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	<title>Camillo Sitte - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Sitte-camillo-ca1867-in-1917-donauland-jg01-heft04-s393.jpg|mini|Camillo Sitte, um 1867]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Camillo sitte grab.jpg|mini|hochkant|Grab von Camillo Sitte auf dem [[Wiener Zentralfriedhof]]]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Camillo Sitte&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* [[17. April]] [[1843]] in [[Wien]]; † [[16. November]] [[1903]] ebenda) war ein [[österreich]]ischer [[Architekt]], [[Stadtplaner]], Städtebau- und Kulturtheoretiker sowie Maler. Mit seinem international beachteten Buch &amp;#039;&amp;#039;Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen&amp;#039;&amp;#039; war er einer der ersten Autoren, die sich theoretisch und kritisch mit der Stadtplanung des [[Industriezeitalter]]s auseinandersetzten. Wegen seiner baulich-ästhetischen Vorschläge zur Stadtgestaltung gilt Sitte als „Wiederbegründer der [[Stadtbaukunst]]“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben und Wirken ==&lt;br /&gt;
Camillo Sitte war das einzige Kind des Architekten [[Franz Sitte (Architekt)|Franz Sitte]] (geboren 8. Juli 1818 als 19. Kind einer Landwirtefamilie) aus Weißkirchen an der Neiße in Nordböhmen und der Theresia Schabes aus Grafenschlag (Niederösterreich). Seine berufliche Laufbahn ist eng mit der seines Vaters verknüpft, da er später bei der Mitarbeit an dessen Bauten (dieser hatte die Bauleitung bei der Renaissancekirche in Altlerchenfeld, baute das Priesterkrankenhaus in der Ungargasse Wien 3. Bezirk, die Türme der Piaristenkirche und andere Pfarrkirchen in Niederösterreich) erste Erfahrungen sammeln konnte. Nach Erwerb der Hochschulreife am [[Bundesgymnasium Wien 8|Piaristengymnasium in Wien]] studierte Sitte von 1864 bis 1869 an der [[Technische Universität Wien|Technischen Hochschule Wien]], unter anderem bei [[Heinrich Ferstel]], sowie an der [[Universität Wien]], wo er die Studienrichtungen [[Archäologie]], [[Anatomie]] und [[Kunstgeschichte]] belegte. Studienreisen führen ihn unter anderem nach Italien, Griechenland, Frankreich und Ägypten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1871 bis 1873 war Sitte beim Baubüro seines Vaters beschäftigt. Seine dortigen Arbeiten weisen ihn als Architekten des [[Historismus]] aus. 1875 übernahm er die Direktion der Salzburger [[Staatsgewerbeschule]]. Ab 1883 lehrte er an der Wiener Staatsgewerbeschule; er wurde 1899 deren Direktor. Als Stadtplaner entwickelte er Bebauungspläne für Klein- und Mittelstädte (u.&amp;amp;nbsp;a. [[Přívoz|Privoz/Přívoz]] 1893–1895, [[Ljubljana|Laibach/Ljubljana]] 1895, [[Ostrava|Mährisch-Ostrau/Ostrava]] 1897, [[Liberec|Reichenberg/Liberec]] 1901) oder war als Juror und Gutachter bei städtebaulichen Projekten tätig (u.&amp;amp;nbsp;a. Stadterweiterungskonkurrenz [[München]] 1892–1893, [[Brünn|Brünn/Brno]] 1901–1902). Camillo Sitte beschäftigte sich zeit seines Lebens mit [[Kulturtheorie]], welche Philosophie, Kunst, Wissenschaft und Politik behandeln sollte. In rund 150 Publikationen widmete er sich einem breiten Spektrum kultureller Themen. Neben anderen wirkte er an der österreichischen Fachzeitschrift &amp;#039;&amp;#039;[[Der Architekt (österreichische Zeitschrift)|Der Architekt]]&amp;#039;&amp;#039; mit. Die Architektur war für Sitte ein Prozess der Kulturation. 1903 starb er an einem Schlaganfall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familie und Wohnsitz ===&lt;br /&gt;
Camillo Sitte war verheiratet mit Leopoldine, vermutlich geb. Blume&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hermann Bahr]]: &amp;#039;&amp;#039;Liebe der Lebenden&amp;#039;&amp;#039;, Band 1. Borgmeyer, Hildesheim 1925, S. 223.&amp;lt;/ref&amp;gt; (ca. 1853–1925&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.friedhoefewien.at/ Friedhöfe Wien], Verstorbenensuche&amp;lt;/ref&amp;gt;). Der Sohn Siegfried Sitte folgte ihm beruflich, der Sohn [[Heinrich Sitte]] wurde Archäologe. Sitte wohnte in der Wiener [[Ungargasse (Wien)|Ungargasse]] 9, wo auch der Architekt [[Carl Wilhelm Christian von Doderer]] Wohnung und Atelier hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &amp;#039;&amp;#039;Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen&amp;#039;&amp;#039; (1889) ===&lt;br /&gt;
Sitte erlangte 1889 mit der Veröffentlichung seines Buches &amp;#039;&amp;#039;Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen&amp;#039;&amp;#039; über die Grenzen [[Österreich-Ungarn]]s hinaus hohes Ansehen. Das reich illustrierte Buch führte den Begriff &amp;#039;&amp;#039;[[Städtebau]]&amp;#039;&amp;#039; in die Diskussion ein, zeigte anhand von Beispielen aus antiken, mittelalterlichen und barocken Städten („Schule der Alten“) Möglichkeiten des künstlerischen städtebaulichen Entwerfens auf und wandte sich ab von der pragmatischen, der von hygienischen, verkehrlichen und ökonomischen Zwecken beherrschten Stadtplanung seiner Zeit. Diese kritisierte er wegen ihrer starken Fixierung auf geometrische, meist rechtwinklige [[Gestaltungsraster|Raster]]-Systeme und des Diktats der [[Fluchtlinie]]n als einen „künstlerischen Misserfolg“. Die „Motivarmut und Nüchternheit moderner Stadtanlagen“ missbilligte er scharf, indem er ihnen „sprichwörtliche Langweiligkeit“ vorwarf. In seinem Buch, das in rascher Folge wiederaufgelegt wurde, legte er die „Beziehung zwischen Bauten, Monumenten und Plätzen“ am Beispiel von historischen, oft italienischen Platzgestaltungen dar, die das „Künstlerische“ und „Malerische“ mit dem „Technischen“ zu einem guten Städtebau verbunden hätten, und ließ einer Abhandlung über verschiedene städtebauliche Systeme das „Beispiel einer Stadtregulierung nach künstlerischen Grundsätzen“ folgen. Es müsse der „Stadtbau als Kunstwerk“ verstanden werden, nicht „nur als technisches Problem“.&lt;br /&gt;
Im Zentrum seiner Betrachtungen stand der städtische [[Platz]], der „als Mittelpunkt einer bedeutenden Stadt die Versinnbildlichung der Weltanschauung eines großen Volkes“ sei. Zentrale Plätze sollten ein „Sonntagskleid“ erhalten und „zum Stolz und zur Freude der Bewohner, zur Erweckung des Heimatgefühles, zur steten Heranbildung großer edler Empfindungen bei der heranwachsenden Jugend dienen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sitte vertrat die Gedanken der Freihaltung von Platzmitten, der Geschlossenheit von Plätzen, der Anlage von Platzfolgen, der stadträumlichen Gliederung durch Aufgänge, Lauben, Erker und Säulenumgänge und der Verwendung von architektonischen Innenmotiven (Stiegen, Hallen etc.) auch in der Außenarchitektur.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Karsten Ley]]: [https://publications.rwth-aachen.de/record/48277 &amp;#039;&amp;#039;Die Intellektualisierung des Städtebaus in Deutschland. Schriften zum Städtebau und das Entstehen einer wissenschaftlichen Disziplin im späten 19. Jahrhundert&amp;#039;&amp;#039;]. PDF-Datei im Portal &amp;#039;&amp;#039;darwin.bth.rwth-aachen.de&amp;#039;&amp;#039;, abgerufen am 27. September 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sitte betonte die Bedeutung von Freiflächen, Plätzen, Gärten, Höfen und gekrümmten Straßen für ein positives, dem menschlichen Empfinden zuträgliches Erleben von Stadträumen mit Atmosphäre.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv |url=http://www.nsl.ethz.ch/disp/reviews/162/162_reit.pdf |text=Jürgen Hasse: &amp;#039;&amp;#039;Zu Raum und Wahrnehmung in Camillo Sittes „Städtebau“&amp;#039;&amp;#039;. Buchbesprechung zu: Gabriele Reiterer (2003): &amp;#039;&amp;#039;AugenSinn. Zu Raum und Wahrnehmung in Camillo Sittes Städtebau&amp;#039;&amp;#039; |wayback=20131002031904}}. Artikel in &amp;#039;&amp;#039;disP&amp;#039;&amp;#039; 162 (3/2005), S. 93/94; PDF-Datei im Portal &amp;#039;&amp;#039;nsl.ethz.ch&amp;#039;&amp;#039;, abgerufen am 27. September 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den räumlichen Beziehungen zwischen Gebäude und Vorfläche, Platz und Fassaden und den Übergängen zwischen Innen- und Außenraum ging Sitte an 297&amp;amp;nbsp;Fallbeispielen nach, von denen er 86 selbst skizzierte. [[Platz#Typologie|Typologisch]] unterschied er Domplatz, [[Schlossplatz|Signora/Schlossplatz]], [[Marktplatz (Städtebau)|Mercato/Marktplatz]] und [[Parkplatz|Wagenstandplatz/Parkplatz]]. Dem Format nach unterschied er den Höhen-/Tiefenplatz vom Breitenplatz, je nachdem, ob das bedeutendste, höchste Gebäude von der Schmalseite oder der Längsseite den Platz prägt. Dreieckige Plätze („fatale Zwickel“) waren für Sitte ebenso unerträglich wie dreieckige Zimmer. An Platzfolgen wie in [[Modena]], [[Perugia]], [[Salzburg]], [[Schwerin]], [[Nürnberg]] oder [[Münster]] zeigte er das in seinen Augen Vorbildliche einer guten, unregelmäßigen Stadtgestaltung.&amp;lt;ref&amp;gt;Jürgen Hotzan: &amp;#039;&amp;#039;dtv-Atlas zur Stadt. Tafeln und Texte. Von den ersten Gründungen bis zur modernen Stadtplanung&amp;#039;&amp;#039;. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994, ISBN 3-423-03231-6, S. 197.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sitte verstand seine Vorschläge als eine Antwort auf „unser mathematisch abgezirkeltes modernes Leben, in dem der Mensch förmlich selbst zur Maschine wird“.&amp;lt;ref&amp;gt;Camillo Sitte: &amp;#039;&amp;#039;Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen.&amp;#039;&amp;#039; Wien 1889, zitiert nach Ausgabe 1901, S. 113.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rezeption ==&lt;br /&gt;
Sittes Buch hatte großen Einfluss auf Diskussionen und Entwicklungen im Städtebau um 1900. Zu den Planern und Architekten, die seine Vorschläge aufnahmen, gehörten insbesondere die deutschen Städtebau-Experten [[Franz Ewerbeck]], [[Theodor Goecke]],&amp;lt;ref&amp;gt;Posthum fungierte Camillo Sitte von 1904 bis 1919 als Mitherausgeber der von [[Theodor Goecke]] herausgegebenen Zeitschrift &amp;#039;&amp;#039;[[Der Städtebau]]&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Karl Gruber (Architekturhistoriker)|Karl Gruber]], [[Karl Henrici]], [[Eduard Kreyßig]], [[Robert Schmidt (Ingenieur)|Robert Schmidt]], [[Paul Schmitthenner (Architekt)|Paul Schmitthenner]],&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Gartenstadt Staaken]]&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Alfred von Scholtz]], [[Josef Stübben]]&amp;lt;ref&amp;gt;Brian K. Ladd: &amp;#039;&amp;#039;Urban aesthetics and the discovery of the urban fabric in turn-of-the-century Germany.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Planning Perspectives.&amp;#039;&amp;#039; Volume 2, Issue 3, 1987.&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Heinz Wetzel]]. In [[Köln]] machte der Leiter des Baudezernats [[Carl Rehorst]] die Ideen Sittes zur Leitidee für die [[Stadtentwicklung in Köln|Stadtentwicklung]] und übersetzte sie bei großen Straßendurchbrüchen in das Stadtbild der Kölner Altstadt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Hagspiel&amp;quot;&amp;gt;[[Wolfram Hagspiel]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Entwicklung der stadtkölnischen Bauämter (bis 1945) und ihr Beitrag zur Baukultur.&amp;#039;&amp;#039; In: Architektur Forum Rheinland e.&amp;amp;nbsp;V. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Kölner Stadtbaumeister und die Entwicklung der Städtischen Baubehörde seit 1821.&amp;#039;&amp;#039; S. 37–70, hier S. 52f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sittes bekanntester Architektur-Schüler war der Österreicher [[Joseph Maria Olbrich]]. Im Bereich der Landschafts- und Freiraumplanung nahm der deutsche Landschaftsarchitekt [[Leberecht Migge]] Sittes Anregungen auf. Sitte beeinflusste auch [[Raymond Unwin]], den Planer der englischen [[Gartenstadt]] [[Letchworth Garden City|Letchworth]] (1903) und sein Buch &amp;#039;&amp;#039;Town Planning in Practice&amp;#039;&amp;#039; (1909).&amp;lt;ref&amp;gt;Melanie Lenk: &amp;#039;&amp;#039;Camillo Sitte und die Garden City.&amp;#039;&amp;#039; Studienarbeit. GRIN Verlag, München 2007, ISBN 978-3-640-17150-7, S. 20.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Niederlanden standen [[Hendrik Petrus Berlage]] und [[Marinus Jan Granpré Molière]] Sittes traditionellen urbanistischen Auffassungen nahe, in Schweden der Stadtplaner [[Anders Nilsson (Stadtplaner)|Anders Nilsson]], in der Schweiz [[Hans Marti (Architekt)|Hans Marti]]. 1923 schrieb der österreichische Architekt [[Leopold Bauer (Architekt)|Leopold Bauer]]: Sittes Buch „wirkte wie eine Initialladung auf eine vorbereitete Mine; der Erfolg war ein ungeheurer – überall wurde das Thema aufgegriffen“.&amp;lt;ref&amp;gt;Gabriele Reiterer: &amp;#039;&amp;#039;AugenSinn. Zu Raum und Wahrnehmung in Camillo Sittes Städtebau.&amp;#039;&amp;#039; Dissertation. Universität Wien, 2001; Verlag Anton Pustet, Salzburg/München 2003, ISBN 3-7025-0485-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritiker wie der schweizerisch-französische Architekt [[Le Corbusier]] taten Sitte wegen seiner Vorliebe für das Unregelmäßige als Fürsprecher des „[[Eselssteig|Eselspfades]]“ ab. Man warf ihm vor, dass er sich einseitig auf ästhetische Fragen des Städtebaus konzentriere und die Komplexität der modernen Stadt ignoriere,&amp;lt;ref&amp;gt;Françoise Choay: &amp;#039;&amp;#039;The Modern City: Planning in the 19th Century.&amp;#039;&amp;#039; New York, 1969, S. 106.&amp;lt;/ref&amp;gt; dass er in seinem „kleinräumlichen Denken“ den Entwicklungsdruck und den Raumbedarf der wachsenden Städte falsch eingeschätzt habe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Wolfgang Pehnt]]: &amp;#039;&amp;#039;Rasterpraxis und Proportionslehre. Raster und Modul im 19. und frühen 20. Jahrhundert.&amp;#039;&amp;#039; Vortrag vom 14. Mai 1976 auf den &amp;#039;&amp;#039;Dortmunder Architekturtagen&amp;#039;&amp;#039;, später veröffentlicht in: Wolfgang Pehnt: &amp;#039;&amp;#039;Der Anfang der Bescheidenheit. Kritische Aufsätze zur Architektur des 20. Jahrhunderts.&amp;#039;&amp;#039; Prestel-Verlag, München 1983, ISBN 3-7913-0627-8, S. 23, 24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der deutsche Kunsthistoriker und Hochschullehrer [[Albert Erich Brinckmann]] kritisierte Sittes städtebauliche Vorstellungen als [[Romantik|romantisierend]]. 1941 nahm der deutsche Planer und Hochschullehrer [[Fritz Schumacher]] aus Sittes Buch das Kapitel &amp;#039;&amp;#039;Die Grenzen der Kunst in modernen Stadtanlagen&amp;#039;&amp;#039; in sein &amp;#039;&amp;#039;Lesebuch für Baumeister&amp;#039;&amp;#039; auf. Zur Einleitung bemerkte Schumacher jedoch: „Sitte (…) sieht das Künstlerische noch sehr weitgehend im ‚[[Picturesque|Malerischen]]‘; diese Anschauung ist erst sehr allmählich überwunden.“&amp;lt;ref&amp;gt;Fritz Schumacher (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Lesebuch für Baumeister. Äußerungen über Architektur und Städtebau.&amp;#039;&amp;#039; Nachdruck der neu bearbeiteten Auflage vom Juli 1947 in: &amp;#039;&amp;#039;Bauwelt Fundamente.&amp;#039;&amp;#039; 49. Friedr. Vieweg &amp;amp; Sohn, Braunschweig 1977, ISBN 3-528-08649-1, S. 369.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1977 schrieb der Architekturkritiker [[Wolfgang Pehnt]]: „Camillo Sittes ‚Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen‘ von 1889 wird wieder gelesen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel vom 22. März 1977 in der &amp;#039;&amp;#039;Berliner Morgenpost&amp;#039;&amp;#039;, später mit weiteren Aufsätzen zusammengefasst in: Wolfgang Pehnt: &amp;#039;&amp;#039;Der Anfang der Bescheidenheit. Kritische Aufsätze zur Architektur des 20. Jahrhunderts.&amp;#039;&amp;#039; Prestel-Verlag, München 1983, ISBN 3-7913-0627-8, S. 16, 261.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1985 schrieb der Kunsthistoriker Hanno-Walter Kruft: Sittes Buch „ist für die Theorie des modernen Städtebaus grundlegend und gewinnt gegenwärtig eine neue Aktualität, nachdem die [[Funktionalismus (Design)|funktionalistischen]] Städtebau-Theorien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts obsolet geworden sind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hanno-Walter Kruft: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Architekturtheorie.&amp;#039;&amp;#039; C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1985; 3. Auflage bei Verlag C. H. Beck, München 1991, ISBN 3-406-34903-X (Studienausgabe), S. 365.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Renaissance erfuhr Sittes [[Stadtbaukunst]] insbesondere durch die Entwürfe und Publikationen der [[Postmoderne Architektur|postmodernen]] luxemburgischen Architekten und Stadtplaner [[Leon Krier|Leon]] und [[Rob Krier]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Charles Jencks]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Sprache der postmodernen Architektur. Die Entstehung einer alternativen Tradition.&amp;#039;&amp;#039; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 2. Auflage, 1980, ISBN 3-421-02530-4, S. 108.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu etwa: „Skizze zum Wiederaufbau des [[Prager Platz|Prager Platzes]]“, Berlin 1977, von [[Rob Krier]]. In: Wolfgang Pehnt, &amp;#039;&amp;#039;Rasterpraxis und Proportionslehre. Raster und Modul im 19. und frühen 20. Jahrhundert.&amp;#039;&amp;#039; Vortrag vom 14. Mai 1976 auf den Dortmunder Architekturtagen, später veröffentlicht in: Wolfgang Pehnt: &amp;#039;&amp;#039;Der Anfang der Bescheidenheit. Kritische Aufsätze zur Architektur des 20. Jahrhunderts.&amp;#039;&amp;#039; Prestel-Verlag, München 1983, ISBN 3-7913-0627-8, S. 16, Abb. 10.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Realisierungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--weitere Realisierungen bitte chronologisch ergänzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Wien - Mechitharistenkirche (1).JPG|mini|hochkant|Mechitaristenkirche in Wien]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Ostrava, kostel neposkvrněného početí PM.JPG|mini|hochkant|Pfarrkirche in [[Přívoz]], erbaut 1898–1899 nach Plänen Sittes]]&lt;br /&gt;
* 1871–1873: [[Mechitaristenkirche (Wien)|Mechitaristenkirche]]&amp;lt;ref&amp;gt;{{Wien Geschichte Wiki|Mechitaristenkirche|Mechitaristenkirche}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* 1888–1889: [[HTL Wien 10|Werkmeisterschule für Maschinenbau Wien X.]], heute der denkmalgeschützte Altbau der [[Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule Favoriten]], zusammen mit dem Lehrer und Techniker [[Johann Hauptfleisch]] (Projektentwicklung)&lt;br /&gt;
* 1887–1889: [[Katharinenkirche (Timișoara)]]&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://heritageoftimisoara.ro/cladiri/Cetate/adresa/J%C3%A1nos+Bolyai/6 |titel=Biserica Sf. Ecaterina |sprache=ro |abruf=2024-03-21}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* 1896 Umbau [[Pfarrkirche Sierndorf]]&lt;br /&gt;
* 1898–1899: Pfarrkirche in [[Přívoz]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auszeichnungen ==&lt;br /&gt;
Camillo Sitte wurde in einem [[Liste gewidmeter Gräber der Stadt Wien|Ehrengrab]] auf dem [[Wiener Zentralfriedhof]] (Gruppe 14 A, Nummer 48) beerdigt. Nach ihm wurde die &amp;#039;&amp;#039;Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt Wien III&amp;#039;&amp;#039; für Bautechnik ([[Camillo Sitte Lehranstalt]]) im 3. [[Wiener Gemeindebezirke|Wiener Gemeindebezirk]] [[Landstraße (Wien)|Landstraße]] benannt. Bei der Anlage ihres [[Moltkeviertel]]s (ab 1908) gab die Stadt [[Essen]] einem zentralen Platz seinen Namen. 1913 wurde die &amp;#039;&amp;#039;[[Liste der Straßennamen von Wien/Rudolfsheim-Fünfhaus#C|Camillo-Sitte-Gasse]]&amp;#039;&amp;#039; im 15. Bezirk [[Rudolfsheim-Fünfhaus]] nach ihm benannt. 1925 wurde in Berlin-Wittenau [[Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Wittenau|eine Straße nach ihm benannt]]. In [[Frankfurt am Main|Frankfurts]] [[Siedlung Praunheim]] trägt ein ab 1928 bebauter Weg ebenfalls Sittes Namen. Sitte erhielt verschiedene Auszeichnungen, unter anderem 1903 das Ritterkreuz 1. Klasse des [[Franz-Joseph-Orden]]s. Er wurde zum Ehrenbürger der mährischen Stadt [[Přívoz]] (Privoz, Oderfurt) ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehe auch: [[Camillo-Sitte-Preis]] für Städtebau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schriften ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen.&amp;#039;&amp;#039; Wien 1889.({{archive.org |diestadtebaunach00sitt |Digitalisat}})&lt;br /&gt;
** 2. Auflage, Wien 1889 ([[doi:10.3931/e-rara-18721]])&lt;br /&gt;
** 3. Auflage, Wien 1901 ({{archive.org |derstdtebaunac00sittuoft |Digitalisat}}).&lt;br /&gt;
** 4. Auflage, Wien 1909 (Reprint: Birkhäuser Verlag, Basel 2002, ISBN 3-7643-6692-3)&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Über den praktischen Wert der Lehre vom [[Goldener Schnitt|goldenen Schnitt]].&amp;#039;&amp;#039; Aufsatz. ohne Jahresangabe, vermutlich um 1880, veröffentlicht in: &amp;#039;&amp;#039;Wiener Bauhütte&amp;#039;&amp;#039;, Jg. 24 (1930), H. 6 (S. 47–49), H. 7 (S. 53–55) und H. 8 (S. 67–69)&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Sezession und Monumentalkunst.&amp;#039;&amp;#039; Aufsatz. 1903.&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Gesamtausgabe. Schriften und Projekte&amp;#039;&amp;#039;. Hrsg. v. Klaus Semsroth, [[Michael Mönninger]] und Christine Crasemann-Collins. 6 Bände. Böhlau, Wien 2003–2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Nach Erscheinungsjahr geordnet&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
* {{BLKÖ|Sitte, Camillo|35|35|36|}}&lt;br /&gt;
* {{ThiemeBecker|Band=31|Seite=106|Lemma=Sitte, Camillo}}&lt;br /&gt;
* Michael Mönninger: &amp;#039;&amp;#039;Vom Ornament zum Nationalkunstwerk. Zur Kunst- und Architekturtheorie Camillo Sittes.&amp;#039;&amp;#039; Vieweg, Wiesbaden 1998, ISBN 3-528-02423-2.&lt;br /&gt;
* {{ÖBL|12|309|310|Sitte, Camillo|M. Schwarz}}&lt;br /&gt;
* [[Karin Wilhelm]], [[Detlef Jessen-Klingenberg]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Formationen der Stadt. Camillo Sitte weitergelesen&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Bauwelt Fundamente;&amp;#039;&amp;#039; Band 132). Birkhäuser, Basel; Bauverlag, Gütersloh u. a. 2006, ISBN 3-7643-7152-8 ([http://www.sehepunkte.de/2006/10/10293.html Rezension])&lt;br /&gt;
* Rudolf Wurzer: &amp;#039;&amp;#039;Camillo Sittes Hauptwerk ‚Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen‘. Anlass, Vorbilder und Auswirkungen.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Die Alte Stadt.&amp;#039;&amp;#039; Vierteljahreszeitschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie, Denkmalpflege und Stadtentwicklung, Jg. 19, H. 1, 1992, S. 1–15, {{ISSN|0170-9364}}&lt;br /&gt;
* Rudolf Wurzer: &amp;#039;&amp;#039;Camillo Sitte – Leben, Werk und Stellung.&amp;#039;&amp;#039; Nachdruck d. 3. Auflage 1901 und des Originalmanuskriptes aus dem Jahre 1889 – &amp;#039;&amp;#039;Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Schriftenreihe d. Inst. f. Städtebau, Raumplanung u. Raumordnung.&amp;#039;&amp;#039; TU-Wien, Band 19 1972 hg. R. Wurzer. Vorwort S. IX–XX. Springer Verlag, Wien, ISBN 3-211-81118-4.&lt;br /&gt;
* Charles Bohl, Jean-François Lejeune (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Sitte, Hegemann and the Metropolis: Modern Civic Art and International Exchanges.&amp;#039;&amp;#039; Routledge, London 2009, ISBN 978-0-415-42406-6.&lt;br /&gt;
* {{NDB|24|477|479|Sitte, Camillo Franz|Karin Wilhelm|118797441}}&lt;br /&gt;
* Dietrich Erben: &amp;#039;&amp;#039;Plätze des Liberalismus. Camillo Sittes Städtebau aus der Perspektive der Geschichte politischer Ideen.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[INSITU (Zeitschrift)|INSITU]].&amp;#039;&amp;#039; 2022/1, S. 83–98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
* {{BLKÖ|Sitte, Camillo|35|35}}&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|118797441}}&lt;br /&gt;
* {{Austriaforum|AEIOU/Sitte,_Camillo}}&lt;br /&gt;
* {{archINFORM|arch|2690}}&lt;br /&gt;
* {{ArchitekturzentrumWien|603}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118797441|LCCN=n84142508|VIAF=51754551}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Sitte, Camillo}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Architekt (Wien)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadtplaner (Österreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Absolvent der Technischen Universität Wien]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Träger des Franz-Joseph-Ordens (Ausprägung unbekannt)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person (Cisleithanien)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person (Kaisertum Österreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1843]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1903]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Sitte, Camillo&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=österreichischer Architekt und Städteplaner&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=17. April 1843&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Wien]]&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=16. November 1903&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Wien]]&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
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