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Tendaguru

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Vorlage:Infobox Berg

Der Tendaguru ist ein Hügel in der Gemeinde Mipingo, ca. 60 km nordwestlich der Stadt Lindi im Südosten des ostafrikanischen Staates Tansania und eine weltbekannte Lagerstätte für Dinosaurierfossilien aus dem Oberjura.

Geschichte der Ausgrabungen und ihrer Erforschung

Datei:Janensch.jpg
Werner Janensch am Tendaguru. Seine Bildunterschrift lautet: „Ego [Ich] beim Eintragen ins Fundbuch“.<ref>Bilddokument, Tendaguru-Expedition, W. Janensch. ID: 9106. Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, Humboldt-Universität zu Berlin. Zuletzt abgerufen am 5. Februar 2013</ref>

Im Jahr 1906 stieß der deutsche Apotheker und Bergbauingenieur Bernhard Wilhelm Sattler bei Prospektionsarbeiten südlich des Mbemkure-Flusses auf mehrere riesige Wirbel- und Gliedmaßenknochen, die am Fuß des später „Tendaguru“ genannten Hügels aus dem Boden herauswitterten.<ref name=":1">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Sattler meldete seinen Fund der Kommission für die landeskundliche Erforschung der deutschen Schutzgebiete, deren Vorsitz damals der Leipziger Afrikaforscher Hans Meyer innehatte<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>. Meyer gab die Nachricht umgehend an den auf Afrikareise befindlichen Stuttgarter Paläontologen Eberhard Fraas weiter und drängte ihn, den Fundort rasch aufzusuchen.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Fraas traf Anfang 1907 am Tendaguru ein und barg zusammen mit Sattler die ersten beiden, wenn auch unvollständigen Dinosaurierskelette – der Auftakt zur wissenschaftlichen Erforschung der Fundstelle.<ref name=":1" />

In den Jahren 1909–1913 fand unter der Leitung von Werner Janensch eine deutsche Expedition und Grabung im Auftrag des Berliner Museums für Naturkunde statt.<ref name="Hennig1912">Hennig, E. (1912) Am Tendaguru. Leben und Wirken einer deutschen Forschungs-Expedition zur Ausgrabung vorweltlicher Riesensaurier in Deutsch-Ostafrika. Stuttgart: Schweizerbart. (Zeitgenössischer Bericht, von kolonialem Gedankengut geprägt)</ref> Sie wird als die erfolgreichste Dinosauriergrabung der Geschichte gewertet. 250 Tonnen fossilisierte Dinosaurierknochen wurden nach Berlin transportiert.

Aus den Fossilien mehrerer Exemplare konnte der größte Teil des Skeletts eines Giraffatitan brancai<ref name="Taylor2009">Taylor, M.P. (2009). A re-evaluation of Brachiosaurus altithorax RIGGS 1903 (Dinosauria, Sauropoda) and its generic separation from Giraffatitan brancai (Janensch 1914). Journal of Vertebrate Paleontology 29(3). S. 787–806.</ref> (lange als Brachiosaurus brancai<ref name="janensch1914">Janensch, W. (1914). Übersicht über der Wirbeltierfauna der Tendaguru-Schichten nebst einer kurzen Charakterisierung der neu aufgeführten Arten von Sauropoden. Archiv für Biontologie, 3(1), S. 81–110 (Vorlage:Webarchiv)</ref> bezeichnet) rekonstruiert werden.<ref>Zurück nach Afrika, Süddeutsche Zeitung vom 19. Februar 2021</ref> Laut einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung handelt es sich bei dem Skelett um „ein gigantisches Puzzle aus mehreren Exemplaren“ bei denen große Teile rekonstruiert werden mussten.<ref name=":0">Vorlage:Internetquelle</ref> Diese Skelettrekonstruktion wurde im Berliner Museum für Naturkunde aufgestellt,<ref name="Janensch1950">Janensch, W. (1950). Die Skelettrekonstruktion von Brachiosaurus brancai. Palaeontographica. Supplement 7 (I, 3). S. 97–103.</ref> dessen Prunkstück sie seitdem bildet. Für lange Zeit war es das weltweit größte montierte Skelett eines Dinosauriers, und das ist es wieder seit einer 2007 vorgenommenen Neumontage.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Die Tendaguru-Funde führten bereits zu zahlreichen neuen Erkenntnissen über die Dinosaurier, und die wissenschaftliche Auswertung ist noch nicht abgeschlossen. Weitere Gattungen, von denen in der Tendaguru-Formation reichliche Funde gemacht wurden, sind der Stegosaurier Kentrosaurus,<ref name="Hennig1915">Hennig, E. (1915). Kentrosaurus aethiopicus, der Stegosauride des Tendaguru. Sitzungsberichte der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin. 1915. S. 219–247.</ref><ref name="Hennig1916a">Hennig, E. (1916). Zweite Mitteilung über den Stegosauriden vom Tendaguru. Sitzungsberichte der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin 1916 (6). S. 175–182.</ref><ref name="Hennig1925">Hennig, E. (1925). Kentrurosaurus aethiopicus. Die Stegosaurier-Funde vom Tendaguru, Deutsch-Ostafrika. Palaeontographica. Supplement 7. S. 101–254.</ref> der kleine Vogelbeckendinosaurier Dysalotosaurus (auch zu Dryosaurus gestellt), der ungewöhnliche, schlanke Theropode Elaphrosaurus,<ref name="Janensch1929">Janensch, W. (1929). Ein aufgestelltes und rekonstruiertes Skelett des Elaphrosaurus bambergi. Mit einem Nachtrag zur Osteologie dieses Coelurosauriers. Palaeontographica. Supplement 7 (I, 2). S. 279–286.</ref> sowie eine ganze Reihe teils recht vollständiger, teils nur partiell bekannter Sauropoden. Hierzu zählen Dicraeosaurus sattleri und Dicraeosaurus hansemanni,<ref name="Janensch1935">Janensch, W. (1935). Ein aufgestelltes Skelett von Dicraeosaurus hansemanni. Palaeontographica. Supplement 7 (I, 2). S. 301–308.</ref> Janenschia robusta<ref name="Wild1991">Wild, R. (1991). Janenschia n. g. robusta (E. Fraas 1908) pro Tornieria robusta (E. Fraas 1908) (Reptilia, Saurischia, Sauropodomorpha). Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde. Serie B. Band 173. S. 1–3.</ref> und, weniger bekannt, Tornieria africana und Australodocus bohetii.<ref name="Remes2009">Remes, K. (2009). Taxonomy of Late Jurassic diplodocid sauropods from Tendaguru (Tanzania). In: Fossil Record. Band 12 (1). S. 23–46.</ref> Auch Knochen eines allosauriden Raubdinosauriers wurden gefunden.

Von 1924 bis 1931 setzte das British Museum (Natural History), das heutige Natural History Museum, mit einer eigenen Expedition die deutschen Grabungen am Tendaguru fort, ohne jedoch ähnlich spektakuläre Fossilfunde vorweisen zu können.

Das Berliner Naturkundemuseum führte im August und September 2000 im Rahmen des Deutsch-Tansanischen Tendaguru-Projekts erneut Fossilaufsammlungen am Tendaguru durch. Ziel war die Rekonstruktion der Paläoökosysteme, in denen die Dinosaurier lebten.<ref name=Heinrichetal2001>Heinrich, W.-D., Bussert, R., Aberhan, M., Hampe, M., Kapilima, S., Schrank, E., Schultka, S., Maier, G., Msaky, E., Sames, B. und Chami, R. (2001). The German-Tanzanian Tendaguru Expedition 2000. In: Fossil Record Band 4. S. 223–237.</ref>

Debatte um die Eigentumsrechte an den Fossilien

Der tansanische Botschafter in Berlin stellte Anfang 2020 die Rückgabe von Fossilien aus Tendaguru sowie weiterer Objekte wie menschlicher Überreste (human remains) zur Debatte. Auch Reparationszahlungen und vor allem binationale Zusammenarbeit stehen zur Debatte. Bereits 1998 war in einem tansanischen Verlag ein Jugendbuch in Swahili erschienen, in dem die Entdeckung der Fossilien von Tendaguru einheimischen Bewohnern zugeschrieben wurde, welche die Fossilien später dem deutschen Ingenieur Sattler aufgezeigt haben könnten.<ref>Cassian Magori, Charles Sanaane, Dinosaria wa Tendaguru. E&D Vision Publishers, Dar es Salaam, Tansania 1998, ISBN 9789987622061</ref><ref>Gerhard Maier: African Dinosaurs Unearthed: The Tendaguru Expeditions. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003, S. 305.</ref>

Der Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums, Johannes Vogel, hält Forderungen nach einer Rückgabe des Giraffatitan an Tansania nicht für gerechtfertigt, da das Skelett kein Natur-, sondern ein Kulturgut darstelle. Dies erklärte er wie folgt: „Er wurde erst in Berlin in jahrzehntelanger wissenschaftlicher Arbeit zu einem Dinosaurier-Modell zusammengesetzt“. Aus diesem Grund stehe er auch seit 2011 im Verzeichnis der national geschützten Kulturgüter.<ref name=":0" /><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Im Dezember 2019 unterzeichneten die Universität von Daresalam und das Berliner Naturkundemuseum ein Memorandum of Understanding über die Intensivierung der Zusammenarbeit mit tansanischen Wissenschaftlern.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Dokumentarfilm

  • Dino-Jäger – Auf der Spur der Urzeit-Giganten. 44 Min. Ein Film von Stefan Schulze. Fachberatung: Oliver Rauhut unter Mitwirkung von Oliver Hampe, Amandus P. Kwekason und Daniela Schwarz. Anmerkung: Tendaguru wird von Minute 24 bis 35 behandelt. Deutschland 2021 (Online in der ZDF Mediathek).<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Literatur

  • Edwin Hennig: Am Tendaguru. Leben und Wirken einer deutschen Forschungsexpedition zur Ausgrabung vorweltlicher Riesensaurier in Deutsch-Ostafrika. Schweizerbart, Stuttgart 1912 (PDF).
  • Ina Heumann, Holger Stoecker u. a.: Dinosaurierfragmente – Zur Geschichte der Tendaguru-Expedition und ihrer Objekte, 1906-2018. Wallstein, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8353-3253-9.
  • Gerhard Maier: African Dinosaurs Unearthed: The Tendaguru Expeditions. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003, ISBN 0-253-34214-7.
  • Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Band 3: P–Z. Quelle & Meyer, Leipzig 1920, Vorlage:DNB, S. 475–477 (PDF).
  • Holger Stoecker: Ein afrikanischer Dinosaurier in Berlin. Der Brachiosaurus brancai als deutscher und tansanischer Erinnerungsort. In: WerkstattGeschichte. Heft 77. Transcript, Bielefeld 2018, Vorlage:ISSN, S. 65–83 (PDF).

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />