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Zodiak

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Tierkreis)

{{#if: behandelt den Zodiak als astronomischen Begriff, zum Tierkreis in der Astrologie und Tierkreiszeichen siehe Tierkreiszeichen. Für das gleichnamige Musikalbum der Rapper RAF Camora und Chakuza siehe Zodiak (Album). Für andere Bedeutungen von Zodiak und Zodiac siehe Zodiac.

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SCENOGRAPHIA SYSTEMATIS MVNDANI PTOLEMAICI, Andreas Cellarius: Harmonia Macrocosmica. 1660/61

Als Zodiak, auch Zodiakus (zu {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=la |SCRIPTING=Latn |SERVICE=lateinisch}}, von Vorlage:GrcS) oder deutsch Tierkreis, wird heute eine etwa 20 Grad breite Zone um die Ekliptik, also die scheinbare Sonnenbahn, bezeichnet, innerhalb derer die scheinbaren Bahnen von Sonne, Mond und Planeten verlaufen. Die Ekliptik bildet dabei die Mittellinie. Sie schneidet die dreizehn Ekliptiksternbilder. Da die Umlaufbahnen der anderen Planeten sowie des Mondes zur Ekliptik etwas geneigt sind, können diese Himmelskörper sich außerdem in weiteren Sternbildern befinden wie zum Beispiel Corvus, Orion oder Cetus, die in den Zodiak ragen.

Bis ins 19. Jahrhundert und noch heute in der Astrologie wurde unter Zodiak dagegen die in zwölf 30 Grad große Abschnitte, die Tierkreiszeichen, geteilte Ekliptik verstanden, beginnend mit dem Frühlingspunkt.<ref>John Herschel: Outlines of Astronomy. Blanchard & Lea, Philadelphia 1857, S. 200f. (online)</ref> Wegen der Präzession der Erdachse liegen die Tierkreis-Sternbilder heute nicht mehr in den gleichnamigen Tierkreiszeichen, die beiden müssen also streng voneinander unterschieden werden.

Geschichte

Der Tierkreis mit seinen zwölf gleichen 30°-Abschnitten und dem Beginn mit dem Tierkreiszeichen Widder könnte dadurch entstanden sein, dass er an den schematischen Ideal-Kalender mit 12 Monaten zu 30 Tagen, mit dem das babylonische Jahr nahe dem Frühjahrs-Äquinoktium vielleicht ab dem 7. Jh. v. Chr. begann, und den parallelen Sternbildern angelehnt wurde.<ref>Francesca Rochberg: Heavenly Writing. Cambridge University Press, New York 2004, S. 129f.</ref> Der vollständige Tierkreis mit seinen – noch unterschiedlich langen – zwölf Sternbildern auf der Ekliptik wurde schließlich im 5. Jh. v. Chr. während des Achämenidenreichs im Gebiet Mesopotamiens entwickelt bzw. erstmals überliefert. Im 4. Jh. v. Chr. entstand, wohl schon in der seleukidischen Herrschaft nach der hellenistischen Eroberung des Gebietes, die exakte Aufteilung des Tierkreises in 12 „Zeichen“ zu 30° sowie die erstmals nachweisbare mathematische Astronomie, welche ermöglichte, die Planetenpositionen vorauszuberechnen auf Basis des Koordinatensystems der 30°-Abschnitte der einzelnen Tierkreiszeichen.<ref>James Herschel Holden: A History of Horoscopic Astrology. American Federation of Astrologers, Tempe (USA) 2006, S. 3; Mathieu Ossendrijver: Astronomie und Astrologie in Babylonien, in: Joachim Marzahn, Beatrice André-Salvini, Jonathan Taylor, Babylon – Mythos und Wahrheit: Katalog zur Ausstellung in den Staatlichen Museen zu Berlin, Pergamonmuseum, 26.6.2008-5.10.2008. Hirmer Verlag, München 2008, S. 380.</ref> Beide Entwicklungen ermöglichten dort eine weitere, für die Astrologie und Geburtshoroskopie wichtige Neuerung: die Erstellung von sogenannten Keilschrift-„Horoskopen“, zudem nun auch für gewöhnliche Menschen. Damit sind Keilschrift-Täfelchen gemeint, welche die Planetenstellungen im Tierkreis bei einer Geburt aufführen, gelegentlich mit kurzen Sprüchen zu den einzelnen Planeten bzw. den Planetenkonstellationen, den Omina.

Dieser zwölfteilige Tierkreis entlang der Ekliptik wurde von den Griechen übernommen. Im Parapegma des Euktemon findet sich der heute noch gebräuchliche Tierkreis, es ist bereits ein tropischer Tierkreis (abgeleitet vom griechischen τρόποι, trópoi, was ‚Wendungen, Wendepunkte‘ bedeutet), weil hier die Hauptpunkte der Sonnenbahn (Äquinoktien und Solstitien) den Anfang von vier der zwölf Zeichen festlegen.<ref>B. L. van der Waerden: Die Astronomie der Griechen. 1988, S. 81. So auch später bei Hipparchos von Nicäa und Ptolemäus. Euktemons Zeitgenosse Meton ist dagegen beim siderischen Tierkreis der Babylonier geblieben; hier liegen die Jahrespunkte bei 8° der jeweiligen Zeichen.</ref> In diesem Parapegma treten auch die heute noch gängigen Namen auf; sie sind in den meisten Fällen Übersetzungen der babylonischen Bezeichnungen.<ref>B. L. van der Waerden: Die Anfänge der Astronomie. 1980, S. 256–259.</ref>

Im Jahre 1928 legte die Internationale Astronomische Union (IAU) die Grenzen der siderischen Sternbilder wissenschaftlich genau fest und postulierte zugleich 13 Sternbilder entlang der Ekliptik. Das dreizehnte Sternbild, der Schlangenträger, wurde bei der antiken Kanonisierung der ekliptikalen Sternbilder ignoriert, wie heute noch in der Astrologie, vielleicht um die in vieler Hinsicht attraktivere Zwölf-Teilung zu ermöglichen.<ref>Jürgen Hamel: Begriffe der Astrologie. Wissenschaftlicher Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2010. S. 509f., Stichwort Schlangenträger.</ref>

Ekliptiksternbilder

Datei:Constellations ecliptic equirectangular plot.svg
Sternkarte mit den heutigen 88 Sternbildern. Die 12 klassischen Tierkreissternbilder sind grau markiert.
Datei:Zodiac Constellations.jpg
Astrofotos der zwölf klassischen Sternbilder des Zodiaks, des Tierkreises. Linien und Namen wurden hinzugezeichnet.

Die 13 von der Ekliptik geschnittenen Sternbilder sind die zwölf klassischen Tierkreissternbilder Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische sowie der zwischen Skorpion und Schütze gelegene und erst seit 1928 durch die Grenzziehungen von Eugène Delporte als Sternbild der Ekliptik berücksichtigte Schlangenträger. Der Frühlingspunkt liegt heute in den Fischen, wandert aber auf der Ekliptik in 72 Jahren um 1° und wird sich frühestens ab etwa 2200<ref>Siehe die Tabelle der Termine.</ref> im Wassermann befinden, bei genauerer astronomischer Betrachtung hingegen erst ab ca. 2450.<ref>Siehe die Wassermannzeitalter.</ref> Die Ekliptik als Ganzes behält dagegen ihre Lage bezüglich der Sternbilder weitestgehend bei. Sie ändert sich nur durch Störungen der Erdbahn.

Sternbild Symbol Ekliptikale
Länge
Sektor Zeitraum des Sonnen-
durchgangs (ca. 2010)
Deutsch Latein
Widder Aries Widder
(U+2648 )
28,8°–53,5° 24,7° 19. Apr. – 14. Mai (25 Tage)
Stier Taurus Stier
(U+2649 )
53,5°–90,2° 36,7° 14. Mai – 21. Jun. (38 Tage)
Zwillinge Gemini Zwillinge
(U+264A )
90,2°–118,1° 27,9° 21. Jun. – 20. Jul. (29 Tage)
Krebs Cancer Krebs
(U+264B )
118,1°–138,2° 20,1° 20. Jul. – 11. Aug. (22 Tage)
Löwe Leo Löwe
(U+264C )
138,2°–173,9° 35,7° 11. Aug. – 17. Sep. (37 Tage)
Jungfrau Virgo Jungfrau
(U+264D )
173,9°–218,0° 44,1° 17. Sep – 31. Okt. (44 Tage)
Waage Libra Waage
(U+264E )
218,0°–241,0° 23,0° 31. Okt. – 23. Nov. (23 Tage)
Skorpion Scorpius Skorpion
(U+264F )
241,0°–247,7° 6,7° 23. Nov. – 30. Nov. (7 Tage)
Schlangenträger Ophiuchus Schlangenträger
(U+26CE )
247,7°–266,3° 18,6° 30. Nov. – 18. Dez. (18 Tage)
Schütze Sagittarius Schütze
(U+2650 )
266,3°–299,7° 33,4° 18. Dez. – 20. Jan. (33 Tage)
Steinbock Capricornus Steinbock
(U+2651 )
299,7°–327,6° 27,9° 20. Jan. – 16. Feb. (27 Tage)
Wassermann Aquarius Wassermann
(U+2652 )
327,6°–351,6° 24,0° 16. Feb. – 12. Mrz. (24 Tage)
Fische Pisces Fische
(U+2653 )
351,6°–28,8° 37,2° 12. Mrz. – 19. Apr. (38 Tage)

Einteilung der Ekliptik

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Anfangspunkte der zwölf Tierkreiszeichen. Die Sonne bewegt sich an der gezeigten Position nach rechts.

Es ist sinnvoll, die Orte von Mond und Planeten in Bezug auf die Ekliptik zu beschreiben, weil diese sich nie weit von ihr entfernen. Die zugehörigen Koordinaten sind ekliptikale Länge und Breite. Älter als die heute übliche Längenangabe in Grad ist eine Einteilung der Ekliptik in die zwölf gleich großen Tierkreiszeichen Widder ♈︎, Stier ♉︎, Zwillinge ♊︎, Krebs ♋︎, Löwe ♌︎, Jungfrau ♍︎, Waage ♎︎, Skorpion ♏︎, Schütze ♐︎, Steinbock ♑︎, Wassermann ♒︎ und Fische ♓︎. Diese Zeichen sind dabei an den Hauptpunkten Frühlingsäquinoktium, Sommersonnenwende, Herbstäquinoktium und Wintersonnenwende ausgerichtet, die untereinander einen Abstand von je 90° haben. Der Anfangspunkt der Längenzählung ist der Frühlings- oder Widderpunkt ♈︎. Die Positionsangabe „25° 55′ ♌︎, Breite 1° 33′ n.“<ref>Das Beispiel stammt aus der Astronomia Nova von Johannes Kepler (27. Kap.). Es handelt sich um eine Marsbeobachtung vom 7. Mai 1585.</ref> entspricht damit der Länge 4 · 30° + 25° 55′ = 145° 55′.

Siehe auch: Die zwölf Tierkreiszeichen mit den Vergleichszeiten der Sonnendurchgänge durch die Tierkreiszeichen

Literatur

  • François-Régis Bastide: Zodiaque. Secrets et sortilèges. Librairie Academique Perrin, Paris 1964, Inhalt.<ref>Inhaltsverzeichnis bei Google. Abgerufen am 21. November 2024.</ref>
  • Wolfgang Hübner: Eigenschaften der Tierkreiszeichen in der Antike. Ihre Darstellung und Verwendung unter besonderer Berücksichtigung des Manilus (= Sudhoffs Archiv. Beiheft 22). Steiner, Wiesbaden 1981, ISBN 3-515-03337-8.
  • Robert Powell: Geschichte des Tierkreises. Astronova, Tübingen 2007, ISBN 978-3-937077-23-9 (Zugleich: Warschau, Polnische Akademie der Wissenschaften, Dissertation, 2004).
  • B. L. van der Waerden: Erwachende Wissenschaft. Band 2: Die Anfänge der Astronomie. 2. Auflage. Birkhäuser, 1980, ISBN 3-7643-1196-7.
  • B. L. van der Waerden: Die Astronomie der Griechen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1988, ISBN 3-534-03070-2.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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