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	<title>Griechische Kolonisation - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Marko Kafé: /* Literatur */ + isbn</title>
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		<updated>2025-07-06T10:09:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Literatur: &lt;/span&gt; + isbn&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Griechischen und phönizischen Kolonien.jpg|mini|hochkant=2|Griechische (rot) und [[Phönizier|phönizische]] (gelb) Kolonien im [[Mittelmeerraum]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Griechische Kolonisation&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet die vor und während der [[Archaik|archaischen Periode]] der [[Antikes Griechenland|griechischen Antike]] vom griechischen Festland, der Westküste Kleinasiens und von den Inseln der [[Ägäisches Meer|Ägäis]] ausgehende Gründung griechischer Pflanzstädte ([[Apoikia|Apoikien]]). Diese waren unabhängige, selbständige Gemeinwesen ([[Polis|Poleis]]), keine [[Kolonie]]n im modernen Sinne. Durch diese Städtegründungen wurden vor allem in den Küstenbereichen von [[Mittelmeer]] und [[Schwarzes Meer|Schwarzem Meer]] die [[griechische Sprache]], [[Griechische Kultur|Kultur]] und Polis-Ordnung verbreitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derart umfassende Auswirkungen zeitigte speziell die „Große Kolonisation“ vom 8. bis ins 6. Jahrhundert v. Chr., nach deren Ende sich der griechische Siedlungsraum von [[Spanien]] bis zum [[Kaukasus]] und von [[Südrussland]] bis [[Ägypten]] erstreckte. Im 11. und 10. Jahrhundert v. Chr. vorausgegangen waren [[Migration]]serscheinungen in [[Mykenische Kultur|nachmykenischer Zeit]], die unter den Begriffen &amp;#039;&amp;#039;Ionische Wanderung&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Ionische Kolonisation&amp;#039;&amp;#039; erfasst und problematisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antike griechische Kolonisationsbewegung stellt ein durch anhaltende intensive Ausgrabungstätigkeit offenes und im Fluss befindliches Forschungsfeld dar. Die traditionelle Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Kolonisation&amp;#039;&amp;#039; stößt dabei in der jüngeren Forschung auf Kritik. Vom neuzeitlichen [[Kolonialismus]], der auf die Vereinnahmung auswärtiger Gebiete und die Unterwerfung von Land und Bevölkerung unter die Herrschaft expandierender Kolonialmächte zielte, ist die griechische Kolonisation ebenso zu unterscheiden wie von den römischen [[Colonia (Rom)|&amp;#039;&amp;#039;coloniae&amp;#039;&amp;#039;]], die auf einem von Römern unterworfenen und besetzten Gebiet zur Herrschaftssicherung römische Bürger als Kolonisten ansetzten. Sie ist eher vergleichbar mit der von den [[Phönizier|phönizischen]] Stadtkönigreichen des Libanons ausgehenden Kolonienbildung in Nordafrika und an Küsten Südeuropas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Folgewirkungen der Großen Kolonisation waren von kaum zu überschätzender historischer Tragweite und Vielfalt. Sie erstreckten sich auf die genannten Räume und die zugehörigen Völker; aber sie beeinflussten auch die weitere Entwicklung auf dem [[Griechenland|griechischen Festland]] und begründeten (zumindest nach Ansicht der älteren Forschung) unter allen [[Griechen|Hellenen]] ein Bewusstsein der Zusammengehörigkeit. Auf ihm beruhte unter anderem die in dieser Zeit sich entfaltende Bedeutung zentraler Orte des Kultes und der Begegnung aller Griechen, unter denen [[Orakel von Delphi|Delphi]] und [[Olympische Spiele der Antike|Olympia]] nachhaltig herausragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das moderne Bild der so genannten Kolonisation sehr lange stark von der Darstellung der Vorgänge durch spätere griechische Autoren wie [[Herodot]], [[Thukydides]] und [[Strabon]] geprägt war, haben in den letzten Jahren insbesondere die Ergebnisse der Klassischen Archäologie ein neues Licht auf die Ereignisse geworfen. Viele sicher geglaubte Annahmen wurden dabei in Frage gestellt. Die Forschungsdiskussion dauert an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rekonstruktionsprobleme des historischen Geschehens in archaischer Zeit ==&lt;br /&gt;
Die schriftliche Überlieferung zu Gründungs- und Entwicklungsvorgängen der griechischen Pflanzstädte im Mittel- und Schwarzmeerraum setzte erst Jahrhunderte nach den Geschehnissen ein, auf die sie sich bezog: [[Herodot]] und [[Thukydides]] fassten im fünften Jahrhundert v. Chr. zusammen, was ihnen an Überlieferung vorlag. Weitere 400 Jahre jünger, aus [[Augustus#Augusteisches Zeitalter|augustäischer Zeit]], datieren die diesbezüglichen Aufzeichnungen [[Strabon]]s. Für [[Martin Mauersberg]] ist die griechische Kolonisation Ergebnis einer „doppelten Konstruktion“, zu der die retrospektiven antiken Wahrnehmungen auf der ersten Ebene gehören sowie auf der zweiten die Aufnahme der Überreste des antiken Wissens durch die moderne Altertumswissenschaft in Form einer Einbettung in zeitgenössische Sinngebungsmuster.&amp;lt;ref&amp;gt;Mauersberg 2019, S. 11. Es sei inzwischen ein Gemeinplatz, dass die moderne Erforschung der „griechischen Kolonisation“ durch die Wahrnehmungen der modernen Kolonisation geprägt sei. (Ebenda, S. 12)&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Grundproblem bestehe darin, dass kaum Textzeugnisse aus der Zeit der Großen Kolonisation erhalten sind und die wenigen noch verfügbaren Quellen nicht mit der Absicht „einer wirklichkeitsgetreuen Beschreibung der soziopolitischen Gegebenheiten“ verfasst worden seien.&amp;lt;ref&amp;gt;Mauersberg 2019, S. 25. Die meisten der besagten Zeugnisse stammten aus den [[homer]]ischen Epen. (Ebenda, S. 26)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der große zeitliche Abstand aller Berichte zu den historischen Vorgängen selbst lassen „einen schwer abzuschätzenden Prozeß der Vereinheitlichung und Rationalisierung älterer Traditionen vermuten“, der ein womöglich differenzierteres Bild der tatsächlichen Entwicklungen verdecken mag. Archäologische Forschungen widersprechen etwa der verbreiteten Annahme, dass eine durch Übervölkerung und Landnot bedingte ökonomische Krise als Hauptursache der Kolonisationsbewegung anzusehen sei. Korinth etwa, Mutterstadt zahlreicher Kolonien, dürfte das besagte Problem nicht gehabt haben; die von Solon überlieferte sozioökonomische Krise Athens in archaischer Zeit wiederum führte nicht zur Schaffung von Apoikien andernorts.&amp;lt;ref&amp;gt;Stein-Hölkeskamp 2015, S. 98–100 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mauersberg weist in seiner Untersuchung der Quellen zur griechischen Kolonisation darauf hin, dass ursprünglich der Begriff κτίσις (Gründung) als Bezeichnung für die jeweilige Neuansiedlung der Migrierten üblich war. Erst in [[Antikes Griechenland#Griechenland in klassischer Zeit (um 500–336/323 v. Chr.)|klassischer Zeit]] mit permanenten innergriechischen Konflikten sei der Begriff ἀποικία (Apoikie im Sinne von Aussiedlung fern der Mutterstadt) in den Vordergrund gerückt. Dabei ging es laut Mauerberg um mehr als eine identitätsstiftende Funktion; Apoikie beinhaltete die Vorstellung einer politischen Verbindung zwischen Mutterstadt und Pflanzstadt und konnte so der ideologischen Unterfütterung von Machtansprüchen griechischer Poleis dienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mauersberg 2019, S. 103.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== „Ionische Kolonisation“ ==&lt;br /&gt;
Solche für die Große Kolonisation gegebenen Rekonstruktionsprobleme bestehen in noch höherem Maße für den Zeitraum davor. Der Zusammenbruch der [[Mykenische Palastzeit|mykenischen Palastzivilisation]] um 1200 v. Chr., der in Griechenland vielerorts zu Auflösungserscheinungen und Bevölkerungsrückgang führte (siehe auch [[Zusammenbruch der Bronzezeit]]), hatte eine Reorganisation der Sozialstrukturen und die Migration von Personengruppen zur Folge, die in ihrem bisherigen Siedlungsumfeld keine Zukunftsperspektive sahen. In diesen Zeitraum der sogenannten [[Dunkle Jahrhunderte (Antike)|Dunklen Jahrhunderte]] fielen auch sprachliche Transformationsprozesse und die Ausbildung der griechischen Dialekte. In spät- und nachmykenischer Zeit vollzog sich laut [[Karl-Wilhelm Welwei]] in einem [[Attika (Landschaft)|Attika]] und viele Ägäis-Inseln umfassenden Großraum auf der Basis südmykenischer Idiome die Bildung der [[Attisches Griechisch|attisch]]-[[Ionisches Griechisch|ionischen]] Dialektgruppe, womöglich in einem Prozess wellenförmiger Ausbreitung.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Karl-Wilhelm Welwei]]: &amp;#039;&amp;#039;Griechische Geschichte.&amp;#039;&amp;#039; Paderborn 2011, S. 50–57; ders. 2019: &amp;#039;&amp;#039;Die griechische Frühzeit&amp;#039;&amp;#039;, S. 37 und 39 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umfängliche Wanderungsbewegungen in organisierter Form, wie sie der Begriff der Ionischen Kolonisation nahelegt, geben die archäologischen Befunde nicht her. Örtliche Neubesiedlungen von westkleinasiatischen Gebieten dürften zum Teil von den Bewohnern ägäischer Inseln herrühren. Die Träger des dort sich verbreitenden ionischen Dialekts bildeten insgesamt keine homogene Abstammungsgemeinschaft und kamen aus mehreren Regionen. Durchgängig bevorzugt waren höher gelegene, küstennahe Orte, Halbinseln oder vorgelagerte Inseln, die gute Verteidigungsmöglichkeiten boten.&amp;lt;ref&amp;gt;Welwei 2019, S. 40 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die frühen griechischen Siedlungen in diesem Raum stellten nach 1000 v. Chr. wohl lediglich Kult- und Dorfgemeinschaften von geringer Größe mit einigen Dutzend Familien dar, noch ohne staatliche Organisation. Wie Ausgrabungen in [[Alt-Smyrna]] zeigen, wo in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eine kleine Gruppe von griechischen Neusiedlern sich den bereits ansässigen Einheimischen zugesellte, handelte es sich hierbei wie auch andernorts um Vorgänge begrenzten Umfangs und nicht um planmäßig angelegte Siedlungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Welwei 2019, S. 38–41.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergebnis dieser frühen griechischen Migration war im kleinasiatischen Küstenbereich um 800 v. Chr. grob unterteilt ein nördlicher Streifen [[Aioler|äolischer]] Zuordnung sowie zwischen Smyrna und [[Milet]] ein Mittelstück ionischer Prägung und südlich anschließend ein [[Dorer|dorischer]] Abschnitt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.: &amp;#039;&amp;#039;Großer historischer Weltatlas,&amp;#039;&amp;#039; hrsg. vom Bayerischen Schulbuch-Verlag, &amp;#039;&amp;#039;Teil 1: Vorgeschichte und Altertum&amp;#039;&amp;#039;, bearb. Von Hermann Bengtson und Vladimir Milojcic, 6. durchgesehene Auflage, München 1978, S. 15.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus Athen, das bereits [[Solon]] als älteste ionische Stadt bezeichnet hatte, verlautete in klassischer Zeit und im Zeichen des athenischen Führungsanspruchs im [[Attischer Seebund|Attischen Seebund]] eine Lesart, wonach die ursprünglich auf der Peloponnes beheimateten Ionier letztlich von Attika aus ihre Wanderung nach Kleinasien angetreten hätten. Dies findet in der neueren historischen Forschung jedoch keinen Rückhalt, wird vielmehr als Zweckpropaganda der Athener angesehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Welwei 2019, S. 37.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Große Kolonisation ==&lt;br /&gt;
Auch die sogenannte Große Kolonisation, die etwa von der Mitte des 8. bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. datiert wird (siehe [[Archaik]]), war nicht das Ergebnis zentraler Planung, für die zumindest anfangs politische Organisationsmuster und Institutionen fehlten.&amp;lt;ref&amp;gt;Welwei 2019, S. 45.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Hermann Bengtson|Bengtson]] sah darin vielmehr „eine unübersehbare Summe von vielfach unkontrollierbaren Einzelvorgängen, von Plänen, Versuchen, Erfolgen und Misserfolgen in bunter Reihe“. Was daraus folgt, war für ihn desto erstaunlicher: „Als die Kolonisation um die Mitte des 6. Jahrhunderts nach einer Dauer von zwei Jahrhunderten allmählich abklingt, schließt sich ein weiter Kranz blühender hellenischer Pflanzstädte fast um das ganze Becken des großen Mittelmeeres, nur im Osten haben die [[Vorderasien|vorderasiatischen]] Großreiche die Festsetzung der Griechen an [[Syrien]]s Küste verhindert.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hermann Bengtson, &amp;#039;&amp;#039;Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die Römische Kaiserzeit.&amp;#039;&amp;#039; Sonderausgabe der 5. Auflage, München 1979, S. 67 / S. 65.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des großen zeitlichen Abstands der literarischen Zeugnisse zu den darin erfassten Gründungsvorgängen ist Skepsis gegenüber den einzelnen oft plausibel scheinenden inhaltlichen Darstellungen angebracht. Nach Möglichkeit sollten die archäologischen Befunde zu den gemeinten Orten und Regionen vergleichend geprüft werden. Denn die dem jeweiligen Zeithorizont zugehörigen Keramikscheiben, aufgefundenen Mauerreste, Tempel und Häuser ergeben ein von der literarischen Überlieferung teils deutlich abweichendes Bild.&amp;lt;ref&amp;gt;Stein-Hölkeskamp 2015, S. 99 f. „Die Steine – so hat der Vergleich zwischen der archäologischen Evidenz und der literarischen Tradition ergeben – erzählen eine andere Geschichte als die Worte“, heißt es bei Stein-Hölkeskamp. „Sie lassen die Gründung einer Kolonie nicht mehr als singulären Akt erscheinen, sondern vielmehr als einen über Generationen reichenden Prozeß, der mit der Zeit an Dynamik gewinnt.“ (Ebenda, S. 119)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Voraussetzungen und Motive ===&lt;br /&gt;
Zu den Unabdingbarkeiten der Kolonisation im archaischen Griechenland zählten neben einer entwickelten Mobilität, von der die [[homer]]ischen Epen zeugen, auch nautische Kenntnisse und das Wissen um geeignete Siedlungsplätze. Solches Wissen war den mykenischen Griechen bereits bekannt und im Kontakt mit den als Seefahrern und Händlern erfahrenen [[Phönizier]]n zugewachsen, die im westlichen Mittelmeer Handelsstützpunkte unterhielten und zum Teil dauerhaft unter den Einheimischen siedelten. In [[Pithekoussai]] (auf [[Ischia (Insel)|Ischia]] im [[Tyrrhenisches Meer|Tyrrhenischen Meer]]), das bereits in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts griechisch kolonisiert wurde, lebte man mit Phöniziern zusammen und konnte von dem profitieren, was diese über die geographischen und ethnologischen Verhältnisse an den Mittelmeerküsten erfahren hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Schuller, &amp;#039;&amp;#039;Griechische Geschichte&amp;#039;&amp;#039;, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, München 1991, S. 13.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Expansionsrichtung der Großen griechischen Kolonisation, die sich hauptsächlich auf den Westen und Norden der Mittelmeerwelt konzentrierte, erklärt sich wesentlich aus dem Fehlen einer politischen Macht dort, die wie das [[Assyrisches Reich|Assyrerreich]] im Osten unterbindend hätte wirken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Motive der Kolonisten mögen während des 200-jährigen Zeitraums von Fall zu Fall variiert haben. Mitunter kann ein Teilexodus als Lösung von [[Stasis (Polis)|Streit in der Bürgerschaft]] eine Rolle gespielt haben, vielfach auch Handelsinteressen: „So hatten die wichtigsten Mutterstädte ([[Chalkis]], Eretria, [[Korinth (antike Stadt)|Korinth]], [[Megara]], Milet, [[Phokaia]]) anscheinend starke Handelsinteressen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Murray 1982, S. 136.&amp;lt;/ref&amp;gt; Händler informierten über geeignete Orte für eine Koloniegründung; bekannte Seeverbindungen und Nachschubmöglichkeiten erklären, warum es vielfach entlang der Handelsrouten zu Neuansiedlungen kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als wesentlicher Motor des Kolonisationswesens ist aber vor allem eine Bevölkerungszunahme anzusehen, die bei der Kleinräumigkeit vieler griechischer Poleis zu Landnot führte. Aufgrund der von Händlern verbreiteten Informationen wurde es in dieser Lage möglich, „die vom Bevölkerungsdruck hervorgerufenen sozialen Spannungen durch die Suche nach Land in der Fremde abzubauen – und so einen inneren Umsturz zu verhindern: Die Stadt organisierte dazu eine Koloniegründung. Die Entdeckung, dass Land im Bereich der Kolonien ausreichend zur Verfügung stand, wird ein Wachstum der Bevölkerung und dies wiederum noch mehr Koloniegründungen hervorgerufen haben; viele Städte sandten binnen einer Generation sogar mehrmals Kolonisten aus.“&amp;lt;ref&amp;gt;Murray 1982, S. 141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Typische Verlaufsformen einer Kolonisation ===&lt;br /&gt;
[[Datei:The Temple of Apollo at Delphi.jpg|mini|hochkant=1.2|Ruinen des [[Apollon]]-Tempels in [[Delphi]], der Schutzgottheit der Neugründungen]]&lt;br /&gt;
[[Datei:7262 - Piraeus Arch. Museum, Athens - The Piraeus Apollo - Photo by Giovanni Dall&amp;#039;Orto, Nov 14 2009.jpg|mini|hochkant=0.8|Der „Piräus-Apoll“ aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.; Bronze-Statue aus dem Archäologischen Museum von Piräus.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vorbereitenden Maßnahmen des Kolonisationsunternehmens gehörte zumindest teilweise die Befragung des [[Delphi]]schen Orakels. Dessen Weihegott [[Apollon]] wurde so auch zur Schutzgottheit der Neugründungen. Die in Delphi sich ansammelnden Informationen über Vorhaben und Schwierigkeiten der Aussiedlung konnten die Orakelstätte zu einer Art Koordinationszentrum der Großen Kolonisation werden lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Schuller, &amp;#039;&amp;#039;Griechische Geschichte&amp;#039;&amp;#039;, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, München 1991, S. 13; anders dagegen Welwei 2002, &amp;#039;&amp;#039;Die griechische Frühzeit&amp;#039;&amp;#039;, S. 51: „keine zentrale Koordinationsstelle für Kolonistenzüge“.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Quellenlage auch dazu ist jedoch dürftig. Von etwa 170 aus klassischer Zeit erhaltenen Äußerungen über Apoikien enthalten nur 16 Hinweise auf ein Orakel. Auf Delphi bezogene konkrete Angaben datieren relativ spät; die Korrektheit der zitierten Orakelsprüche ist entsprechend ungewiss.&amp;lt;ref&amp;gt;Mauersberg 2019, S. 106 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigentliche Leitung einer Kolonisation lag, wie es den Sozialstrukturen der archaischen Zeit entsprach, regelmäßig in der Hand eines Adligen, der als [[Oikistes|Oikist]] (oder auch [[Archeget]]) das Kommando über seine Weggefährten ([[Hetairos|Hetairoi]]) hatte, die Regeln für das Zusammenleben in der Apoikie vorgab und für die Landverteilung vor Ort zuständig war. Etwa 200 Auswanderer, die aber nicht alle aus demselben Bürgerverband stammen mussten, wurden nach [[Oswyn Murray]] für eine Neugründung benötigt. In der Regel dürfte es sich um unverheiratete waffenfähige Männer gehandelt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Murray 1982, S. 144.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Aufruf zur Sammlung eines Auswandererkontingents dürfte sich öfters an die Bürger mehrerer Poleis zugleich gerichtet haben. Damit wäre zu erklären, dass beispielsweise [[Chalkis]], [[Eretria]], [[Megara]] oder [[Milet]] innerhalb weniger Jahrzehnte mehrere Kolonistenzüge aussandten. In Erwartung möglicher gewaltsamer Konflikte mit der einheimischen Vorbevölkerung im Zielgebiet dürfte man auf die Mitnahme von Frauen zunächst verzichtet haben. Nach überstandener Gründungsphase konnten diese nachgeholt werden, wenn nicht einheimische Frauen geheiratet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Stein-Hölkeskamp 2015, S. 104.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mutterstadt der Apoikie war diejenige Gemeinde, die den Oikisten und die Schiffe stellte. Von ihr wurden der Kult und diverse Organisationsweisen des Zusammenlebens anfangs übernommen. Formalrechtlich waren die Apoikien von den Mutterstädten unabhängig, bildeten eine neue, gesonderte Bürgerschaft und entwickelten teils auch ein eigenes Brauchtum, beispielsweise im Bestattungswesen.&amp;lt;ref&amp;gt;Stein-Hölkeskamp 2015, S. 108 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf den Auswandererschiffen hatten nicht nur die Siedler Platz, sondern es wurde auch eine erste Grundausstattung an Saatgut, Vieh, Geräten und Waffen mitgeführt sowie für kultische Zwecke Feuer und Erde aus der Mutterstadt. Zu den Aufgaben des Oikisten gehörte bald nach der Landnahme die Errichtung von Heiligtümern an einem geeigneten Ort, bevorzugt an markanten höhergelegenen Plätzen, die als sakraler Bereich abgegrenzt und befestigt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Ortswahl bei Neugründungen besonders wichtig war die Verteidigungsfähigkeit. Landzungen, vorgelagerte Inseln und nutzbares Land zwischen zwei Flussmündungen wurden bevorzugt. Man suchte nach Arealen mit sicheren Anlegeplätzen, hinreichender Wasserversorgung und fruchtbarem Umland. Waren die Festlegungen für Kultzentren und öffentliche Versammlungsorte von Bürgerschaft und Rat getroffen, organisierte der Oikist die Landverteilung an die Kolonisten. Neben Umsetzungsmodalitäten, die für Gleichförmigkeit und Gleichartigkeit der zur Verteilung anstehenden Landlose sprechen, mögen auch gesonderte Zuweisungen an den Oikisten und andere Privilegierte eine Rolle gespielt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Stein-Hölkeskamp 2015, S. 105 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Interaktion von Ankömmlingen und Einheimischen führte zu unterschiedlichen Ergebnissen. Mitunter wurden Vorbewohner vertrieben, andernorts wurden sie unterworfen und versklavt. Auch freiwillige Unterordnung unter die Einwanderer soll vorgekommen sein, die den Ansässigen mit Nahrungsmittelversorgung und militärischem Schutz entgolten worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Stein-Hölkeskamp 2015, S. 107.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mutterstädte und Schwerpunktregionen für Apoikien ===&lt;br /&gt;
Von 81 griechischen Poleis – sie machen etwa 8 Prozent der überlieferten Poleis aus – ist bekannt, dass sie als Metropolis bzw. Mutterstadt zu Zeiten der Großen Kolonisation gewirkt haben. Einzeln oder zu mehreren betrieben sie die Gründung Hunderter Pflanzstädte, von denen einige wiederum selbst zur Metropolis wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Josiah Ober]]: &amp;#039;&amp;#039;Das antike Griechenland. Eine neue Geschichte.&amp;#039;&amp;#039; Stuttgart 2016, S. 75.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als die „Mutterstadt“ schlechthin ist Chalkis auf [[Euböa]] anzusehen. Vom Stützpunkt Pithekoussai aus haben etwa um 750 v. Chr. Chalkidier die älteste griechische Siedlung Kyme ([[Cumae]] in [[Italien]]) gegründet.&amp;lt;ref&amp;gt;Welwei 2019, S. 61. Ca. 150 Jahre später wurde Cumae dann zur Mutterstadt der Nachbargründung Partenope, aus der sich Neapolis ([[Neapel]]) entwickelte.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch bei der griechischen Kolonisierung [[Sizilien]]s war Chalkis Vorreiter. Die Gründung von [[Naxos (Sizilien)|Naxos]] hat [[Thukydides]] auf 734 v. Chr. datiert; bald darauf folgten die Besiedlung von [[Ortygia (Syrakus)|Ortygia]], der Urzelle der späteren korinthischen Pflanzstadt [[Syrakus]], sowie die Kolonien [[Lentini|Leontinoi]], [[Messina|Zankle]] ([[Messina]]) und [[Reggio Calabria|Rhegion]]. Auch die etwas spätere Besiedlung der Inseln und Vorgebirge im Bereich der [[Nordägäische Inseln|Nordägäis]] war so stark von Chalkidiern bestimmt (Chalkis gründete hier 32 Pflanzstädte), dass die Halbinsel [[Chalkidiki|Chalkidike]] nach ihnen benannt wurde. Die Kolonisation der Insel [[Thasos]] und seiner [[Thasische Peraia|Peraia]] erfolgte etwa 680 v. Chr. durch Bewohner der Insel [[Paros]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Südküste Siziliens wurde von [[Rhodos]] aus die Pflanzstadt [[Gela]] errichtet, die später weiter westlich ihrerseits [[Archäologische Stätten von Agrigent|Akragas]] gründete, das an Glanz und Prachtentfaltung bald die Mutterstadt überbot. Im äußersten Westen der Insel blieben unterdessen die Phönizier vorherrschend, wie auch an der [[nordafrika]]nischen Küste, auf [[Sardinien]] und den [[Balearische Inseln|Balearen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während auf Sizilien nur an den Küstenstreifen kolonisiert wurde und das Binnenland der Vorbevölkerung überlassen blieb, geriet ganz Süditalien in die Hand griechischer Kolonisten vor allem aus [[Achaia]] und [[Lokris]] beiderseits des [[Golf von Korinth|Golfs von Korinth]]. „So wuchs um den [[Golf von Tarent|Busen von Tarent]] eine Fülle von Siedlungen empor, jede, auch die kleinste Küstenebene wurde ausgenutzt, und als an der Ostküste kein Land mehr zu vergeben war, drangen die Griechen quer durch Italien zum Westmeer vor, an dessen Ufer von Rhegion ([[Reggio Calabria]]) bis Poseidonia ([[Paestum]]) sich ein Kranz blühender hellenischer Pflanzstädte zusammenschloß&amp;lt;!-- sic! --&amp;gt;. [[Crotone|Kroton]], [[Sybaris]] und [[Metapont]] waren Gründungen achäischer Siedler, [[Lokroi Epizephyrioi]] zeigt in dem Namen die Herkunft seiner Siedler aus Lokris an. Tarent (um 700 v. Chr.) von den sagenhaften [[Parthenier]]n gegründet blieb die einzige [[sparta]]nische Kolonie überhaupt. […] Neben [[Ionien]] ist es vor allem das unteritalische Griechentum und in ihm das achäische Element aus der [[Peloponnes]]os, das im 6. Jahrhundert als politisch und kulturell führend in der griechischen Geschichte hervortritt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hermann Bengtson, &amp;#039;&amp;#039;Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die Römische Kaiserzeit.&amp;#039;&amp;#039; Sonderausgabe der 5. Auflage, München 1979, S. 70f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Hellenen [[Süditalien|Unteritaliens]] wurde im Zusammenhang mit den dort als Kolonisten hervorgetretenen [[Graia|Graiern]], die aus [[Boiotien]] in Mittelgriechenland stammten, die lateinische Bezeichnung „Graeci“ geprägt. Ganz Unteritalien wurde seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. als „Großgriechenland“ (Megalê Hellas) bezeichnet, woraus sich für die Römer der Begriff [[Magna Graecia]] ergab.&amp;lt;ref&amp;gt;Hermann Bengtson, &amp;#039;&amp;#039;Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die Römische Kaiserzeit.&amp;#039;&amp;#039; Sonderausgabe der 5. Auflage, München 1979, S. 72. Bengtson (ebenda) sieht in der Bezeichnung „Großgriechenland“ möglicherweise den Gegensatz des hier vorhandenen weiten Raumes für die unteritalischen Kolonisten im Vergleich zu den großteils viel engeren Verhältnissen im Mutterland gespiegelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der planvollen Kolonisation hervorgetan hat sich von den kleinasiatisch-ionischen Städten vor allem [[Milet]] (ab spätestens dem 7. Jahrhundert v. Chr.) mit etwa 70 Kolonien im [[Schwarzes Meer|Schwarzmeergebiet]], darunter [[Apollonia Pontica|Apollonia Pontike]], [[Sinop]]e, [[Trabzon|Trapezous]] (Trabzon), [[Warna|Odessos]] (Warna) und [[Olbia (Schwarzes Meer)|Olbia]], mit der Gründung von [[Kyzikos]] an der [[Marmarameer|Propontis]] und von [[Naukratis]] in Ägypten, das, unterstützt von Pharao [[Psammetich I.]], zu Glanz und Blüte gelangte.&amp;lt;ref&amp;gt;Allgemein zu den milesischen Kolonien und ihrem Verhältnis zur Mutterstadt Milet: [[Norbert Ehrhardt]]: &amp;#039;&amp;#039;Milet und seine Kolonien, vergleichende Untersuchung der kultischen und politischen Einrichtungen&amp;#039;&amp;#039;. Frankfurt 1983, ISBN 3-8204-7876-0.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die milesischen Kolonien am Südrand des Schwarzen Meeres sind bis auf Sinope&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Ausgrabungen in Sinope siehe [[Ekrem Akurgal]] – [[Ludwig Budde]]: &amp;#039;&amp;#039;Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen in Sinope.&amp;#039;&amp;#039; Türk Tarih Kurumu Basımevi, Ankara 1956.&amp;lt;/ref&amp;gt; kaum erforscht. Am Westufer des Schwarzen Meeres ist das bereits ab 1914 systematisch ausgegrabene [[Histria (Schwarzes Meer)|Histria]] am Sinoë-See sehr gut erforscht.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe [http://www.cimec.ro/web-histria/2cercetare/cercetarea_eng.htm Forschungsgeschichte Histria] von Alexandru Suceveanu (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den [[Ionische Inseln|Ionischen Inseln]] aus, namentlich von [[Korfu (Stadt)|Kerkyra]], das sich 665 v. Chr. von seiner Mutterstadt Korinth löste, wurden Kolonisten zur [[Illyrien|illyrischen]] Küste und nach Unteritalien entsandt, die hier schon ältere Handelsniederlassungen der [[Ionier]] und [[Karer]] aus Kleinasien vorfanden. Vom Ostrand des Mittelmeers drangen Seeleute von Phokaia bis nach [[Korsika]] und an die Küste [[Gallien]]s vor, wo [[Marseille|Massalia]] (Marseille) Mittelpunkt ihrer Handelsplätze wurde, darunter bald auch Nikaia ([[Nizza]]). Von Massalia aus steuerten die Griechen auch Spanien an, gründeten die Pflanzstädte [[Empúries|Emporion]], Hemeroskopeion, [[Mainake]] sowie [[Ceuta|Hepta Adelphia]] und machten den phönizischstämmigen [[Karthago|Karthagern]] die Herrschaft über den Handel streitig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Kolonisationsunternehmen führten die Griechen unter anderem zur Gründung von [[Split|Aspalathos]] in [[Dalmatien]] und [[Durrës|Epidamnos]] sowie [[Apollonia (Albanien)|Apollonia]] in [[Albanien]], von [[Byzantion]] am [[Bosporus]] sowie von [[Sochumi|Dioskurias]] und [[Nessebar|Mesambria]] im Schwarzmeergebiet. Von [[Santorin|Thera]] aus wurde die Pflanzstadt [[Kyrene]] in Nordafrika angelegt, die sich unter der Herrschaft der Gründerdynastie der [[Battos I.|Battiaden]] rasch entwickelte und zu einem mächtigen Reich wurde, das sich gegen Ägypten behauptete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutung ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Thasos, Inschrift des Glaukos-Monuments.jpg|mini|Die Inschrift vom [[Monument des Glaukos]] auf der Insel [[Thasos]] ehrt einen Anführer, der gemeinsam mit dem Dichter [[Archilochos]] an der Kolonisierung der Insel teilnahm, und sicherte dort über Jahrhunderte die Erinnerung an den [[Oikistes]] der Kolonie]]&lt;br /&gt;
Nicht nur geographisch, sondern auch kulturhistorisch war die Große Kolonisation von weittragender Bedeutung. So übernahmen die [[Etrusker]] in Mittelitalien nicht allein das griechische Alphabet, sondern deckten sich auch mit griechischen Kunsterzeugnissen ein. Daher wurden ihre Grabstätten von der Archäologie anfänglich für griechisch gehalten. Auch auf die [[Hallstattzeit|Hallstatt-Kultur]], die westeuropäischen [[Kelten]] und die [[Skythen]] Südrusslands hat das Kolonisationsgriechentum kulturell eingewirkt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Schuller, &amp;#039;&amp;#039;Griechische Geschichte&amp;#039;&amp;#039;, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, München 1991, S. 14f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch auch die Binnenverhältnisse der griechischen Staatenwelt gerieten mit der griechischen Kolonisation verstärkt in Bewegung. Für Welwei besteht kein Zweifel, dass die von den Oikisten bei den jeweiligen Neugründungen erprobten Regelungen für die Siedlergemeinschaft innerhalb des griechischen Kosmos kommuniziert wurden und dass sie in der damaligen Formierungsphase der Polis vielerorts Interesse fanden und Anregungen für die Ausgestaltung der eigenen Verhältnisse boten: „Dies erklärt nicht zuletzt die Vielfalt der Institutionen und die Variationsbreite ihrer Kompetenzen in den Siedlungsgebieten der Griechen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Welwei 2002, &amp;#039;&amp;#039;Die griechische Frühzeit&amp;#039;&amp;#039;, S. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem förderten Kolonisation und erweiterte Handelsbeziehungen das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit aller Hellenen: „Daß&amp;lt;!-- sic! --&amp;gt; der Hellenenname zuerst bei [[Archilochos]] (Mitte des 7. Jahrhunderts) erscheint, der viele Länder sah und der an der Kolonisation beteiligt war, wird schwerlich ein Zufall sein. Das von neun griechischen Städten gemeinsam erbaute Heiligtum in [[Naukratis]] (in der Zeit des [[Amasis (Pharao)|Amasis]], 569–526) hieß Hellenion. Weihinschriften galten den „Göttern der Hellenen“, auch dies ein Zeichen für die Bildung eines gemeingriechischen Bewußtseins&amp;lt;!-- sic! --&amp;gt; in fremdem Lande.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hermann Bengtson, &amp;#039;&amp;#039;Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die Römische Kaiserzeit.&amp;#039;&amp;#039; Sonderausgabe der 5. Auflage, München 1979, S. 63.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Bedeutung erlangten Delphi und sein Orakel als Zentrum einer [[Amphiktyonie]], die 600 v. Chr. alle Staaten Mittelgriechenlands umfasste. Die delphische Priesterschaft wirkten dabei – durch Übernahme eines [[babylon]]ischen Elements – auf die Vielzahl der griechischen Kalendersysteme vereinheitlichend. Der Initiative der delphischen Amphiktyonie war auch eine Konvention zu verdanken, die im Kriegsfall zum Beispiel verbot, die Wasserversorgung des Gegners zu unterbinden.&amp;lt;ref&amp;gt;Hermann Bengtson, &amp;#039;&amp;#039;Griechische Geschichte. Von den Anfängen bis in die Römische Kaiserzeit.&amp;#039;&amp;#039; Sonderausgabe der 5. Auflage, München 1979, S. 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Peloponnes erlangte Olympia mit der Zeit eine Delphi vergleichbare Bedeutung. Nachdem die [[Olympische Spiele der Antike|Olympischen Spiele]] im 8. Jahrhundert v. Chr. dort begonnen hatten, nahmen seit Beginn des 6. Jahrhunderts unter der Aufsicht der als [[Hellanodiken]] bezeichneten Kampfrichter unter anderem auch die von Ferne anreisenden Griechen [[Ionien]]s und Unteritaliens an dem sportlichen Wettstreit teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Liste dorischer Stadtgründungen]]&lt;br /&gt;
* [[Liste ionischer Stadtgründungen]]&lt;br /&gt;
* [[Liste achaiischer Stadtgründungen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Frank Bernstein]]: &amp;#039;&amp;#039;Konflikt und Migration. Studien zu griechischen Fluchtbewegungen im Zeitalter der sogenannten Großen Kolonisation&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Mainzer althistorische Studien&amp;#039;&amp;#039; Band 5). Scripta Mercaturae Verlag, St. Katharinen 2004, ISBN 3-89590-148-2.&lt;br /&gt;
* [[Norbert Ehrhardt]]: &amp;#039;&amp;#039;Milet und seine Kolonien. Vergleichende Untersuchung der kultischen und politischen Einrichtungen.&amp;#039;&amp;#039; Lang, Frankfurt am Main u.&amp;amp;nbsp;a. 1983, ISBN 3-8204-7876-0.&lt;br /&gt;
* [[Hans-Joachim Gehrke]]: &amp;#039;&amp;#039;Griechische Wanderungsnarrative und ihre Wirkung.&amp;#039;&amp;#039; In: Felix Wiedemann, [[Kerstin P. Hofmann]], Hans-Joachim Gehrke (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Vom Wandern der Völker. Migrationserzählungen in den Altertumswissenschaften&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Berlin Studies of the Ancient World.&amp;#039;&amp;#039; Band 41). Edition Topoi, Berlin 2017, ISBN 978-3-9816751-6-0, S. 41–65 ([http://www.topoi.org/publication/42119/ online]).&lt;br /&gt;
* Gocha R. Tsetskhladze (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Greek Colonisation. An Account of Greek Colonies and Other Settlements Overseas.&amp;#039;&amp;#039; Zwei Bände. Brill, Leiden 2006–2008.&lt;br /&gt;
* Martin Mauersberg: &amp;#039;&amp;#039;Die „griechische Kolonisation“. Ihr Bild in der Antike und der modernen altertumswissenschaftlichen Forschung&amp;#039;&amp;#039;. transcript, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4689-4.&lt;br /&gt;
* Theresa Miller: &amp;#039;&amp;#039;Die griechische Kolonisation im Spiegel literarischer Zeugnisse.&amp;#039;&amp;#039; Narr, Tübingen 1997, ISBN 3-8233-4873-6.&lt;br /&gt;
* [[Oswyn Murray]]: &amp;#039;&amp;#039;Das frühe Griechenland.&amp;#039;&amp;#039; dtv, München 1982. ISBN 3-42304400-4&lt;br /&gt;
* [[Elke Stein-Hölkeskamp]]: &amp;#039;&amp;#039;Das archaische Griechenland. Die Stadt und das Meer.&amp;#039;&amp;#039; München 2015, ISBN 978-3-406-67378-8.&lt;br /&gt;
* [[Karl-Wilhelm Welwei]]: &amp;#039;&amp;#039;Die griechische Frühzeit.&amp;#039;&amp;#039; C. H. Beck, 3. aktualisierte Ausgabe, München 2019 (Originalausgabe 2002).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Griechische Kolonisation| ]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Marko Kafé</name></author>
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