Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Geschwurbel – Wikipedia Zum Inhalt springen

Geschwurbel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Schwurbel)

Geschwurbel (siehe auch verschwurbelt<ref>verschwurbelt Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: duden.de. Abgerufen am 14. Februar 2024.</ref>) ist ähnlich wie Geschwafel<ref>Geschwafel Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: duden.de. Abgerufen am 14. Februar 2024.</ref> (synonym Gefasel,<ref>Gefasel Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: duden.de. Abgerufen am 14. Februar 2024.</ref> anders Geschwätz<ref>Geschwätz Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: duden.de. Abgerufen am 14. Februar 2024.</ref>) ein abwertend gebrauchter Ausdruck der Umgangssprache für vermeintlich oder tatsächlich unverständliche, realitätsferne oder inhaltslose Aussagen. Anwendung findet das Wort vorwiegend in Umgebungen, wo sprachliche Ausdrucksformen für eine abgrenzende Darstellung von besonderer Bedeutung sind, so in Politik, Religion, Werbung oder auch den Geisteswissenschaften. In der Literatur- und Kunstkritik wird die Bezeichnung verwendet, um schlechten Stil zu tadeln.

Sowohl Abschnitte geschriebener Texte wie Teile gesprochener Rede können als Geschwurbel bezeichnet werden. Für den Herabsetzungsversuch wird meist kein Inhaltsbezug aufgenommen, häufig ist darüber hinausgehend intendiert, einer argumentativen Darlegung für die beabsichtigte Abqualifikation auszuweichen. Da für eine begriffliche Bestimmung des Ausdrucks markierte Aussageinhalte selten umreißbar sind, wird oft der sprachliche Akt der Selbstdarstellung näher betrachtet (siehe Abschnitt Politik).

Etymologie und Verbreitung

Das Wort Geschwurbel<ref name="Grimm">Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref> leitet sich etymologisch als Verbalsubstantiv von dem Verb schwurbeln, schwürbeln, schwirbeln (mittelhochdeutsch swerben, für schwindlig werden, taumeln, sich im Kreise drehen, sich wirbelnd bewegen, wirbelnd sich bewegen, in verwirrter Menge sich bewegen)<ref>Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref> her und steht neben den Substantiven Schwurbel und Schwirbel<ref>Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref> mit ähnlicher Bedeutung, hebt aber im Unterschied zu diesen weniger auf den einzeln gefassten Vorgang ab als auf dessen Wiederholung. Im Grimmschen Deutschen Wörterbuch wird es als Lemma aufgeführt und mit „verworrene menge, schwarm, confuser lärm, taumel“ wiedergegeben,<ref name="Grimm" /> als Belegstelle dient Johann Andreas Schmellers Bayerisches Wörterbuch.<ref>Johann Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch. 2. Auflage. Band 2, 1877, S. 647.</ref> Das zugrundeliegende Verb ist aus dem urgermanischen Verb *swerbaną- „reiben, wischen“ ererbt.

Das Wort ist im deutschen Sprachgebiet nicht allerorts etabliert und wird eher selten gebraucht: Laut Textkorpus der Universität Leipzig gehört es zur Häufigkeitsklasse 17<ref>Wortschatz – deu_news_2022 – Geschwurbel. In: corpora.uni-leipzig.de. Abgerufen am 14. Februar 2024.</ref> (zum Vergleich: Geschwafel zählt zur Häufigkeitsklasse 15). Im Rechtschreibduden war es in der 25. Auflage (2009) wie der 24. (2006) nicht enthalten, doch wird es inzwischen im Duden online<ref>Geschwurbel Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: duden.de. Abgerufen am 14. Februar 2024.</ref> aufgeführt. Im Sinne von seichtem oder törichtem Gerede werden Gelaber, Geschwätz, Schmarrn (fränkisch Gschmarri) oder Geschwafel (fränkisch Gwaaf<ref>Martin Droschke: So beklagt man sich in Franken. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 17. September.</ref>) oft synonym verwendet. Schwafeln<ref>Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref> ist über eine mutmaßliche Form schwâweln mit schwabbeln, schwappen verwandt (u/f/b-Verwandtschaft), aus einem Wortstamm mit dem Bedeutungsfeld „beben, zittern, schwanken, wackeln“, und verweist so wie „schwurbeln“ auf eine Bewegung, deren Richtung nicht festliegt.

Anwendung

Politik

In der Politik werden zu bestimmten Anlässen (Interviews, Gesprächsrunden) immer wieder vorgetragene Gemeinplätze als Geschwurbel bezeichnet.<ref>Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21/2005, S. 39.</ref>

Literatur

In Rezensionen wird beispielsweise die wortreiche Schilderung von Gedanken, Empfindungen und Gefühlen unter Vernachlässigung der Handlung,<ref>Hubert Winkels: Geschwurbel: Zutexten, bis der Arzt kommt. In: zeit.de. 5. Mai 2019, abgerufen am 14. Februar 2024.</ref> der übermäßige Gebrauch von Metaphern<ref>Hubert Winkels: L I T E R A T U R : Stasi-Voodoo. In: zeit.de. 2. Januar 2014, abgerufen am 14. Februar 2024.</ref> oder eine verworrene Erzählweise als Geschwurbel bezeichnet. Beispiel:

„Dass so ein erzreaktionäres Geschwurbel überhaupt ins Deutsche übersetzt wird, kann nur daran liegen, dass die weitschweifige Inbrunst eines überbordenden Erzählens mit der Tiefe der russischen Seele verwechselt wurde.“ (Jörg Magenau über den Roman „Ein Kranz für das Grab des Windes“ von Alan Tschertschessow in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 17. November 2003, S. 32)

Kultur

Der Ausdruck wird auch in Bezug auf Werke der bildenden Kunst (abstraktes Geschwurbel in Öl<ref>Süddeutsche Zeitung, 28. Juni 1996, S. 37.</ref>) und Philosophie (gelehrtes Geschwurbel über Gott und die Welt<ref>Süddeutsche Zeitung, 15. Dezember 1995, S. 13.</ref>) verwendet, gelegentlich mit besonderem Bezug auf die Postmoderne (Das klingt nach postmodernem Geschwurbel<ref>Süddeutsche Zeitung, 12. August 1996, S. 11.</ref>).

Eine unter anderem von Eckhard Henscheid verwendete Variante ist Hirnschwurbel.<ref>in seiner Trilogie des laufenden Schwachsinns</ref>

Pseudowissenschaft

Pseudowissenschaftliche Äußerungen werden von Kritikern Schwurbel genannt. Während das Wort Schwurbel vor 1986 kaum nachzuweisen ist<ref>Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. In: dwds.de. Abgerufen am 14. Februar 2024 (Schwurbel - Verlaufskurve, Basis: DWDS Zeitungskorpus).</ref>, breitete es sich ab 2021 mit der COVID-19-Pandemie über die sozialen Medien bis in die Feuilletons der großen Zeitungen aus. Bezeichnet werden mit diesem Begriff vor allem unwissenschaftliche, esoterische und irrationale Äußerungen.<ref>https://hpd.de/artikel/warum-schwurbler-schwurbeln-rolle-core-knowledge-23233</ref> Verschwörungstheoretiker und Querdenker wurden Schwurbler genannt, teilweise aber auch diejenigen, die pauschale Verurteilungen von Ungeimpften problematisierten.<ref>Theresa Schouwink: „Schwurbelnde“ Intellektuelle? In: philomag.de. 22. Dezember 2021, abgerufen am 14. Februar 2024.</ref>

Weblinks

Wiktionary: Geschwurbel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Geschwafel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />