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	<title>Sumer is icumen in - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-08T08:32:46Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Sumer_is_icumen_in&amp;diff=1631695&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Der wahre Jakob: BKL aufgelöst</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Sumer_is_icumen_in&amp;diff=1631695&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2023-12-12T16:05:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;BKL aufgelöst&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (&amp;#039;&amp;#039;Der Sommer ist gekommen&amp;#039;&amp;#039;) ist der bekanntere [[Mittelenglische Sprache|mittelenglische]] Titel eines [[Kanon (Musik)|Kanons]], der von der Forschung allgemein als das älteste in der europäischen Musikgeschichte überlieferte Beispiel dieser [[Mehrstimmigkeit|mehrstimmigen]] [[Komposition (Musik)|Kompositionstechnik]] anerkannt ist. Das um die Mitte des 13.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts entstandene Stück wurde kurz vor 1300 erstmals schriftlich fixiert; in dieser ersten Handschrift findet sich neben dem weltlichen, volkssprachlichen Text auch ein geistlicher in [[Mittellatein|mittellateinischer]] Sprache, der mit den Worten &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Perspice christicola&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; beginnt. Als ältestes bekanntes sechsstimmig gesetztes Musikstück, als Dokument der sich entwickelnden mittelenglischen Sprache im Allgemeinen und der Emanzipation volkssprachlicher, weltlicher Liedtexte neben lateinisch verfassten mit geistlicher Thematik sowie als außerordentlich frühes Beispiel [[Harmonik|harmonisch]] aufgefassten Musizierens nimmt der „Sommerkanon“ eine herausgehobene Position in der Musikgeschichte ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überlieferungsgeschichte ==&lt;br /&gt;
=== Die „Reading rota“ ===&lt;br /&gt;
Der Kanon erscheint erstmals in einer spätmittelalterlichen Handschrift, die heute als &amp;#039;&amp;#039;MS&amp;amp;nbsp;Harley&amp;amp;nbsp;978&amp;#039;&amp;#039; in der [[British Library]] aufbewahrt wird. Der [[Manuskript|Codex]] stammt ursprünglich aus der Bibliothek der [[Abtei Reading]]. Da dieses Kloster jedoch kein eigenes [[Skriptorium]] unterhielt, wird im Allgemeinen die vergleichsweise nahe gelegene [[Universitätsstadt]] [[Oxford]] als Entstehungsort angenommen.&lt;br /&gt;
Auf die Herkunft des Manuskripts bezieht sich auch eine gängige Alternativbezeichnung des Sommerkanons, „Reading rota“. Das lateinische Wort &amp;#039;&amp;#039;rota&amp;#039;&amp;#039; (= Rad) wird hier synonym zum englischen &amp;#039;&amp;#039;round&amp;#039;&amp;#039; verwendet und bezeichnet die Form des Ringkanons.&lt;br /&gt;
[[Datei:Sumer is icumen in - Summer Canon (Reading Rota) (mid 13th C), f.11v - BL Harley MS 978.jpg|mini|center|380px|MS Harley 978 f.11v stellt den „Sommerkanon“ in einer frühen Form der Mensuralnotation dar. Das {{Audio|Sommerkanon kpl.MID|Klangbeispiel}} ist sechsstimmig ausgesetzt.]]&lt;br /&gt;
Als erster Besitzer und möglicherweise auch Auftraggeber der Abschrift wird &amp;#039;&amp;#039;William von Winchester&amp;#039;&amp;#039; vermutet, einer der drei in MS&amp;amp;nbsp;Harley&amp;amp;nbsp;978 namentlich erwähnten Mönche der Readinger Abtei, der als Musikliebhaber bekannt war. Im Codex selbst sind Schriften verschiedenen Charakters, jedoch alle religiöser Natur, gesammelt. &amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039; ist der einzige darin enthaltene weltliche Text und darüber hinaus der einzige in englischer Sprache, während das übrige Material (darunter auch weitere Musikstücke) in Französisch und Latein verfasst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Datierung ===&lt;br /&gt;
[[Datei:ReadingAbbey.JPG|miniatur|Ruinen der &amp;#039;&amp;#039;Reading Abbey&amp;#039;&amp;#039;, Blick vom [[Dormitorium]] auf das [[Kapitelhaus]]]]&lt;br /&gt;
Die Herstellung der eigentlichen Handschrift wird heute auf die letzten Jahre des 13.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts datiert; bis ins erste Drittel des 20.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts nahm man für den &amp;#039;&amp;#039;Sommerkanon&amp;#039;&amp;#039; selbst eine Entstehungszeit um 1230 an. Diese Datierung wurde annähernd auch von den ersten systematischen Untersuchungen zu dem Stück gestützt, die auf den später in die USA emigrierten deutschen Musikwissenschaftler [[Manfred Bukofzer]] zurückgehen. Bukofzer selbst widerrief seine früheren Einschätzungen jedoch in einem Aufsatz aus dem Jahre 1944 und setzte die Entstehungszeit des Kanons nun weit später an. Heutzutage gelten Bukofzers späte Thesen ihrerseits als weitgehend widerlegt, und die Forschung datiert die Komposition von &amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039; wieder in die Mitte des 13.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Sanders&amp;quot;&amp;gt;Sanders, Grove S. 708.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Datierung spielen neben bibliothekskundlichen Erkenntnissen und Methoden auch [[Philologie|philologische]] (etwa in Bezug auf die Entwicklung des Mittelenglischen) und natürlich musikwissenschaftliche (beispielsweise auf die im Manuskript verwendete [[Mensuralnotation]]) Erwägungen eine Rolle, die jedoch bis heute kein eindeutiges Resultat gezeitigt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Urheberschaft ===&lt;br /&gt;
Die Zuschreibung an [[W. de Wycombe]], wie sie in populärwissenschaftlicher Literatur gelegentlich zu finden ist, ist darauf zurückzuführen, dass es sich bei Wycombe um einen der ganz wenigen namentlich bekannten englischen Komponisten der Epoche handelt. Es gibt jedoch keine allgemein anerkannten Forschungsergebnisse, die einen näheren Bezug des Musikers zum Sommerkanon nahelegen. Musikwissenschaftliche Untersuchungen sprechen ausnahmslos von einer anonymen Komposition, ebenso bleibt ungeklärt, ob die Musik und die beiden Texte von ein und derselben Person verfasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Musikalische Charakteristika ==&lt;br /&gt;
===Notation, Metrum und tonale Struktur===&lt;br /&gt;
Der Notentext entspricht im Wesentlichen den Konventionen der [[Mensuralnotation#Schwarze_Mensuralnotation_.28ca._1230.E2.80.931430.29|schwarzen oder „frankonischen“ Mensuralnotation]], die sich in der Musik Westeuropas im Lauf des 13. Jahrhunderts als Standard für die Niederschrift zeitgenössischer Kompositionen etablierte. Allerdings sind – was etwas ungewöhnlich ist – die Notenlinien in roter Farbe gezogen, außerdem bestehen die [[Notensystem (Musik)|Systeme]] je aus sechs, in Zeile 6 sogar sieben Linien anstelle der damals bereits üblichen fünf. Da kaum vergleichbare Handschriften aus dem mittelalterlichen England erhalten geblieben sind, ist es jedoch so gut wie nicht möglich, aus diesen Besonderheiten weitergehende Schlüsse herzuleiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Hurry, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine eigentliche &amp;#039;&amp;#039;Mensur&amp;#039;&amp;#039;, die ungefähr der modernen [[Takt (Musik)|Taktangabe]] gleichkäme, ist noch nicht vorgezeichnet, da im fraglichen Zeitraum das dreiteilige [[Metrum (Musik)|Metrum]] als Normalfall betrachtet wurde. Das Symbol am Beginn jedes Systems ist ein [[C-Schl%C3%BCssel#C-Schl.C3.BCssel|C-Schlüssel]], der durch seine Position in etwa dem heutigen &amp;#039;&amp;#039;Tenorschlüssel&amp;#039;&amp;#039; entspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;Hurry, S. 29.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nach dem Schlüssel vorgezeichnete [[b (Notenschrift)|„b“]] ist als [[B molle]] zu lesen, weist also auf das [[Hexachord|&amp;#039;&amp;#039;hexachordum molle&amp;#039;&amp;#039;]] als tonalen Bezugsrahmen des Kanons hin. Das heute ebenso vorgezeichnete [[F-Dur]] ist eine weit spätere musikgeschichtliche Entwicklung, so dass es (dem Höreindruck des modernen Ohrs zum Trotz) ein Anachronismus wäre, den Sommerkanon als „in F-Dur stehend“ zu beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Satztechnik ===&lt;br /&gt;
Notiert sind in MS Harley 978 nur drei Stimmen: Die eigentliche Kanonmelodie und zwei als &amp;#039;&amp;#039;pes&amp;#039;&amp;#039; (Fuß) bezeichnete Begleitstimmen, die durch [[Stimmtausch]] auseinander ableitbar sind. Im Notentext der Kanonmelodie befindet sich über dem Wort &amp;#039;&amp;#039;lhude&amp;#039;&amp;#039; ein in roter Farbe hervorgehobenes Kreuz, das als &amp;#039;&amp;#039;signum congruentiae&amp;#039;&amp;#039; dient, d.&amp;amp;nbsp;h. eine neue Stimme setzt mit dem Kanon dann ein, wenn die vorhergehende diese Stelle erreicht hat. Die „für die Geschichte des Kanons archetypische einstimmige Aufzeichnungsweise“&amp;lt;ref name=&amp;quot;MGG&amp;quot;&amp;gt;{{MGG2|Verfasser=Peter Cahn|Lemma=Kanon|Band=S4|SpalteVon=1682|SpalteBis=1683|ID=mgg15548}}&amp;lt;/ref&amp;gt; ist bis auf den heutigen Tag üblich und am Beispiel des Sommerkanons erstmals in der Musikgeschichte belegt.&lt;br /&gt;
[[Datei:Harmonic pendulum F-Gm Sumer is icumen.PNG|mini|center|270px|{{Audio|Harmonic pendulum F-Gm Sumer is icumen.MID|Darstellung der Akkordbeziehungen, die sich im Zusammenklang der Kanonstimmen ergeben.}}]]&lt;br /&gt;
Die einander nach dem Kanonprinzip [[Imitation (Musik)|imitierenden]] Oberstimmen sind reich an den seinerzeit „modern“ wirkenden klangvollen Intervallen ([[Terz (Musik)|Terzen]] und [[Sexte]]n) und erzeugen auf diese Weise (zumindest für das heutige, durch die Harmonik geprägte Ohr) den Höreindruck einer Komposition in [[Dur]], wobei diese musikalische Auffassung dem Mittelalter noch fremd war. Im Zusammenklang mit den beiden &amp;#039;&amp;#039;pedes&amp;#039;&amp;#039; verstärkt sich der [[Akkord|akkordische]] Eindruck noch, da die Stimmen unablässig zwischen den [[Dreiklang|Dreiklängen]] [[F-Dur]] und [[G-Moll|g-moll]] hin- und herzupendeln scheinen, die der heutige Hörer als Wechsel zwischen [[Tonika]] und [[Subdominante]],&amp;lt;ref&amp;gt;g-Moll ist die [[Subdominantparallele]] in F-Dur.&amp;lt;/ref&amp;gt; in späterer Musik eine der grundlegendsten harmonischen Beziehungen, wahrnimmt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Sanders&amp;quot; /&amp;gt; Obwohl &amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039; den melodischen und rhythmischen Duktus anderer Kompositionen der [[Ars antiqua]] (etwa dem [[Graduale (Gesang)|Graduale]] &amp;#039;&amp;#039;Sederunt principes&amp;#039;&amp;#039; in der berühmten [[Organum]]-Vertonung [[Pérotin]]s) aufgreift, geht die vollstimmige Klanglichkeit des Sommerkanons weit über seine bekannten Vorbilder hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Aufführungsanweisungen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Sommerkanon mod Notation.png|mini|center|550px|Kanonmelodie und &amp;#039;&amp;#039;pedes&amp;#039;&amp;#039; in moderner Notation]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Kopist]] der Handschrift fügte den beiden Texten und den Noten eine recht ausführliche Anweisung bei, die erklärt, wie der Kanon aufzuführen sei. Aus dem schieren Vorhandensein dieser Aufführungsvorschrift wird zum einen auf die Existenz eines – wenn auch heute nicht mehr namentlich bekannten – Komponisten geschlossen,&amp;lt;ref name=&amp;quot;MGG&amp;quot; /&amp;gt; zum anderen illustriert die etwas umständliche Formulierung, wie wenig vertraut die Zeitgenossen mit dem Kompositionsprinzip eines Ringkanons gewesen sein dürften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;toccolours centered&amp;quot; cellpadding=&amp;quot;4&amp;quot; rules=&amp;quot;cols&amp;quot;&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;text-align:center&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Transkription || Deutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top&amp;quot;&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
Hanc rotam cantare possunt quatuor socii.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
A paucioribus autem quam a tribus vel saltem duobus non debet dici, preter eos qui dicunt pedem.&amp;lt;br /&amp;gt; Canitur autem sic.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tacentibus ceteris, unus inchoat cum hiis qui tenent pedem.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Et cum venerit ad primam notam post crucem, inchoat alius, et sic de ceteris.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Singuli vero repausent ad pausaciones scriptas, et non alibi, spacio unius longe note.&lt;br /&gt;
: &amp;#039;&amp;#039;Pes 1:&amp;#039;&amp;#039; Hoc repetit unus quociens opus est, faciens pausacionem in fine.&lt;br /&gt;
: &amp;#039;&amp;#039;Pes 2:&amp;#039;&amp;#039; Hoc dicit alius, pausans in medio, et non in fine, sed immediate repetens principium.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
Diesen Kanon können vier Gefährten singen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von weniger als von dreien oder zumindest zweien soll aber er nicht vorgetragen werden, neben denen, die den &amp;#039;&amp;#039;pes&amp;#039;&amp;#039; halten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es wird aber folgendermaßen gesungen:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während die Übrigen schweigen, beginnt einer mit denen, die den &amp;#039;&amp;#039;pes&amp;#039;&amp;#039; halten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und wenn er bei der ersten Note nach dem Kreuz angekommen ist, beginnt ein anderer, und so mit den Übrigen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Einzelnen jedoch pausieren bei den eingeschriebenen Pausenzeichen, und nirgendwo sonst, für die Dauer einer [[Mensuralnotation#Schwarze Mensuralnotation (ca. 1230–1430)|Longa]].&lt;br /&gt;
: &amp;#039;&amp;#039;Pes 1:&amp;#039;&amp;#039; Dies wiederholt einer, sooft es nötig ist, und macht die Pause am Ende.&lt;br /&gt;
: &amp;#039;&amp;#039;Pes 2:&amp;#039;&amp;#039; Dies singt der andere, wobei er in der Mitte pausiert und nicht am Ende, sondern dann sofort den Anfang wiederholt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vermischung mittelalterlicher Liedformen ===&lt;br /&gt;
Zumindest hinsichtlich der musikalischen Form, der &amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039; angehört, scheint es zunächst keine Zuordnungsprobleme zu geben. Das Manuskript selbst bezieht sich auf &amp;#039;&amp;#039;hanc rotam&amp;#039;&amp;#039; („diesen [Ring-]Kanon“). Dennoch weist das Stück Merkmale auf, die eher für den Typus des &amp;#039;&amp;#039;[[rondellus]]&amp;#039;&amp;#039; („[[Rundgesang]]“) charakteristisch sind. Vereinfachend ausgedrückt, ist der &amp;#039;&amp;#039;rondellus&amp;#039;&amp;#039; durch den simultanen Einsatz der beteiligten Stimmen gekennzeichnet, was im Sommerkanon durch die beiden &amp;#039;&amp;#039;pedes&amp;#039;&amp;#039; und die Kanonmelodie gegeben ist. Letztere wird aber durch den sukzessiven Einsatz der Stimmen zum entscheidenden Kriterium für den Typus &amp;#039;&amp;#039;rota&amp;#039;&amp;#039;. Auch Querverbindungen zu anderen Liedformen des Mittelalters werden für den Sommerkanon gelegentlich postuliert, was aber anhand der für das England des 13.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts sehr begrenzten Quellenlage – die hauptsächlich auf die [[Auflösung der englischen Klöster|Vernichtung der klösterlichen Handschriftenbestände]] unter [[Heinrich VIII. (England)|Heinrich VIII.]] zurückzuführen ist&amp;lt;ref&amp;gt;{{MGG1|Verfasser=Hugh Baillie|Lemma=Heinrich VIII.|Band=6|SpalteVon=70|SpalteBis=73|DigibibSeiteVon=33194|DigibibSeiteBis=33200}}&amp;lt;/ref&amp;gt; – kaum abschließend entschieden werden kann.&amp;lt;ref name=&amp;quot;MGG&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Text ==&lt;br /&gt;
Das Readinger Manuskript bietet zwei Texte für den Vortrag des Sommerkanons an. Die Praxis, in verschiedenen Stimmen eines polyphon gesetzten Musikstücks inhaltlich ganz verschiedene Texte – durchaus auch in unterschiedlichen Sprachen – zu singen, verbreitete sich in der [[Motette]] des späten Mittelalters und vor allem in der Renaissance. Für die „Reading rota“ wird diese Vortragsweise im Allgemeinen jedoch noch nicht angenommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Auszuschließen ist die Möglichkeit des simultanen Vortrags beider Texte jedoch nicht, s. Roscow, S. 194.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das mittelenglische &amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Transkription und Übersetzungen ====&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;toccolours centered&amp;quot; cellpadding=&amp;quot;4&amp;quot; rules=&amp;quot;cols&amp;quot;&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;text-align:center&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Mittelenglisches Original !! Modernes Englisch || Deutsch&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
: Sumer is icumen in,&lt;br /&gt;
: Lhude sing cuccu!&lt;br /&gt;
: Groweþ sed and bloweþ med&lt;br /&gt;
: And springþ þe wde nu,&lt;br /&gt;
: Sing cuccu!&lt;br /&gt;
: Awe bleteþ after lomb,&lt;br /&gt;
: Lhouþ after calue cu.&lt;br /&gt;
: Bulluc sterteþ, bucke uerteþ,&lt;br /&gt;
: Murie sing cuccu!&lt;br /&gt;
: Cuccu, cuccu, wel singes þu cuccu;&lt;br /&gt;
: Ne swik þu nauer nu.&lt;br /&gt;
: &amp;#039;&amp;#039;Pes 1:&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
:: Sing cuccu nu. Sing cuccu.&lt;br /&gt;
: &amp;#039;&amp;#039;Pes 2:&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
:: Sing cuccu. Sing cuccu nu.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
: Summer has come,&lt;br /&gt;
: Loudly sing, cuckoo!&lt;br /&gt;
: Seed grows and meadow blows&lt;br /&gt;
: And wood springs now,&lt;br /&gt;
: Sing, cuckoo!&lt;br /&gt;
: Ewe bleats after lamb,&lt;br /&gt;
: Cow lows after calf.&lt;br /&gt;
: Bullock stirs, buck farts,&lt;br /&gt;
: Merrily sing, cuckoo!&lt;br /&gt;
: Cuckoo, cuckoo, well you sing, cuckoo.&lt;br /&gt;
: Never stop now&lt;br /&gt;
: &amp;#039;&amp;#039;Pes 1:&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
:: Sing cuckoo now. Sing, cuckoo.&lt;br /&gt;
: &amp;#039;&amp;#039;Pes 2:&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
:: Sing cuckoo. Sing cuckoo now.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
: Der Sommer ist gekommen&lt;br /&gt;
: Kuckuck, singe laut!&lt;br /&gt;
: Es wächst die Saat, die Wiese grünt&lt;br /&gt;
: Und das Gehölz schlägt aus,&lt;br /&gt;
: Singe, Kuckuck!&lt;br /&gt;
: Die Aue [das Mutterschaf] blökt nach dem Lamm,&lt;br /&gt;
: Die Kuh muht nach dem Kalb.&lt;br /&gt;
: Der Ochse rührt sich, der Bock furzt&lt;br /&gt;
: Singe froh, Kuckuck!&lt;br /&gt;
: Kuckuck, Kuckuck, wie schön singst Du, Kuckuck.&lt;br /&gt;
: Nun schweige niemals mehr.&lt;br /&gt;
: &amp;#039;&amp;#039;Pes 1:&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
:: Singe nun, Kuckuck. Sing, Kuckuck.&lt;br /&gt;
: &amp;#039;&amp;#039;Pes 2:&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
:: Sing, Kuckuck. Singe nun, Kuckuck.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Probleme der Interpretation ====&lt;br /&gt;
Der mittelenglische Text des Sommerkanons wurde im Lauf der Jahrhunderte immer wieder an den Sprachwandel angepasst. Den meisten modernen Bearbeitungen ist gemeinsam, dass sie die erste Textzeile mit dem leicht archaisierenden, aber nichtsdestoweniger unmittelbar verständlichen „Summer is a-coming in“ wiedergeben. In dieser Form ist der Kanon insbesondere unter musikalischen Laien sehr bekannt. Problematisch ist hierbei, dass das mittelenglische &amp;#039;&amp;#039;sumer&amp;#039;&amp;#039; eine beträchtliche Bedeutungsverschiebung durchgemacht haben müsste, wenn der Text – der heutigen Auffassung entsprechend – als „Frühlingslied“ begriffen wird. Zur Entkräftung dieser Inkonsistenz wird vorgebracht, dass im Mittelalter der 1.&amp;amp;nbsp;Mai als Tag des Sommeranfangs angesetzt wurde, ein Datum, das nach gegenwärtiger Vorstellung noch in den mittel- und westeuropäischen Frühling fällt.&amp;lt;ref&amp;gt;Roscow, S. 189.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ferner verfälscht „a-coming“ als [[Verlaufsform]] den Sinn des mittelenglischen [[Partizip]]s &amp;#039;&amp;#039;icumen&amp;#039;&amp;#039; („gekommen“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders umstritten ist bis heute die Deutung des Teilsatzes &amp;#039;&amp;#039;bucke uerteþ&amp;#039;&amp;#039;. Dabei ist nicht nur unklar, von welchem Tier bei &amp;#039;&amp;#039;bucke&amp;#039;&amp;#039; genau die Rede ist – neben dem naheliegenden [[Ziegen]]bock werden auch [[Reh]]bock oder [[Rothirsch|Hirsch]] vorgeschlagen. Ausgesprochen kontrovers wird vielmehr die Bedeutung des Verbs &amp;#039;&amp;#039;uerteþ&amp;#039;&amp;#039; diskutiert, da die vermeintliche idyllische Schilderung der im Frühling wiederauflebenden Natur inhaltlich wie stilistisch nur schwer vereinbar scheint mit der [[Flatulenz]] eines [[Paarhufer]]-Männchens. Während manche Interpretationen folgern, &amp;#039;&amp;#039;farteth&amp;#039;&amp;#039; sei im Mittelenglischen weniger derb konnotiert gewesen als das moderne englische &amp;#039;&amp;#039;farts&amp;#039;&amp;#039; beziehungsweise das verwandte deutsche &amp;#039;&amp;#039;furzt&amp;#039;&amp;#039;, bestreiten andere überhaupt einen Zusammenhang mit dem aus dem [[Altenglische Sprache|Altenglisch]]en belegten &amp;#039;&amp;#039;feortan&amp;#039;&amp;#039; und postulieren eine Umdeutung des lateinischen Verbs &amp;#039;&amp;#039;vertere&amp;#039;&amp;#039; (im Sinne von „sich [unruhig] hin- und herbewegen“), so dass die problematische Vokabel letztlich nur ein Synonym des vorangegangenen &amp;#039;&amp;#039;sterteþ&amp;#039;&amp;#039; sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine umfassende Darstellung der Kontroverse bietet Greentree in ihrem Aufsatz.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Literarische Gattung ====&lt;br /&gt;
Die traditionelle Deutung betrachtet den englischen Text als Vertreter des literarischen Genres der &amp;#039;&amp;#039;[[reverdie]]&amp;#039;&amp;#039;. Hierbei handelt es sich um einen Gedichttypus, der das Wiederaufleben der Natur im Frühling besingt. Die &amp;#039;&amp;#039;reverdie&amp;#039;&amp;#039; stammt ursprünglich aus Frankreich, erfreute sich aber auch im mittelalterlichen England großer Beliebtheit, wovon der bekannte Beginn des &amp;#039;&amp;#039;General Prologue&amp;#039;&amp;#039; in [[Geoffrey Chaucer]]s &amp;#039;&amp;#039;[[Canterbury Tales]]&amp;#039;&amp;#039; ein spätes Zeugnis ablegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Lesart stellt den [[Idyll|idyllischen]] Aspekt in den Mittelpunkt und hat durch ihre weite Verbreitung dafür gesorgt, dass der Sommerkanon „ein Sinnbild des heiteren alten England“ &amp;#039;&amp;#039;([[Merrie England]])&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Roscow, S. 193: „&amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039; [is] … now an icon of ‚Merrie England‘“.&amp;lt;/ref&amp;gt; geworden ist. Eine derart geradlinige Auslegung scheint auch durch die Musik bestätigt zu werden, denn der in den folgenden Jahrhunderten entwickelte Typus der [[Pastorale (Instrumentalmusik)|Pastorale]] arbeitet hinsichtlich [[Tonart]] und [[Metrum (Musik)|Metrum]] mit Gestaltungsmitteln, die bereits in &amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039; nachweisbar sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Selbst [[Ludwig van Beethoven]]s &amp;#039;&amp;#039;[[6. Sinfonie (Beethoven)|Pastoral-Sinfonie]]&amp;#039;&amp;#039; steht noch in F-Dur.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen diese oberflächlich naheliegende Interpretation sind in jüngerer Vergangenheit zahlreiche Einwände angeführt worden. G. H. Roscow geht so weit, dem englischen Text einen stark ironisch gefärbten, möglicherweise sogar zynischen Umgang mit der bekannten Gattung zu unterstellen: „Es ist der falsche Vogel, die falsche Jahreszeit und die falsche Sprache für eine &amp;#039;&amp;#039;reverdie&amp;#039;&amp;#039;, sofern nicht eine ironische Aussage beabsichtigt ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;„It is the wrong bird, the wrong season, and the wrong language for a reverdie, unless an ironic meaning is intended.“, Roscow, S. 193.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roscow stützt seine Argumentation zunächst auf die Symbolik des [[Kuckuck]]s, der – wofür wiederum Chaucer in seinem &amp;#039;&amp;#039;Parliament of Fowls&amp;#039;&amp;#039; einen Anhaltspunkt bietet – als Brutparasit durchaus negativ konnotiert war; ebenso wurde der Gesang des Vogels keineswegs als fröhlich („merry“) gehört, sondern mit seinem unablässig wiederholten Zweiton-Motiv eher als banal und unschön klingend beschrieben. Hiervon ausgehend entwickelt Roscow seine Deutung des Sommerkanons als derbes [[Spottlied]] mit stark sexuellen Untertönen. Unter anderem verweist er dabei auch auf die „[[Kakophonie]] blökender Schafe, muhender Kühe und Winde fahrenlassender Böcke … der Kuckuck müsste in der Tat laut singen, um dagegen anzukommen“.&amp;lt;ref&amp;gt;„Amidst the cacophony of ewes bleating, cows lowing, and bucks breaking wind … the cuckoo would need to sing &amp;#039;&amp;#039;lhude&amp;#039;&amp;#039; indeed to be heard above the din.“ Roscow, S. 195.&amp;lt;/ref&amp;gt; Roscow kann sich dabei nicht nur auf den geschriebenen Text berufen: In klingender Musik sind die jeweiligen Satzfetzen, die die verschiedenen Tierlaute schildern, praktisch gleichzeitig zu hören, sobald alle sechs Stimmen im Kanon singen, und der komisch-satirische Effekt dieses Höreindrucks ist kaum von der Hand zu weisen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Hillier&amp;quot;&amp;gt;Paul Hillier: &amp;#039;&amp;#039;The Hilliard Ensemble: Sumer is icumen in. Medieval English songs.&amp;#039;&amp;#039; (Liner Notes), Harmonia Mundi, HMA 195 1154, Arles 2002&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das lateinische &amp;#039;&amp;#039;Perspice christicola&amp;#039;&amp;#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;toccolours centered&amp;quot; cellpadding=&amp;quot;4&amp;quot; rules=&amp;quot;cols&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Mittellateinisches Original || Deutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
: Perspice christicola&lt;br /&gt;
: que dignacio&lt;br /&gt;
: Celicus agricola&lt;br /&gt;
: pro uitis vicio&lt;br /&gt;
: Filio non parcens&lt;br /&gt;
: exposuit mortis exicio&lt;br /&gt;
: Qui captiuos semiuiuos&lt;br /&gt;
: a supplicio vite donat&lt;br /&gt;
: et secum coronat&lt;br /&gt;
: in celi solio&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
: Erkenne, Christenmensch,&lt;br /&gt;
: welche Würdigung!&lt;br /&gt;
: Der himmlische Winzer&lt;br /&gt;
: setzt um der Fehler des Weinstocks willen&lt;br /&gt;
: seinen Sohn schonungslos&lt;br /&gt;
: der Vernichtung im Tode aus.&lt;br /&gt;
: Der den halbtoten Gefangenen&lt;br /&gt;
: durch die eigene Hinrichtung das Leben schenkt&lt;br /&gt;
: und zusammen mit ihm&lt;br /&gt;
: auf dem Thron des Himmels krönt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im lateinischen Text erscheint das Wort &amp;#039;&amp;#039;christicola&amp;#039;&amp;#039; abgekürzt in der Form &amp;#039;&amp;#039;χρicola&amp;#039;&amp;#039;. Die ersten beiden Buchstaben sind die griechischen [[Chi]] und [[Rho]], aus denen traditionell das [[Christusmonogramm]] zusammengesetzt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf nimmt der Text Bezug auf die [[Kreuzigung Jesu]], und in dieser Anspielung auf das [[Ostern|Osterfest]] wollen einige Musikwissenschaftler&amp;lt;ref&amp;gt;Francis Llewellyn Harrison in MMB, 1963, S. 98.&amp;lt;/ref&amp;gt; einen Zusammenhang zur Frühlingsthematik des weltlichen Texts erkennen. Darüber hinaus scheinen die beiden Texte aber inhaltlich und formal weitgehend unabhängig zu sein. Insbesondere fällt auf, dass &amp;#039;&amp;#039;Perspice christicola&amp;#039;&amp;#039; häufig nicht mit dem [[Trochäisches Versmaß|trochäischen Versmaß]] von &amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039; beziehungsweise dem entsprechenden rhythmischen Modell der Kanonmelodie (lang-kurz, &amp;#039;&amp;#039;Longa-Brevis&amp;#039;&amp;#039;) übereinstimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Person und Intention des Verfassers bleiben unklar, und Ernest Sanders geht, in diesem Punkt früheren Interpreten folgend,&amp;lt;ref&amp;gt;Hurry, S. 13&amp;lt;/ref&amp;gt; so weit, in &amp;#039;&amp;#039;Perspice christicola&amp;#039;&amp;#039; einen nachträglichen Einfall zu vermuten, der lediglich dazu diene, die Aufnahme des Sommerkanons in die Handschrift religiös zu verbrämen.&amp;lt;ref&amp;gt;„It seems to have been an afterthought […] added in order to make the composition fit for the inclusion in the manuscript.“ Sanders, Grove, S. 707.&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben Fragen der mangelhaften sprachlichen und literarischen Qualität des lateinischen Texts führt Sanders zugunsten seiner These ins Feld, dass er keine eigenständigen Worte für die beiden &amp;#039;&amp;#039;pes&amp;#039;&amp;#039;-Melodien bietet.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei den (vergleichsweise seltenen) Aufführungen des Kanons mit lateinischem Text wird die Pes-Melodie in der Regel mit passenden Worten vorgetragen, im Falle der Einspielung des [[The Hilliard Ensemble|Hilliard Ensemble]]s (siehe Literaturangaben) zum Beispiel der Satz &amp;#039;&amp;#039;Resurrexit Dominus&amp;#039;&amp;#039; („Der Herr ist auferstanden“).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rezeption ==&lt;br /&gt;
=== Zitat und Parodie ===&lt;br /&gt;
In seinem Heimatland und darüber hinaus einem großen Teil der englischsprachigen Welt gilt der Sommerkanon trotz seiner „gebildeten“, wenn auch anonymen, Herkunft als [[Volkslied]]. Er wird auch in anderssprachigen Ländern gerne im Englisch- oder Musikunterricht gelehrt und ist mittlerweile weltweit zu dem von Roscow beschriebenen „Sinnbild des &amp;#039;&amp;#039;Merrie England&amp;#039;&amp;#039;“ geworden. Das im Laufe des 20. Jahrhunderts stetig wachsende Interesse von Interpreten und Publikum an [[Alte Musik|Alter Musik]] sowie die [[Folk]]-Bewegung der 1960er- und 70er-Jahre haben zu dieser Verbreitung das Ihre beigetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gängige tradierte Deutung des Stücks als heiter-unbeschwertes Frühlingslied wird dabei allgemein als selbstverständlich betrachtet, die weiter oben geschilderten philologischen und musikwissenschaftlichen Erwägungen spielen also in der Wahrnehmung des breiten Publikums so gut wie keine Rolle. Selbst parodistische Bearbeitungen, wie zum Beispiel die in [[Ezra Pound]]s &amp;#039;&amp;#039;Ancient Music&amp;#039;&amp;#039; (1902), ziehen ihre Schärfe aus dem Kontrast zur vermeintlich unschuldigen Naivität des Originaltexts. Pounds Text beklagt die Unbilden der kalten Jahreszeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;toccolours centered&amp;quot; cellpadding=&amp;quot;4&amp;quot; rules=&amp;quot;cols&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Winter is icummen in,&lt;br /&gt;
Lhude sing Goddamm.&lt;br /&gt;
Raineth drop and staineth slop,&lt;br /&gt;
And how the wind doth ramm!&lt;br /&gt;
Sing: Goddamm.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Winter ist gekommen nun,&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Sing laut „Gottverdammt!“.&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Regnet Tropfen, schmutzet Matsch,&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Und wie der Wind bläst klamm!&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Sing: „Verdammt!“.&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Benjamin Britten]] zitiert die Melodie der &amp;#039;&amp;#039;Reading rota&amp;#039;&amp;#039; – jedoch ohne den kanonischen Stimmtausch – für die Passage höchster metrischer und instrumentatorischer Komplexität im Finale („London, to thee I do present“) seiner &amp;#039;&amp;#039;Spring Symphony&amp;#039;&amp;#039; op. 44 (1949): „[...] kept in motion by a rousing waltz tune upon which is projected, in a climactic peroration, the famous &amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039; cast in duple time, presumably in response to the then recently published but mistaken arguments of a leading medievalist, Manfred Bukofzer, on the basis of his inaccurate re-dating of the Summer Canon.&amp;lt;ref&amp;gt;Brett, &amp;#039;&amp;#039;Spring Symphony&amp;#039;&amp;#039;, S.&amp;amp;nbsp;10.&amp;lt;/ref&amp;gt;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das [[Musical]] &amp;#039;&amp;#039;Jack in the Country&amp;#039;&amp;#039; verfassten [[Alec Wilder]] und [[Marshall Baner]] den Song &amp;#039;&amp;#039;Summer is a-comin&amp;#039; in&amp;#039;&amp;#039;, der in einer Einspielung [[Nat King Cole]]s von 1963 bekannt wurde. Baners Text greift – insbesondere für die Eröffnungsstrophe – auf die mittelalterlichen Verse zurück und entwickelt diese dann zu einer idyllischen Schilderung des Frühsommers weiter, die der Vorstellung des amerikanischen Hörers um die Mitte des 20. Jahrhunderts stärker entgegenkommt. Dagegen findet die Kanonform kein Echo in Wilders Komposition, die sich in den Konventionen der im Broadway-Theater bevorzugten [[Liedform|Songs]] bewegt und auch in ihrer Melodieführung nur sehr entfernt an die bekannte Vorlage erinnert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der deutsche Komponist [[Carl Orff]] fertigte 1972 unter dem Titel &amp;#039;&amp;#039;Rota&amp;#039;&amp;#039; eine Bearbeitung des Sommerkanons für [[Knabenchor]] und Instrumentalensemble an. Das Auftragswerk wurde für die Eröffnungsfeier der [[Olympische Sommerspiele 1972|XX. Olympischen Sommerspiele]] verfasst und am 26. August 1972 unter Mitwirkung des [[Tölzer Knabenchor]]s im [[Olympiastadion München|Münchener Olympiastadion]] uraufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Als Vorläufer späterer musikalischer Entwicklungen ===&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039; wirkt aufgrund der „launenhaften Glückszufälle der Überlieferung“ wie ein isolierter und singulärer Sonderfall in der Musikgeschichte des ausgehenden Mittelalters. Erst weit im 14.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert und später finden sich wieder Kompositionen weltlicher Musik, die auf vergleichbar komplexem Niveau gearbeitet sind und wie der Sommerkanon als „tonale Organismen, sowohl in klanglicher wie in melodischer Hinsicht … bezeichnet werden müssen“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Sanders&amp;quot; /&amp;gt; Dennoch wird angenommen, dass dieser Eindruck der ausgesprochen schlechten Quellenlage geschuldet ist und das Stück eher ein starkes Indiz für eine bereits vor seiner Komposition bestehende, hochentwickelte Musikkultur darstellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;MGG&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;Hillier&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* {{MGG2|Verfasser=Peter Cahn|Lemma=Kanon|Band=S4|SpalteVon=1682|SpalteBis=1683|ID=mgg15548}}&lt;br /&gt;
* Rosemary Greentree: &amp;#039;&amp;#039;Anonymous&amp;#039;s Cuckoo Song&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;The Explicator&amp;#039;&amp;#039; 61:4, 2003. S. 194&amp;amp;nbsp;ff.&lt;br /&gt;
* Paul Hillier: &amp;#039;&amp;#039;The Hilliard Ensemble: Sumer is icumen in. Medieval English songs.&amp;#039;&amp;#039; (Liner Notes), Harmonia Mundi, HMA 195 1154, Arles 2002&lt;br /&gt;
* Jamieson Boyd Hurry:  &amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039;, Novello &amp;amp; Co., London 1914 ([https://imslp.org/wiki/Sumer_is_icumen_in_%28Anonymous%29 Digitalisat online]).&lt;br /&gt;
* G. H. Roscow: &amp;#039;&amp;#039;„What is sumer is icumen in“?&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;The Review of English Studies&amp;#039;&amp;#039; 50:198, 1999. S. 188&amp;amp;nbsp;ff.&lt;br /&gt;
* Ernest H. Sanders: Art. &amp;#039;&amp;#039;Sumer is icumen in&amp;#039;&amp;#039;. In: [[Stanley Sadie]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;[[Grove Dictionary of Music and Musicians]]&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 24, Macmillan, London 2002, ISBN 0-333-60800-3, S. 707&amp;amp;nbsp;f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Sumer Is Icumen In}}&lt;br /&gt;
* {{ChoralWiki|Sumer_is_icumen_in_(Anonymous)}}&lt;br /&gt;
* {{IMSLP2|id=Sumer is icumen in (Anonymous)|cname=Sumer is icumen in}}&lt;br /&gt;
* {{YouTube|id=sMCA9nYnLWo|title=Sumer is Icumen in (The Hilliard Ensemble)}}&lt;br /&gt;
* [http://www-personal.umich.edu/~msmiller/sumercanon.html Zur Einstudierung des Kanons mit mehreren Sängern und zur Aussprache des Mittelenglischen]&lt;br /&gt;
* [http://www.soton.ac.uk/~wpwt/harl978/sumerms.htm#How%20to%20sing%20karaoke Praktische Unterweisung im Karaoke-Vortrag des Kanons aus der Original-Handschrift]&lt;br /&gt;
* {{Grove Music Online|27110|Lisa Colton|Sumer is icumen in}}&lt;br /&gt;
* Carl Orff: {{YouTube|id=3uKlDSf-eNQ|title=Rota (Tölzer Knabenchor)}}: Bearbeitung für den &amp;#039;&amp;#039;Gruß der Jugend&amp;#039;&amp;#039; bei den Olympischen Sommerspielen 1972 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Exzellent|25. Januar 2010|69740122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Musik des Mittelalters]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literatur (Mittelenglisch)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literatur (Mittellatein)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Handschrift der British Library (London)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kanon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Der wahre Jakob</name></author>
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