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Tiwag

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(Weitergeleitet von Tiroler Wasserkraft AG)
TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Tiroler Wasserkraft logo 2021.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1924
Sitz Eduard-Wallnöfer-Platz 2
Innsbruck, Österreich
Leitung
  • Michael Kraxner
Mitarbeiterzahl 1413<ref name="kennzahlen 2023">Wesentliche Kennzahlen der TIWAG im Überblick. TIWAG, abgerufen am 6. Juni 2023.</ref>
Umsatz 2,4974 Mrd. Euro (Konzern)
2,2903 Mrd. Euro (Tiwag)<ref name="kennzahlen 2023" />
Branche Stromerzeugung, Stromhandel, Stromvertrieb
Website www.tiwag.at
Stand: 31. Dezember 2023

Die Tiwag, Eigenbezeichnung TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG ist eine Stromerzeugungs- und Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Innsbruck und das größte Energieversorgungsunternehmen in Tirol. Die Tiwag ist zu 100 Prozent im Besitz des Landes Tirol.<ref name=":0">TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG in Innsbruck. In: Firmen ABC. Abgerufen am 5. Mai 2025.</ref> Im Jahr 2005 erzielte der Konzern erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro.

Das Unternehmen produziert den Strom überwiegend durch Wasserkraft in neun großen und mittleren Kraftwerken (über 10 MW Ausbauleistung) sowie zahlreichen Kleinwasserkraftwerken.<ref>Kraftwerkspark. In: Tiwag. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Dezember 2016; abgerufen am 3. Juli 2024.</ref> Neben 7 großen und 26 kleinen Laufkraftwerken, drei Speicherkraftwerken (Unterstufe Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz, KW Achensee und KW Kaunertal) verfügt die Tiwag mit dem Kraftwerk Kühtai (Oberstufe Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz) auch über ein Pumpspeicherkraftwerk, das zur Erbringung von Systemdienstleistungen für Übertragungsnetze verwendet wird. Im Jahr 2023 wurden 3.499 GWh Strom erzeugt und 12.412 GWh abgesetzt.<ref name=":1" />

Geschichte

Datei:Tiroler Wasserkraftwerke AG 1939.jpg
Aktie über 100 RM derTiroler Wasserkraftwerke AG vom August 1939

Gründung

Nachdem die Stadt Innsbruck 1919 den Achensee vom Stift Fiecht gekauft hatte, gründete sie unter der Führung von Bürgermeister Anton Eder zusammen mit einem Bankenkonsortium und dem Land Tirol 1924 die Tiroler Wasserkraftwerke AG, in der die Stadt knapp die Hälfte der Aktien und zusammen mit dem Land die Mehrheit hielt.<ref name=":2">Angerer: Bürgermeister Dr. Anton Eder †. In: Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck, Nr. 10, Oktober 1952, S. 1–2 (Digitalisat).</ref> Neben der Stromversorgung übernahm das Unternehmen auch die Verwaltung verschiedener Vermögenswerte, die von der Stadtgemeinde Innsbruck eingebracht wurden. Dazu gehörten der 734,8 Hektar umfassende Grundbesitz, der Achensee samt Nutzungsrechten, sämtliche Pläne und Studien zum energiewirtschaftlichen Ausbau sowie die wasserrechtliche Baubewilligung aus dem Jahr 1923. Darüber hinaus gingen mehrere Immobilien in den Besitz der Tiwag über, darunter die Hotels „Fürstenhaus“ und „Seehof“, jeweils inklusive Nebengebäuden, Schiffs- und Badehütten. Ebenso erwarb die Tiwag das Fischereirecht, die Schifffahrtsberechtigung mit allen Werft- und Landungseinrichtungen sowie eine Flotte aus Motor- und Dampfschiffen. Zusätzlich übernahm die Tiwag die Aktien der Stadtgemeinde Innsbruck an der Achenseebahn.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 21–23, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Das erste Kraftwerk war das Achenseekraftwerk, das 1927 mit einer Leistung von 40 MW in Betrieb genommen wurde und damals das größte Speicherkraftwerk Österreichs war.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 27, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref> In mehreren Ausbaustufen (1928 bis 1951) wurde durch die Überleitung von Wasser aus mehreren Bächen – wie der Dürrach, dem Ampelsbach und der Seeache – in den Achensee die für die Stromerzeugung nutzbare Wassermenge praktisch verdoppelt. Das ermöglichte die Installation von drei zusätzlichen Turbinen und Generatoren, wodurch die Gesamtleistung auf insgesamt 79 MW stieg.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 30–34, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Erste Verträge für die Stromversorgung ab 1927 nach der Fertigstellung des Achenseekraftwerks wurden bereits 1925 mit der ÖBB und den Stadtgemeinden Hall und Schwaz abgeschlossen.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 39, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref> Zu den ersten Großkunden gehörte auch die Bayernwerke AG.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 40, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref> In den folgenden Jahren weitete die Tiwag ihren Abnehmerkreis durch den Aufkauf kleinerer Elektrizitätswerke aus<ref name=":2" /><ref name=":3">Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 210, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref> und baute zudem ihr Leitungsnetz weiter aus.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 45, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Im Jahr 1934 kam es zur Fusion mit der Zillertaler Kraftwerk AG.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 47, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Zweiter Weltkrieg

Ab 1938 wurde die Tiwag schrittweise unter deutsche Kontrolle gestellt. Bereits seit den späten 1920er Jahren war Tirols Stromnetz mit Bayern verbunden, nach 1938 geriet Tiwag jedoch unter den direkten Einfluss der nationalsozialistischen Wirtschaftsplanung. Der deutsche Konzern VIAG begann Verhandlungen mit den Hauptaktionären – dem Land Tirol, der Stadt Innsbruck und der Creditanstalt – um die Mehrheit an Tiwag zu übernehmen. Während Land und Creditanstalt ihre Anteile abtraten, verlangte Innsbrucks damaliger Bürgermeister Egon Denz vorteilhafte Bedingungen. Nach monatelangen Verhandlungen verkaufte Innsbruck am 6. August 1938 seine Aktien mit einem 50-prozentigen Aufschlag an VIAG, wodurch Innsbruck 6,5 Millionen Reichsmark erhielt. Die VIAG übertrug die Anteile Anfang 1939 an die Alpen-Elektrowerke-AG (AEW), die bis 1941 98,3 % der Tiwag-Aktien hielt. Gleichzeitig wurden kleinere Elektrizitätswerke in Tirol in die deutsche Stromwirtschaft integriert. Die Führungsebene von Tiwag wurde nach nationalsozialistischen Vorgaben umstrukturiert. 1943 wurde die Firmenzentrale in Innsbruck durch Bomben zerstört und ins Hotel „Fürstenhof“ am Achensee in Pertisau verlegt. Nach Kriegsende kehrte das Unternehmen nach Innsbruck zurück.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 54–58, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Gleichzeitig wurde der Ausbau der Wasserkraft vorangetrieben, darunter Anlagen in Zillertal und Gerlostal. Die Westtiroler Wasserkraftwerke AG (WTK) wurde 1940 mit Beteiligung von RWE, AEW und dem Reichsgau Tirol-Vorarlberg gegründet, um insbesondere die Wasserkraft im Ötztal auszubauen. Aufgrund technischer und kriegsbedingter Schwierigkeiten kam es jedoch nur zu wenigen Fertigstellungen. 1941 ging das Innkraftwerk Kirchbichl in Betrieb,<ref>75 Jahre Kraftwerk Kirchbichl. In: Tiroler Tageszeitung. 18. Dezember 2016.</ref> während viele andere Bauvorhaben, wie das Kraftwerk Haiming, unvollendet blieben. Parallel wurde das Leitungsnetz erweitert, um Tirol besser an das deutsche Stromnetz anzubinden. Eine 1938 errichtete Leitung versorgte die rüstungswichtige Aluminiumindustrie in Töging, eine weitere Verbindung nach Kaprun wurde erst nach Kriegsende 1946 fertiggestellt. Bis 1948 wurde das Gerloskraftwerk im Zillertal mit Unterstützung der AEW vollendet, wodurch Tirol an das österreichische Verbundnetz angeschlossen wurde.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 58–61, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Durch die Wiedereingliederung Osttirols in das Land Tirol übernahm die Tiwag zum 1. Jänner 1948 zudem die Versorgung des Bezirks Lienz.<ref>Die Tiwag – seit 60 Jahren verlässlicher Partner Osttirols. In: Kleine Zeitung. 21. September 2008, S. 45.</ref>

Verstaatlichung und Expansion

Die Elektrifizierung ländlicher Gebiete, insbesondere von Streusiedlungen, war mit hohen Kosten verbunden, weshalb Landesgesellschaften argumentierten, dass eine Übernahme der Gemeindewerke notwendig sei, um diese Kosten durch Erträge aus städtischen Elektrizitätswerken auszugleichen. Dies führte dazu, dass die Tiwag durch das Verstaatlichungsgesetz 1953 zur Landesgesellschaft Tirols wurde. Nach der Übernahme in Landesbesitz begann die Tiwag, die Strominfrastruktur auszubauen, neue Kraftwerke zu errichten und ihre Netze zu modernisieren, um die Stromversorgung zu stabilisieren.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 82, 97–103, 109, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Neue Kraftwerke entstanden in Imst und am Kalserbach in Osttirol. In den 1950er-Jahren stieg die Anzahl der Direktabnehmer sowie die bezogenen Strommengen durch Gemeinden. Grund für den Anstieg war unter anderem der Kohlemangel in den Nachkriegsjahren, wodurch die Nutzung von Elektroheizungen anstieg. Zur selben Zeit baute die Tiwag die Landwirtschaft als Absatzmarkt weiter aus, da aufgrund mangelnder Arbeitskräfte die Nachfrage nach elektrisch betriebenen Maschinen stieg.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 109–110, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Zwischen 1961 und 1965 errichtete die Tiwag das Kraftwerk Kaunertal mit einer Maximalleistung von 392 MW und dem dazugehörigen Speicher Gepatsch. Bis zum Bau der Maltakraftwerke im Jahr 1979 war es das größte Kraftwerk in Österreich.<ref>H. Lauffer: Das Kaunertalkraftwerk. In: Österreichische Wasserwirtschaft. Heft 20, 1968, S. 129.</ref><ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 126, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Ausbau der Wasserkraft

In den 1970er-Jahren begann die Planung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz. Der Bau erfolgte von 1977 bis 1981 und umfasst ein Oberstufenkraftwerk (KW Kühtai) mit einer Leistung von 289 MW, die Unterstufe (KW Silz) mit einer Maximalleistung von 500 MW sowie dem Speicher Längental (3 Mio. m³ Fassungsvermögen) und dem höhergelegenen Jahresspeicher Finstertal (60 Mio. m³). Das Wasser für die Stromerzeugung stammt aus einem Einzugsgebiet von 139 km² mit 13 Bächen.<ref>Saubere Energie für Tirol. In: Tiwag. Abgerufen am 6. Mai 2025.</ref> Der 149 m hohe Steinschüttdamm des Finstertaler Stausees wurde zur dritthöchsten Talsperre Österreichs. Ebenso wurde zwischen 1984 und 1988 in Osttirol das Kraftwerk Amlach errichtet, das als Laufkraftwerk mit einem kleinen, naturnahen Speichersee (Speicher Tassenbach) konzipiert wurde<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 158–165, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref> und über eine Gesamtleistung von 60 MW verfügt.<ref>Kraftwerk Amlach. In: Tiwag. Abgerufen am 6. Mai 2025.</ref>

In den 1980er-Jahren baute die Tiwag neben großen Wasserkraftwerken auch verstärkt den Bereich Kleinwasserkraft aus. Zuvor hatte das Unternehmen lediglich bestehende Kleinkraftwerke übernommen, darunter das Kraftwerk Alpbach (1947) und das unwirtschaftliche Kraftwerk Oberndorf (1909). 1980 errichtete Tiwag ihr kleinstes Kraftwerk in Grins. In den folgenden Jahren wurden fünf weitere Kleinkraftwerke in Nord- und Osttirol gebaut, darunter das Kraftwerk Urgbach (1986) und das „Zwillingskraftwerk“ Leiersbach (1988).<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 167–179, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Ab den 1970er-Jahren wurde der Einfluss der Großwasserkraftwerke auf die Umwelt zunehmend kritisch hinterfragt. Die Debatte über den Umweltschutz im Kraftwerksbau intensivierte sich in Österreich besonders in den 1980er-Jahren, etwa durch die Proteste gegen das Donaukraftwerk Hainburg 1984.<ref>Ein Donaukraftwerk für den Stand-by-Betrieb. In: Der Standard. 4. Dezember 2004.</ref> In den 1990er-Jahren führte Tiwag eine Bürgerbeteiligung beim Kraftwerksprojekt Sidanbach durch und das Kraftwerk wurde nach einer Volksbefragung 1994 umgesetzt.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 173–176, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Am 25. Juni 1999 wurde das Kraftwerk Langkampfen in Betrieb genommen, ein Laufkraftwerk, das das Wasser des Inn zur Stromerzeugung nutzt<ref>Tiwag eröffnet neues Kraftwerk. In: Wirtschaftsblatt. 26. Juni 1999.</ref> und eine Maschinenleistung von 32 MW aufweist.<ref>Kraftwerk Langkampfen. In: Tiwag. Abgerufen am 6. Mai 2025.</ref>

Ausbau seit 2000

2004 legte die Tiwag dem Land Tirol Pläne für die mögliche Errichtung von Wasserkraftwerken vor. Nach weiteren Überarbeitungen legte die Tiwag 2006 Pläne für den Aus- und Neubau von vier Kraftwerken vor, welcher von der Landesregierung angenommen wurde. Die Umsetzungen verzögerten sich jedoch aufgrund von Einsprüchen von Umweltschutzverbänden (siehe Abschnitte Projekte und Kritik).<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 294–197, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Ab dem Jahr 2000 errichtete Tiwag zudem mehrere Kleinkraftwerke, darunter das ARA Seefeld, ein Abwasserkraftwerk, das erstmals in Österreich das 625 Meter hohe Gefälle zwischen Seefeld und dem Inntal zur Stromgewinnung nutzte. Mit einer jährlichen Produktion von 5,5 GWh Ökostrom ging es Ende 2003 in Betrieb. 2002 begann der Bau des Kraftwerks Navisbach im Wipptal, das mit einer Bruttofallhöhe von 265 m jährlich 16,1 GWh Strom erzeugt. Es wurde 2004 fertiggestellt. 2005 startete der Bau der Osttiroler Kleinkraftwerke Schwarzach und Dorferbach mit einer Leistung von 9,9 MW. Sie gingen 2007 bzw. 2006 in Betrieb. 2012 plante Tiwag eine Erweiterung des Kraftwerks Schwarzach mit einem zweiten Maschinensatz. Nach langen Verhandlungen begannen 2021 die Bauarbeiten, die 2023<ref>Tamara Greiner: Land Tirol säumig beim Schutz der Osttiroler Gletscherflüsse. In: WWF Österreich. 15. Februar 2024, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref> abgeschlossen wurden, die Engpassleistung auf knapp 17 MW erhöhten<ref name=":7" /> und ökologische Ausgleichsmaßnahmen umfassten.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 203–204, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref>

Unternehmensprofil

Die Tiwag-Tiroler Wasserkraft AG ist eine Kapitalgesellschaft mit Sitz in Innsbruck und Muttergesellschaft des Tiwag-Konzerns. Sie befindet sich zu 100 % im Eigentum des Landes Tirol.<ref name=":0" />

Der Konzern deckt die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich Strom ab, darunter Kraftwerksbau, Stromerzeugung, Handel und reguliertes Netzgeschäft bis hin zum Endkundenmarkt. Im Jahr 2023 belief sich der Stromabsatz an Tarifkunden im Kernmarkt Tirol auf 3941 GWh.<ref name=":1">Geschäftsbericht 2023. In: Tiwag. Abgerufen am 3. Juli 2024.</ref> Im selben Jahr erwirtschaftete die Tiwag einen Umsatz von 2,29 Milliarden Euro und beschäftigte 1413 Mitarbeiter, davon 1196 Angestellte, 171 Arbeiter und 46 Lehrlinge. Geleitet wird die Tiwag durch die drei Vorstandsmitglieder Michael Kraxner,<ref>Christoph Rauth: Überraschung in der Tiwag: Kraxner neuer Vorstand, Gasser bestätigt. In: Tiroler Tageszeitung. 5. Juli 2024, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref> Thomas Gasser und Alexander Speckle.<ref name=":1" />

Außerdem veröffentlicht die Tiwag im Zwei-Jahres-Rhythmus einen Nachhaltigkeitsbericht, der die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit laufender und abgeschlossener Tiwag-Projekte und -Maßnahmen erläutert.<ref>Nachhaltigkeitsbericht 2020/21. In: Tiwag. Abgerufen am 3. Juli 2024.</ref>

Leistungen und Geschäftsbereiche

Das Hauptgeschäft der Tiwag ist die operative Erzeugung von Strom, der Stromhandel sowie der Stromvertrieb. Unter die Erzeugung von Strom fällt auch der Kraftwerksbau.<ref>Irene Pallua: Elektrizität für Tirol. Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924. Universitätsbibliothek Innsbrück, 2025, S. 205, doi:10.25651/2.2025.0001 (obvsg.at [abgerufen am 5. Mai 2025]).</ref> Diese Tätigkeiten sind in die Geschäftsfelder Strom unreguliert, Strom reguliert sowie Wärme und Gas gegliedert.<ref name=":1" />

Zum Bereich Strom unreguliert gehören Kraftwerksbau, Energieerzeugung, Energiehandel sowie der Vertrieb. Der Geschäftsbereich Strom reguliert wird von der TINETZ-Tiroler Netze GmbH verantwortet. Sie ist unter anderem zuständig für technisches Kundenmanagement, die Systemführung der Netze,<ref>TINETZ Tiroler Netze GmbH. In: Kronen Zeitung. 22. Mai 2016, S. 10.</ref> die Sekundärtechnik, die Anlagenführung der Netze sowie die Projektierung bzw. Konstruktion und Montage. Sie organisiert die Stromverteilung an über 250.000 Zählpunkte.<ref name=":1" />

Der Bereich Wärme und Gas wird durch die Tigas-Wärme Tirol GmbH sowie die TIWAG-Next Energy Solutions GmbH (TINEXT) betrieben und umfasst das Geschäft mit Fernwärme sowie das Erdgasnetz.<ref name=":1" /> Die Tigas-Wärme Tirol bietet Energiedienstleistungen im Gas- und Wärmesegment an.<ref name=":1" /> Die TINEXT verantwortet außerdem die Bereiche Photovoltaik, Wasserstoff,<ref>Die Energiewende findet statt. In: Bayerische Gemeindezeitung. 27. März 2025, S. 11.</ref> Elektromobilität sowie moderne Energiesysteme.<ref>Angela Dähling: Tiwag will mit Tinext die Energiewende schaffen. In: Tiroler Tageszeitung. 12. Oktober 2021, S. 19.</ref>

Verbundene Unternehmen und wesentliche Beteiligungen

Beteiligungen Stand 2024:<ref>Beteiligungsbericht 2024. In: Tiwag. Abgerufen am 5. Mai 2025.</ref>

Wichtige Kraftwerke

Datei:Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz Kraftwerk Silz.jpg
Kraftwerk Silz

Neben den großen (Wasser-)Kraftwerken (siehe Tabelle) gehören unter anderem mehrere Kleinwasserkraftwerke, Photovoltaikanlagen und Biomasseheizkraftwerke zum Kraftwerkspark der Tiwag.<ref name=":7">Tiwag Kraftwerkspark. In: Tiwag. Abgerufen am 5. Mai 2025.</ref>

Kraftwerk Typ Ausbauleistung in MW Regelarbeitsvermögen in GWh Einzugsgebiet in km2
Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz (Pump-)Speicherkraftwerk 781 531 139
Kraftwerk Kaunertal Speicherkraftwerk 325–392 661 279
Kraftwerk Imst Laufkraftwerk 89 550 2992
Achenseekraftwerk Speicherkraftwerk 79 219 218
Gemeinschaftskraftwerk Inn Laufwasserkraftwerk 97,4 448 1960
Kraftwerk Amlach Laufkraftwerk 60 219 422
Kraftwerk Langkampfen Laufkraftwerk 32 169 9367
Kraftwerk Kirchbichl Laufkraftwerk 37,9 163,9 9310
Kraftwerk Kalserbach Laufkraftwerk 11,7 61,4 169
Kraftwerk Schwarzach Laufkraftwerk 16,9 83 289,7

Projekte

2006 beschloss die Tiwag den Ausbau der bestehenden Anlagen Kaunertal und Sellrain-Silz sowie die Neubauten Malfon und Raneburg-Matrei. Die Basis für diese Pläne bildeten der einstimmige Beschluss der Tiroler Landesregierung und die positive Entschließung des Tiroler Landtages.<ref>TIWAG legt Masterplan für Kraftwerksprojekte vor: vier neue Kraftwerksprojekte für Tirol. (PDF) Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. März 2012; abgerufen am 16. Juni 2016.</ref> Aufgrund von Einwendungen bezüglich der touristisch wertvollen Proseggklamm und des Steiner-Wasserfalls wurde das Kraftwerksvorhaben Raneburg-Matrei umgeplant und in Tauernbach-Gruben umbenannt.<ref>Alois Vahrner: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Drei Jahresgewinne als Hypo-Spritze (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive). In: Tiroler Tageszeitung. 31. Dezember 2011, abgerufen am 27. Juli 2013.</ref> Nach diversen Vorarbeiten und mehreren Behördenverfahren begannen im Herbst 2023 die Bauarbeiten für das neue Kraftwerk in Tauernbach, wofür die Tiwag rund 160 Millionen Euro investiert. Nach sieben Monaten wurden die Vorarbeiten im Druckstollen vorzeitig abgeschlossen. Die Inbetriebnahme ist für 2026 geplant und der Strom soll direkt in der Region verbraucht werden. Die Anlage soll rund 85 GWh Strom produzieren, wodurch sie nach dem Kraftwerk Amlach das zweitleistungsstärkste Laufkraftwerk im Bezirk wird.<ref>Spatenstich für lange bekämpftes Kraftwerk. In: Kleine Zeitung. 8. Oktober 2023, S. 33.</ref><ref>M. Oberbichler: Durchschlag erfolgt: Kraftwerk Tauernbach-Gruben weiter auf Kurs. In: Kleine Zeitung. 21. August 2024, S. 24.</ref>

Im Sommer 2024 trennte die Tiwag das Erweiterungsprojekt Kaunertal in zwei Projektteile auf. Der erste Projektteil bezieht sich auf den Pumpspeicher Versetz, für den ein rechtskräftiger Teilbescheid angestrebt wird. Am 31. März 2025 reichte die Tiwag das Projekt Pumpspeicher Versetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung ein.<ref>TIWAG reichte Pumpspeicher Versetz zur UVP ein. In: Tiwag. 31. März 2024, abgerufen am 6. Mai 2025.</ref> Das Projekt umfasst das Pumpspeicherkraftwerk Versetz, den Speicher Platzertal, Triebwasserwege, Erschließungstunnel sowie den Umbau der 220-kV-Schaltanlage in Prutz.<ref>Christian Willim: WWF warnt vor Stausee-Flutwelle. In: Kurier. 11. März 2025, S. 13.</ref><ref>Energiewende: Tiwag passt Pläne für das Pumpspeicherkraftwerk im Kaunertal an: Kein Wasser aus dem Ötztal nötig. In: Industriemagazin. 4. Juni 2024, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref><ref>Victoria Krumbeck: Alpen-Flutwelle: Österreich-Tal steht laut Studie große Katastrophe bevor. In: Merkur. 26. März 2025, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref>

Mit Stand 2025 befindet sich das Erweiterungsprojekt Kühtai noch in Bau. Bei diesem Vorhaben wird seit 2021 im Kühtai, ergänzend zur bestehenden Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz, ein zusätzliches Pumpspeicherkraftwerk (Kühtai 2) mit einer installierten Leistung von 190 MW, Überleitungen und der neue Speicher Kühtai errichtet. Die Inbetriebnahme ist für 2026 vorgesehen.<ref>Thomas Parth: Riesiger Teich in Stams hilft dem Inn. In: Tiroler Tageszeitung. 22. Juni 2024, S. 22.</ref><ref>Kühtai: Kraftwerkerweiterung geht voran. In: Tirol ORF. 29. August 2022, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref><ref>Clemens Perktold: Exklusive Einblicke im Kühtai: Eine Kathedrale der Energie entsteht – Imst. In: MeinBezirk.at. 17. April 2024, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref>

Seit Februar 2025 laufen die Vorarbeiten zum Projekt Innstufe Imst-Haiming.<ref>Clemens Perktold: Weichenstellung für KW Imst-Haiming: Tiwag schmiedet Allianzen – Imst. In: MeinBezirk.at. 24. März 2025, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref> Hierbei handelt es sich um ein Ausleitungskraftwerk, das bereits abgearbeitetes Wasser des Inn aus den bestehenden Kraftwerken Gemeinschaftskraftwerk Inn, Kraftwerk Prutz sowie Kraftwerk Imst zur erneuten Stromgewinnung nutzt. Dafür wird das Triebwasser über einen 14 Kilometer langen Stollen von Imst nach Haiming geleitet, wo in einem Kavernenkraftwerk durch zwei Francis-Turbinen mit 43,5 MW Leistung pro Jahr rund 252 GWh Strom erzeugt werden.<ref>Tiroler Kraftwerk Imst-Haiming: BVwG erteilt Auflagen. In: Volksblatt. 8. November 2024.</ref><ref>Innstufe Imst-Haiming. In: Tiwag. Abgerufen am 6. Mai 2025.</ref>

Kritik

Die Tiwag steht regelmäßig in der Kritik von Bürgerinitiativen, Oppositionspolitikern und Teilen der Bevölkerung, insbesondere in Bezug auf den Handel mit Atomstrom und das Cross-Border-Leasing ihrer Kraftwerke. Kritiker, darunter die ehemalige Bundessprecherin der Grünen und Nationalratsabgeordnete, Eva Glawischnig-Piesczek, werfen dem Unternehmen vor, mit Atomstromgeschäften rein profitorientiert zu handeln, obwohl „Tirol mehr Strom erzeugt als verbraucht“.<ref>Grüner Klub im Parlament: Glawischnig fordert Stopp der TIWAG-Zahlungen an Atomkonzern. ots.at, APA, 16. Mai 2005.</ref>

Das Cross-Border-Leasing (CBL), bei dem die Tiwag Kraftwerke an ausländische Finanzgesellschaften verkauft und sie anschließend zurückmietet, sorgt ebenfalls für Kontroversen und wird unter anderem vom Umweltaktivist Markus Wilhelm<ref name=":4">Beschluss des Oberlandesgerichts Innsbruck als Rekursgericht (PDF-Datei; 96 kB). In: DieTiwag.org. 24. Mai 2005.</ref> kritisiert. Während dieses Modell finanzielle Vorteile für die Tiwag bietet, bleibt es aufgrund von Geheimhaltungsvereinbarungen weitgehend intransparent. Für ausländische Investoren bringen solche Investitionen in manchen Ländern, etwa den USA, steuerliche Vorteile.<ref>Auch Tiwag durch Cross-Border-Deals betroffen. In: Der Standard. 9. Oktober 2008, abgerufen am 5. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Tiwag löste ab 2010 die CBL-Verträge auf und ab 2014 bestanden nur noch drei Verträge, die weniger als ein Drittel des ursprünglichen Gesamt-Transaktionsvolumens ergaben.<ref name=":5">TIWAG steigt aus weiteren CBL-Verträgen aus. In: Tirol.orf. 15. Mai 2014, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref>

2006 ging die Tiwag gerichtlich gegen den Umweltaktivist Markus Wilhelm und seine Webseite „dietiwag.org“ vor, auf welcher unter anderem das Cross-Border-Leasing kritisierte<ref name=":4" /> und Verträge zwischen der Tiwag und US-amerikanischen Investoren veröffentlicht wurden.<ref>Daniel AJ Sokolov: Tiroler Wasserkraft: Schweigeklage gegen Online-Kritiker abgewiesen. In: Heise online. 7. Oktober 2008, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref> Die Tiwag beantragte eine einstweilige Verfügung gegen den Provider der Webseite um diese löschen zu lassen, diese wurde aber vom Landesgericht Innsbruck abgewiesen. Es wurde jedoch untersagt, das originale Tiwag-Logo auf der Webseite zu verwenden und es mussten fünf Textpassagen auf der Webseite gestrichen werden, die den Vorstandsvorsitzenden Bruno Wallnöfer betrafen.<ref>Daniel AJ Sokolov: TIWAG.at-kritische Website bleibt online. In: Heise online. 7. April 2005, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref> Für den angeblichen „Versuch, einen Kritiker mundtot zu machen“ (gemeint war Markus Wilhelm) wurde der Tiwag-Vorstandsvorsitzende mit dem Big Brother Award 2008 in der Kategorie Business und Finanzen ausgezeichnet. Auf der Seite der Big Brother Awards heißt es, die Tiwag ließ ein Detektivbüro 1000 Stunden gegen Wilhelm ermitteln.<ref>Preistraeger Big Brother Awards 2008. In: Big Brother Awards. Abgerufen am 5. Mai 2025.</ref>

Auch politische Einflussnahme wurde kritisiert, darunter Medienkooperationen mit den Tiroler Regionalmedien Oberländer Rundschau und Tiroler Woche. Nach Vorwürfen der Meinungsmanipulation und Veröffentlichung von Dokumenten der PR-Agentur Hofherr Communikation (später P8 Hofherr) durch die dietiwag.org ermittelte der Österreichische Ethik-Rat für Public Relations. Der Ethik-Rat kam zu dem Schluss, dass es aufgrund der Formulierungen in den Dokumenten von der Tiwag beabsichtigt gewesen sei, bezahlte Kooperationen nicht als solche zu kennzeichnen. Durch Gefälligkeitsberichterstattungen sollte der Leser getäuscht werden. Daraufhin wurde eine Mahnung gegen die PR-Agentur Hofherr Communikation ausgesprochen, die für die Formulierungen der veröffentlichten Dokumente verantwortlich war.<ref>PR-Ethikrat ermahnt Tiroler Tiwag-Agentur. In: Der Standard. 17. Mai 2011, abgerufen am 5. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Außerdem gab es mehrere Korruptionsvorwürfe. Vor den Kaunertaler Gemeinderatswahlen – eines der Wahlthemen war der Ausbau des Gepatschspeichers – zahlte die Tiwag beispielsweise im März 2010 als „Sponsoring“ 40.000 Euro auf ein Sparbuch zu Gunsten des Kaunertaler Bürgermeisters Josef Raich ein.<ref>Stefan Lindner: Kaunertal: Rund 50.000 landeten auf Sparbuch. In: Tirol.orf. 11. April 2012, abgerufen am 7. Mai 2013.</ref> Vorwurf war, dass die Tiwag den Wahlkampf finanzierte, damit sich Raich im Gegenzug für den Ausbau des Kraftwerks in Kaunertal einsetzt.<ref>Korruptionsverdacht gegen Bürgermeister. In: Der Standard. 10. Mai 2010, abgerufen am 5. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2013 kam es ebenfalls zu einer Anzeige bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft durch den Politiker Karl Öllinger. Dieser vermutete, dass die Tiwag am Wahlkampf der Tiroler Volkspartei und ihres Spitzenkandidaten Herwig van Staa beteiligt waren und durch ihre PR-Agentur ein Strategiepapier verfasst wurde.<ref name=":6">Grüne zeigen TIWAG wegen Amtsmissbrauchs an. In: Tirol.orf. 18. Februar 2013, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref><ref>Öllinger zeigte Tiwag-Vorstand wegen Untreue und Amtsmissbrauchs an. In: Der Standard. 18. Februar 2013, abgerufen am 5. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Tiwag wies die Vorwürfe als substanzlos zurück und erklärte, dass der Beratungsvertrag mit der PR-Agentur ausschließlich der Bewerbung von Wasserkraftprojekten diente.<ref name=":6" />

Kraftwerksbau

An der Tiwag wird kritisiert, dass sie mehrere Pumpspeicherkraftwerke plante. Kritik an solchen Anlagen ist unter anderem der damit verbundenen Eingriffe in unberührte Landschaften. Besonders das Ausbauprojekt des Kraftwerks Kaunertal, das seit 2006 umstritten ist, zog zahlreiche Umweltprüfungen und gerichtliche Verfahren nach sich. Der WWF bezeichnete diese als „eine der längsten Umweltprüfungen, die Österreich je hatte“.<ref>Plan ändern, damit Platzertal nicht absäuft. In: Kronen Zeitung. 19. März 2024, S. 20.</ref>

Laut einer Umfrage des Grazer Meinungsforschungsinstituts GMK sind die Tiroler überwiegend für den Ausbau der Wasserkraft.<ref>60 % Zustimmung: Tiroler stehen voll zur Wasserkraft. In: MeinBezirk.at. 24. September 2008, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref> Über ein Viertel der Befragten war gegen einen weiteren Ausbau, insbesondere die Bevölkerung der betroffenen Gemeinden. Darüber hinaus stoßen die Projekte auch regional regelmäßig auf Widerstand.<ref>TVB Stubai will Bürgerinitiative gegen Wasserableitungen formieren. In: MeinBerzirk.at. 18. Juli 2011, abgerufen am 5. Mai 2025.</ref><ref>Stellungnahme. In: Bürgerinitiative WildeWasser. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Dezember 2015; abgerufen am 5. Mai 2025.</ref> In Tirol haben sich daher mehrere Bürgerinitiativen gegen den Ausverkauf von Landschaft und Wasser formiert, darunter das Aktionsbündnis Ötztal, die Bürgerinitiative Lebensraum Matrei und das Netzwerk Wasser Osttirol. Sie erhalten Unterstützung von Tourismusverbänden, dem Alpenverein sowie mehreren Gemeinden. Umweltorganisationen kritisieren, dass der wasserwirtschaftliche Rahmenplan der Tiwag gesetzlich dem Schutz und der Sanierung von Flüssen dienen müsste, nicht jedoch deren energiewirtschaftlicher Nutzung.<ref>„Rütlischwur“ der Umweltorganisationen gegen Kraftwerk Kaunertal. WWF Österreich, 27. März 2012, abgerufen am 7. Mai 2013.</ref>

Zahlungen an Gemeinden

Die Tiwag zahlt seit Jahrzehnten an Gemeinden Geldbeträge für die Nutzung von Wasser für den Kraftwerksbetrieb und auch für Beeinträchtigungen, die durch den Kraftwerksbau entstehen. Der Klubobmann der Grünen im Land, Gebi Mair hat auf Anfrage Informationen darüber erhalten, doch nur mit geschwärzten Zahlen. Rund 8 Millionen Euro fließen so aktuell jährlich. Welche Gemeinde wie viel bekommt, hält die Tiwag als "Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse" geheim. Mair forderte Anfang November 2025 auch die Zahlen, es handle sich um.öffentluches Geld, und beruft sich auf das seit September 2025 geltende Informationsfreiheitsgesetz.<ref>Politik : Talschaftsverträge: TIWAG versteckt Zahlen. In: orf.at. 4. November 2025, abgerufen am 4. November 2025.</ref>

Weblinks

Commons: TIWAG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 47° 15′ 48,8″ N, 11° 23′ 44,4″ O

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