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	<title>Neonatizid - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-09T02:45:37Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Neonatizid&amp;diff=389443&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Fan-vom-Wiki: /* Im kulturellen Vergleich */ Tippfehler</title>
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		<updated>2026-03-13T15:35:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Im kulturellen Vergleich: &lt;/span&gt; Tippfehler&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Neonatizid&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ([[lateinische Sprache|lateinisch]]/[[griechische Sprache|griechisch]]: &amp;#039;&amp;#039;Neugeborenentötung&amp;#039;&amp;#039;) bezeichnet die [[Tötungsdelikte|Tötung]] eines [[Neugeborenes|neugeborenen Kindes]], in der Regel unmittelbar nach der [[Geburt]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in einigen [[Kulturkreis]]en die Tötung neugeborener Kinder eine übliche Maßnahme zur Vermeidung von u.&amp;amp;nbsp;a. Überbevölkerung war bzw. ist (siehe unten), schließt sonst diese Form der [[Kindstötung]] (&amp;#039;&amp;#039;Infantizid&amp;#039;&amp;#039;) an [[Schwangerschaft]]en an, die bis zur Geburt des Kindes von der Mutter geheim gehalten oder sogar vor sich selbst verleugnet wurden. Die Tötung erfolgt hier bis auf wenige Ausnahmen durch die Kindesmutter selbst als extreme [[Stress]]- und [[Panik]]reaktion nach der „Überraschung“ der plötzlich erlebten Geburt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursachen ==&lt;br /&gt;
Insgesamt existieren bisher nur wenige Untersuchungen des Phänomens Neonatizid. Nach bisherigem Kenntnisstand gibt es keine isolierbare Einzelursache für die Tötung eines Neugeborenen durch die Mutter. Erst das Zusammentreffen mehrerer Faktoren führt in manchen Fällen zur Tat. Es gibt keinen Nachweis, dass bei Müttern, die einen Neonatizid vornehmen, häufiger eine [[Persönlichkeitsstörung]] vorliegt, beispielsweise im Sinne fehlender Reife oder völlig unzureichender Bewältigungsmechanismen, als bei anderen Müttern. Aber erstere sind im Falle der Aussetzung Neugeborener nicht in der Lage, vorhandene Hilfsangebote wie die [[Schwangerschaftskonfliktberatung]], [[Babyklappe]]n oder die Freigabe zur [[Adoption]] zu nutzen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;spontötungen&amp;quot;&amp;gt;[http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,534149,00.html &amp;#039;&amp;#039;Säuglingstötungen: Die Frauen sehen ihr Kind als störendes Objekt&amp;#039;&amp;#039;] Auf: &amp;#039;&amp;#039;Spiegel Online.&amp;#039;&amp;#039; 28. April 2012.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auslöser für die pathologische Verheimlichung der Schwangerschaft und die spätere Aussetzung oder Tötung eines Säuglings kann das Umfeld der Mutter sein, wenn es eine mögliche Elternschaft ablehnt oder mit negativen Konsequenzen belegen würde. Aber auch in intakten und eigentlich akzeptierenden Umfeldern kam es zu Fällen von Neonatizid und Kindesaussetzung, bei denen die Mutter den Grund für ihr Verhalten nicht rational erklären konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird in Medien und Öffentlichkeit häufig die Ursache in den Lebensbedingungen der Täterinnen gesucht, z.&amp;amp;nbsp;B. dass diese etwa sehr jung, in Ausbildung oder arbeitslos seien. Aber tatsächlich wird die Tat von Müttern aller [[Soziale Schichtung|sozialen Schichten]] begangen, wie auch die [[Erziehungswissenschaft]]lerin und [[Kriminologie|Kriminologin]] [[Christine Swientek]] feststellt: „Unter den Frauen, die ihr Baby umgebracht haben, waren Schulmädchen genau so wie Krankenschwestern und Sozialpädagogik-Studentinnen. Es geht durch alle Schichten, durch alle Altersklassen“. [[Theresia Höynck]], [[Kriminologie|Kriminologin]] und [[Rechtswissenschaft]]lerin bestätigt diese Erkenntnisse.&amp;lt;ref name=&amp;quot;spontötungen&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nach aktuellen Erkenntnissen nur ein übereinstimmendes, eindeutiges Merkmal bei allen Taten: das persönliche Umfeld der Mütter hat die Schwangerschaft nicht wahrgenommen bzw. die Mütter konnten diese erfolgreich verbergen. Weiter sind keine eindeutigen Merkmale nachgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;spontötungen&amp;quot;/&amp;gt; Als andere begünstigende Faktoren für einen Neonatizid kommen auch, aber nicht notwendigerweise, das Fehlen oder Nichtfunktionieren engerer sozialer Stütz- und Kontrollsysteme oder auch schwere [[Sucht]]erkrankungen in Betracht, zumal, wenn sie Kritik- und Urteilsfähigkeit sowie den Bezug zur Realität beeinträchtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Größenordnung und Rahmenbedingungen ==&lt;br /&gt;
Jährlich werden in Deutschland etwa dreißig Neugeborenentötungen bzw. Kindsaussetzungen bekannt, fünfzig bis siebzig Prozent der Fälle werden [[Aufklärungsquote|aufgeklärt]]. Mitte des [[19. Jahrhundert|19. Jahrhunderts]] waren die Opferzahlen wesentlich höher (geschätzt werden mehrere tausend Fälle), um 1950 gab es etwa dreihundert Opfer pro Jahr. Der Rückgang wird mit einer besseren [[Sozialstaatsprinzip|sozialen Situation]] in Zusammenhang gebracht. Auch die Auswirkung der mit der Zeit immer üblicheren, besseren und verfügbareren [[Empfängnisverhütung|Verhütungsmittel]] sowie die [[Fristenregelung]] dürfte hier signifikant sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Österreich beträgt die Zahl aktuell etwa drei pro Jahr.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Klier 2019&amp;quot;&amp;gt;Claudia M. Klier et al.: &amp;#039;&amp;#039;Repeated neonaticide: differences and similarities to single neonaticide events.&amp;#039;&amp;#039; 2019, Archives of Women’s Health. doi.org/10.1007/s00737-018-0850-1&amp;lt;/ref&amp;gt; Im historischen Rückblick vermuten Susanne Krejsa MacManus und [[Christian Fiala]] einen Zusammenhang mit der Gesetzgebung hinsichtlich [[Schwangerschaftsabbruch]]. Relevant scheint auch das Lebensumfeld der betreffenden Frau: Ländliche Umgebung böte mehr Möglichkeiten, den Leichnam zu beseitigen –&amp;amp;nbsp;MacManus und Filala sprechen von „Entsorgungsmöglichkeiten“&amp;amp;nbsp;– bzw. eine geringere Gefahr der Entdeckung als städtische Siedlungsräume.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Gebüsch 2020&amp;quot;&amp;gt; Susanne Krejsa MacManus, [[Christian Fiala]]: &amp;#039;&amp;#039;Babyleichen im Gebüsch: Schmerzliche Lehren aus der Vergangenheit.&amp;#039;&amp;#039; [[Medical Tribune]] 52, 7–8, S 12, v. 19. Februar 2020&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neonatizid im deutschen Strafrecht ==&lt;br /&gt;
Rechtlich werden Neonatizide nach § 212 [[Strafgesetzbuch (Deutschland)|StGB]] ([[Totschlag (Deutschland)|Totschlag]], Strafmaß 5 bis 15 Jahre) oder §§ 212, 213 (Minder schwerer Fall des Totschlags, Strafmaß 1 bis 10 Jahre) des [[Strafgesetzbuch (Deutschland)|Strafgesetzbuches]] verurteilt. Treten Merkmale wie [[Habgier]], [[Grausamkeit]] oder rücksichtslose [[Eigensucht]] bei der Kindstötung auf, so ist die Kindstötung als [[Mord]] nach § 211 zu werten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland gab es bis zur [[Sechstes Strafrechtsreformgesetz|Sechsten Strafrechtsreformgesetz]] 1998 für den Neonatizid eines [[Unehelichkeit|nichtehelichen]] Kindes die strafrechtliche [[Privilegierung]] des § 217 StGB („Eine Mutter, welche ihr nichteheliches Kind in oder gleich nach der Geburt tötet“, Strafmaß 3 bis 15 Jahre, minderschwere Fälle 6 Monate bis 5 Jahre), der von einem verminderten Unrecht ausging auf Grund des gesellschaftlichen Drucks auf unverheiratete Mütter in den früheren Jahrhunderten (gesellschaftliche Ausstoßung, Verlust etwa der Arbeit, Pranger). Die Tötung eines ehelichen Kindes wurde damit aber nicht erfasst und als Totschlag gewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem gesellschaftlichen Wandel und der Akzeptanz und Gleichstellung der nichtehelichen Kinder wurde diese Strafvorschrift 1998 als überflüssige, nicht mehr zeitgemäße Vorschrift angesehen und somit abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen zum Strafmaß zeigen, dass in 40 Prozent der abgeurteilten Fälle Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren verhängt wurden. In der Regel werden die Taten als [[Totschlag (Deutschland)|Totschlag]] bewertet, häufig als [[Minder schwerer Fall des Totschlags|minder schwerer Fall]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;saimeh-2012&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur | Autor=Nahlah Saimeh | Titel=Jeder kann zum Mörder werden | Auflage=2 | Verlag=Piper | Jahr= 2012 | ISBN=978-3492300735 | Seiten= }}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neonatizid im österreichischen Strafrecht ==&lt;br /&gt;
Der Neonatizid ist gemäß {{§|79|StGB|RIS-B|DokNr=NOR40173611}} [[Strafgesetzbuch (Österreich)|StGB]] eine [[Privilegierung|privilegierte]] Form des Mordes. Wird das Kind von der Mutter während der Geburt oder während diese noch unter der Einwirkung des Geburtsvorgangs gestanden hat, getötet, gilt die – im Vergleich zum Mord nach {{§|75|StGB|RIS-B|DokNr=NOR12029618}} StGB – milde Strafdrohung von sechs Monaten bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe aufgrund der gesetzlich unwiderlegbar vermuteten Minderung der [[Zurechnungsfähigkeit]] während des Geburtsvorgangs. Der Neonatizid ist eine Vorsatztat und als solche von der fahrlässigen Tötung ({{§|80|StGB|RIS-B|DokNr=NOR12029623}} StGB) abzugrenzen.&lt;br /&gt;
Die Privilegierung greift sogar dann, wenn die Mutter die Tat lange vor der Geburt geplant hat und ihre Zurechnungsfähigkeit nachweislich nicht vermindert war.&lt;br /&gt;
Die Privilegierung kommt nur der Mutter zugute. Tötet der Vater oder eine andere Person das Kind, ist das nach {{§|75|StGB|RIS-B|DokNr=NOR12029618}} StGB ([[Mord (Österreich)|Mord]]) strafbar. Selbiges gilt, wenn jemand die Mutter zur Tötung anstiftet, dann ist das nach {{§|12|StGB|RIS-B|DokNr=NOR12029553}} iVm {{§|75|StGB|RIS-B|DokNr=NOR12029618}} StGB (Bestimmungstäter) strafbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neonatizid im Schweizer Strafrecht ==&lt;br /&gt;
Eine Mutter, die ihr Kind während der Geburt oder solange sie unter dem Einfluss des Geburtsvorgangs steht, tötet, wird wegen Kindestötung nach {{Art.|116|StGB|ch}} [[Strafgesetzbuch (Schweiz)|Strafgesetzbuch]] bestraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im kulturellen Vergleich ==&lt;br /&gt;
Anders als in westlichen [[Kulturkreis]]en wurde oder wird es in der Tradition mancher anderer Kulturen weder moralisch noch rechtlich als verwerflich gewertet, Säuglinge nach der Geburt zu töten. Die folgenden Beispiele verdeutlichen dies (vgl. zum Beispiel Kuhse, Singer 1993, S. 135ff.):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bei den &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;[[Netsilik|Netsilik-Inuit]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; im arktischen Kanada war die Tötung neugeborener Mädchen sehr verbreitet. Hintergrund ist, dass männliche Nachkommen durch insbesondere die Jagd zur Sicherung des Überlebens der Familie beitragen konnten. Das lange [[Stillen]] (zwei bis drei Jahre) und Aufziehen eines Mädchens galt darum gerade in Zeiten knappen Nahrungsangebotes als Hindernis, da die Mutter nicht so schnell wieder schwanger werden und, so es der Zufall wollte, einen Jungen gebären konnte. Die Entscheidung darüber, ob ein weibliches Neugeborenes aufgezogen wurde, war hauptsächlich abhängig vom aktuellen und zu erwartenden Nahrungsangebot und wurde häufig vom Vater getroffen, aber auch von der Kindsmutter oder den Großeltern. Meist wurden die Kinder, deren Tod man entschieden hatte, in den [[Schnee]] gelegt und sie erfroren, sofern nicht eine andere Familie sich des Säuglings annahm. Als Nebeneffekt der Tötung weiblicher Neugeborener blieb das Geschlechterverhältnis relativ ausgeglichen, da viele Männer bei der Jagd umkamen.&lt;br /&gt;
* Auch bei den &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;{{lang|khi|[[ǃKung]]}}&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (das ‚ǃ‘ steht für einen Laut, für den es im Deutschen keinen Buchstaben gibt), einem [[Nomade]]nvolk aus der Wüste [[Kalahari]], war die Tötung Neugeborener kein ungewöhnliches Phänomen. Die Frauen töteten ihre Säuglinge, wenn sie mit einer [[Fehlbildung]] zur Welt kamen, der Abstand zum nächstälteren Geschwisterkind als zu klein betrachtet wurde (weniger als etwa drei bis vier Jahre) und bei [[Mehrlingsgeburt]]en wurden prinzipiell alle Neugeborenen bis auf eines getötet. Allgemein herrschte der Gedanke vor, dass ein Kind mit [[Behinderung (Sozialrecht)|Behinderung]] nicht wirtschaftlich sein kann und dass das parallele Stillen von zwei oder mehr Kindern unweigerlich entweder alle Kinder schwächt oder mindestens eines schließlich an Mangelernährung sterben würde. Im Zweifel wurde das Leben des älteren Kindes dem des Neugeborenen vorgezogen. Neben der natürlichen Säuglingssterblichkeit trug die Maßnahme der Neugeborenentötung dazu bei, die [[Bevölkerungsdichte]] ausgeglichen zu halten und zudem die Bedingungen der Kinderaufzucht den harten Lebensbedingungen des Volkes anzupassen (zum Beispiel Zurücklegen weiter Strecken, Stillen der Kinder oftmals bis zum vierten Lebensjahr, da keine andere Nahrung für Kinder vorhanden war, langes Tragen der Kinder durch die Mütter). Zur [[Niederkunft]] zog sich die Frau meist zurück, ggf. gemeinsam mit ihrer Mutter, und wenn sie beschlossen hatte, das Kind nicht aufzuziehen, da eine angemessene Versorgung nicht möglich erschien, wurde es mitsamt der [[Plazenta]] vergraben und galt als [[Totgeburt]].&lt;br /&gt;
* Das Volk der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;[[Tikopia]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; lebt in [[Polynesien]] und hielt sich bis zum Eintreffen christlicher [[Missionar]]e streng an das Prinzip der Vorrangigkeit der Gemeinschaftsinteressen vor den Interessen des Einzelnen. In der Regel heiratete der älteste Sohn einer Familie und pflanzte sich fort, während die jüngeren männlichen Nachkommen der Familie meist unverheiratet blieben, oft sogar aus freien Stücken, denn Geschlechtsverkehr unter Unverheirateten wurde nicht als anstößig empfunden. Der älteste Sohn erbte das Land, der Ackerbau war die wichtigste Nahrungsquelle der Familie. An diesen Ressourcen orientierte sich die innerfamiliäre Bevölkerungskontrolle und der Vater hatte im Zweifel zu entscheiden, ob ein weiteres Kind insbesondere mit dem Nahrungsangebot seiner Familie kompatibel sein würde oder nicht. Verhütet wurde durch Unterbrechung des Geschlechtsaktes vor dem Samenerguss ([[coitus interruptus]]), Methoden zum [[Schwangerschaftsabbruch]] wurden wenn, dann meist von unverheirateten Frauen praktiziert. Verheiratete Frauen töteten einen unpassend geborenen Säugling in der Regel nach der Geburt, indem sie ihn mit dem Gesicht auf den Boden legten, und ihn in dieser Position beließen, bis der [[Erstickungstod]] eingetreten war. Die Missionierung durch [[Christen]] hatte zur Folge, dass Geschlechtsverkehr unter Unverheirateten als [[Sünde]] betrachtet wurde, mehr Männer heirateten und mehr Kinder geboren wurden. Im Zuge der neuen [[Moral]]vorstellungen wurde auch die Neugeborenentötung nicht länger als Mittel zur natürlichen Bevölkerungskontrolle gesehen.&lt;br /&gt;
* Im Durchschnitt fünf bis sechs Kinder hatten die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Dorfbewohner in [[Japan]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bis zum [[18. Jahrhundert]]. Ab da bis in die erste Hälfte des [[19. Jahrhundert]]s hinein wurde in bäuerlichen Familien, die sich keinen [[Schwangerschaftsabbruch]] leisten konnten, die Tötung Neugeborener als ein Mittel gegen die damals schon bestehende Überbevölkerung (gemessen am zur Bewirtschaftung verfügbaren Land) praktiziert, um dem Problem der Hungersnot und [[Unterernährung]] entgegenzuwirken bzw. vorzubeugen. Das Idealbild der japanischen Bauersfamilie dieser Zeit sah drei Kinder vor, zwei Söhne und eine Tochter. Die Tochter galt als Tauschobjekt für eine Ehefrau für den erstgeborenen männlichen Nachkommen, der zweite Sohn als Rückversicherung, falls dem anderen etwas zustoßen sollte. Die Säuglingstötung als Alternative zur Aufzucht des Kindes war so normal, dass [[Hebamme]]n nach der Entbindung zu fragen pflegten, ob das Kind „zurückgelassen“ / „zurückgegeben“ werden solle oder nicht. Unpassende Kinder, die abgelehnt wurden, um das Gleichgewicht zwischen der Kinderzahl und dem Nahrungsangebot, der Familiengröße, der Gutsgröße und nicht zuletzt dem Geschlechterverhältnis der Geschwister zu halten, wurden bestattet, teils im Hof des Hauses, teils neben einem Heiligtum.&lt;br /&gt;
* Auch die [[Mariame]], ein mittlerweile ausgestorbener Stamm nordamerikanischer Indianer aus der Gruppe der [[Coahuiltec]], töteten häufig weibliche Nachkommen und gelegentlich auch männliche Kinder, wenn ungünstige [[Traum|Träume]] dies verlangten.&lt;br /&gt;
* Vor dem Verbot durch die [[Britische Kolonien|britische Kolonialherrschaft]] wurden bei den [[Toda (Volk)|Todas]] in Südindien viele weibliche Neugeborene getötet, um das Bevölkerungswachstum zu regulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neonatizid bei schwerstbehinderten Neugeborenen ==&lt;br /&gt;
In den westlichen Kulturen vertreten seit Jahren eine Reihe von Menschen die Meinung, die selektive aktive Tötung bzw. die passiv zum Tode führende Nichtbehandlung von Neugeborenen mit schwersten [[Behinderung (Sozialrecht)|Behinderungen]] oder [[Fehlbildung]]en (zum Beispiel [[Anenzephalie]]) solle legalisiert werden. Eine Vorreiterrolle nehmen in dieser Bewegung u.&amp;amp;nbsp;a. der australische Philosoph und Ethiker [[Peter Singer]] und der britische [[Bioethik]]er John Harris ein. Letzterer vertritt ähnlich wie Singer die Ansicht, dass es „nicht plausibel ist, von einem [[moral]]ischen Wandel während der Reise durch den Geburtskanal auszugehen“ ([[BBC]]-News, 16. Januar 2004). Es ist beispielsweise seit langem in vielen westlichen Ländern gesetzlich legal und von großen Teilen der Gesellschaft toleriert und akzeptiert, bei einer [[Pränataldiagnostik|vorgeburtlich festgestellten]] Behinderung oder Fehlbildung des Kindes – auch bei gegebener oder zu erwartender Lebensfähigkeit des Kindes – einen [[Schwangerschaftsabbruch mit embryopathischer Indikation|Schwangerschaftsabbruch]] vornehmen zu lassen. Darum sei es nicht nachvollziehbar, dass man ein Neugeborenes aufgrund moralischer Prinzipien [[leben]] lassen bzw. am Leben halten müsse, wenn seine Behinderung oder Fehlbildung pränatal nicht erkannt worden sei und den Eltern die Alternative des Abbruchs nicht geboten werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kritik an diesen Bestrebungen ist nach wie vor enorm. Insbesondere in Deutschland wird nicht nur von Behindertenorganisationen befürchtet, eine entsprechende Regelung könne einer [[Mentalität]] politischen Raum und rechtliche Legitimation geben, die letztlich gesellschaftliche Einstellungen zu Menschen mit Behinderung hervorrufen könne, welche in der Vergangenheit die [[Aktion T4|nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programme]] möglich werden ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Infantizid (Zoologie)|Infantizid bei Tieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=[[Klaus Michael Beier|Klaus M. Beier]] |Titel=Weiblichkeit und Perversion. Von der Reproduktion zur Reproversion |TitelErg=Mit einem Geleitwort von [[Reinhard Wille]] |Verlag=Gustav Fischer Verlag |Ort=Stuttgart, Jena, New York |Datum=1994 |ISBN=3-437-11515-4}}&lt;br /&gt;
* Pedro-Paul Bejarano-Alomia: [http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000009806 &amp;#039;&amp;#039;Kindstötung. Kriminologische, rechtsgeschichtliche und rechtsvergleichende Überlegungen nach Abschaffung des § 217 StGB a.F.&amp;#039;&amp;#039;] Berlin 2008 (Berlin, Freie Universität, Dissertation, 2009).&lt;br /&gt;
* Nadine Bozankaya: &amp;#039;&amp;#039;Neonatizid. Die rechtliche Reaktion auf die Tötung Neugeborener. Eine strafrechtliche Untersuchung anhand von Aktenanalysen&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Bremer Forschungen zur Kriminalpolitik&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 15). (zugleich Dissertation, Universität Bremen, 2010) Lit, Münster 2010, ISBN 978-3-643-10909-5.&lt;br /&gt;
* Helga Kuhse, [[Peter Singer]]: &amp;#039;&amp;#039;Muß dieses Kind am Leben bleiben? Das Problem schwerstgeschädigter Neugeborener.&amp;#039;&amp;#039; Fischer, Erlangen 1993, ISBN 3-89131-110-9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [http://www.femina.uni-bonn.de/pdf/veroeffentl/MS_M%C3%BCtter_die_t%C3%B6ten_Bonn_2003_DGPFG_2.pdf Welche Mütter töten ihre Kinder? Manuskript von Anke Rohde zum Thema Infantizid mit einzelnen Bezügen zum Neonatizid (PDF-Datei)] (221 kB)&lt;br /&gt;
* [http://www.stern.de/politik/panorama/:Psychologie-Warum-M%FCtter-Neugeborenen/543786.html Bericht des Sterns zum Thema Neonatizid]&lt;br /&gt;
* [http://www.tdh.de/content/themen/weitere/babyklappe/studie_toetung.htm Studie von Terre des hommes über Aussetzungen und Tötungen von Neugeborenen in Deutschland von 1999 bis 2004]&lt;br /&gt;
* [http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,830053,00.html Interview mit Theresia Höynck zum Thema Säuglingstötungen] auf Spiegel Online vom 28. April 2012&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Rechtshinweis}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tötungsdelikt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rechtsmedizin]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Neonatologie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Fan-vom-Wiki</name></author>
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