegersdorf), im Osten Niemysłowice (Buchelsdorf), im Südosten Prudnik (Neustadt O.S.) und Łąka Prudnicka (Gräflich Wiese) sowie im Süden Wierzbiec (Wackenau).
Geschichte
Schnellewalde wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Waldhufendorf angelegt und mit deutschen Kolonisten besiedelt.<ref name="Kuhn">Walter Kuhn: Siedlungsgeschichte Oberschlesiens. Oberschlesischer Heimatverlag, Würzburg. 1954. S. 66.</ref> „Snellinwalde“ wurde erstmals urkundlich im Breslauer Zehntregister Liber fundationis episcopatus Vratislaviensis aus den Jahren 1295–1305 erwähnt.<ref name="liber">Liber fundationis episcopatus Vratislaviensis</ref> 1335 wurde die Pfarrkirche erstmals erwähnt.<ref name="Gmina" /> Für das Jahr 1463 ist es in der Schreibweise Snellewalde belegt.<ref name="Knie" /> 1532 hielt die Reformation Einzug im Ort und der Ort wurde protestantisch.<ref name="Gmina" />
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 gelangte Schnellewalde mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. 1784 hatte Schnellewalde 1283 Einwohner.<ref>Johann Ernst Tramp: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien Band 3, Brieg 1783</ref> Im selben Jahr wurde die evangelische Pfarrkirche erbaut.<ref name="Knie" /> 1787 zählte Schnellewalde 146 Bauern und 382 Stellen sowie 1725 Einwohner.<ref name="Kuhn"/>
1804 wurde die evangelische Kirche neu errichtet.<ref name="Kirche" /> Nach der Neugliederung der Provinz Schlesien gehörte die Landgemeinde Schnellewalde ab 1816 zum Landkreis Neustadt O.S., mit dem sie bis 1945 verbunden blieb. 1818 zählte der Ort, der damals Neustädter Kammergut war, 143 Bauern, 50 Gärtner und 67 Häusler.<ref>Geographisch-statistisches Handbuch über Schlesien und die Grafschaft Glatz, Band 2; Breslau und Jauer 1818</ref> 1845 bestanden im Dorf eine Freischoltisei, eine evangelische Pfarrkirche, eine evangelische Schule, eine Wassermühle, eine katholische Schule, eine katholische Kirche und weitere 394 Häuser. Die Einwohnerzahl lag damals bei 2510, davon 810 katholisch.<ref name="Knie">Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845, S. 600.</ref> 1855 waren es 2.614 Einwohner. 1865 wurden 105 Bauern-, 33 Gärtner- und 246 Häuslerstellen gezählt sowie zwei Windmühlen und eine Brauerei. Die Einwohner waren neben der Landwirtschaft, größtenteils bestehend aus Flachsbau und Obstzucht, in der Spinnerei und der Weberei beschäftigt. An der evangelischen Schule wurden 400 Schüler unterrichtet, in der zweiklassigen katholischen Schule waren es 253 Schüler.<ref name="Triest">Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Breslau 1865, S. 1051</ref> 1874 wurde der Amtsbezirk Schnellewalde gebildet, dem die Landgemeinden Schnellewalde und Wackenau und der Gutsbezirk Wackenau eingegliedert wurden.<ref>Amtsbezirk Schnellewalde</ref> 1876 wurde die Bahnstrecke zwischen Neustadt und Neisse eröffnet. Hierdurch erhielt Schnellewalde einen Anschluss an das Bahnnetz der Oberschlesischen Eisenbahn. 1885 wurden 2316 Einwohner gezählt.<ref>AGOFF Kreis Neustadt O.S.</ref> Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 lag Schnellewalde außerhalb des Abstimmungsgebietes. 1933 lebten im Ort 1.848 Einwohner. 1939 hatte der Ort 2.064 Einwohner.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden zwei kleine Kriegsgefangenenlager für je 30 bis 40 Gefangene im Ort eingerichtet.<ref name="tygodnikprudnicki">Geschichte von Schnellewalde im Zweiten Weltkrieg (polnisch)</ref> Am Morgen des 17. März 1945 begann die Einnahme von Schnellewalde durch die Rote Armee, die Gefechte um den Ort dauerten bis in die Nacht. Die Einwohner waren zuvor nicht evakuiert worden und versuchten, während oder nach den Kämpfen zu flüchten. Später kehrten einige zurück. Der Ort kam nach dem Ende des Krieges unter polnische Verwaltung, wurde in Szybowice umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war. 1950 wurde Szybowice der Woiwodschaft Opole eingegliedert. Die evangelische Kirche wurde 1979 abgerissen.<ref name="Kirche">Geschichte der evangelischen Kirche in Schnellewalde (polnisch)</ref> Seit 1999 gehört Szybowice zum Powiat Prudnicki.
Sehenswürdigkeiten
- Die katholische Pfarrkirche mit dem Patrozinium des Erzengel Michaels wurde 1355 erstmals erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der katholische Priester von der schwedischen Armee getötet und die Kirche zerstört. 1651 wurde sie wieder aufgebaut. 1734 erfolgte ein Umbau im Stil des Barock.<ref>Geschichte der katholischen Michaelskirche (polnisch)</ref> Seit 1966 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.<ref name="Denkmal">Verzeichnis der Denkmäler in der Woiwodschaft Opole</ref>
- Schwesternhaus St. Elisabeth – 1890 erbaut. Seit 1991 unter Denkmalschutz gestellt<ref name="Denkmal" />
- Eisernes Kreuz mit Erinnerungstafel an dem Standort der ehemaligen evangelischen Kirche
- Empfangsgebäude des Bahnhofs Szybowice
- Kapelle aus Backstein mit Glockenturm
- Steinerne Wegekapelle mit Marienbildnis
- Steinerne Wegekapelle
- Steinernes Wegekreuz
- Hölzernes Wegekreuz
Vereine
- Freiwillige Feuerwehr OPS Szybowice
- Sportverein LZS Grom Szybowice
Söhne und Töchter des Ortes
- Heinrich Kotzolt (1814–1881), Musiker
- Wilhelm Haase (1872–nach 1932), Politiker und Unternehmer
- Josef Schwarzer (1881–1908), Schrittmacher
- Günther Patschowsky (1903–1945), Jurist, SD-Beamter und Regierungspräsident
Literatur
- Manfred Weiß: Chronik des Dorfes Schnellewalde Kreis Neustadt in Oberschlesien. Goldammer-Verlag, 2017, ISBN 978-3-944109-27-5.
- Walter Schwedowski: Geschichte der katholischen Pfarrei Schnellewalde. 1928 (Digitalisat).
Weblinks
Einzelnachweise
<references />